Oskar Loerke
Atem der Erde
Oskar Loerke

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Fabrikstadt

        Es ist, als stemmte sie mit ihren Schloten
Die Last aus Ruß und Schweiß und Lärm empor.
Darunter fährt man heute meinen Toten,
Den alten Mann, er spricht mir noch ins Ohr.

Doch dabei schütteln ihre Eisenkleider
Lokomotiven, und ihr Kreischen schreit.
Kein Himmel ist, zu dem der Vogelweider
Einst schrie: hilf, Herre, deiner Christenheit!

Der Rauch malt plumpe Schatten-Albatrosse,
Die sich auf Flug und Leben nicht verstehn,
Rasch abwärts rudernd im Gestank der Gosse
Sich lautlos niederwerfen und vergehn.

Am Abend erst steht auf den Backsteinfallen
Der Trümmer-Umriß einer Tempelstadt
Mit Resten ungeheurer Säulenhallen,
Die Dach und Stolz und Sinn verloren hat.

Es ragt im roten Himmel unbescholten
Der Stümpfe Plan, ihr Jetzt und Hier wird welk.
Sie würgen langsam Qualm hervor, als wollten
Sie Kapitäl ersinnen und Gebälk.

 


 


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