Helmuth von Moltke
Unter dem Halbmond
Helmuth von Moltke

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49.
Desertionen

Asbusu bei Malatia, den 23. September 1838

Vorgestern Abend traf ein Aga Heyder-Paschas beim Pascha ein, der ihm eilig auf Tscherkessisch eine Meldung machte, deren Eindruck der Alte nicht ganz verbergen konnte; er blieb jedoch sitzen, bis die Anwesenden sich zurückzogen. Da ich hörte, dass der Pascha sein Pferd forderte, so ließ ich sogleich auch satteln und begleitete den Herrn; unterwegs sagte er mir, dass 180 Mann von den Marascher Rediffs oder Landwehr desertiert seien, dass mehrere Offiziere mitgegangen wären und dass die Leute die Gewehre mitgenommen hätten. Es wurde nun sogleich Befehl zum Aufsitzen an die gesamte Kavallerie in die Dörfer geschickt und ein halber Beutel für jeden Gefangenen zugesagt und da die Flüchtlinge ihre Richtung auf die Bey-Daghler genommen, so machten wir selbst eine Rekogniszierung in jener Richtung. Es war Neumond, aber die Sterne leuchten hier so hell, dass man ziemlich weit sieht; nachdem wir unsere Agas nach verschiedenen Seiten ausgeschickt hatten und ich fast allein mit dem Pascha und dem Diwan-Effendi übrig war, setzten wir uns in ein Distelfeld und rauchten harmlos eine Pfeife. Nachdem die Geschichte zu Ende war und der Morgen dämmerte, ritten wir friedlich nach Hause. Fünfzehn der Flüchtlinge sind schon aufgegriffen, sie werden einige hundert Prügel auf die Fußsohle bekommen.


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