Ludwig Eichrodt
Gedichte in allerlei Humoren
Ludwig Eichrodt

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Für die Blasirten

        Wenn das Herz dem Herzen sich verschlossen,
Weil des Lebens Wonnen ausgenossen,
Weil der Reiz verschwunden ist –
Dann wirst du dich nach Vernichtung sehnen,
Nach Befriedigung vergebens gähnen,
Oder ja! du wirst ein Christ:
Die Begierden schweigen nun auf immer
Deine Leidenschaft ist bankerott;
Du belächelst deiner Freuden Trümmer,
Aber ruhst in deinem Gott.

O wie nenn' ich euch, ihr Jammerknechte,
Zum lebend'gen Tod herabgeschwächte
Schwächlinge von Anbeginn!
Die ihr, arm an Zweifeln, doch verzweifelt,
Oder gleich Zitronen ausgeträufelt
Rollet auf die Straße hin.
Hirn- und herzlos sinkt ihr lallend nieder.
Suchet rohe Uebertäubung nur,
Denken ist euch auf den Nerv zuwider,
Seit erloschen die Natur.

Wenn das Schmerzgefühl der innern Leere,
Todesmuthige Ergebung wäre,
Demuth eines Sokrates;
Wenn ihr euer Christenthum begriffet
Wie St. Paul – Gedankenschwerter schliffet
Wollt' ich rühmen euch; indeß
Feige, die sich aller Kraft begeben,
Ganz der Kindlichkeit, der Liebe baar,
Kann nicht jener milde Geist beleben,
Der im Heiland mächtig war.

Aber wir bewehrte Männerseelen,
Wollen uns den Spruch vor allen wählen:
Gleich der Wittwe ew'gem Krug,
Wird der Born des Lebens nicht versiegen
Wenn wir nie den stolzen Nacken biegen
Unter der Verzagtheit Fluch!
Die wir wissen, daß die grüne Stelle
Unsrer Seelenruhe dort nur winkt
Wo die unerschöpfte Lebensquelle
Aus dem Fels der Wahrheit springt!

 


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