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16. Kapitel.

Ernst Wafer fährt in der Geschichte fort.

Ich bin in letzter Zeit viel mit Herrn Broadbent in Berührung gekommen und heute stellte er mir auch seinen ersten Gehilfen, Herrn Silas Inail vor. Sie überbrachten mir gute Neuigkeiten: Gareth Roystocks Unschuld war erkannt und er alsbald in Freiheit gesetzt worden. Dann berichtete mir Herr Inail auf den Wunsch seines Vorgesetzten seine Abenteuer in Sheffield und Hull. Er schien darüber etwas mißgestimmt, daß ihm sein Wild in Hull entschlüpft war, aber es war nicht für lange gewesen; schon am nächsten Abend hatte man Walterslide in York festgenommen.

Dann fuhr Herr Broadbent in dem Bericht fort und erzählte, wie man herausgefunden hatte, daß Walterslide sich mit dem Opfer des Verbrechens auf dem Bahnhof in Manchester getroffen und mit ihr zusammen nach Bexcliffe gefahren war, sowie manches andere.

»Herr Wafer,« fuhr er fort, »in der Regel pflegt man nicht einen Untersuchungsgefangenen anderen Leuten vorzuführen, aber ich habe diesmal meine bestimmten Gründe hierfür, und ich bitte Sie, mich nach dem Polizeigefängnis zu begleiten, wo sich der Gefangene hinter Schloß und Riegel befindet; ich möchte, daß Sie und Inail sich ihn ansehen.«

Das war ein merkwürdiges Begehren, aber da ich keinen Widerspruch erhob, so begaben wir uns sofort nach unserem Bestimmungsort. Auf dem Wege dorthin sprachen wir über die verschiedenen Umwege, auf denen die Wahrheit zu Tage gekommen war und wie immer eine Spur die andere ergeben hatte.

»Und wer hat schließlich den richtigen Gedanken gehabt, der zur Entschleierung des Rätsels geführt hat?« fragte ich, »waren Sie es, Herr Broadbent, oder war es Herr Inail?«

»Keiner von uns – Ehre dem Ehre gebührt, der Mann, der den Löwenanteil geleistet hat, war ein Bewohner dieses Ortes. Wir haben nur das Beweismaterial vervollständigt, er aber fand die erste Spur.«

»Wie? Meinen Sie Herrn Weevil?« fragte ich erstaunt.

»Ja; um die Wahrheit zu sagen, er war es.«

»Sie meinen doch nicht den Häuseragenten mit dem fehlenden Ohrläppchen?« fragte Inail völlig überrascht. »Sie sagten mir allerdings schon, daß er in dieser Angelegenheit für die Polizei gearbeitet habe.«

»Ja, ich meine den nämlichen.«

»Ich bin ganz verblüfft.«

»O, er ist ein äußerst durchtriebener Mensch, der die richtige Erklärung des Rätsels lange vor mir kannte.«

Während dieser Worte waren wir auf der Polizei angelangt und wurden vom Polizeiinspektor empfangen.

»Wir sind hierhergekommen, um den Gefangenen zu sehen, Herr Bayliß,« begann Broadbent, und der Inspektor führte uns nach wenigen Worten einen langen Gang entlang und blieb vor einer Tür am Ende desselben stehen.

»Der Gefangene befindet sich hier,« sagte der Inspektor, »einen Augenblick, bitte, ich lasse die Tür sofort aufschließen. Ich bin froh, daß Sie jetzt gekommen sind, denn nach nunmehr vollzogener Verhaftung muß die Sache ihren ordnungsmäßigen Verlauf nehmen.«

Die Tür wurde geöffnet und wir traten ein. Der Gefangene saß auf einer schmalen Bank, die an der Längswand der Zelle befestigt war. Ich fuhr zurück, als ich ihn erblickte, denn das war weder ein behäbiger Schiffskapitän, noch ein pfiffig aussehender Krämer, wie ich es erwartet hatte.

Der Gefangene war kein anderer als Bertram Weevil!

Ich blickte Inail an, aber war ich nur erstaunt, so war er förmlich zur Salzsäule erstarrt. Wir hatten jedoch keine Zeit, unserer Verwunderung Ausdruck zu geben, denn Herr Broadbent winkte uns zu, die Zelle wieder zu verlassen. Erst draußen fand Inail seine Sprache wieder:

»Zum Kuckuck! Ich dachte Walterslide wäre der Gefangene,« rief er.

»Nein,« entgegnete Broadbent ruhig, »Weevil hat die Tat begangen, Walterslide ist daran ebenso unschuldig wie wir selber.«

»Wahrhaftig,« rief Inail aus, »ich habe nicht übel Lust, das ganze Geschäft an den Nagel zu hängen und Steineklopfer zu werden.«



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