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Vorwort

»Bildung macht frei!« – war das Motto, welches Meyer seinerzeit seiner Groschenbibliothek vorsetzte. » Aufklärung macht wahrhaft frei!« – ist auch unser Wahlspruch, der uns bei unserem Unternehmen, den Lesern der weitesten Schichten der Gesellschaft die entsetzlichsten Nachtseiten der Geschichte der Menschheit zu erschließen, leitete.

Durch Vorführung der Ausgeburten des Menschenwahns, der in den Hexenprozessen und Autodafés seine grauenhaftesten Verirrungen gezeigt, sowie durch Hinweis auf die Schandsäulen des Menschengeschlechts, die sich durch Martern und Vernichten ihrer Mitmenschen besonders hervorgetan, allein glauben wir die letzten Spuren des After- und Aberglaubens am wirksamsten zu bekämpfen und das unsere zur Beseitigung von Vorurteilen beizutragen.

Dieses hehre Ziel zu erreichen, haben wir in jahrelanger Arbeit Akten und Archive, sowie die zuverlässigsten Quellenwerke alter und neuer Zeit durchforscht, wir wollten den Lesern nicht Gebilde unserer Phantasie vorführen, nein, wir stehen auf dem soliden Boden der Geschichte.

Um aber unser Ziel ganz zu erreichen, mußten wir unser Werk für jedermann schreiben, einen allgemeinverständlichen volkstümlichen Ton anschlagen, mit einem Worte dem Volke ein Volksbuch in des Wortes wahrer Bedeutung darbieten.

Dieses unser Volksbuch soll in leichtfaßlicher, unterhaltender Weise einführen in das unsägliche Elend vergangener Jahrhunderte, welches die Ausgeburten des Menschenwahns über die Menschheit gebracht haben. Unser Werk soll dem Leser einen Spiegel vorhalten, in welchem er die Verirrungen des Menschengeistes sowie die Entsittlichung unseres Geschlechtes in ihrer ganzen erschrecklichen, nackten Hässlichkeit erblickt; es soll aufklären und bilden und einen Rückfall in die alten Krankheiten der Volksseele unmöglich machen, indem es einen Blick gewährt auf all die Opfer eines blinden Glaubenshasses, geistlicher Herrschsucht, harter und grausamer Justiz, die die Religion der Liebe und Duldung in ihr Gegenteil verwandelten, und dadurch soll es beitragen, die wahre Menschlichkeit in allen Kreisen der Gesellschaft fördern zu helfen.

»Mensch, lerne dich selbst kennen!« – sagte ein Weiser des Altertums, wir fügen hinzu: »Menschengeschlecht, lerne aus der Geschichte deiner Verirrungen!« und »du arbeitest an deiner Vervollkommnung und Veredelung!«

Das Bestreben, unser Scherflein zur Erreichung dieses hohen und erhabenen Zieles beizutragen, das allein war der Beweggrund, der uns hinab in die Gebiete der Geschichte der Nacht und des Grauens der menschlichen Bosheit und Verworfenheit leitete, daraus dem Volke ein getreues Spiegelbild des unergründlichen sittlichen Abgrundes und der langen Erkrankung der Volksseele vorzuführen zur inneren Gesundung unseres Geschlechts.

Nicht nur dem deutschen Volke, sondern allen Nationen sei das Werk gewidmet. Möge es die Aufnahme finden eines echten und rechten Volksbuches!

Berlin-Schöneberg.
Die Verlagsbuchhandlung.


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