Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Einunddreißigstes Kapitel

Als Dinny sich vom Lächeln erholt hatte, merkte sie, daß ihr Onkel Hilary sie belustigt ansah.

«Können wir jetzt gehn, Onkel Hilary?»

«Ja, gehn wir, eh du dem Obmann den Kopf völlig verdreht hast.»

Draußen in der feuchten Oktoberluft – es war ein richtiger englischer Herbsttag – schlug Dinny vor: «Onkel Hilary, sollen wir nicht ein wenig Luft schnappen gehn? Ich möchte den Geruch des Totenschau-Gerichts loswerden.»

In flottem Tempo wanderten sie in der Richtung des Meers.

«Wie haben denn die Aussagen vor mir gelautet?» fragte Dinny, «ich bin furchtbar gespannt. Hat sich irgendein Widerspruch ergeben?»

«Nein. Schon durch Angelas Aussage erfuhr man, daß Forest aus der Irrenanstalt heimgekommen war, der Vorsitzende ging mit ihr in schonender Weise um. Zum Glück wurde ich vor Adrian vernommen; seine Aussage war nur eine Wiederholung der meinen und rief nicht den leisesten Argwohn wach. Die Journalisten tun mir leid, die sind nicht auf ihre Rechnung gekommen. Die Geschwornen vermeiden übrigens nach Möglichkeit das landläufige Urteil, es liege Irrsinn oder Selbstmord vor. Auch weiß man ja wirklich nicht, was mit dem armen Forest in letzter Minute geschehn ist. Er kann ganz gut über den Hang gestürzt sein, es war bereits so dunkel, daß man kaum einen Schritt vor sich sah.»

«Glaubst du das wirklich, Onkel?»

Hilary schüttelte den Kopf. «Nein, Dinny. Er hatte es wohl schon während der ganzen Wanderung geplant, und jene Stelle lag seinem Vaterhaus am nächsten. Und wenn ich auch der Meinung bin, so weit hätte es nicht kommen dürfen, müssen wir doch Gott danken, daß Forest es tat und nun in Frieden ruht.»

«Freilich, freilich! Was wird jetzt aus Angela und Onkel Adrian?»

Hilary stopfte die Pfeife und blieb stehn, sie anzuzünden. «Liebe Dinny, ich hab Adrian einen Rat gegeben. Ich weiß nicht, ob er ihn befolgen wird; aber vielleicht kannst du bei Gelegenheit drauf hinarbeiten. Nun hat er schon so viele Jahre gewartet, am besten, er wartet noch eins.»

«Onkel, da geb ich dir vollkommen recht.»

«So?» rief Hilary überrascht.

«Jawohl. Angela kann jetzt ganz einfach nicht an ihn denken, man muß sie in Ruhe lassen. Vorläufig soll sie nur sich und den Kindern leben.»

«Ich frage mich», sagte Hilary, «ob man nicht irgendeine Expedition nach alten Gebeinen in die Wege leiten könnte, die ihn ein Jahr lang von England fernhielte.»

«Hallorsen!» rief Dinny und klatschte in die Hände. «Er unternimmt wieder eine Forschungsreise und hat Onkel Adrian so gern.»

«Bravo! Wird er ihn aber mitnehmen wollen?»

«Wenn ich ihn drum bitte!» erklärte Dinny schlicht.

Hilary sah sie wieder belustigt an. «Du bist ja eine gefährliche Sirene! Die Vorgesetzten werden Adrian höchstwahrscheinlich den Urlaub bewilligen, ich kann ihnen den alten Shropshire und Lawrence auf den Hals hetzen. Wir müssen jetzt umkehren, Dinny. Ich will den Zug noch erreichen. Schade, hier ist die Luft viel besser. Aber Sankt Augustin wird mich schwer vermissen.»

Dinny schob die Hand durch seinen Arm. «Onkel Hilary, ich bewundre dich!»

Hilary starrte sie ungläubig an. «Liebes Kind, ich trau meinen Ohren nicht.»

«Du weißt schon, wie ich's meine. Du hast so ganz den Geist überlieferter Pflichttreue geerbt und alles, was drum und dran hängt. Und doch bist du auch wieder ganz modern, freidenkend, tolerant.»

«Hm!» brummte Hilary und paffte eine Rauchwolke vor sich hin.

«Ich wette, Onkel, du bist für die Geburtenbeschränkung.»

«Für uns Geistliche ist die Stellungnahme zu dieser Frage heikel. Man pflegte die willkürliche Beschränkung des Kindersegens für unpatriotisch zu erklären. Doch heutzutage, da Giftgas und Fliegerbomben das Kanonenfutter entbehrlich machen und die Arbeitslosigkeit beständig wächst, ist es leider zweifellos unpatriotisch, die Geburtenkontrolle zu bekämpfen. Betrachten wir die Frage einmal vom Standpunkt des Christentums! Als treue Diener des Vaterlands haben wir uns während des Weltkriegs niemals auf das Gebot Gottes berufen: ‹Du sollst nicht töten!›, folglich können wir uns jetzt nicht auf den Satz versteifen: ‹Du sollst nicht Geburten beschränken!› Für die Hebung der Elendsviertel ist die Geburtenkontrolle einfach unerläßlich.»

«Du glaubst auch nicht an die Hölle?»

«Doch! Diese armen Teufel haben die Hölle schon hier.»

«Du bist wohl auch dafür, daß man an Sonntagen Sport treibt, nicht wahr?» Hilary nickte. «Und im Adamskostüm Sonnenbäder nimmt?»

«Auch dafür wär ich, wenn die Sonne in unserm Viertel nur schiene.»

«Und für Pyjamas und das Rauchen der Frauen?»

«Solang die Zigaretten nicht stinken. Um alles in der Welt nur kein stinkendes Kraut!»

«Pfui, wie undemokratisch!»

«Freilich, Dinny, aber ich kann mir nicht helfen. Riech einmal!» Und er paffte ihr eine Rauchwolke ins Gesicht.

Dinny schnupperte. «Feinster Türkischer, riecht famos! Aber wir Frauen können doch nicht Pfeifen rauchen. Wir alle haben eine schwache Seite, und die deine heißt eben: ‹Nur ja kein stinkendes Kraut.› Davon abgesehn, bist du erstaunlich modern, Onkel. Als ich mir zuvor im Verhandlungssaal all die Gesichter besah, fand ich keinen einzigen modernen Menschen, ausgenommen dich.»

«Bedenke, liebes Kind, eine alte Bischofsresidenz.»

«Übrigens wird meines Erachtens der Wert der Moderne ungeheuer überschätzt.»

«Du bist eben kein Londoner Kind, Dinny. Dennoch hast du in gewissem Sinne recht. Man posaunt jetzt alle Gedanken und Gefühle ungeniert aus, sonst hat sich nichts geändert. Dieser Wandel im Ausdruck macht den einzigen Unterschied zwischen der Gegenwart und meiner Jugendzeit aus. Auch wir waren lebenshungrig, von Zweifel und Verlangen geplagt, doch ausgeplaudert haben wir es nicht. Heutzutage tut man es ohne Scheu. Ich kenne eine Menge junger Universitätsstudenten, sie befassen sich mit der Armenfürsorge in meinem Pfarrsprengel. Die sind von der Wiege auf dazu erzogen, unverzüglich alles herauszuschmettern, was ihnen grade durch den Kopf schießt. Na, und das besorgen sie auch gründlich. Wir haben es nicht getan, doch auch uns sind dieselben Dinge durch den Kopf gegangen. Das ist der ganze Unterschied zwischen Einst und Jetzt, das und die Autos.»

«Dann bin ich noch immer altmodisch. Ich bring es nicht über mich, meinen Gefühlen Lauf zu lassen.»

«Dran hindert dich deine humoristische Ader, Dinny. Humor wirkt hemmend, drängt zur Selbstkritik. Heutzutage gibt es, scheint mir, nur wenig junge Leute mit Sinn für Humor. Allerdings fehlt es ihnen nicht an Witz – aber das ist etwas andres. Unsre jungen Maler, Musiker und Schriftsteller könnten nicht so unbekümmert drauflos stürmen, wenn sie die Gabe der Selbstironie besäßen. Nur sie beweist wirklichen Sinn für Humor.»

«Darüber will ich nachdenken.»

«Vergiß nur deinen Humor dabei nicht, Dinny. Er gehört zu deinem Wesen wie der Duft der Rose. Fährst du jetzt nach Condaford zurück?»

«Wahrscheinlich. Huberts Verhandlung findet schwerlich vor Ankunft des Postschiffs statt, und das soll erst in zehn Tagen eintreffen.»

«Grüß mir mein liebes Condaford, so schöne Tage wie dort in meiner Kinderzeit hab ich nie wieder erlebt.»

«Ich auch nicht, Onkel. Das hab ich mir vorhin im Zeugenzimmer gedacht, als ich drauf wartete, daß man mich letztes kleines Negerlein fortholt.»

«Für solche Reden bist du mir noch zu jung, Dinny. Wart erst ab, bis du dich verliebst.»

«Ich warte ja.» – «Gräßliche Geschichte, die Liebe», meinte Hilary. «Nun, ich hatte es nie zu bereuen.»

Dinny sah ihn von der Seite an und lächelte schelmisch.

«Wie wär's, wenn du es nochmals probiertest, Onkel?»

«Danke», gab Hilary zurück und klopfte seine Pfeife an einem Briefkasten aus. «Das hab ich hinter mir. Mein Beruf läßt mir für solche Späße keine Zeit. Und dann hab ich den ersten Anfall noch immer nicht ganz überwunden.»

«Glaub dir's», erwiderte Dinny reuig. «Tante May ist ein entzückendes Frauchen!»

«Du sprichst ein großes Wort gelassen aus. Da sind wir schon beim Bahnhof. Mein Gepäck hab ich heut vormittag nach London geschickt. Leb wohl! Alles Gute!» Er winkte ihr mit der Hand und war verschwunden.

Als Dinny ins Hotel zurückkam, suchte sie Onkel Adrian. Er war ausgegangen. Enttäuscht ging sie wieder fort und betrat nochmals den Dom. Eben wollte sie sich setzen und seine friedvolle Schönheit auf sich wirken lassen, da sah sie Adrian an einer Säule lehnen und auf das gotische Rosettenfenster starren. Leise stand sie auf und schob ihren Arm in den seinen. Er drückte ihn stumm. «Hast du Glasmalereien gern, Onkel?»

«Sehr; natürlich nur, wenn sie gut sind. Kennst du den Dom von York?»

Dinny schüttelte den Kopf. Ihr wurde klar, sie käme auf Umwegen nie ans Ziel, drum steuerte sie jetzt schnurstracks drauflos und fragte: «Was hast du jetzt eigentlich vor, lieber Onkel?»

«Hast du schon mit Onkel Hilary gesprochen?»

«Ja.»

«Er möchte mich gern ein Jahr forthaben.»

«Ich auch.»

«Eine lange Zeit, Dinny; ich werde alt.»

«Möchtest du nicht an Professor Hallorsens Expedition teilnehmen, wenn er dich einlädt?»

«Er wird mich nicht einladen.»

«Doch, bestimmt!»

«Das bring ich nur dann über mich, wenn ich überzeugt bin, es ist Angelas Wunsch.»

«Sie wird es dir freilich nicht sagen, aber ich weiß bestimmt, sie braucht für lange Zeit absolute Ruhe.»

«Wer die Sonne anbetet», erwiderte Adrian verhalten, «empfindet es schwer, in ein Land zu müssen, wo nie die Sonne scheint.»

Dinny drückte ihm teilnehmend den Arm. «Ich versteh ja, aber du mußt auch an die Zukunft denken. Diesmal ist es eine nette Expedition nach einer gesunden Gegend, Neu-Mexiko. Du wirst als junger Mann zurückkommen mit Haaren, die dir bis zu den Knien wallen, wie den Indianern im Film. Onkel, du wirst einfach unwiderstehlich sein, und das wünsch ich mir sehnlich. Wart nur so lange, bis über die Geschichte Gras gewachsen ist.»

«Und mein Amt?»

«Auch das ließe sich schon deichseln. Wenn Angela ein Jahr lang völlig Ruhe hat, wird sie eine ganz andre sein; wie das Land der Verheißung wirst du ihr dann erscheinen. Ich weiß schon, was ich rede.»

«Du liebe kleine Schlange!» versetzte Adrian mit seinem matten Lächeln.

«Angelas Wunde geht tief.» – «Manchmal mein ich, sie hat den Lebensnerv getroffen, Dinny.»

«Nein, nein!»

«Warum sollte sie noch an mich denken, wenn ich fort bin?»

«Das ist nun einmal Art der Frauen.»

«Was weißt denn du von Frauenart, du Küken? Schon einmal war ich lange fort, und sie hat nur an Forest gedacht. Ich bin eben nicht zum Eroberer geschaffen.»

«Vielleicht nicht, aber in Neu-Mexiko wirst du dich dazu entwickeln. Du kehrst als männlicher Mann zurück, bedenk doch! Inzwischen werd ich gut auf Angela achtgeben, ich versprech dir's. Und auch die Kinder werden sie oft an dich erinnern. Sie schwatzen immer nur von dir. Ich werd schon dafür sorgen, daß sie es auch weiter tun.»

«Seltsam, ich hab das Gefühl, sie ist jetzt weiter von mir fort als zur Zeit, da Forest noch lebte», stellte Adrian objektiv fest.

«Augenblicklich ja. Und es wird noch geraume Zeit so bleiben. Doch endlich wird es anders werden, Onkel, verlaß dich drauf.»

Adrian schwieg lange. Dann erklärte er: «Wenn Hallorsen mich mitnimmt, geh ich.»

«Er muß dich mitnehmen. Bück dich, Onkel, ich muß dir einen Kuß geben.»

Adrian beugte sich nieder. Ein Kuß streifte seine Nase. Der Kirchendiener ließ ein Hüsteln hören …

Am Nachmittag fuhren sie im Auto in derselben Sitzordnung nach Condaford zurück, Alan Tasburgh lenkte. Während der letzten vierundzwanzig Stunden hatte er sich ungemein taktvoll benommen und keinen einzigen Heiratsantrag vom Stapel gelassen. Dinny wußte ihm dafür gebührenden Dank. Angela bedurfte der Ruhe, und auch ihr selbst tat Ruhe not. Noch am selben Abend verließ Alan den Landsitz, Angela und die Kinder fuhren am nächsten Tag heim. Clare war von ihrer Schottlandreise zurückgekehrt, die Familie lebte jetzt ganz unter sich. Und dennoch fand Dinny keinen Frieden; denn jetzt, da die dringendste Sorge um den armen Forest geschwunden war, quälte und bedrückte sie der Gedanke an Hubert. Seltsam, wie einem dieser drohende Schicksalsschlag alle Ruhe raubte. Hubert und Jeanne schrieben von der Ostküste heitere Briefe und versicherten, sie hätten gar keine Angst. Dinny hatte Angst und wußte, daß auch die Mutter sich schwere Sorgen machte, mehr noch der Vater. Clare war eher verärgert als betrübt, und Ärger pflegte ihre Betriebsamkeit stets anzustacheln. An den Vormittagen zog sie daher mit dem Vater auf die Fuchsjagd aus, an den Nachmittagen fuhr sie mit dem Auto auf die Nachbargüter und kam oft erst nach dem Abendessen heim. Sie war die munterste in der ganzen Familie, drum wurde ihre Gesellschaft stets gesucht. Dinny verriet ihren Kummer nicht. An Hallorsen hatte sie wegen ihres Onkels geschrieben und ihm das versprochene Bild gesandt. Auf der Photographie trug sie ein Kleid, in dem sie vor zwei Jahren bei Hof vorgestellt worden, aus Sparsamkeitsgründen gemeinsam mit Clare. Postwendend erwiderte Hallorsen: ‹Das Bild ist wunderschön. Mit der größten Freude nehme ich Ihren Onkel auf die Expedition mit und setze mich sofort mit ihm in Verbindung. Allzeit Ihr treu ergebener Hallorsen.›

Dinny las den Brief mit einem Gefühl der Dankbarkeit, doch ihr Herz schlug darum nicht höher, und deswegen schalt sie sich eine hartherzige Kreatur. Nun sorgte sie sich nicht mehr um Adrian, sie wußte, sie könne es getrost Hilary überlassen, ihm ein Jahr Urlaub zu verschaffen. Sie dachte nur immer an Hubert, und ihre Unheilsahnung wuchs von Tag zu Tag. Sie suchte sich einzureden, das sei nur die Folge ihres Nichtstuns und jener Aufregungen mit Forest, die ihre Nerven so schwer erschüttert hatten; doch sie glaubte selbst nicht dran. Wenn man ihm hier in England nicht so viel Vertrauen schenkte, die Auslieferung zu verweigern, was hatte er drüben in Südamerika zu erwarten? Verstohlen starrte sie minutenlang auf die Landkarte von Bolivien, als könne ihr diese Karte Aufschluß über Wesen und Charakter der Bewohner geben. Nie hatte sie Condaford leidenschaftlicher geliebt als in diesen sorgenvollen Tagen. Es war ein Majorat, das sich nur im Mannesstamm forterbte. Falls Hubert ausgeliefert und zum Tod verurteilt wurde oder im Gefängnis starb, oder wenn ihn einer der Maultiertreiber aus Rache ermordete und Jeanne keinen Sohn hatte, dann ging Condaford auf Hilarys ältesten Jungen, ihren Vetter, über; und der war ein Schulknabe, den sie kaum je gesehn. In der Familie blieb der Landsitz dann allerdings, aber für die Ihren war er so gut wie verloren. Mit Huberts Schicksal stand und fiel auch das Geschick ihres geliebten Vaterhauses. Erstaunt bemerkte sie, daß sie jetzt an sich selbst denken konnte, obzwar doch für Hubert so unvergleichlich mehr auf dem Spiel stand; dennoch ließ ihr der Gedanke an Condaford keine Ruhe.

Eines Vormittags bat sie Clare, sie nach Lippinghall zu fahren. Fahrten waren Dinny mit gutem Grund verhaßt, denn was sie auf ihre besondere Art unterwegs beobachtete, machte ihr oft Kummer. Die beiden Mädchen kamen grade zum Lunch zurecht. Lady Mont hatte sich eben zu Tisch gesetzt und begrüßte sie mit den Worten: «Guten Tag, liebe Kinder! O weh, wie ärgerlich, daß ich nur Karotten – eßt ihr überhaupt Karotten? – euer Onkel ist fort – sie sind so gut für die Verdauung. Blore, sieh nach, ob Augustine noch eine gebratene Schnepfe hat. Oh – und sag ihr, sie soll diese guten Pfannkuchen mit Marmelade machen, die ich nicht essen darf.»

«Bitte nichts, Tante Emily, was du nicht essen darfst.»

«Ich darf gegenwärtig überhaupt nichts essen. Euer Onkel macht eine Mastkur, ich eine Entfettungskur. Und Blore – vergiß ja nicht die Käsespeise und einen guten Wein – und Kaffee.»

«Aber Tante Emily, das ist doch viel zuviel.»

«Und Trauben, Blore. Und die Zigaretten, die oben in Mr. Michaels Zimmer stehn. Dein Onkel raucht sie nicht, und ich rauch eine ganz leichte Sorte; man muß sich einschränken. Ja, noch etwas, Blore!»

«Zu Befehl, Mylady?»

«Cocktails, Blore.»

«Tante Emily, Cocktails trinken wir doch nie.»

«Doch, ihr trinkt sie, ich hab euch schon dabei gesehn. Bist du aber mager, Clare, machst du vielleicht auch eine Entfettungskur?»

«Nein, Tante Emily, ich war in Schottland.»

«Jagen und fischen, wie? Lauft schnell einmal ums Haus herum, ich wart auf euch.»

Als die Schwestern ins Speisezimmer zurückkamen, hörten sie Lady Mont sagen: «Blore, James' Hosen –»

«Zu Befehl, Mylady.»

«Ich fürchte, sie rutschen ihm jeden Augenblick herunter. Läßt sich denn gar nichts dagegen tun?»

«Doch, Mylady.»

«Ah, da seid ihr ja wieder! Tante Wilmet ist jetzt bei Henny zu Gast, da hallt wohl die ganze Gegend von ihren Meinungsverschiedenheiten wider. Ihr kriegt jede eine kalte Schnepfe. Dinny, was hast du nur mit Alan angestellt? Er sieht so interessant aus, und sein Urlaub geht morgen zu Ende.»

«Nicht das geringste, Tante Emily.»

«Das ist es ja eben. Nein, Blore, mir nur Karotten. Wirst du ihn denn nicht heiraten? Er soll irgendwo Aussichten haben. Er hat mir von euch beiden alles gestanden.»

Unter Clares forschendem Blick saß Dinny unbehaglich da und vergaß ganz, die Gabel zum Mund zu führen.

«Vorsicht, Dinny! Er läßt sich sonst nach China versetzen und heiratet dort unter seinem Stand. In Hongkong soll einem so was passieren. Ach ja! Mein Portulak ist eingegangen. Boswell und Johnson haben ihn mit Jauche begossen. Die Kerle haben keine Nase. Wißt ihr, was sie einmal angestellt haben?»

«Nein, Tante Emily.»

«Sie hatten Heufieber, und just beim Kaninchenstall hat es sie packen müssen – sie niesten meinem besten Rammler ins Gesicht, und das arme Tier ging drauf. Ich kündigte ihnen drum, aber sie gingen nicht; sie gehn überhaupt nicht, dein Onkel verwöhnt sie. Na, Clare, was ist mit dir? Wirst du dich bald vermählen?»

«Vermählen! Ach Tante Emily, wie das klingt!»

«Ein sehr netter Ausdruck, kommt in den Zeitungsnotizen vor. Wirst du dich also vermählen?»

«Fällt mir gar nicht ein.»

«Warum nicht? Hast du keine Zeit dazu? Karotten mag ich gar nicht, sie stimmen einen so traurig. Aber dein Onkel kommt jetzt ins gefährliche Alter, da muß ich auf der Hut sein. Weiß der liebe Himmel, wozu es bei den Männern ein gefährliches Alter gibt. Dein Onkel müßte eigentlich schon drüber hinaus sein.»

«Onkel Lawrence ist es tatsächlich. Er ist ja neunundsechzig. Hast du das nicht gewußt?»

«Hab nie was davon an ihm bemerkt. Blore!»

«Zu Befehl, Mylady?»

«Geh hinaus!»

«Zu Befehl, Mylady.»

«Es gibt nämlich Dinge», erklärte Lady Mont, als sich die Tür hinter dem Kammerdiener schloß, «über die man vor Blore nicht sprechen kann, über Geburtenbeschränkung, euren Onkel und so weiter. Armer Miez!» Sie erhob sich, trat ans Fenster und ließ eine Katze auf ein Blumenbeet hinabgleiten.

«Wie reizend Blore zu ihr ist», murmelte Dinny.

«Mit fünfundvierzig machen sie Seitensprünge», bemerkte Lady Mont, als sie an den Tisch zurückkam, «und mit fünfundsechzig – vielleicht auch noch später. Ich hab noch nie einen Seitensprung gemacht – doch mit dem Pfarrer hab ich einen vor.»

«Fühlt er sich jetzt sehr einsam, Tantchen?»

«Nein», erwiderte Lady Mont, «er unterhält sich ausgezeichnet. Kommt sehr oft zu uns herüber.»

«Köstlich, wenn ihr – so ein Dreieck –»

«Dinny!»

«Onkel Lawrence würde das Riesenspaß machen.»

Lady Mont schien in tiefe Träumerei zu versinken.

«Wo ist Blore?» fragte sie dann. «Ich möcht doch einen Pfannkuchen.»

«Du hast ihn ja hinausgeschickt.»

«Richtig!»

«Soll ich klingeln, Tante Emily?» fragte Clare. «Die Tischglocke steht unter meinem Stuhl.»

«Ach ja, ich hab sie dorthin gestellt – dein Onkel ist dran schuld. Er las mir nämlich aus ‹Gullivers Reisen› vor. Ich muß schon sagen, der Mann schrieb oft sehr derb.»

«Nicht so derb wie Rabelais, oder auch nur Voltaire.»

«Lest ihr denn auch so derbe Bücher?»

«Allerdings, das sind doch Klassiker.»

«Da soll jetzt ein Buch erschienen sein, es heißt ‹Achilles› oder so ähnlich. Euer Onkel hat es in Paris gekauft. In Dover nahm man's ihm ab. Habt ihr es am Ende gelesen?»

«Nein», gab Dinny zur Antwort.

«Ich schon», erwiderte Clare.

«Das hättest du nicht tun sollen, nach allem, was mir der Onkel davon erzählte.»

«Oh, heutzutage liest man doch alles, Tantchen. Da ist gar nichts dabei.»

Lady Mont blickte von einer ihrer Nichten zur andern.

«Hm!» meinte sie, «die Bibel lesen wir ja auch. Blore!»

«Was befehlen Mylady?»

«Serviere den Kaffee auf dem Tigerfell in der Halle. Und leg ein Scheit aufs Feuer. Blore, mein Glas Vichy!» Als sie es geleert hatte, erhoben sich alle.

«Gottvoll!» flüsterte Clare Dinny ins Ohr.

«Was tut ihr eigentlich in Huberts Sache?» fragte Lady Mont vor dem Feuer in der Halle.

«Wir ängstigen uns.»

«Ich hab Tante Wilmet gebeten, sie soll mit Henny sprechen. Du weißt, die sieht bisweilen Königliche Hoheit. Auch gibt es doch jetzt Flugzeuge. Könnte er nicht irgendwohin fliegen?»

«Onkel Lawrence hat für ihn Bürgschaft geleistet.»

«Und wenn auch!» rief Lady Mont. «Wir würden eben James entlassen, er hat ohnedies Krampfadern. Einem der beiden Gärtner könnten wir auch kündigen.»

«Hubert geht darauf bestimmt nicht ein», sagte Dinny.

«Ich hab ihn wirklich gern», erklärte Lady Mont. «Viel zu früh ins Ehejoch gespannt! Da kommt der Kaffee.»

Blore brachte Kaffeekanne und Zigaretten, ihm folgte James mit einem langen Zedernholzscheit. Während Lady Mont den Kaffee aufgoß, herrschte andächtiges Schweigen.

«Zucker, Dinny?»

«Bitte zwei Löffel!»

«Für mich drei. Ich weiß, es macht dick. Und dir, Clare?»

«Einen, bitte.»

Die Mädchen schlürften den Kaffee.

«Ein Göttertrank!» seufzte Clare.

«Jawohl!» stimmte Dinny bei. «Tante Emily, warum ist dein Kaffee um so viel besser als jeder andre?»

«Danke für das Kompliment!» sagte Lady Mont. «Ach dieser arme Mensch, Angelas Mann! Gott sei Dank, daß er wenigstens keinen von euch gebissen hat. Jetzt wird Adrian sie endlich kriegen. Ein wahres Glück!»

«So bald noch nicht, Tante Emily. Onkel Adrian geht nach Amerika.»

«Du meine Güte, warum denn?»

«Wir hielten es alle für das Beste, sogar er selbst.»

«Wenn der einmal ins Himmelreich soll», meinte Lady Mont, «muß ihn jemand begleiten. Allein traut er sich gewiß nicht durchs Tor.»

«Man wird ihm dort bestimmt einen Sitz reservieren.»

«Kann man nicht wissen. Der Pfarrer predigte vorigen Sonntag darüber.»

«Predigt er gut?»

«Er plaudert ganz gemütlich.»

«Früher schrieb ihm wohl Jeanne die Predigten?»

«Stimmt. Damals hatten sie mehr Schmiß. Von wem hab ich nur diesen Ausdruck aufgeschnappt, Dinny?»

«Von Michael vermutlich.»

«Der bringt immer solche Ausdrücke nach Hause. Der Pfarrer sagt, wir müssen Selbstverleugnung üben. Neulich war er zum Lunch hier.»

«Und hat wohl kräftig gefuttert?»

«Das will ich meinen.»

«Wieviel wiegt er eigentlich, Tante Emily?»

«Ohne Kleider? Weiß ich nicht.»

«Und mit Kleidern?»

«Mehr als genug. Er ist im Begriff, ein Buch zu schreiben.»

«Worüber?»

«Über die Tasburghs. Da ist eine, die ihr eigenes Begräbnis veranstalten ließ und nachher nach Frankreich floh. Eine geborene Fitzherbert. Dann war einer, der focht mit bei der Schlacht von – nein, nicht Spaghetti, aber so ähnlich.»

«Navarino? Dort hat er mitgekämpft?»

«Ja. Doch man hat es in Abrede gestellt. Der Pfarrer wird den Beweis erbringen. Dann war ein Tasburgh, der geköpft wurde; er vergaß, dieses Ereignis zu verzeichnen. Der Pfarrer hat das alles herausgetüftelt.»

«Unter welchem König?»

«Dinny, du verlangst wirklich zu viel. Mit den Königen soll ich mich auch noch herumplagen? Eduard der Sechste – oder war es der Vierte? Einer von der Roten Rose. Dann ist da noch der Tasburgh, der in unsere Familie geheiratet hat. Roland hieß er – oder am Ende anders? Er tat etwas Fürchterliches, da nahm man ihm seine Ländereien weg, Rekusant war er, so heißt es doch?»

«Das heißt, er verweigerte den Religionseid, blieb Katholik unter protestantischer Herrschaft.»

«Zuerst brannte man sein Haus nieder. Das steht im Mercurius Rusticus, oder wie es sonst heißt. Der Pfarrer sagt, er war ungemein beliebt. Zweimal brannte man sein Haus nieder und plünderte es dann aus. Oder war die Reihenfolge umgekehrt? Es hatte einen Burggraben. Man fand auch noch ein Verzeichnis der geraubten Schätze.»

«Herrlich!»

«Marmelade, Silberzeug, Hühner, Leinwand und seinen Regenschirm oder so was Ähnliches. Gediegen, nicht?»

«Wann geschah das, Tantchen?»

«Im Bürgerkrieg. Er war Royalist. Jetzt fällt mir auch sein Name ein, Roland war es nicht. Und seine Frau hieß Elizabeth wie du, Dinny. Ja, die Geschichte wiederholt sich.»

Dinnys Blick hing an dem brennenden Scheit.

«Und dann war da noch der letzte Admiral unter Wilhelm dem Vierten, der hat sich ins Grab gesoffen, der Admiral, nicht Wilhelm der Vierte. Der Pfarrer behauptet aber, es sei gar nicht wahr; er wird diese Verleumdung in seinem Buch entkräften. Er behauptet, der Admiral hatte eine Erkältung und wollte sie mit Rum kurieren. Der aber machte ihm den Garaus. Wo hab ich nur diese Wendung aufgeschnappt?»

« Ich gebrauche sie mitunter, Tantchen.»

«Richtig! Ihr seht, die Tasburghs haben eine ganze Menge interessanter Ahnen, abgesehn von den langweiligen, und gehn in gerader Linie auf Eduard den Bekenner zurück. Der Pfarrer will den Beweis führen, daß die Familie Tasburgh älter ist als unsre. Unfaßbar, so was!»

«Du meine Güte!» murmelte Clare, «wer liest ein solches Buch?»

«Das frag ich mich auch. Aber ihm macht es den größten Spaß, in den alten Chroniken herumzustöbern, und überdies hält es ihn wach. Ah, da ist Alan! Clare, du hast gewiß noch nicht gesehn, wo mein Portulak stand. Komm, machen wir einen kleinen Spaziergang!»

«Tante Emily! Schämst du dich denn gar nicht?» flüsterte Dinny Lady Mont ins Ohr. «Und es hilft euch doch alles nichts!»

«‹Freilich läßt sich nicht das Ziel gleich im ersten Anlauf nehmen› – erinnerst du dich noch an dieses schöne Sprüchlein aus der Schulzeit? Einen Augenblick, Clare, bis ich meinen Hut hab.» Und sie eilte mit Clare davon.

«Dein Urlaub ist also zu Ende, Alan?» fragte Dinny, als sie mit dem jungen Mann allein blieb. «Wohin gehst du?»

«Nach Portsmouth.»

«Nette Stadt?»

«Nicht übel. Dinny, ich möchte mit dir über Huberts Sache sprechen. Was soll geschehn, wenn es bei der nächsten Verhandlung schief geht?»

Da verließ Dinny ihre ganze Munterkeit. Sie sank auf ein Kissen vor dem Kamin und sah mit angsterfüllten Augen zu ihm empor.

«Ich habe mich schon danach erkundigt», fuhr der junge Tasburgh fort, «man läßt dem Minister des Innern eine Frist von zwei oder drei Wochen zur Erledigung des Akts, und wenn er dem Auslieferungsbegehren stattgibt, expediert man den Angeklagten so schnell wie möglich, vermutlich von Southampton aus.»

«Du glaubst doch nicht, daß es im Ernst dazu kommen könnte?»

Düster erwiderte Alan: «Ich weiß nicht. Nimm an, ein Bolivianer hätte bei uns wen umgebracht und wäre dann heimgefahren. Würden wir nicht alles dran setzen, ihn zu fassen?»

«Aber das ist doch undenkbar!»

Der junge Mann sah Dinny an, aus seinem Blick sprachen starkes Mitleid und unbeugsame Entschlossenheit.

«Hoffen wir das Beste; wenn es aber dennoch schief geht, so muß etwas geschehn. Das laß ich nicht zu, und Jeanne ebensowenig.»

«Was könnte man denn tun?»

Der junge Tasburgh schritt die Halle ab und spähte nach allen Türen. Dann beugte er sich über Dinny und flüsterte:

«Hubert kann fliegen; seit unsrer Fahrt nach Chichester bin ich täglich geflogen. Jeanne und ich werden alles vorbereiten – für den Fall, daß –»

Dinny haschte nach seiner Hand.

«Aber lieber Junge, das ist verrückt!»

«Nicht verrückter als tausend Dinge, die im Krieg geschehn sind.»

«Es wird deine Karriere vernichten.»

«Zum Teufel mit meiner Karriere! Soll ich ruhig zusehn, wie du und Jeanne jahrelang unglücklich seid und ein Mann wie Hubert elend zugrunde geht, was?»

Dinny drückte heftig Alans Hand und ließ sie wieder los.

«So weit kann und darf es nicht kommen! Wie willst du übrigens an Hubert heran, er würde dann doch in Haft sein?»

«Ich weiß nicht; doch wenn es so weit ist, werd ich's wissen. Soviel steht fest: Haben sie ihn einmal drüben über dem großen Wasser, dann sind seine Aussichten verdammt schlecht.»

«Hast du mit Hubert gesprochen?»

«Nein. Vorläufig ist alles noch in der Schwebe.»

«Er willigt bestimmt nicht ein.»

«Jeanne wird ihn schon dazu bringen.»

Dinny schüttelte den Kopf. «Da kennt ihr Hubert schlecht. Nie und nimmer gibt er das zu.»

Alan grinste, und plötzlich erkannte Dinny seine furchtbare Entschlossenheit.

«Weiß Professor Hallorsen davon?»

«Nein. Wenn es sich vermeiden läßt, wird er es auch nicht erfahren. Aber er ist wirklich ein anständiger Kerl.»

Sie lächelte matt. «Ja, er ist ein anständiger Kerl, aber keiner von den unsern.»

«Dinny, du bist doch nicht in ihn verliebt?»

«Nein, mein Lieber.»

«Gott sei Dank! Vermutlich wird man Hubert nicht wie einen gewöhnlichen Verbrecher behandeln. Kann sein, das erleichtert die Ausführung unsres Plans.»

Tief erschüttert sah ihn Dinny an. Alans Bemerkung überzeugte sie davon, wie ernst er die Sache nahm.

«Jetzt begreif ich dein Vorgehn bei Zeebrugge. Aber –»

«Kein Aber! Kopf hoch! Übermorgen kommt das Postschiff, dann wird der Fall wieder aufgenommen. Ich werde dich bei der Verhandlung sehn. Jetzt muß ich fort zu meiner täglichen Flugübung. Ich wollte dir nur sagen, wenn alle Stricke reißen, dann nehmen wir das nicht ruhig hin. Meine herzlichsten Grüße an Lady Mont. Ich sehe sie vermutlich nicht mehr. Leb wohl, laß es dir recht gut gehn!» Er küßte ihr die Hand und war draußen, ehe sie noch ein Wort der Erwiderung fand.

Dinny blieb am Kamin sitzen, in dem das Zedernscheit noch immer glomm, ganz still, seltsam ergriffen. Noch nie war es ihr in den Sinn gekommen, an dem günstigen Ausgang dieser Affäre zu zweifeln, nie hatte sie ernstlich geglaubt, Hubert könne wirklich als Mörder ausgeliefert werden. Auch jetzt glaubte sie es noch immer nicht recht, und gerade das versetzte sie so in Aufruhr, denn bekanntlich wirkt eine Gefahr um so aufregender, je ferner sie noch ist. Zu dieser Erregung gesellte sich ein wärmeres Gefühl für Alan. Daß er nicht einmal seinen Heiratsantrag wiederholt hatte, bewies ihr, wie furchtbar ernst er die Sache nahm. Und sie saß auf jenem Tigerfell, das der achte Baronet ohne große Aufregung erbeutet – er hatte den Tiger, als er sich unbemerkt fortschleichen wollte, vom Elefanten aus abgeschossen; sie wärmte den Körper an der Glut des Zedernscheits und den Geist in dem Gefühl, sie sei jetzt dem Feuer des Lebens nähergekommen als je zuvor. Quince, der alte schwarz-weiße Wachtelhund ihres Onkels, der in Abwesenheit seines Herrn, und sein Herr war oft nicht zu Hause, an menschlichen Wesen nur geringes Interesse nahm, trabte langsam durch die Halle, streckte sich vor dem Kamin aus, legte den Kopf auf die Vorderpfoten und sah mit rotumränderten Augen zu Dinny empor. ‹Vielleicht – vielleicht auch nicht!› schien er zu sagen. Leise knisterte das Zedernscheit, eine Wanduhr am andern Ende der Halle schlug drei in ihrer gewohnten, sachten Weise.


 << zurück weiter >>