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Drittes Kapitel.

Führe uns nicht in Versuchung!

 

Der schönste Komet, den ich jemals gesehen, war der im Jahre 1858. Volle zwei Wochen war er am Himmel zu zu sehen, vom 1. bis 15. Oktober; während dieser Zeit war das Wetter andauernd heiter; kein Wölkchen trübte den Himmel. Inzwischen näherte sich der Komet immer mehr der Erde und ward immer größer; die Form des Kometen glich vollständig der eines Türkensäbels; zuletzt war er sogar am hellen Tage sichtbar.

Ich habe guten Grund, mich dieses Kometen sehr genau zu erinnern. Im September jenes Jahres bekam ich eine Lungenblutung – ein unheilverkündendes Symptom bei einem jungen Manne.

Unser Hausarzt, Dr. Andreas Kovács-Sebestyén seligen Angedenkens, sagte: »Du bedarfst keinerlei Arznei, sondern geh' auf Reisen und enthalte dich des Weibes.«

Ich befolgte seine Weisung und unternahm zu Beginn des Herbstes eine kühne Tour, d. h. ich gedachte Siebenbürgen zu Pferde zu bereisen. Mein guter alter Freund Gabriel Török, der während des Freiheitskampfes als Regierungskommissär gewirkt hatte, und dessen beide Söhne waren meine Führer. Diese Herren hatten das herrliche Land schon wiederholt bereist. Vierzehn Tage hindurch saß ich täglich fünf bis sechs Stunden im Sattel, so ging's stellenweise durch unwegsame Wälder, über steile Berghänge hinauf und hinab, durch Flüsse und Gebirgsbäche watend. Oft genug kam es vor, daß wir am Abend in denselben Juchtenstiefeln, die wir unterwegs anhatten, auf einem Balle tanzten. Nicht selten ließen wir uns unterwegs auf dem reifbelegten Grase nieder, um uns mit einem Stück Speck und einem Schluck Branntwein zu stärken. Das nenne ich eine Radikalkur gegen die Lungenblutung, mir wenigstens hat sie geholfen.

Mit meiner Reisegesellschaft, die schließlich auf zehn Köpfe anwuchs, bereiste ich das Biharer Gebirge und fand das Felsengrab, in welchem mein teurer Freund Paul Vasváry ruht, der eines Heldentodes gestorben. Ich war im ungarischen Kalifornien, in den Goldgruben von Abrudbánya und Verespatak; ich malte die Detonata, diesen wunderherrlichen Basaltberg, eine geologische Formation, wie sie interessanter kaum mehr vorkommt; ich war im » Csetátye máre«, diesem wunderbaren Überbleibsel der Römerherrschaft; es war ein Riesenberg, in dessen Eingeweiden das Golderz gedieh und welcher durch ein geknechtetes Volk vollständig ausgehöhlt worden. Und als sie noch tiefere Schachte anlegen wollten, stürzte der hohle Berg über Sklaven und Sklavenhaltern zusammen und begrub allesamt unter seinen Trümmern. Und jetzt gähnt hier der Schlund gleich einem Kreisberge aus dem Monde.

Während dieser Reise, die so liebe Erinnerungen in mir zurückgelassen, war jener wunderbare Komet mein stetiger Begleiter.

Das Ergebnis der Reise war, daß ich mit gesunden Lungen heimkehrte. Dem Kometen aber entlieh ich die Idee, ein humoristisches Blatt zu gründen, das den Titel »Der Komet« ( Üstökös) führen sollte. Dieser Einfall gab mir fünfundzwanzig Jahre lang zu thun.

Das Blatt war zu jener Zeit von großem Einfluß. Bei der vorhergängigen und nachträglichen Censur ein wahres Wort, ein ermutigendes Wort zu schreiben, war nur in versifizierter oder anekdotischer Form möglich. Zuweilen genügte auch ein Druckfehler. Zum Beispiel auf die Frage: » Mit csináljon most a magyar ember?« (»Was soll der Ungar jetzt thun?«) war die Antwort: » Várjon és türjön.« (»Er soll warten und dulden.«) Aber aus dem » türjön« wurde infolge eines Druckfehlers » Türr jön.« (»Türr kommt.«) Die Ergänzung dazu bildete das allenthalben im Lande gesungene Volkslied: » Hozz Türr Pista puskát!« (»Türr bringt uns Gewehre.«)

Der Komet hatte übrigens noch eine andere Bedeutung Der Volksglaube prophezeite daraus Krieg.

Der Krieg war damals das Gebet aller.

Und das folgende Jahr brachte in der That den Krieg.

Die historische Neujahrsrede Napoleons III. sagte das Verhängnis des Jahres voraus.

Eines Tages erhielt ich wieder den Besuch des Oberlieutenants, der noch immer mein Mündel war. Sein Antlitz strahlte in Wonne.

»Freund, leb' wohl!«

Ein merkwürdiger Anfang.

»Wie? Hast du etwa schon das Avancement in der Tasche?«

»Nein, aber den Marschbefehl. Unser Regiment geht nach der Lombardei und von dort weiter. Wir bekommen Krieg mit Italien. Aber sag's niemandem; es ist Staatsgeheimnis.«

»Ich weiß es längst.«

»Woher?«

»Vom Polizeichef selbst. Eines Tages ließ er die Redakteure sämtlicher Budapester Zeitungen zu sich berufen und gebot ihnen streng, über die Vorbereitungen zu dem bevorstehenden Feldzuge nicht ein Wort zu veröffentlichen. So haben wir aus der glaubwürdigsten Quelle Nachricht von dem Kriege.«

»Nun, das hätte er klüger anfangen können.«

»Wohin soll ich künftig die Briefe adressieren, die ich euch schreiben will?«

»Nirgends hin. Erzsike bleibt hier. Niemand darf die Frau mitnehmen, selbst der Oberst nicht. Ich selbst werde genügend versorgt sein, da wir von dem Tage angefangen, an welchem wir auf Kriegsfuß gesetzt werden, die doppelte Gage beziehen. Du kannst demnach Erzsike die Zinsen ihres Kapitals unmittelbar übergeben.«

»Ich werde ihr sie übersenden

»Ich sagte: ›übergieb sie ihr.‹ Bring' ihr das Geld persönlich.«

»Mich ehrt dein Vertrauen sehr.«

»Es ist mehr als Vertrauen. Ich wünsche, daß du während meiner Abwesenheit sie täglich besuchest, dich bei ihr heimisch fühlest!«

»Ei der Tausend! Hältst du mich denn wirklich für einen so mattherzigen Tolpatsch, dem man eine schöne Frau ganz unbedenklich anvertrauen kann?«

» Au contraire! Ich bin des Gegenteils sicher. Ich weiß, daß in solchen Dingen die Ehrenhaftigkeit nichts gilt; Diskretion ist alles was man von seinem guten Freunde erwarten darf. Ich bin von allem sehr gut unterrichtet. Meine Frau hat mir alles gebeichtet: die Bretterbude auf der Donauinsel, den Besuch in dem Hofzimmer, die Begegnung am Heidenaltar ... Hehehe! Alle Umstände sind uns genau bekannt!«

Unerhört, daß eine schöne Frau Blague treibe!

»Aber, lieber Kamerad, auf Ehre ...«

»Hier ist von der Ehre nicht die Rede. Du warst in sie verliebt und wer einmal Erzsike geliebt hat, kann ihrer nimmer vergessen. Jupiter war der Obergott und der Gemahl des schönsten Weibes und hat dennoch die zehn Gebote nicht eingehalten. Es ist besser, wenn wir einander reinen Wein einschenken.«

»Aber, ich wiederhole, daß ich dir überhaupt keinen Wein einschenke.«

»Larifari, wir kennen das schon. Erzsike hält alle Welt zum besten, treibt mit ihren Verehrern Spott und du bist der einzige, von dem sie mit Bewunderung spricht. Wenn dein Name genannt wird, seufzt sie tief auf und spricht; ›Ich hätte die Seinige werden können!‹«

»Dies beweist am besten, daß es zwischen uns nur platonische Beziehungen gegeben.«

»Das giebst du nicht übel. Mir gefällt an dir eben das am besten, daß du deinen Standpunkt mit so großem Ernste aufrecht zu halten weißt. Ein anderer in deiner Lage würde sich seiner › bonne fortune‹ rühmen; du aber verleugnest sie in edelmütiger Weise und kompromittierst niemanden. Das ist dein Vorzug vor allen meinen guten Freunden. Lieber will ich sie dir anvertrauen, als wem immer sonst.«

»Du mußt sie sich selbst anvertrauen und so das Gefühl der ehelichen Treue in ihr erhalten. Schreibe ihr jeden Tag aus dem Feldlager.«

»Ach, mein Freund, der Brief genügt nicht. Es ist auch nicht gut möglich, dort zu skribeln und zu schwärmen. Erzsike gehört auch nicht zu den sentimentalen Frauen. Du weißt, wie viel Temperament sie hat ...«

»Nein, ich weiß es nicht.«

»Ich aber weiß es sicher, daß sie mir untreu wird, so wie ich ihr den Rücken gekehrt haben werde. Das ist ihr von Natur gegeben, wie mir das Dreinschlagen und dir das Reimeschmieden. Wenn ich einen Tag nicht zu Pferde sitzen kann, bin ich krank; wenn du einen Tag keinen Roman dichtest, bist du krank; wenn man einer schönen Frau einen Tag nicht den Hof macht, bekommt sie die Migräne. Gieb mir die Hand, daß du in meiner Abwesenheit Erzsike besuchen und trösten wirst.«

Und es traten ihm wahrhaftig die Thränen in die Augen.

Nun, das ist wieder eine Situation, wie sie gewiß noch kein Leser in einem Roman gefunden hat. Der geehrte Leser wird vielleicht noch glauben wollen, daß ein Gatte, der im Begriffe steht, in den Krieg zu ziehen, mit aller Gewalt seinen guten Freund dazu bewegen will, in seiner Abwesenheit seine wunderschöne Frau zu trösten; daß aber der gute Freund gegen diese ungeheure Ehre sich mit Händen und Füßen sträubt: dazu ein gläubiges Publikum zu finden, wird wohl sehr schwer halten.

»Mein Freund,« sprach endlich Klatopil, sich die Thränen aus den Augen wischend und meine Rechte festhaltend, »du weißt, wir gehen jetzt nach Italien. Lauter brave Kavallerie: Dragoner und Ulanen; die Husaren stehen schon unten. Statt unser kommen Freiwillige in die Garnison. Das sind die Spechte mit roten Peluchekrägen. Während unserer Abwesenheit werden diese hier grassieren. Wenn mir die Schmach beschieden wäre, daß ein solcher rotverbrämter Cichorienhusar meinen Platz einnimmt, wäre ich imstande, zuerst meine Frau, dann mich selbst zu erschießen. Du wirst es nicht geschehen lassen, nicht wahr, daß irgend ein gefülltes Kraut fressender, schürzenjagender Jesus-Maria-Husarenlieutenant mich in meinem Familienheiligtum zu Schanden mache. Wenn ein solcher Kakadu im Vorzimmer deinen mit Astrachan verbrämten Pelz mit diesen großen Chalcedonknöpfen sehen wird, da wird er dermaßen erschrecken, daß er sofort Fersengeld nimmt!«

Helles Gelächter beschloß dann diese Unterredung.

Wir nahmen herzlichen Abschied voneinander und Klatopil zog mit den schönsten Hoffnungen erfüllt zur Ruhmeslaufbahn aus, die ihm Ehren und Beförderung verhieß.

Alle Welt lauschte mit gespanntestem Interesse den vom Kriegsschauplatze kommenden Nachrichten.

Diese Abschiedsscene fand Ende April statt.

An einem Maitage brachten die Amtsblätter einen kurzen Bericht über die Schlacht bei Montebello. Es war kein eigentliches Treffen, sondern nur eine forcierte Rekognoscierung von österreichischer Seite, mit einem aus verschiedenen Waffengattungen kombinierten Truppendetachement. Die Österreicher sowohl wie die Franzosen schlugen sich tapfer. Weitere Details waren in dem amtlichen Kommuniqué nicht enthalten.

»Ich aber erhielt, dank der Gefälligkeit eines Kuriers, den man vom Kriegsschauplatz an das Ofner Militärkommando gesandt hatte, einen Privatbrief von Klatopil aus dem Feldlager.

Der Brief lautete:

»Mein lieber Freund!

Ich schreibe in aller Eile nach dem Treffen. Unser ganzes Regiment war im Feuer. Wir haben die französischen Chasseurs in die Flucht gejagt und bis Montebello verfolgt. Ich bin an der Stirne leicht verwundet worden, was mich aber nicht hindert, weiter zu kämpfen. Der Oberkommandant hat mich sogleich zum Kapitän ernannt und vor der Front belobt. Teile diese Freudennachricht meiner lieben Frau mit. Ihr kann ich nicht schreiben. Tausend Küsse euch beiden.

Wenzel Klatopil, Rittmeister«

Er gab auch noch eine Nachschrift.

»Zeige niemanden diesen Brief und gieb ihn nicht aus der Hand; sobald du ihn gelesen hast, vernichte ihn; denn wenn dieser Brief gefunden wird, stürzest du mich ins größte Malheur, weil wir hier aus dem Feldlager absolut keinen Brief schreiben dürfen. Dies ist auch der Grund, weshalb ich diesen Brief an dich und nicht an meine Frau adressiert habe. Deiner Diskretion bin ich sicher, während meine Frau sich mit demselben brüsten würde. Verbrenne den Brief sofort.

W. K.«

Dieser Brief macht es mir geradehin zur Pflicht, Erzsike zu besuchen; denn diese Nachricht darf ich ihr nur mündlich mitteilen.

Ich könnte auch so vorgehen, daß ich den Brief Klatopils vernichte und dann meinerseits ihr brieflich den wesentlichen Inhalt desselben mitteile; dann würde sie aber meinen Brief aller Welt zeigen und das Malheur wäre ebenfalls fertig.

Gehe ich am hellen Tage zu ihr, so sieht mich jedermann. Ich kann nicht inkognito umhergehen, denn mich kennt man wie schlechtes Geld. Überdies war eben in der neuesten Zeit die ungarische Nationaltracht in die Mode gekommen. Wer sie trägt, dem ruft man auf der Straße seinen Namen nach. Es ist ein Jammer, wenn man einem überall »Eljen!« zuruft, so daß man der Ovation gar nicht entrinnen kann. Nur Geduld, Brüderchen; auch diese Medaille hat zwei Seiten.
M. J. der Ältere. 1889.

Gehe ich aber in den Abendstunden zu Erzsike, wenn die Gaslaternen angezündet werden »und« finster wird, – dann ist's noch schlimmer.

Es gehört doch sicherlich zu den unglaublichsten Absurditäten, daß nicht von einem Fenster des der Wohnung Erzsikes gegenüber gelegenen Hauses eine oder die andere Nachbarin mit ausdauernder Neugierde spähe, wer zum Thor hineingeht? Und wenn eine mich sieht, weiß es morgen das ganze Theater.

Ein Ehemann, der ein gutes Gewissen hat (es giebt auch solche), wird in einem ähnlichen Falle mit ruhiger Miene vor seine Frau hintreten und ihr offen und aufrichtig ankündigen: »Mein liebes Frauchen! Ich habe bei dieser und dieser Dame einen mir ganz und gar nicht angenehmen Besuch zu machen. Ich thue dies nur ungern und es wäre mir am liebsten, wenn du mich dahin begleiten wolltest.« Daraufhin wird die Frau natürlich großmütig sein und sagen: »Mein liebes Kind! Geh' nur allein hin; du weißt, ich bin nicht eifersüchtig.«

Allein, meine Frau absolvierte eben damals ein Gastspiel in Szegedin und sollte erst nach einer Woche zurückkehren.

Dies ist noch ein erschwerender Umstand bei dem eventuellen Besuch.

Wie ich so mit mir selber zu Rate ging, erschien ein nettes Dienstmädchen bei mir und zog aus dem Handkorbe, welches den Einkauf für den Mittagstisch enthielt, ein Briefchen hervor. Sie blickte vorsichtig umher und reichte mir dann das Billet. – Es duftete – vom Grünzeug, unter dem es versteckt gelegen.

An der Adresse erkannte ich die Handschrift Erzsikes.

Ich erbrach den Brief und las ihn.

Die Magd stand indes noch immer da. Endlich ward sie des Wartens überdrüssig und sagte:

»Ich bitte um Antwort.«

»Ach so! Sie sind auch da?«

Ich las das Billet noch einmal. Dasselbe lautete:

»Mein lieber Vormund!

Ich hätte Ihnen etwas sehr Ernstes mitzuteilen und bitte Sie daher, mich zu besuchen. Da Ihre Frau Gemahlin jetzt auf ein Gastspiel abwesend ist, könnten Sie vielleicht heute bei mir zu Mittag essen. Wir werden allein sein.

Erzsike

Die Begründung ist das Seltsamste bei dieser Einladung. »Da Ihre Frau Gemahlin jetzt auf ein Gastspiel abwesend ist ... Nun, diesen Umstand kann sie ja aus den » Fövárosi Lapok« »Hauptstädtische Blätter,« eines der ältesten ungarischen Tagesjournale und beschäftigt sich ausschließlich mit Belletristik und Kunst.
Anmerkung des Herausgebers.
erfahren haben. Aber der Schluß: »... könnten Sie vielleicht heute bei mir zu Mittag essen.« Dann weiter: »Wir werden allein sein.«

Wenn das keine Versuchung ist!

Unschlüssig ging ich im Zimmer hin und her.

Die Magd wartete noch immer, ob ich endlich gezählt habe, wie viele Schritte es vom Fenster bis zur Thür sei? Endlich drängte sie mich zur Entscheidung.

»Bitte, ich muß noch das Mittagessen bereiten.«

»Ach ja! Ich lasse mich der gnädigen Frau empfehlen und ich werde vormittags kommen.«

»Aber ich muß wissen, ob Sie zum Mittagmahl kommen weil ich mich beim Kochen danach einrichten muß.«

»Gut denn: ich werde zum Mittagessen kommen.«

Im Hause Erzsikes scheint man es auch so zu halten, daß die Hausfrau sechs Tage in der Woche Schmalhans Küchenmeister sein läßt, um dann an ihrem jour fixe vor ihren Gästen Staat zu machen.

Ich bin nun mitten drin in der Gefahr!

Diese Einladung konnte ich unmöglich ablehnen.

»Eine ernste Sache!« – Ach ja, sehr ernst.

Ein Ideal meiner Jugendjahre! – Und sie ist jetzt schöner denn je. Und sie ist verheiratet, an einen sehr wackern, guten Mann verheiratet, der nicht nur nicht eifersüchtig ist, sondern mich geradezu beauftragt, seine trauernde Gattin zu trösten. Und ich gehöre nicht zum Orden der Anachoreten, die ihre Kutte mit Ameisen füllen, um durch diese die bösen Triebe ihres Leibes zu töten.

Ich gebe zu, daß ich so schlecht bin, wie jeder andere. Darum führe man mich nicht in Versuchung, denn ich könnte erliegen.

Ich machte große Toilette, legte meine kaffeebraune Attila mit antiken Knöpfen an, dazu eine gestickte Krawatte, Kordovanstiefel mit silbernen Sporen, und steckte eine Kranichfeder an meinen neuen runden Hut. Ein silberner »Fokos« mit einem messingdrahtbeschlagenen Stiele ergänzte diese Toilette.

Dies war die kühne Mode jenes Jahres und nach Verlauf eines Jahres war sie im ganzen Lande verbreitet.

Dann ging ich noch zum Friseur, um mein reiches, blondes Haar kräuseln zu lassen. – Lauter erschwerende Umstände!


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