Balder Olden
Madumas Vater
Balder Olden

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Prinzessin in den Matubatubergen

Am nächsten Abend saß Rudi schon wieder bei Tisch, blaß unter seiner Bräune, ein sehr wichtiger, sehr interessanter Rekonvaleszent.

Hühner-Diät! Hühner-Bouillon, Hühner-Braten. ein Glas Milch dazu. Gregorius sprach schon wieder Deutsch, als hätte er es nie vergessen gehabt. Jussuf und Muhmadi saßen an der Tafel, verstanden aber leider kein Wort.

»Also zweihundertfünfzig Stück, Gregorius?«

»Milchkühe, ja . . . Im Ganzen sind es vierhundertsechzig.«

»Ein Steinhaus?«

»Zwei Steinhäuser für Jussuf und mich.«

»Alles unter Jussufs Namen?«

»Selbstverständlich. Es gibt ein paar Gefängnisse in Nairobi und Moschi, in die man auch Europäer 173 einsperrt. Außerdem Schiffe, auf denen man sie nach Europa kutschiert.«

»Jussuf war Askari auf deinem Posten?«

»Er war Schauch, mein Feldwebel.«

»Und war es wirklich ganz unmöglich, uns Nachricht zu geben?«

»Absolut, glaubt ihr, ich hätte es sonst nicht getan? Afrika ist groß – aber wer auf der richtigen Spur ist, findet einen Karabiner im Pori und sehr rasch einen weißen Mann. Das Gute war eben, daß auf Gottes Erden nur ein Mensch auf der richtigen Spur war: Rudi.«

Maduma piepste:

»Ich auch!«

Rechts und links faßte Gregorius zu, nach beiden Kindern.

»Maduma auch. Nicht wahr, Rudi?«

Maduma sah stolz und ein wenig geniert aus, wie eine kleine. weiße Dame, die man bei Tisch umarmt. Dann kam »tarum tabum, tarum tabum, wumm, wumm« Trommelschlag aus dem Negerdorf, ein wildes, schreckliches, den Urwaldfrieden zerreißendes Brüllen dazu.

»Tarum tabum, tarum tabum, wumm, wumm. wumm.« 174

Dr. Schukrin stellte fest:

»In einer Viertelstunde sind sie da.«

»Wie du's ausgehalten hast, Gregorius? Acht Jahre. . . . .«

Er hatte immer gezeichnet und gemalt – tausend Blätter und Skizzen, vielleicht Tausende. Auch jetzt sprach er mit dem Bleistift in der Hand. Englische Bücher hatte er manchmal bekommen und jedes ein dutzendmal gelesen. So oft ein kleines Mädchen darin vorkam, hatte er an Maduma gedacht. So hatte er's ausgehalten.

»Nimmst du mich mit zu dir, Babbawäh?«

Gregorius war gar nicht wie der Vater eines so großen kleinen Mädchens. Er war viel zu lustig und hatte keinen Bart wie Dr. Schukrin.

»Du wirst Prinzessin in Matubatu, Maduma. Wer dich wieder von mir trennen will, den freß ich ohne Salz.«

Aber er war doch ein Papa – wie er Maduma jetzt vom Stuhl aufhob, in den Arm nahm, als ob sie ein Baby wäre, ihr in die Augen sah und sie an sich drückte: das war dennoch Papa.

»Du bist mein Kind, du liebes Kind.«

Tarum tabum, tarum tabum – – – –

Der Zug war fast heran, Feuerbrände zerrissen die Nacht, ein Stück Urwald wurde flammend, in 175 riesigen Fackeln herangetragen. Auf Dorf Boloti war zurzeit kein Mensch mehr. alles im Zug, singend, tanzend, Brände schwingend.

»Bwana Rudi hat die Heuschrecken verjagt.

Wir nennen ihn Bwana Heuschreck.

Muhmadi ist sein tapferer Gefährte.

Sie haben unseren Bwana Raffiki gefunden.

Tarum tabum, tarum tabum – – Wumm, Wumm, Wumm.«

Die Fackeln flogen ineinander, zum mächtigen Scheiterhaufen. Mit frischem Holz kamen viele gelaufen, ihn immer neu zu entfachen.

Er loderte die ganze Nacht hindurch, Tänze ohne Ende wurden getanzt. Unzählige Male in dieser Nacht und noch viele Jahre hindurch wurde das Lied von Rudi und seinem tapferen Gefährten gesungen.

Der Name »Bwana Heuschreck« wird ihm für's Leben bleiben, Afrika ist seine Zukunft.

Nach dem Examen – denn das erläßt ihm der Vater auch jetzt nicht – wird Bwana Heuschreck bei Onkel Gregorius Viehzucht lernen. Muhmadi bleibt ihm für's Leben verbunden wie Jussuf dem Onkel.

Gregorius will sich gar nicht von Rudi trennen. 176

»Am liebsten nähme ich euch gleich alle drei mit, Maduma, dich, Muhmadi.«

Aber die Mutter begehrt auf:

»Du bist doch Gregorius! . . . Du redest wie ein . . . Wirst du eigentlich nie vernünftig werden?«

Man konnte sich kaum unterhalten, das Fest rauschte so laut.

 


 


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