Alexander Dumas Sohn
Die Dame mit den Kamelien
Alexander Dumas Sohn

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XII.

Das war schon etwas, aber es war noch nicht genug. Ich erkannte die Gewalt, die ich über Margarete hatte und ich war erbärmlich genug, diese Gewalt zu mißbrauchen.

Wenn ich bedenke, daß sie jetzt tot ist, so zweifle ich, ob Gott mir jemals verzeihen wird, was ich diesem armen Geschöpfe getan habe.

Nach dem sehr geräuschvollen Souper fing die Gesellschaft an zu spielen.

Ich setzte mich neben Olympe und setzte mein Geld mit solcher Kühnheit, daß sie sich nicht enthalten konnte, mich anzusehen. In einem Augenblicke gewann ich hundertfünfzig bis zweihundert Louisd'or, die ich vor mir ausbreitete und auf welche die Ballgeberin gar lüsterne Blicke warf.

Ich war der einzige, dessen Aufmerksamkeit durch das Spiel nicht völlig in Anspruch genommen wurde und sich auch ihr zuwendete. Ich gewann immerfort und ich gab meiner schönen Nachbarin Geld zum Spielen, denn sie hatte alles verloren, was sie vor sich und wahrscheinlich in ihrem Vermögen hatte.

Um fünf Uhr morgens ging die Gesellschaft auseinander. Ich hatte dreihundert Louisd'or gewonnen.

Alle Spieler waren schon unten, ich war allein zurückgeblieben, ohne daß es bemerkt wurde, denn ich war mit keinem der Gäste befreundet.

Olympe war selbst mit dem Lichte bis zur Treppe gegangen und ich war bereits einige Stufen hinunter gegangen, als ich mich umwandte und zu ihr sagte:

»Ich muß mit Ihnen reden.«

»Morgen,« antwortete sie.

»Nein, jetzt.«

»Was haben Sie mir zu sagen?«

»Sie werden es gleich hören ...«

Und ich trat mit ihr in den Salon.

»Sie haben verloren?« sagte ich zu ihr.

»Ja.«

»Und zwar Ihre ganze Barschaft ...«

Sie zögerte mit der Antwort.

»Sagen Sie es nur aufrichtig.«

»Nun ja, es ist wahr.«

»Ich habe dreihundert Louisd'or gewonnen, hier sind sie ... nehmen Sie.«

Bei diesen Worten warf ich die Goldstücke auf den Tisch.

»Warum bieten Sie mir das an?« fragte sie.

»Pardieu! weil ich Sie liebe.«

»Nein, weil Sie Margarete lieben und sich an ihr rächen wollen, indem Sie mir den Hof machen. Mich täuscht man nicht, lieber Freund; unglücklicherweise bin ich noch zu jung und zu schön, um die mir zugedachte Rolle anzunehmen.«

»Sie geben mir also einen Korb?«

»Ja ...«

»Bedenken Sie, was Sie tun, liebe Olympe,« sagte ich. »Eine uneigennützige Liebe würde ich nicht von Ihnen annehmen. Hätte ich Ihnen durch eine dritte Person dieses Geld gesendet, so würden Sie es angenommen haben. Ich ziehe aber vor, direkt mit Ihnen zu unterhandeln. Forschen Sie nicht nach den Beweggründen meiner Bewerbung; Sie wissen ja, daß Sie schön sind, und es ist durchaus nicht befremdend, daß ich Sie liebe.«

Margarete war eine femme entretenue wie Olympe und dennoch würde ich bei unserer ersten Begegnung nicht so zu ihr gesprochen haben. Ich liebte Margarete, und entdeckte in ihr ein edles Gefühl, an welchem es Olympe gänzlich fehlte. Die letztere war mir daher trotz ihrer außerordentlichen Schönheit völlig gleichgiltig, und ich fühlte sogar eine gewisse Abneigung gegen sie.

Und gleichwohl gab es Leute, die sich ihretwillen ruiniert hatten.

Es bedarf wohl kaum mehr der Bemerkung, daß der mir überreichte Korb zurückgenommen wurde. Seit jenem Ballabende war Margarete ein Gegenstand meiner unablässigen Verfolgung. Sie brach allen Umgang mit Olympe ab. Sie begreifen wohl warum. Ich gab meiner neuen Geliebten Equipage und Geschmeide, ich spielte, kurz, ich beging alle Torheiten, die in der Pariser Modewelt zu Hause sind. Das Gerücht von meiner neuen Leidenschaft verbreitete sich sogleich.

Selbst Prudence ließ sich täuschen und glaubte endlich, ich hatte Margarete gänzlich vergessen. Ob letztere nun den wahren Beweggrund meines Handelns erraten hatte, oder ob sie sich ebenfalls täuschte, kann ich nicht entscheiden; genug, sie beobachtete bei allen Kränkungen, die ich ihr verursachte, eine ernste, würdevolle Haltung. Sie schien jedoch sehr zu leiden, denn überall, wo sie mir begegnete, erschien sie mit jedem Tage blässer und trauriger. Meine Liebe war dergestalt gesteigert, daß ich sie für glühenden Haß hielt, und ich frohlockte bei dem Anblicke dieses Schmerzes. Bei einigen Gelegenheiten, wo ich wirklich teuflisch grausam war, sah sie mich mit so bittenden Blicken an, daß ich über die Rolle, die ich spielte, errötete und im Begriffe war, sie um Verzeihung zu bitten.

Aber diese Anwandlungen von Reue gingen sehr schnell vorüber, und Olympe, die endlich alles Selbstgefühl verleugnete und sich überzeugt hatte, daß sie von mir alles erlangen konnte, wenn sie Margarete weh tat, reizte mich unaufhörlich gegen sie auf und insultierte sie, so oft sich die Gelegenheit dazu darbot, mit der unwürdigen Beharrlichkeit eines Weibes, das von einem Manne die Ermächtigung dazu erhalten zu haben glaubt.

Margarete ging endlich nicht mehr ins Theater und sie besuchte keinen Ball mehr, weil sie mit Olympe und mir zusammenzutreffen fürchtete. Den persönlichen Beleidigungen folgten nun anonyme Briefe und unwürdige Verleumdungen.

Sie können leicht denken, daß ich mich in einem an Wahnsinn grenzenden Gemütszustande befinden mußte, um meinem Rachedurst auf solche Weise zu fröhnen; ich glich einem Menschen, der sich an einem schlechten Wein berauscht und in einen Zustand der Überreizung verfällt, wo die Hand eines Verbrechens fähig ist, ohne daß der Verstand daran teilnimmt. Dabei befand ich mich in einem entsetzlichen Gemütszustande. Die ruhige, würdevolle Haltung, die Margarete allen meinen Angriffen entgegenstellte, gab ihr in meinen eigenen Augen eine Überlegenheit und erbitterte mich noch mehr gegen sie.

Eines Abends war Olympe an einem öffentlichen Orte gewesen und daselbst mit Margarete zusammengetroffen. Letztere war diesmal gegen die freche Dirne, welche sie insultierte, schonungslos gewesen und hatte dieselbe gezwungen das Feld zu räumen. Margarete war aber durch diesen ärgerlichen Vorfall so tief ergriffen worden, daß man sie ohnmächtig weggetragen hatte.

Olympe erzählte mir, Margarete habe sie öffentlich beleidigt und forderte mich auf, sie schriftlich darüber zur Rede zu stellen und ihr mit allem Nachdrucke die gebührende Achtung gegen meine Geliebte zu empfehlen.

Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß ich in diese Zumutung willigte und dieses Schreiben in den bittersten, verletzendsten Worten abfaßte.

Dieser Schlag war zu stark, als daß ihn die Unglückliche stillschweigend hätte ertragen können.

Ich vermutete wohl, daß ich eine Antwort erhalten würde und beschloß daher, den ganzen Tag nicht auszugehen.

Gegen zwei Uhr wurde die Türglocke gezogen und ich sah Prudence eintreten.

Ich fragte sie mit möglichst gleichgiltiger Miene um die Ursache ihres Besuches, aber an diesem Tage war die Duvernoy nicht in ihrer gewohnten heiteren Stimmung, und sie sagte in einem beinahe weinerlichen Tone, daß ich seit meiner Rückkehr nach Paris, nämlich seit beiläufig drei Wochen, keine Gelegenheit hätte vorübergehen lassen, Margarete wehe zu tun; daß sie aus Gram krank geworden sei und seit dem gestrigen Vorfalle, besonders aber seit dem Empfange meines Briefes, das Bett hüten müsse.

Kurz, ohne mir Vorwürfe zu machen, ließ mich Margarete um Schonung bitten, indem sie mir sagen ließ, sie habe weder genug geistige noch physische Kraft mehr, um solche Mißhandlungen zu ertragen.

»Wenn Mademoiselle Gautier«, erwiderte ich, »mich zu verabschieden für gut findet, so ist sie in ihrem Rechte und ich kann nichts dagegen einwenden, aber nie werde ich zugeben, daß sie meine Geliebte insultiere ...«

»Lieber Freund,« unterbrach mich Prudence, »Sie haben sich von einem ebenso geist- als herzlosen Mädchen betören lassen; Sie lieben dieses Mädchen: aber das ist kein Grund, eine Wehrlose zu quälen.«

»Mademoiselle Gautier möge mir ihren Grafen von R*** zuschicken, dann ist die Partei von beiden Seiten gleich.«

»Sie wissen wohl, daß sie das nicht tun würde. Lassen Sie sie also in Ruhe, lieber Armand, wenn Sie Margarete sähen, so würden Sie sich ihres Benehmens gegen sie schämen. Sie ist totenbleich und hustet ... es wird schwerlich noch lange mit ihr dauern.«

Und Prudence reichte mir die Hand und setzte im bittenden Tone hinzu:

»Gehen Sie zu ihr. Ihr Besuch wird ihr große Freude machen.«

»Ich werde mich wohl hüten, ich habe keine Lust dazu, den Grafen von R*** anzutreffen.«

»Der Graf ist nie bei ihr, sie kann ihn nicht ausstehen.«

»Wenn Margarete mich zu sehen und zu sprechen wünschte, so weiß sie, wo ich wohne, und sie möge zu mir kommen; aber ich werde ihre Wohnung nie mehr betreten.«

»Und Sie werden sie gut empfangen?«

»Das versteht sich.«

»Nun, dann wird sie gewiß kommen. Werden Sie heute ausgehen?«

»Ich bleibe den ganzen Abend zu Hause.«

»Ich werde es ihr sagen.«

Prudence entfernte sich.

Ich war fest überzeugt, daß Margarete kommen würde; ich wußte nicht ... sollte ich sie lieben oder hassen?

Ich schrieb nicht einmal an Olympe, daß ich diesen Abend nicht ausgehen würde. Sie war mir immer gleichgiltig gewesen und ich beobachtete sehr wenig Rücksichten gegen sie; es vergingen oft mehrere Tage, ohne daß ich sie sah. Sie tröstete sich darüber, wie mich dünkt mit einem Schauspieler von irgendeinem Boulevard-Theater.

Ich ging zum Diner und kam sogleich wieder nach Hause. Ich ließ Feuer im Kamin anzünden und entließ meinen Diener Josef.

»Wenn sie nur ohne Begleitung kommt!« dachte ich.

Die verschiedenen widerstreitenden Gefühle, die eine Stunde lang auf mich einstürmten, kann ich Ihnen unmöglich beschreiben; und als ich gegen neun Uhr die Türglocke hörte, war ich so ergriffen, daß ich nur mit Mühe meine Fassung gewann, ehe ich an die Tür ging, um zu öffnen.

Glücklicherweise war das Vorzimmer nur matt beleuchtet, so daß die Veränderung meiner Gesichtszüge minder sichtbar war.

Ich öffnete die Tür. Margarete trat ein. Sie war ganz schwarz gekleidet und verschleiert; ihr Gesicht war hinter dem Spitzenschleier kaum zu erkennen.

Sie trat in den Salon und hob den Schleier, Sie war weiß wie Marmor.

»Hier bin ich, Armand,« sagte sie, »Sie wünschten mich zu sehen ... ich bin gekommen ...«

Sie sprach nicht weiter, sie drückte beide Hände auf das Gesicht und brach in Tränen aus.

Ich trat auf sie zu.

»Was fehlt Ihnen?« fragte ich mit bewegter Stimme.

Sie drückte mir die Hand, ohne zu antworten, denn die Tränen erstickten noch ihre Stimme. Endlich suchte sie sich zu fassen und sagte zu mir:

»Sie haben mir sehr wehe getan, Armand ... und ich habe Ihnen doch nichts getan ...«

»Nichts?« erwiderte ich mit bitterem Lächeln.

»Nichts, als was die Umstände mir zur Pflicht machten.«

Ich weiß nicht, ob Sie je im Leben empfunden haben oder empfinden werden, was ich bei Margaretens Anblick empfand.

Das letztemal, als sie zu mir gekommen war, hatte sie auf derselben Stelle gesessen, auf welcher sie jetzt saß; aber seit jener Zeit war sie die Geliebte eines andern gewesen; ihr schöner Mund war durch einen anderen Mund berührt worden; und dennoch fühlte ich, daß ich sie ebenso heiß und vielleicht noch heißer liebte, als je zuvor.

Gleichwohl ward es mir schwer, das Gespräch auf den Gegenstand zu lenken, der sie zu mir geführt hatte. Margarete schien dies zu erraten, denn sie fuhr nach einer Pause fort:

»Mein Besuch wird Ihnen unangenehm sein, Armand, denn ich habe Sie um zweierlei zu bitten: Erstens, mir zu verzeihen, was ich gestern zu Mademoiselle Olympe gesagt habe, und zweitens, mir fortan mit Schonung zu begegnen. Seit Ihrer Rückkehr haben Sie mir, absichtlich oder unwillkürlich, so weh getan, daß ich jetzt nicht imstande sein würde, den vierten Teil des Schmerzes zu ertragen, den ich bis heute Morgen ertragen habe. Sie werden Mitleid mit mir haben, nicht wahr? Und Sie werden einsehen, daß es für einen Mann von Charakter höhere Bestrebungen gibt, als sich an einem kranken, tiefbetrübten Weibe zu rächen. Fassen Sie meine Hand, Ich habe das Fieber, ich habe das Bett verlassen, um Sie nicht um Ihre Freundschaft, sondern um Ihre Gleichgiltigkeit zu bitten.«

Ich faßte Margaretens Hand, sie war glühendheiß, und das arme Mädchen zitterte vor Frost unter ihrem Samtmantel.

Ich rollte den Armsessel, in welchem sie saß, vor das Kaminfeuer.

»Glauben Sie denn,« erwiderte ich, »daß ich keinen Schmerz gelitten in jener Nacht, wo ich Sie auf dem Lande erwartete und nach Paris zurückeilte, um Sie aufzusuchen, und wo ich nichts fand, als jenen Brief, der mich beinahe rasend machte? Wie konnten Sie mich auch so täuschen, Margarete? Wie konnten Sie es über sich gewinnen, meine Liebe so zu betrügen?«

»Still davon, Armand, ich bin nicht gekommen, um davon zu reden. Ich wollte Sie nur versöhnen und Ihnen noch einmal die Hand drücken. Sie haben eine junge, schöne Geliebte, und man sagt, Sie wären ihr sehr gut; seien Sie glücklich mit ihr – und vergessen Sie mich.«

»Und Sie sind gewiß recht glücklich?«

»Sehe ich denn glücklich aus, Armand? Spotten Sie nicht meines Schmerzes, dessen Ursache und Größe Ihnen besser als sonst jemandem bekannt ist.«

»Es hing nur von Ihnen ab, nie unglücklich zu sein ... wenn Sie es anders wirklich sind, wie Sie sagen.«

»Nein, lieber Armand, die Verhältnisse waren stärker als mein Wille. Ich bin keineswegs den Eingebungen weiblicher Laune gefolgt, wie Sie zu glauben scheinen, ich habe mich einer traurigen Notwendigkeit gefügt. Die Gründe, die mich zu jenem verhängnisvollen Schritte trieben, werden Sie einst erfahren und Sie werden mir verzeihen.«

»Warum sagen Sie mir diese Gründe nicht heute?«

»Weil diese Gründe doch nicht imstande sein würden, eine nunmehr unmöglich gewordene Annäherung zwischen uns wieder herbeizuführen und weil Ihre Entfremdung von Personen, die Ihnen nahe stehen, vielleicht die Folge davon sein würde.«

»Wer sind diese Personen?«

»Das kann ich Ihnen nicht sagen.«

»Dann lügen Sie.«

Ich sprach diese Worte mit solcher Heftigkeit, daß Margarete aufstand und auf die Tür zuging.

Diesen stummen, beredten Schmerz konnte ich nicht ohne tiefes Mitleid ansehen, wenn ich in Gedanken dieses blasse weinende Mädchen mit jener koketten Schönen verglich, die sich einst im Theater über mich lustig gemacht hatte. Einen Augenblick glaubte ich vergessen zu können, was seit meiner Abreise von Bougival vorgegangen war, und ich sagte zu Margarete, indem ich ihr in den Weg trat:

»Du wirst nicht fortgehen ... Ungeachtet des Kummers, den Du mir bereitet, liebe ich Dich noch. Ich lasse Dich jetzt nicht mehr, wir wollen fort von hier, wir wollen Paris miteinander verlassen ...«

»Nein, nein,« sagte sie, sich abwendend, »wir würden zu unglücklich sein; ich kann Dich nicht mehr glücklich machen. Verknüpfe Deine Zukunft nicht mehr mit der meinen, wir beide würden nur mit zu peinlichen Erinnerungen zu kämpfen haben. Wir haben nur einen kurzen Wonnetraum geträumt und das Erwachen ist gar schnell gekommen ... Auch die Erinnerung wird bei mir bald vorüber sein ...«

Margarete stockte, sie hatte ohne Zweifel eine Ahnung ihres nahen Todes. Sie war leichenblaß und zwei dicke Tränen perlten über ihre Wangen. Sie wendete sich ab, drückte die Hand auf die Augen und eilte mit einem in herzzerreißendem Tone gesprochenen »Lebe wohl!« aus dem Salon.

Ich starrte ihr eine Weile in einem Zustande halber Betäubung nach; dann sprang ich auf und eilte ihr nach, aber sie war schon die Treppe hinunter und ihr Wagen rollte davon.

Die Einsamkeit, in der sie mich zurückließ, war mir schrecklich. Ich war in einem schwer zu beschreibenden Gemütszustande. Mein Selbstgefühl kämpfte mit einer eben erwachten Liebe. In der Nacht schloß ich kein Auge.

Am folgenden Morgen um zehn Uhr eilte ich zu Margarete.

»Madame ist um sechs Uhr nach England abgereist,« antwortete mir der Hausmeister.

Nun fesselte mich nichts mehr an Paris, weder Haß noch Liebe. Ich war durch alle diese Erschütterungen erschöpft. Einer meiner Freunde war im Begriffe, eine Reise nach dem Orient anzutreten; ich ging sogleich nach C*** und gab meinem Vater den Wunsch zu erkennen, die Reise mitzumachen. Mein Vater willigte sogleich ein, er gab mir Wechsel und Empfehlungsschreiben, und acht oder zehn Tage nachher schiffte ich mich in Marseille ein.

In Alexandrien erfuhr ich durch einen Gesandtschafts-Attaché, den ich zuweilen bei Margarete gesehen hatte, die Krankheit des armen Mädchens.

Ich schrieb ihr sodann den Brief. Die Antwort, welche Ihnen bekannt ist, erhielt ich in Toulon.

Ich reiste sogleich ab, das übrige ist Ihnen bekannt.

Jetzt haben Sie nur noch die Blätter zu lesen, die mir Julie Duprat übergeben hat und die eine notwendige Ergänzung meiner Erzählung sind.


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