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Geringer Beytrag zu der autographischen Sammlung der Frau Gräfin Constance Rzewuska geborne Prinzessin Lubomirska.

Aus dieser Schrift, die, im Vergehn
Des Lebens, noch ein Greis geschrieben,
Wird ein Lavater kaum erspähn,
Wie treu der Frohsinn ihm geblieben.

Vernehmt dann wie es ihm gelang,
Aus seiner ungeschminkten Beichte,
Daß er die Grillen durch Gesang,
Die Heuchelei durch Spott verscheuchte.

Jung schmückt' ihn schon ein Blumenkranz,
Den die leichtfüßigste der Horen
Von ungefähr, im Ringeltanz
Mit seinem Genius, verloren.

Hinwelkend, durch die Zeit bestaubt,
Blieb dieß ertändelte Geschmeide
Sogar noch seinem grauen Haupt
Ein Denkmal einst genoßner Freude.

»Wenn mir der Horen letzte ruft,
»Mag er, wie Tausend seines gleichen,«
So sprach der Greis, »an meiner Gruft
»Noch als ein Todtenkranz verbleichen.«

Einst aber warnt ein Nachtgesicht
Ihn, wie ein Faulthier fortzuwandern:
»Welkt Dir Dein Kranz – o nun so flicht
»Das Schicksal Dir wohl einen andern.

»Dich locke deutscher Rittergeist
»Ins Feld, wo Hermanns Lorber sprießen,
»Um Dich dem Frühlingssänger Kleist
»Und seinem Nachruhm anzuschließen.«

Auch hielt es aus der Heldenzeit
– Des Greises Ehrtrieb zu erregen –
Ihm sein aus der Vergangenheit
Ererbtes Mordgewehr entgegen.

Allein sein weiches Herz entsprach
Zu wenig diesen Hochgefühlen;
Ihm graut, sich Kronen durch die Schmach
Des Vaterlandes zu erwühlen.

»Mich soll nicht jenes Traumgebild,«
Schwur er, »zum Waffenspiel verführen;
»Aus Menschenliebe würd' ich Schild
»Und Schwert, wie einst Horaz, verlieren.«

Kaum hatt' er dieß geträumt, erschien
Ihm Mars, gefolgt von trunknen Schergen,
Es flohn die Grazien, für ihn
Blieb nicht ihr Schatten, sich zu bergen.

Umsonst fleht' er um ihren Schutz,
Sie zitterten, als ob ein Fieber
Sie überfallen, voller Trutz
An dem betroffnen Greis vorüber.

»Du, der als Jüngling schon so frei
»Und keck Dich gegen uns benommen,
»Jetzt suchst Du, riefen alle drei,
»Zuletzt bei uns Dein Unterkommen.

»Geh Deine Straße! Müßten wir
»Uns nicht vor Welt und Nachwelt schämen,
»Solch einen dreisten Passagier
»In unsre Mitte aufzunehmen?«

Der Greis, verwundet durch den Stich
Des Chors mit blanken Schwanenhälsen,
Nahm seufzend seinen Stab und schlich
Hin zu Apollos Doppelfelsen.

Des Zutrauns lächelnd wies er ihm
Ein Plätzchen an in seinen Hallen;
»Hier wird Dich nicht der Ungestüm
»Der Plündrer,« sprach er, »überfallen!

»Zu leicht ist ihnen Dichtersold,
»Ja, sie verkauften, den fünf Sinnen
»Zum Hohn, für eine Hand voll Gold
»Das ganze Chor der Pierinnen.

»Vergiß den Störer uns'rer Ruh,
»Sammt allen Siegen, die ihn krönen,
»Und eile den Triumphen zu,
»Die Deine Jugendzeit verschönen.

»Auf Flügeln der Erinnerung
»Schwing Dich zu Margots Kinderspielen,
»Werd' in Gedanken wieder jung
»Und täusche Dich mit Nachgefühlen.

»Dem Tauber kann nie, wenn er girrt,
»Ein Feldgeschrei zu Ohren dringen,
»Und Kinder, wenn ihr Fenster klirrt,
»Verjagen ihre Furcht durch Singen.

»Zum Ueberfluß reicht die Natur,
»Des Traums Verheißung zu erfüllen,
»Dir Cäsars Kranz, er diente nur
»Um seinen Kahlkopf zu verhüllen.

»Ein solcher Hauptschmuck,« spöttelt er,
»Der Blößen deckt, ist unsern Tagen
»Sehr passend, und weit räthlicher
»Als einen Reiherbusch zu tragen.«

Der launige Apoll entschied;
Der Greis verjüngte sich durch Lieder
Der Freude, drum schallt auch sein Lied
So gern an frohe Herzen wieder.

Franzenbrunn, den 22. August 1811.


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