Ludwig Eichrodt
Gedichte in allerlei Humoren
Ludwig Eichrodt

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Dementi resp. Demant-Witz-Blitze eines eleganten Saphirsteines
oder
»das Frauenauge und der elektro-magnetische Telegraf«

            Ihr zittert – daß ich wohl das Köstlichste
Des köstlichen, doch nein, des göttlichen
D. h. des göttergleichen Ruhmgeschlechts der Schönen:
– Das Frauenauge – den lebend'gen Edelstein
Durch witzige Berührung zu vertrüben,
Durchtrieb'nen Triebs nach Scherzen, lauf Gefahr?
Nicht laufen möcht ich eben sagen hier –
Im Gegentheil graziös, doch ohne Kratzfuß –
Gefahr drum tanzen, glaubt ihr, werd' ich, wie?
Oho! Der Witz ist selbst ein Edelstein
Er sprüht und blitzt; obschon er oft auch
Der Anstoß-Stein ist; wie er selber
Vom reinsten Wasser – Wasser ist Humor doch,
Weil Feuchtigkeit; und humor heißt ja diese.
Doch hört mich an! Das Frauenauge ist
Gerade wie Elektromagnetismus (!!),
Verwendet zum Fernschreiber Telegraf.
(Daß Grafen Schreiber sind, ist seltsam wohl?)
Sagt aber, wer wohl läugnet die Magie
Des Weibs, des himmlischen Magnets,
Der gleichsam wie die magna charta einst
(Entschuld'gen sie den garstgen, den polit'schen Witz)
Machtvolle Eifersucht erregt –
Und manchen »Magen« schon verdorben hat,
Mag Herrin oder Magd es immer seyn,
(An Magdalene oder Maggelone nur erinnr' ich,)
Der Schwindel macht und oft zu Grunde richtet . . .
Wie die Magyaren jüngst der Demagogenschwindel.
Wer ferner kennt nicht die eleg'sche Kraft,
Die so elektrisch aus den Aepfeln blitzt
Des Frauenaugs? 'Ne ganze Batterie
Oft feuert aus 'nem einz'gen Blicke,
Auf uns verlorne Männer appliquirt.
Bei dem Fernschreiber auch ist ja 'ne Batterie,
(Obgleich gewöhnlich Schreiber fern
Gern der Bataille mit der Taille stehn.)
Doch ferner will ich's detailliren nicht,
Obgleich ich weiter nun erzählen muß.
Saht ihr nicht auf dem jüngsten Maskenball,
Wo tausend Lüstres holdes Glanzmeer strahlten,
Wo Mummenspiel und Muhmen-Schielen spuckte,
Saht ihr nicht Manchen da wie den von Mancha stehn,
Ein schmächtig Schmachtender im Prunkgewühl,
Fernstehen an kanelirter Säule,
Säulenstarr, (Kamel denkt hier ein Witzbold)
– Da trifft ihn jählings ein lautloses Wort,
Ein luftgeschrieb'nes Billetdoux,
Ein klanggetragner Schmachtbrief der Natur,
Der auf Orchesters Tönewellen schwimmt,
Ein Seufzer ohne Ton und doch beredt,
Ein Blitz aus funkelglühendem Brillant,
Aus jenem Edelstein – dem Frauenaug.
Telegrafirt ist im Gedankenflug
Im Nu, gleichwie elektrisch wirkt der Schlag,
Ein scheu Bekenntniß. –
Ein andres Bild! seht dort den Eheherrn,
Wie er mit schöngeputzten Damen schäkert –
(Shakespear'scher Sündenbock – ich beuge mich.)
Wie trifft ihn aus der Ferne schnell der Blitz,
Die strafende Gardinenpredigt aus dem Aug
Der eifersüchtigen Hausfrau – Ist's nicht so?

So stört auch oft ein zürnendzündender Strahl,
Seither des Flugs, flugs aber ganz verflucht,
Im Nu des liebenswürdgen Töchterchens
Kokette Fröhlichkeit (mit Jüngern des Merkur
Oder mit Mars füßschlankgehüftetem Schüler)
Ein telegrafischer Zuchtbrief, prüfend,
Von Mutterauge.
Und – myriadenfach schreibt solche Briefe
Des Frauenaugs magnetische Batterie
In weitste Fern, ha! schneller als der Wind,
Als Fantasie, als Alles, schneller selbst
Als ich, wenn ich dem Rezensentenheer
Und unverdientem Lob entrinnen will.
Der Rezensent mit seinem ceterum censeo.
Meliora esse posse omnia, das heißt:
Die Posse ist, daß stets er Zeter schreit.
Allein die Andern, welche loben nur,
Die bringen uns gar oft in Mißkredit
(Und leider meist in einer Miß Kredit,
'Nes alten Blaustrumpfs, der kretinenhaft.)
Ihr lacht? Nun ja, ich lache selbst.
Doch ihr, ihr Frauenaugen um mich her
Im Auditorium, nun hört noch dies:
Auch euere Kritik hab ich ganz stille
Vernommen längst schon und vermerkt,
Gleich hunderten von Rezensionsartikeln,
Telegrafirt gar deutlich und direkt
In meines Busens Didaskalia:
Auch Rezensionen schleudert Frauenaug!
Es kritisirt mich gar vom Wirbel bis
Zum letzten Westenknopf und bis zur Zeh
Im Feuernu – ich seh' es nur zu gut.
O Elektromagnetismus!
Du bist so alt wie das schöne Geschlecht.
Pardon! Sie, andächtige Hörerinnen,
Sind Alle jung. Adieu!

 


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