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Bitte eines Liebhabers an seine junge Geliebte, mit der er schon einige Zeit versprochen war.

Du übertreibst, o Freundin meiner Jugend,
Den Reiz der Schaam und Sittsamkeit,
Und in dem Fieber Deiner Tugend
Betriegst Du Dich um Glück und Zeit.
Wie lange willst Du noch, wie lange
Das treu'ste Band der Ehe fliehn,
Und mir zur Qual im kurzen Uebergange
Vom Fräulein bis zur Frau – verziehn? –
Du hörst mich nicht? Geliebteste! so höre
Doch Deiner ersten Mutter Rath,
Sie, die das Maas der jungfräulichen Ehre
Am richtigsten gemessen hat.
Als sie der Herr mit jedem Reiz umgeben,
Der Dich jetzt schmückt, ins Leben rief,
Bewahrte sie dieß jungfräuliche Leben
So lange nur, als Adam – schlief.


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