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Vorwort

Wie viel an der nachfolgenden Erzählung dem Gebiete wirklicher Thatsachen, wie viel dem der Dichtung angehöre, möge der geneigte Leser uns erlassen, hier zu berichten; wir schweigen absichtlich darüber, und Forscher, denen ihre Muße solche Beschäftigung erlaubt, mögen die Mühe, eine Gränzlinie aufzufinden, selbst auf sich nehmen.

Die Wahl des Schauplatzes wird keiner Rechtfertigung bedürfen: wer sich darüber entschuldigen wollte, irgend Jemand entweder in der Phantasie oder in der Wirklichkeit nach einem Meere wie das mittelländische, an Küsten wie die Italiens – geführt zu haben, würde in eine Ziererei verfallen, von der wir wenigstens uns frei wissen. Die Ausführung unseres Gemäldes mag hinter der ursprünglichen Idee zurückgeblieben sein, aber jedes edle Wagniß trägt seine Berechtigung in sich selber, besonders wo ein Mißlingen nur auf den Urheber zurückfallen kann. Wer die Schauplätze je gesehen hat, die wir in so schwachen und unvollkommenen Umrissen gezeichnet haben, wird um der guten Absicht willen Nachsicht mit den Mängeln unseres Gemäldes haben, und wer jenes Glück nicht genossen hat, findet sicher unsere Schilderungen so hoch über aller anderwärts geschauten Wirklichkeit, daß kein Zweifel an unserer Fähigkeit bei ihm auskommen wird.

Von Raoul Yvard, von Ghita Caraccioli und dem kleinen Irrwisch haben wir nicht mehr zu sagen, als was sich im Buche selbst findet. Wir sprechen mit Sancho: »die uns erzählt haben von allen Dreien« – das Schifflein rechnen wir mit zu den lebenden Wesen – »sagten, es sei so gewißlich wahr, daß wir getrost darauf schwören könnten.« Irren wir uns, so heilen wir dieß Geschick mit dem ehrlichen Pansa, und dazu in einem Falle, der an Wichtigkeit dem seinigen nichts nachgeben wird.

Uebrigens hört und weiß die Welt im Allgemeinen wenig von der endlosen Masse Einzelnheiten, die das Leben auf der See bilden. Wenige hervorragende Momente werden etwa von Geschichtschreibern herausgegriffen, wenn sie in Verbindung mit Schlachten, Verträgen, Schiffbrüchen oder Schiffsjagden stehen, alles Uebrige aber bleibt ein leeres Blatt für die große Menge. Man hat nicht mit Unrecht behauptet, daß das Leben jedes einzelnen Menschen, würde es einfach und klar erzählt, eine Fundgrube heilsamer Lehre und wechselvoller Unterhaltung bilden müßte, und eben so wahr ist, daß jeder Tag aus einem Schiffe Stoff zu interessanten Berichten genug darböte, könnten anders die trockenen Berichte des Logbuches in die plastische Sprache lebendiger Auffassungsgabe umgewandelt werden. Schon ein einzelnes Schiff, allein auf der Wasserwüste, kann ein Gegenstand der Reflexion werden, wie es der Poesie Nahrung, dem sittlichen Gefühle Anregung darbietet, und da wir selten müde werden, uns mit diesem Stoffe zu beschäftigen, so kann unser Wunsch nur der sein, daß die Zahl von Lesern, die wir gewissermaßen als unsere literarische Klientschaft betrachten dürfen, unserer Produkte nimmer überdrüssig werden möge.

Unsere Hauptsorge betrifft aber dießmal den Kontrast, den wir zwischen kindlichem Glauben und einer leichtsinnigen Freigeisterei bezeichnet haben. Beide Charaktere sollten der Zeit und dem Orte, dem sie angehören, treu sein, und wir waren bemüht, beiden das nöthige Relief zu geben, dabei aber alle Uebertreibung zu vermeiden. Daß eine starke natürliche Sympathie zwischen Menschen vorhanden sein kann, die sich in solchen Dingen so ferne als möglich stehen, beweist die tägliche Erfahrung, und daß es Gemüther gibt, in denen die Macht der Grundsätze auch die einschmeichelndste und trügerischste der menschlichen Leidenschaften überherrscht, hoffen wir nicht allein – nein, wir glauben es zuversichtlich. Dabei wollten wir jene edleren Züge einer siegreichen Ausdauer in derjenigen Hälfte des Menschengeschlechtes erscheinen lassen, wo sie nach unserer Überzeugung am ehesten hienieden gefunden werden.

Der siebente unserer Seeromane liegt hiemit vor den Augen des Publikums. Als wir den ersten vollendet hatten, glaubte keiner unserer Freunde an einen glücklichen Erfolg; ihr Mißtrauen gründete sich auf die Einförmigkeit des Stoffs und auf die mancherlei unwillkommenen Zuthaten. Nicht allein, daß sich diese Prophezeihungen, was unsern eigenen schwachen Versuch betrifft, als unwahr erwiesen haben – die Neigung der Lesewelt ist entschieden genug gewesen, um auch von andern Seiten her eine achtunggebietende Anzahl von Nachkommen jenes ersten Stammhauptes freundlich aufzunehmen. Möchten in dem » Irrwisch« verwandte Züge genug sich finden, um auch diesem Sprößling ein Heimathsrecht in der großen gemeinschaftlichen Familie zu sichern.


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