Ludwig Preller
Griechische Mythologie II - Heroen
Ludwig Preller

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c. Die Epigonen.

Auch hier liegen alte Sagen zu Grunde, auf welche schon die Ilias 4, 405 ff. deutet. Doch ermangelte die epische Ausführung in einem eigenen Gedichte, obwohl auch dieses dem Homer zugeschrieben wurde (Herod. 4, 32), des höheren Interesses, da diese Epigonen zwar frömmer und glücklicher als ihre Väter, aber bei weitem nicht so poetisch waren. Weder die attischen Tragiker noch die bildenden Künstler haben sich auf diese Dichtung 366 eingelassenEs gab von Aeschylos u. Sophokles Ἐπίγονοι. Doch bildete der Muttermord des Alkmaeon den eigentlichen Inhalt der Tragödie des Sophokles, welche Attius für das römische Theater überarbeitet hatte, s. Welcker Gr. Tr. 269 ff., Ribbeck tr. lat. 314., die in ihren wesentlichen Zügen nur ein Nachhall der älteren und weit bedeutenderen Thebais gewesen zu sein scheint. Das jüngere Zeitalter verräth sich auch dadurch daß das delphische Orakel so wie das des Amphiaraos bei Theben sammt anderem Orakelwesen sehr hervorgehoben wurde. Auch hatte diese Sage in manchen Punkten schon sehr den Charakter geschichtlicher Tradition.

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Zuge der Sieben und dem ihrer Nachkommen (Ἐπίγονοι) besteht darin daß jene gegen den Willen der Götter und gegen ihre Zeichen, diese mit allen günstigen Zeichen ausgerüstet zogen, daher sie bei geringerer Mannschaft doch den Sieg gewannen, wie dieses sowohl in der Ilias als bei Pindar als die Hauptsache hervorgehoben wirdIl. 4, 408 πειϑόμενοι τεράεσσι ϑεῶν καὶ Ζηνὸς ἀρωγῇ· κεῖνοι δὲ σφετέρῃσιν ἀτασϑαλίησιν ὄλοντο. Pindar P. 8, 48 ὁ δὲ καμὼν προτέρᾳ πάϑᾳ νῦν ἀρείονος ἐνέχεται ὄρνιχος ἀγγελίᾳ Ἄδραστος ἥρως. Adrast wurde also noch lebend gedacht. Il. 6, 222 sagt Diomedes, er erinnere sich des Tydeus nicht mehr, ἐπεί μ' ἔτι τυτϑὸν ἐόντα κάλλιφ' ὅτ' ἐν Θήβῃσιν ἀπώλετο λαὸς Ἀχαιῶν. Nach Apollodor verflossen zehn Jahre zwischen dem ersten und dem zweiten Zuge.. Später hieß es daß das delphische Orakel, als die Söhne der gebliebenen Helden vor dem Rachezuge anfragten, den Sieg verkündigte wenn Alkmaeon, der Sohn des frommen Amphiaraos, der Führer sein werde. Alkmaeon aber habe sich des Zuges geweigert, ehe er nicht den Vater, wie dieser ihm scheidend aufgetragen, an der Mutter gerächt habe: worauf Eriphyle noch einmal bestochen wurde und noch einmal zum Kriege trieb, jetzt durch Thersander bestimmt, den Sohn des Polyneikes und durch den kostbaren Peplos, welchen einst Aphrodite oder Athena der Harmonia geschenkt hatte. So weiß sie ihre Söhne Alkmaeon und Amphilochos zum Zuge zu überreden und diesen beiden schliessen sich die übrigen sieben an, so daß der Führer im Ganzen wieder neun sind, Aegialeus der Sohn des Adrast, Diomedes der des Tydeus, Promachos der des Parthenopaeos, Sthenelos der des Kapaneus, Thersander der des Polyneikes, Euryalos der des Mekisteus, Polydoros der Sohn des HippomedonApollod. 3, 7, 2, wo der letzte Name ausgefallen zu sein scheint, doch ist das Verzeichniß dieser Helden nicht immer dasselbe, Paus. 2, 20, 3; 10, 10, 2, Eustath. Il. 489, 38, Hygin f. 71. Il. 2, 559 ff. sind Diomedes, Sthenelos und Euryalos die Führer der Volker von Argos, Tiryns, Hermione, Asine, Troezen, Epidauros, Aegina u. s. w. in 80 Schiffen, über welche Diomedes den Oberbefehl führt.. Als sie vor 367 Theben anlangen befragen sie den Amphiaraos, nehmlich den Propheten zu Potniae bei Theben, worauf Pindar Pyth. 8, 38 ff. deutet. Die Antwort ist günstig, schon sehe er den tapferen Erben seines Ruhms Alkmaeon in die Thore der kadmeischen Stadt dringen, doch werde Aegialeus fallen, aber dieser allein, der Sohn des früher allein geretteten Adrast. Nun wurde zuerst die Stadt belagert, die Umgegend verheert, wie bei dem Kampfe vor Troja. Dann kam es zu einer entscheidenden Schlacht bei Glisas in der Nähe von Theben, wobei vermuthlich etwas Geschichtliches zu Grunde liegtPaus. 9, 9, 2; 19, 2, Welcker ep. Cycl. 2, 385. Auch bei der Zerstörung von Theben liegt Geschichtliches zu Grunde, da Il. 2, 505 Ὑποϑῆβαι, nicht Theben und die Kadmeia genannt wird, s. Str. 4, 412.. Laodamas, der wilde Sohn des Eteokles, führt die Thebaner. Durch ihn fällt Aegialeus, er durch Alkmaeon, worauf die Thebaner in die Mauern fliehn. Teiresias räth zu unterhandeln , aber zugleich mit Weib und Kind die Stadt zu verlassen und sich ins Weite zu retten. So thun sie in der Nacht, bei welchem Zuge Teiresias an der Tilphusischen Quelle stirbt, die Uebrigen aber weiter ziehn und nach Einigen nach Thessalien in die Hestiaeotis, nach Andern bis nach Illyrien zu den Encheleern auswandernHerod. 5, 61, Paus. 9, 5, 7, Apollod. 3, 7, 3, wo bei Hestiaea an die thessalische Hestiaeotis zu denken ist, s. Herod. 1, 56, Diod. 4, 67. Ein Theil der Geflüchteten kehrte unter Thersander zurück, Paus. 9, 8, 3, wo das Gebirge Homole oder Homolos am Ausgange des Tempethals als ihre Zuflucht in Thessalien genannt wird, daher später das Homoloische Thor in Theben seinen Namen bekommen haben soll, vgl. Schol. Theokr. 7, 103, Steph. B., Müller Orchom. 232. Ueber die Encheleer s. oben S. 27.. Die Argeier plündern und zerstören die Stadt und widmen einen Theil der Beute, darunter Manto, die Tochter des Teiresias, nach Delphi, wohin sie im voraus den besten Theil der Beute gelobt hatten. In Theben regierte nun Thersandros und sein Stamm, von dem sich noch in späten Tagen das Geschlecht des Theron in Sicilien ableitete. Thersandros selbst fiel im trojanischen Kriege bei dem ersten Zuge in Mysien.


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