Friedrich von Hagedorn
Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen
Friedrich von Hagedorn

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Aurelius und Beelzebub.

                              Es wird Aurel, der nichts, als Armuth, scheut,
Zum Mammonsknecht, zum Harpax unsrer Zeit.
Ihm ist der Klang von vielen todten Schätzen
Ein Saitenspiel, das Zählen ein Ergetzen.
Oft schläft der Thor, noch hungrig und mit Pein,
Vom Hüten matt, auf vollen Säcken ein;
Denn Geld und Geiz nimmt täglich bey ihm zu;
Geld ist sein Trost, sein Leben, seine Ruh,
Sein Herr, sein Gott. Stets nagt ein scharfer Neid
Sein blutend Herz. Jüngst mehrt' ein vielfach Leid
Des Wuchrers Qual und Unzufriedenheit.

    Der Wittwen Fluch? Beraubter Waisen Ach?
Die Reue? Nein. Dergleichen Kleinigkeit
Giebt Reichen itzt kein grosses Ungemach.
Was wichtigers: Zu spät erfolgte Renten,
Ein drohender Protest, zu wenige ProCenten,
Ein viel zu mildes Jahr, der zu fürwitzge Zoll.
Dieß alles füllt sein Herz mit Unmuth, Zorn und Groll.
Er wird zuletzt verzweiflungvoll.

    Als er so grosser Noth zu peinlich nachgedacht,
Ruft der Unsinnige so gar in einer Nacht
Den Satan an und Satan schickt ihm gleich
Den grössten Herrn aus seinem Reich,
Der itzt, den Alten zu berücken,
In einer neuen Tracht erschien,
Wol zehnmal schöner, als wir ihn
In den Gemählden oft erblicken,
Wo ihm die Augen funkelnd glühn,
Und Hörner seine Stirne schmücken.
Er hatte weder Schweif, noch Klauen,
Der Hölle zaubernde Gewalt
Gab ihm die menschliche Gestalt,
Und keinem durfte vor ihm grauen.
Er überkam, nach unsrer Stutzer Art,
Ein schönes leeres Haupt, ein wol gepudert Haar,
Wobey zugleich dem Kinnchen ohne Bart
Ein Flügelwerk von Band, anstatt des Schattens, war.
Er selbst, wie seine Pracht, war ohne Fehl und Tadel,
Und Herr und Kleid von gleichem Adel.

    Nur ließ man ihm (so lautet der Bericht)
Den einen Pferdefuß. Warum? Das weiß ich nicht.
Er war ja sonst, ohn' allen Zweifel,
Ein hübscher, recht galanter Teufel.

    Bald fand der karge Greis den längst gesuchten Rath,
Als dieser Cavallier zu ihm ins Zimmer trat.

   

                      Pray, let me crave
Your Name, Sir – Satan.– Sir, Your Slave;
I did not look upon Your Feet:
You'll pardon me: – Ay now I fee't:
And pray, Sir, when came You from Hell?
Our Friends there, did You leave Them well? –
All well; but pr'ythee, honest Hans,
(Says Satan) leave Your Complaisance.
Prior, im Hans Carvel.
Mein Herr, wie heissen sie? – Beelzebub. – Willkommen.
Der Oberste der Teufel? – Ja. –
Ich hatt' es nicht in Acht genommen,
Weil ich noch nicht auf dero Füsse sah.
Sie setzen sich. – Wie geht es in der Höllen?
Wie lebt mein reicher Oheim da? –
Recht wie ein Fürst. – Und wie befindet sich
Der Lucifer? – Ich bitte dich,
Die Complimenten einzustellen.
Dich reich zu machen, komm' ich hier.
Ich bin dein Retter. Folge mir.

    Sein Führer bringet ihn in einen öden Wald
Von heiligen bemosten alten Eichen,
Den Sitz des Czernebocks,Czernebock war, nach dem Bericht des Helmolds, Lib. I. c. XXXV. der böse, schwarze Gott der Slaven, welche schwarz in ihrer Sprache Czorny und Gott Bog nannten. Ihm ward der gute und weisse Gott, Juterbock, (der Morgengott) oder Belbock entgegen gesetzet. S. des Herrn von Ludewig Diss. de Idolis Slauorum, §. 21. 22. in Opusc, misc. T. II. p. 531. 532. der GnomenLa Terre est remplie presque jusqu'au centre de Gnomes, gens de petite stature, gardiens des tresors, des minieres & des pierreries. Ceux-ci sont ingenieux, amis de l'homme & faciles à commander. Ils fournissent aux enfans des Sages tout l'argent qui leur est necessaire & ne demandent gueres pour prix de leur service que la gloire d'être commandés. Les Gnomides leurs femmes sont petites, mais fort agréables & leur habit est fort curieux. S.  le Comte de Gabalis p. 264. in der Bibliotheque de Campagne T. II. Aufenthalt,
Die Schlachtbank vieler Opferleichen.
Hier herrscht, fast tausend Jahr, ein schwarzer wilder Schrecken
In grauser Finsterniß. Den unwirthbaren Sitz
Verklärt, doch selten nur, ein rother schneller Blitz.
Hier sollte sich der Trost Aurels entdecken.
Hier blieb der Fliegenfürst und sein Gefährte stehn.
Er stampft dreymal: dreymal ertönt der Grund:
Es öffnet sich ein lichter, tiefer Schlund
Und lässt im Augenblick so grosse Barschaft sehn,
Als würde fast der Reichthum aller Welt,
Hier an Geschmeid' und Gold, den Augen dargestellt.
Sieh, spricht der Höllengeist, auf diesem Platz
Liegt ein Geschenk für dich, der Schatz.

    Wie wird der Filz durch dieses Wort entzückt!
Kein irdsches Paradies scheint ihm so schön geschmückt,
So reich an innerm Werth. Kein Thumherr, kein Praelat,
Der seiner Pfründe Zins in Rheinwein vor sich hat,
Kein Bischof, der erfreut, an einem Kirchweihfest,
Das erste Glas besieht, das er sich reichen lässt,
Weiß mit so merklichem, doch wolbefugten Sehnen
Sein fromm und fett Gesicht durch Lächeln auszudehnen.
Er streckt frolockend aus die hoffnungreiche Hand.
Wiewol, o harter Zwang! Glück voller Unbestand!
Halt, ruft Beelzebub, dieß ist dir zwar gegeben,
Allein vor morgen nicht zu heben.

    Der Schatz versinkt auf dieses Donnerwort.
Gestrenger Herr! wie kurz ist meine Freude!
Betrogener Aurel! Wie findest du den Ort?
Den Busch? die Kluft? den Schatz? – Er ist und bleibet dein.
Betrogen! Was? Ich ein Betrüger? – Nein. –
Sey klug und laß ein Zeichen dort,
Und nimm dir, wann es tagt, das Gold und das Geschmeide.

    Gleich setzt er tiefgebückt sich und ein Zeichen hin.
Er jauchzt mit neuvergnügtem Sinn,
Und sagt aufs zierlichste mit vielen Worten Dank.
Beelzebub verschwand, standsmässig mit Gestank.
Es springt Aurel um den bemerkten Platz,
Als ob er seinen Fund schon hätte;
Doch stösst er sich an einen Baum.
Aurel erwacht, (denn alles war ein Traum)
Und von dem vorgestellten Schatz
Bleibt nur das Zeichen in dem Bette.

    Es ist der Geiz der Teufel vieler Alten
Und der Beelzebub, der lockend sie bethört.
Ihr ungebrauchter Schatz ist aber nicht mehr werth,
Als was Aurel allhier erhalten.


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