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Erste Reihe.
Die Handthiere

Erste Ordnung.
Die Hochthiere ( Primates).

Allgemeines: Mensch und Affe, Leibesbau, geistige Eigenschaften, Leben der Affen

Die erste Unterordnung der Hochthiere lehrt uns den Menschen, die zweite seine nächsten Verwandten kennen.

Wagler nennt die Affen » umgewandelte Menschen« und wiederholt damit die uralte und doch immer neue Ansicht aller Völker, welche mit diesen fratzenhaften Wesen verkehrt haben und verkehren; das Gegentheil seines Ausspruches würde heutzutage gültigen Anschauungen entsprochen haben. Nicht die Affen sind umgewandelte Menschen, sondern diese vollkommener entwickelte Affen oder, falls ein solcher Ausdruck anstoßen sollte, höher stehende Handthiere.

Von den alten Völkern scheinen nur die Egypter und Inder eine gewisse Zuneigung für die Affen gezeigt zu haben. Die alten Egypter, auf deren Affenwürdigung ich zurückkommen werde, gruben ihre Bildnisse in den unvergänglichen Porphyr ein und schufen nach ihnen die Abbilder ihrer Götter; die alten Inder erbauten ihnen, wie ihre Nachkommen es heute noch thun, Häuser und Tempel. Salomo ließ sich zwar ebenfalls Affen aus Ophir kommen, und die Römer hielten solche zu ihrem Vergnügen, studirten, ihren Leib zergliedernd, an ihnen den inneren Bau des Menschen, freuten sich der drolligen Nachahmungssucht der Thiere, ließen sie wohl auch mit Raubthieren kämpfen, befreundeten sich aber nie recht mit ihnen und verkannten, ebensowenig wie Salomo, das »Thier« in ihnen. Die Araber gehen noch weiter; denn sie sehen in ihnen Söhne, Enkel, Urenkel und Nachkommen des Ungerechten, denen nichts heilig, nichts achtbar, nichts zu gut und nichts zu schlecht ist, welche keine Freundschaft halten mit anderen Geschöpfen des Herrn und verflucht sind seit dem Tage, an welchem sie durch das Strafgericht des Gerechten aus Menschen zu Affen verwandelt wurden, von Allah Verdammte, welche jetzt das Bild des Teufels und des Adamssohnes in wunderlicher Vereinigung zur Schau tragen.

Wir denken nicht viel anders als die Araber. Anstatt unserer nächsten Verwandten und vielleicht Vorgänger wollen auch wir kaum mehr in ihnen erkennen als Zerrbilder unserer selbst und schleudern das Urtheil der Verdammnis auf sie. Daraus erklärt sich mindestens theilweise der mit gelindem Entsetzen gemischte Abscheu aller nicht naturwissenschaftlich Gebildeten oder Verbildeten vor den Folgerungen, zu denen Darwins Lehre Veranlassung gegeben hat. Der Mensch, leiblich ein veredelter Affe, geistig ein Halbgott, will nur das letztere sein und versucht mit kindischer Aengstlichkeit seine nächsten Verwandten von sich abzustoßen, als könne er durch sie irgendwie beeinträchtigt werden.

Es ist beachtenswerth, daß wir bloß diejenigen Affen wirklich anmuthig finden, welche die wenigste Ähnlichkeit mit den Menschen zeigen, während uns alle diejenigen Arten, bei denen diese Aehnlichkeit schärfer hervortritt, geradezu abscheulich erscheinen. Unser Widerwille gegen die Affen begründet sich ebensowohl auf deren leibliche wie geistige Begabungen. Sie ähneln dem Menschen zu viel und zu wenig. In der Gestalt des Menschen zeigt sich das vollendete Ebenmaß, in der Affengestalt gibt sich oft widerliche Fratzenhaftigkeit kund. Ein einziger Blick auf das Knochengerüst des Menschen und das des Affen zeigt den in beider Anlage begründeten Unterschied, welcher jedoch keineswegs ein durchgreifender ist, vielmehr nur als ein bedingter, nicht aber unbedingter aufgefaßt werden darf. Jedenfalls ist es unrichtig, die Affen als mißgebildete Geschöpfe zu bezeichnen, wie gewöhnlich zu geschehen pflegt und auch von mir selbst geschehen ist. Es gibt bildschöne, und es gibt sehr häßliche Affen; mit dem Menschen aber ist dies nicht im geringsten anders: in einem Eskimo, Buschmann oder Neuholländer sehen wir auch kein Vorbild Apollo's. An und für sich sind die Affen sehr wohl ausgestattete Thiere; mit dem höchststehenden Menschen verglichen, erscheinen sie als Zerrbilder des vollendeteren Wesens. Doch hüte man sich vor aller Ueberschwenglichkeit; denn der Affenmensch spiegelt sich selbst in den Augen des salbadernden Menschenverherrlichers als Bruder des Menschenaffen.

Gerippe des Menschen und des Gorilla; a männlicher und b weiblicher Schädel des letzteren. (Aus dem Berliner anatomischen Museum.)

Die Leibesgröße der Affen spielt in weiten Grenzen: der Gorilla kommt einem starken Manne, das Seidenäffchen einem Eichhorne gleich. Auch der Bau des Leibes ist sehr verschieden, wie die im allgemeinen richtigen Bezeichnungen »Menschen-, Hund- und Eichhornaffe« besser als lange Beschreibungen darthun. Einige sind massig, andere schlank, diese plump, jene zierlich gebaut; die einen haben stämmige, die anderen schmächtige Gliedmaßen, die meisten lange, einige kurze, einzelne gar keine Schwänze. Ebenso verhält es sich mit der Behaarung: bei diesen deckt ein spärliches Haarkleid, bei jenen ein ziemlich dichter Pelz den Leib. Die Farben des Felles, im ganzen düster, können doch zuweilen lebhaft und ansprechend sein, während die der nackten Theile oft geradezu grell, für unser Auge abstoßend erscheinen.

Die Uebereinstimmung des inneren Leibesbaues der Affen ist größer als man, von ihrer äußeren Erscheinung folgernd, vermuthen möchte. Das Geripp enthält 12 bis 16 Brustwirbel, 4 bis 9 Lendenwirbel, 2 bis 5 Kreuzbein- und 3 bis 33 Schwanzwirbel; das Schlüsselbein ist stark; die Unterarmknochen sind getrennt und sehr beweglich, die Handwurzelknochen gestreckt, die der Finger aber theilweise verkümmert, während an den Füßen gerade der entgegensetzbare Daumen auffällt. Der Schädel ist sehr verschieden gestaltet, je nachdem der Schnauzentheil vor- oder zurücktritt und der Hirnkasten sich erweitert; die Augen liegen vorn, in stark umrandeten Knochenhöhlen, und die Jochbogen stehen nicht bedeutend vom Schädel ab. Das Gebiß enthält alle Zahnarten in ununterbrochenen Reihen, d. h. ohne Lücken zwischen den verschiedenen Zähnen: vier Schneidezähne, zwei oft außerordentlich und wie bei Raubthieren entwickelte Eckzähne, zwei oder drei Lück- und drei Mahlzähne in jedem Kiefer pflegen es zu bilden. Unter den Muskeln verdienen die der Hände unsere Beachtung, weil sie im Vergleiche zu denen der Menschenhand außerordentlich vereinfacht erscheinen. Der Kehlkopf befähigt nicht zu einer Sprache im menschlichen Sinne; die sackartigen Erweiterungen der Luftröhre dagegen begünstigen gellende, heulende Laute. Besonderer Erwähnung werth sind die Backentaschen, welche einige Affensippen besitzen: Ausbuchtungen der Mundhöhlenwände, welche durch eine hinter dem Mundwinkel gelegene Oeffnung mit der Mundhöhle in Verbindung stehen und zur zeitweiligen Aufspeicherung der Nahrung dienen. Bei den Meerkatzen, Makaken und Pavianen erreichen sie die höchste Entwickelung und ziehen sich tiefer herab als der Unterkiefer; bei den Schlankaffen verringern sie sich bis auf ein sehr kleines Säckchen; den Menschenaffen wie denen der Neuen Welt fehlen sie gänzlich.

Man nennt die Affen oft auch Vierhänder und stellt ihnen die Zweihänder oder Menschen wegen des abweichenden Hand- und Fußbaues als grundverschiedene Thiere gegenüber. Beides ist falsch: die Affen sind keine Vierhänder, und die Zweihänder unterscheiden sich durch ihren Hand- und Fußbau wohl merklich, aber nicht grundsätzlich. Giebel versichert zwar, daß »Vergleichung beider Hände die behauptete Abstammung des Menschen von den Affen als durchaus unmöglich erweise und letzterer Unbildungsfähigkeit bekunde«; auf diesen Ausspruch ist jedoch kein Gewicht zu legen: denn eine unmittelbare Abstammung des Menschen von den jetzt lebenden Affen hat weder Darwin noch einer seiner Anhänger oder Vorgänger behauptet. Vergleicht man Menschen- und Affenhand und Menschen- und Affenfuß, so wird man zunächst erkennen müssen, daß die einen wie die anderen nach denselben Grundgesetzen gebaut sind. Man wird demgemäß entweder auch den Menschen zu den Vierhändern rechnen oder aber die Affen Zweihänder nennen müssen. Selbstredend bin ich weit entfernt, die Verschiedenheit von Hand und Fuß bei Mensch und Affe wegleugnen zu wollen, stelle aber in Abrede, daß dieser Unterschied des Baues zu einer so weit gehenden Trennung, wie sie auf Hand und Fuß begründet worden ist, berechtigen könnte.

Gerippe des weiblichen Hulman. Marimonda.

Stimmsäcke des Brüllaffen (vergrößert). Brüllaffe. (Aus dem Berliner anatomischen Museum.)

Bärenpavian. Meerkatze.

Um meiner Behauptung eine Grundlage zu geben, beschreibe ich Hand und Fuß eines jungen lebenden Schimpanse. Die mittelgroße Hand erscheint ihrer Schmalheit halber sehr lang: ihre Breite, in der Mitte des Handtellers gemessen, beträgt nur 5 Centim., ihre Länge dagegen 13 Centim. Der Daumen ist auffallend klein, schwach und so kurz, daß er zusammengelegt nur die Einlenkung des Zeigefingers erreicht. Die Finger, welche äußerlich, wie beim Menschen, in der Hälfte der Handlänge gelenken, und sich ebenso wie hier abstufen, sind bedeutend kräftiger, zumal dicker als der Daumen; namentlich gilt dies für Mittel- und Ringfinger, wogegen Zeige- und Kleinfinger zumal im Vergleiche zu den menschlichen schwächer erscheinen. Auffallend kurz ist das Nagelglied der Finger, welche außerdem einen durchaus regelmäßigen Bau zeigen. Alle Nägel sind im Verhältnis zu den menschlichen klein. Der Daumen kann den übrigen Fingern ebenso weit entgegengesetzt werden, wie dies an der menschlichen Hand der Fall ist; auch die Finger lassen sich fast ebenso weit wie die der menschlichen Hand spreizen; doch scheint die willkürliche Beweglichkeit der gesammten Hand, obgleich sie allen von mir angestellten Bewegungen im ganzen und einzelnen willig folgt, beschränkter zu sein als die der unserigen. Der Fuß ist fast genau ebenso lang wie die Hand, 12,8 Centim. nämlich, erscheint jedoch breiter und ist dies von der Einlenkung der Zehen wirklich, da hier die Breite reichlich 5,5 Centim. beträgt. Die Zehen sind verhältnismäßig länger als die menschlichen und namentlich die Daumenzehen stark entwickelt; denn während die Länge der Mittelzehe 3,8 Centim. beträgt, mißt die Daumenzehe 4,6 Centim. Letztere kann auch ebenso gut und ebenso weit, wie der Daumen den anderen Fingern, den übrigen Zehen entgegengesetzt, aber ebenso ohne sonderliche Anstrengung an dieselben so fest angeschlossen werden, daß sich beide einzig und allein in der Einlenkungsstelle nicht berühren. Im übrigen ähnelt der Fuß dem menschlichen in jeder Hinsicht, bis auf die Hautfalten der Sohle sogar, obschon diese erklärlicherweise einen etwas anderen, durch die größere Beweglichkeit der Daumenzehe bedingten Verlauf haben. Hand und Fuß sind bis zu den Knöcheln mit Haaren bekleidet, von hier an aber nackt.

Soll ich das Ergebnis meiner Vergleichung in wenige Worte zusammenstellen, so lauten diese, daß ich außer Stande bin, einen durchgreifenden Unterschied zwischen beiden aufzufinden. Selbstverständlich weichen beide Glieder von den entsprechenden des Menschen ab; beide aber sind genau nach denselben Grundzügen gebaut, und die Verschiedenheit der Entwickelung darf wohl auf die Verschiedenheit der Verwendung zurückgeführt werden. Daß auch bei anderen Affen der Gegensatz zwischen Hand und Fuß ersichtlich ist, lehrt ein Blick auf die umstehend gegebenen Abbildungen.

Ungeachtet der großen Ähnlichkeit zwischen Mensch und Affe lassen sich Unterscheidungsmerkmale aufstellen; nur darf man denselben nicht ausnahmsweise ein größeres Gewicht beilegen, als man sonst bei Vergleichung verschiedener Säugethiere zu thun pflegt. Der hagere, behaarte Leib ohne Gesäß, die langen Arme, die dünnen Beine ohne Waden, die Gesäßschwielen bei einem großen Theile der Arten, der vielen zukommende lange Schwanz und vor allem der thierische Kopf mit dem rückliegenden und kleinen Schädel und den eingezogenen dünnen Lippen sind Kennzeichen der Affen, welche als gegensätzliche von denen der Menschen aufgefaßt werden dürfen.

Oken beschreibt die Affen im Vergleiche zu dem Menschen mit folgenden Worten: »Die Affen sind dem Menschen ähnlich in allen Unsitten und Unarten. Sie sind boshaft, falsch, tückisch, diebisch und unanständig, sie lernen eine Menge Possen, sind aber ungehorsam und verderben oft den Spaß mitten im Spiele, indem sie dazwischen einen Streich machen wie ein tölpelhafter Hanswurst. Es gibt keine einzige Tugend, welche man einem Affen zuschreiben könnte, und noch viel weniger irgend einen Nutzen, den sie für den Menschen hätten. Wachestehen, Aufwarten, verschiedene Dinge holen, thun sie bloß so lange, bis sie die Narrheit anwandelt. Sie sind nur die schlechte Seite des Menschen, sowohl in leiblicher wie in sittlicher Hinsicht.«

Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Schilderung im wesentlichen nicht unrichtig ist. Wir wollen jedoch auch gegen die Affen gerecht sein und dürfen deshalb wirklich gute Seiten derselben nicht vergessen. Ueber ihre geistigen Eigenschaften in Einem abzuurtheilen, ist nicht gerade leicht, weil die ganze Sippschaft zu viele sich widersprechende Eigenthümlichkeiten zeigt. Man muß freilich anerkennen, daß die Affen boshaft, listig, tückisch, zornig oder wüthend, rachsüchtig, sinnlich in jeder Hinsicht, zänkisch, herrsch- und raufsüchtig, reizbar und grämlich, kurz leidenschaftlich sind, darf aber auch die Klugheit und Munterkeit, die Sanftheit und Milde, die Freundlichkeit und Zutraulichkeit gegen den Menschen, ihre Unterhaltungsgaben, ihre erheiternde Ernsthaftigkeit, ihre Geselligkeit, ihren Muth und ihr Einstehen für das Wohl der Gesammtheit, ihr kräftiges Vertheidigen der Gesellschaft, welcher sie angehören, selbst gegen ihnen überlegene Feinde, und ihre oft sehr unschuldige Lust an Spielereien und Neckereien nicht vergessen. Und in einem Punkte sind sie alle groß: in ihrer Liebe gegen ihre Kinder, in dem Mitleiden gegen Schwache und Unmündige nicht allein ihrer Art und Familie, sondern selbst anderer Ordnungen, ja sogar anderer Klassen des Thierreichs. Der Affe in seiner sinnlichen Liebe ist ein Scheusal; er kann aber in seiner sittlichen Liebe manchem Menschen ein Vorbild sein!

Hand und Fuß verschiedener Affen.

1, 2 Gorilla; 3-6 Tschego; 7, 8 Schimpanse; 9, 10 Orang-Utan; 11-13 Gibbon (Lar); 14, 15 Stummelaffe (Guereza); 16-18 Meerkatze (Malbruk); 19, 20 Pavian (Babuin); 21, 22 Krallenaffe (Seidenäffchen).

Die geistige Ausbildung, welche die Affen erreichen können, erhebt sie zwar nicht so hoch über die übrigen Säugethiere, mit Ausschluß des Menschen, stellt sie aber auch nicht so tief unter den Menschen, als von der einen Seite angenommen, von der anderen behauptet worden ist. Die Hand, welche der Affe besitzt, gewährt ihm vor anderen Thieren so große Vorzüge, daß seine Leistungen theilweise größer erscheinen, als sie sind. Er ist gelehrig, und der Nachahmungstrieb, welchen viele seines Geschlechtes besitzen, erleichtert es ihm, irgend eine Kunst oder Fertigkeit zu erlernen. Deshalb eignet er sich nach kurzer Übung die verschiedenartigsten Kunststücke an, welche einem Hunde z. B. nur mit großer Mühe gelingen. Allein man darf nie verkennen, daß er das ihm Gelehrte immer nur mit einem gewissen Widerstreben, niemals aber mit Freude und Bewußtsein ausführt. Es hält nicht schwer, einen Affen daran zu gewöhnen, mit Messer und Gabel zu essen, aus Gläsern zu trinken, Kleider anzuziehen, ihn zum Drehen des Bratspießes oder zum Wasserholen etc. abzurichten; allein er wird solches nie mit derselben Sorgfalt, ich möchte sagen Gewissenhaftigkeit, thun wie ein wohlerzogener Hund. Dafür haben wir den Hund aber auch Jahrtausende hindurch gepflegt, gelehrt, unterrichtet und ein ganz anderes Geschöpf aus ihm gebildet als er war, während der Affe keine Gelegenheit hatte, mit dem Menschen in nähere Verbindung zu kommen. Was Affen leisten können, wird aus dem nachfolgenden hervorgehen und damit der Beweis geliefert werden, daß man Recht hat, sie zu den klügsten aller Thiere zu zählen. Ein hoher Grad von Ueberlegung ist ihnen nicht abzusprechen. Sie besitzen ein vortreffliches Gedächtnis und wissen ihre Erfahrungen verständig zu benutzen, mit wirklicher Schlauheit und List ihre Vortheile immer wahrzunehmen, bekunden überraschendes Geschick in der Verstellung und lassen es sich oft nicht merken, welche heillose Absicht sie in ihrem Gehirne ausbrüten, wissen sich Gefahren gewandt zu entziehen und finden trefflich die Mittel auf, gegen sie sich zu wahren. Auch Gemüth muß ihnen zuerkannt werden. Sie sind der Liebe und Zuneigung fähig, besitzen Dankbarkeit und äußern ihr Wohlwollen gegen diejenigen, welche ihnen Gutes thaten. Ein Pavian, welchen ich besaß, bewahrte mir unter allen Umständen seine unverbrüchliche Zuneigung, obgleich er leicht mit jedermann Freundschaft schloß. Sein Herz schien jedoch bloß für die Liebe zu mir Raum zu haben; denn er biß seinen eben gewonnenen Freund, sobald ich mich ihm und diesem nahte. Eine ähnliche Engherzigkeit habe ich bei allen Arten der Ordnung, welche ich beobachten konnte, wahrgenommen. Die Liebe, welche alle Affen gegen ihresgleichen bethätigen, spricht ebenfalls für ein tiefes Gemüth. Sehr viele Thiere verlassen die Kranken ihres Verbandes, einige tödten, andere fressen sie sogar: die Affen versuchen selbst ihre Todten wegzuschleppen. Doch ist ihre Zuneigung oder Liebe im allgemeinen ebenso wetterwendisch, wie sie selbst es sind. Man braucht bloß das Affengesicht zu studiren, um sich hierüber klar zu werden. Seine Beweglichkeit ist unglaublich groß. In ebenso rascher wie unregelmäßiger Folge durchlaufen es alle nur denkbaren Ausdrücke: Freundlichkeit und Wuth, Ehrlichkeit und Tücke, Lüsternheit, Genußsucht und andere Eigenschaften und Leidenschaften mehr. Und noch will es scheinen, als könne das Gesicht den Kreuz- und Quersprüngen des Affengeistes kaum folgen.

Hervorgehoben zu werden verdient, daß alle Affen, trotz ihres Verstandes, auf die albernste Weise überlistet und getäuscht werden. Ihre Leidenschaften tragen häufig einen vollständigen Sieg über ihre Klugheit davon. Sind jene rege geworden, so achten sie auch die plumpeste Falle nicht mehr und vergessen ihre Sicherheit gänzlich über der Absicht, ihrer Gier zu fröhnen. Die Malaien höhlen harte Kürbisse durch eine kleine Oeffnung aus und füllen sie mit Stücken von Nahrung, namentlich mit Zucker oder mit Früchten, welche die Affen gern fressen. Diese zwängen, um zu ihrer Lieblingsspeise zu gelangen, ihre Hände durch die enge Oeffnung und erfassen eins der Stücke mit solcher Gier, daß sie sich lieber fangen als das einmal Erfaßte wieder loslassen. In solcher Weise beherrschen die Leidenschaften auch die klügsten Affen – just wie so manche Menschen. Ob man deshalb berechtigt ist, ihren Verstand zu unterschätzen, möchte zu bezweifeln sein.

Die Affen waren in früheren Schöpfungsabschnitten über einen größeren Theil der Erde verbreitet als gegenwärtig; denn sie hausten im südlichen Europa, in Frankreich und England. Gegenwärtig beschränkt sich ihr Vaterland auf die warmen Theile der Erde. Gleichmäßige Wärme scheint Lebensbedingung für sie zu sein. Einige Paviane steigen zwar ziemlich hoch im Gebirge empor und ertragen geringere Wärmegrade, als man vermuthen möchte; fast alle übrigen Affen aber sind gegen Kälte höchst empfindlich. Jeder Erdtheil besitzt seine eigenen Arten, Asien mit Afrika wenigstens eine gemeinschaftlich. In Europa kommt nur eine Art vor, und zwar in einem einzigen Trupp, welcher an den Felsenwänden Gibraltars unter dem Schutze der Besatzung dieser Festung lebt. Gibraltar ist übrigens nicht der nördlichste Ort, welcher Affen besitzt; denn ein japanischer Makake geht noch weiter nach Norden hinauf, etwa bis zum 37. Grade nördlicher Breite. Nach Süden zu reichen die Affen ungefähr bis zum 35. Grade südlicher Breite, doch nur in der Alten Welt, während sich der Verbreitungskreis der Neuweltsaffen bloß vom 28. Grade nördlicher Breite bis zum 29. Grade südlicher Breite erstreckt.

Der Verbreitungskreis einer Art ist ziemlich beschränkt, obwohl es vorkommt, daß in entfernten Ländern eines und desselben Erdtheils gewisse, sich sehr ähnliche Arten einander vertreten.

Die Mehrzahl der Affen gehört dem Walde an; nur ein kleiner Theil lebt auf felsigen Gebirgen. Ihre Ausrüstung weist sie auf das Klettern hin: Bäume bilden daher ihren Lieblingsaufenthalt. Alle Felsenaffen bewegen sich auf diesen ungeschickt, besteigen sie auch bloß im Nothfalle.

Die Affen gehören unstreitig zu den lebendigsten und beweglichsten Säugethieren. So lange sie auf Nahrungserwerb ausgehen, sind sie nicht einen Augenblick lang ruhig. Schon die Mannigfaltigkeit ihrer Nahrung bedingt dies. Ihnen ist alles Genießbare recht. Früchte, Zwiebeln, Knollen, Wurzeln, Sämereien, Nüsse, Knospen, Blätter und saftige Pflanzenstengel bilden den Haupttheil ihrer Mahlzeiten; ein Kerbthier aber wird auch nicht verschmäht, und Eier, junge Vögelchen etc. sind Leckerbissen. Da gibt es nun immer etwas zu begucken, zu erhaschen oder abzupflücken, zu beriechen und zu kosten, um es entweder zu genießen oder auch wegzuwerfen. Solche Untersuchungen erfordern viel Bewegung; deshalb ist die ganze Bande niemals ruhig. Die Sorge um das liebe Futter scheint groß zu sein: sogar der gewaltige Elefant soll seine Prügel bekommen, wenn er so dreist ist, an der Affentafel – und das ist der ganze, große Wald – schmausen zu wollen. Von Eigenthum haben die Schelme äußerst mangelhafte Begriffe: »Wir säen, aber die Affen ernten«, sagen die Araber Ost-Sudâns. Felder und Gärten werden von allen Affen als höchst erquickliche Orte angesehen und nach Möglichkeit gebrandschatzt. Jeder einzelne Affe verwüstet, wenn er dies thun kann, zehnmal mehr, als er frißt. Gegen solche Spitzbuben hilft weder Schloß noch Riegel, weder Hag noch Mauer; sie öffnen Schlösser und steigen über Mauern hinweg, und was nicht gefressen werden kann, wird wenigstens mitgenommen, Gold und Edelsteine auch. Man muß eine Affenherde selbst gesehen haben, wenn sie auf Raub auszieht, um begreifen zu können, daß ein Landwirt sich halb todt über sie ärgern kann. Für den Unbetheiligten ist die Beobachtung der sich während des Raubzuges in ihrer ganzen Regsamkeit zeigenden Geschöpfe freilich ein höchst unterhaltendes Schauspiel. Alle Künste gelten. Es wird gelaufen, gesprungen, geklettert, gegaukelt, im Nothfalle auch geschwommen. Die Künsteleien auf dem Gezweige übersteigen allen Glauben. Nur die Menschenaffen und Paviane sind schwerfällig, die übrigen vollendete Gaukler: sie scheinen fliegen zu können. Sätze von sechs bis acht Meter Sprungweite sind ihnen Spaß; von dem Wipfel eines Baumes springen sie zehn Meter tief hernieder auf das Ende eines Astes, beugen denselben durch den Stoß tief herab und geben sich, während der Ast zurückschnellt, noch einen mächtigen Schwung, strecken Schwanz oder Hinterbeine als Steuer lang aus, und durchfliegen wie ein Pfeil die Luft. Sofort nach glücklicher Ankunft geht es weiter, auch durch die fürchterlichsten Dornen, als wandele man auf getäfeltem Fußboden. Eine Schlingpflanze ist eine höchst bequeme Treppe für die Affen, ein Baumstamm ein gebahnter Weg. Sie klettern vor- und rückwärts, oben auf einem Aste hin oder unten an ihm weg; wenn man sie in einen Baumwipfel wirft, erfassen sie mit einer Hand ein Zweiglein und hängen an ihm geduldig, bis der Ast zur Ruhe kommt, steigen dann an ihm empor und so unbefangen weiter, als hätten sie sich stets auf ebenem Boden befunden. Bricht der Zweig, so fassen sie im Fallen einen zweiten, hält dieser auch nicht, so thut es doch ein dritter, und im Nothfalle bringt sie ein Sturz auch nicht außer Fassung. Was sie mit der Vorderhand nicht ergreifen können, fassen sie mit der Hinterhand oder die neuweltlichen Arten mit dem Schwanze. Dieser wird von allen als Steuer angewandt, wenn weite Sprünge ausgeführt werden sollen, dient auch sonst noch zu den verschiedensten Zwecken, sei es selbst als eine Leiter für den nächsten. Bei den Neuweltsaffen wird er zur fünften – nein, zur ersten Hand. An ihm hängt sich der ganze Affe auf und wiegt und schaukelt sich nach Belieben; mit ihm holt er sich Nahrung aus Spalten und Ritzen; ihn benutzt er als Treppe für sich selbst; er dient anstatt der Hängematte, wenn sein Eigner Mittagsruhe halten will.

Stellungen verschiedener Menschenaffen. (Erstes Blatt.)
1-5 Tschego, 6-8 Schimpanse.

Stellungen verschiedener Menschenaffen. (Zweites Blatt.)
1-5 Orang-Utan, 6-8 Gibbon.

Die Leichtigkeit und Zierlichkeit ihrer Bewegungen zeigt sich übrigens nur beim Klettern. In dieser Beziehung leisten selbst die Menschenaffen erkleckliches, obgleich sie, wenigstens die höher begabten, mehr nach Art eines Menschen als nach Art anderer Ordnungsverwandten klettern. Der Gang der Affen ist immer mehr oder weniger plump und schwerfällig. Meerkatzen, Makaken, Roll- und Krallenaffen gehen noch am besten, schon die Paviane aber humpeln in spaßhafter Weise dahin und bewegen ihren dicken Hintern dabei so ausdrucksvoll, daß es aussieht, als wollten sie einen deutschen Bauerntanz aufführen. Der Gang der Menschenaffen ist kaum noch Gang zu nennen. Während jene mit der ganzen Sohle auftreten, stützen diese sich auf die eingeschlagenen Knöchel der Finger ihrer Hände und werfen den Leib schwerfällig vorwärts, so daß die Füße zwischen die Hände zu stehen kommen. Dabei werden letztere seitlich aufgesetzt, und die Thiere stützen sich also auf die eingeschlagene Faust der Hände und auf die Außenseite oder äußere Kante der Füße, deren Mittelzehen oft ebenfalls unter die Sohle gekrümmt werden, wogegen die große, weit abstehende Zehe als wesentliche Stütze des Leibes dient. Nur die Gibbons scheinen nicht im Stande zu sein, in solcher Weise zu laufen, gehen vielmehr auf dem Boden in der Regel aufrecht, strecken dabei alle Zehen aus, spreizen die Daumenzehe bis zu einem rechten Winkel vom Fuße ab, und halten sich mittels der ausgebreiteten Arme im Gleichgewichte, recken dieselben auch um so weiter aus, je schneller sie forttrippeln. Vom Gorilla sagt man, und die Zergliederungskunde bestätigt es, daß er am leichtesten aufrecht gehe; nach eigenen Erfahrungen vermag der Tschego mit geringerer Anstrengung zu voller Höhe sich aufzurichten und gehend länger aufgerichtet sich zu erhalten als jeder andere Affe, dessen Bewegungen ich beobachten konnte. Auch viele Hunds-, Neuwelts- und selbst Krallenaffen vermögen längere oder kürzere Strecken aufrecht gehend zurückzulegen; alle aber fallen, wenn sie das Gleichgewicht nicht länger erhalten können, auf die Vorderglieder nieder und gehen bei ernsterem Laufe, beispielsweise wenn sie verfolgt werden oder zum Kampfe schreiten wollen, stets auf allen Vieren. Die beigegebenen Tafeln bringen verschiedene Stellungen der Menschen-, später folgende Abbildungen solche der übrigen Affen zur Anschauung.

Einige Sippen der Ordnung schwimmen vortrefflich, andere gehen im Wasser unter wie Blei. Zu ersteren gehören die Meerkatzen, von denen ich einige mit der größten Schnelligkeit und Sicherheit über den Blauen Nil schwimmen sah, zu den letzteren die Paviane und vielleicht auch die Brüllaffen; von jenen ertrank uns einer, als wir ihn baden wollten. Die Schwimmunkundigen scheuen das Wasser in hohem Grade: man hat eine fast verhungerte Familie von Brüllaffen auf einem Baume gefunden, dessen Fuß durch Überschwemmung unter Wasser gesetzt worden war, ohne daß die Affen es gewagt hätten, nach anderen, kaum sechzig Schritte entfernten Bäumen sich zu retten. Ulloa, welcher über brasilianische Thiere schrieb, hat daher für die armen, schwimmunkundigen Thiere eine hübsche Brücke erfunden, welche gewiß sehr gute Dienste leisten würde, wenn – die Affen sie benutzen wollten. Er erzählt, daß je ein Brüllaffe mit seinen Händen den Schwanz eines anderen packe, und daß in dieser Weise die ganze Gesellschaft eine lange Kette aus lauter Affengliedern bilde, welche vermittels des Schwanzes des Endgliedaffen am Wipfel eines Unterbaumes befestigt und hierauf durch vereinigte Kraft aller Glieder in Schwingungen gesetzt werde, bis das Vorderglied den Zweig eines Baumes des jenseitigen Ufers erfassen und sich dort festhalten könne. Auf der solchergestalt hergerichteten Brücke sollen nun zuerst die Jungen und Schwächeren auf das andere Ufer übersetzen, dann aber der Vorderaffe die ganze Kette, deren Endglied seine Klammer löst, zu sich hinüberziehen. Prinz von Wied, ein sehr gewissenhafter Beobachter, nennt diese Erzählung bei ihrem rechten Namen: »eine spaßhafte Fabel«.

Alle Affen sind außerordentlich starkgliedrig und heben Lasten, welche verhältnismäßig für unsere schwachen Arme zu schwer sein würden: ein Pavian, den ich besaß, hing sich viele Minuten lang an einem Arme auf und hob seinen dicken Leib daran in die Höhe, so hoch es der Arm zuließ.

Das gesellige Leben der Affen ist ein für den Beobachter sehr anziehendes. Wenige Arten leben einsiedlerisch, die meisten schlagen sich in Banden zusammen. Von diesen erwählt sich jede einzelne ihren festen Wohnsitz, welcher größeren oder geringeren Umfang haben kann. Die Wahl fällt regelmäßig auf Gegenden, welche in jeder Hinsicht günstig scheinen. Etwas zu knacken und zu beißen muß es geben, sonst wandert die Bande aus. Waldungen in der Nähe menschlicher Ansiedelungen sind Paradiese: der verbotene Baum in ihnen kümmert die Affen nicht, wenn nur die Aepfel auf ihm gut sind. Mais- und Zuckerrohrfelder, Obst-, Melonen-, Bananen- und Pisanganpflanzungen gehen über alles andere; Dorfschaften, in denen jeder, welcher die unverschämten Spitzbuben züchtigt, den Aberglauben der Bewohner zu fürchten hat, sind auch nicht übel. Wenn sich die Bande erst über den Wohnort geeinigt hat, beginnt das wahre Affenleben mit all seiner Lust und Freude, seinem Kampf und Streit, seiner Noth und Sorge. Das stärkste oder älteste, also befähigtste männliche Mitglied einer Herde schwingt sich zum Zugführer oder Leitaffen auf. Diese Würde wird ihm nicht durch das allgemeine Stimmrecht übertragen, sondern erst nach sehr hartnäckigem Kampfe und Streite mit anderen Bewerbern, d. h. mit sämmtlichen übrigen alten Männchen, zuertheilt. Die längsten Zähne und die stärksten Arme entscheiden. Wer sich nicht gutwillig unterordnen will, wird durch Bisse und Püffe gemaßregelt, bis er Vernunft annimmt. Dem Starken gebührt die Krone: in seinen Zähnen liegt seine Weisheit. Der Leitaffe verlangt und genießt unbedingten Gehorsam und zwar in jeder Hinsicht. Ritterliche Artigkeit gegen das schwächere Geschlecht übt er nicht: im Sturme erringt er der Minne Sold. Das jus primae noctis gilt ihm heute noch. Er wird Stammvater eines Volkes, und sein Geschlecht mehrt sich, gleich dem Abrahams, Isaaks und Jakobs, »wie der Sand am Meere.« Kein weibliches Glied der Bande darf sich einer albernen Liebschaft mit irgend welchem Grünschnabel hingeben. Seine Augen sind scharf, und seine Zucht ist streng; er versteht in Liebessachen keinen Spaß. Auch die Aeffinnen, welche sich oder besser ihn vergessen sollten, werden gemaulschellt und zerzaust, daß ihnen der Umgang mit anderen Helden der Bande gewiß verleidet wird; der betreffende Affenjüngling, welcher die Harêmsgesetze des auf sein Recht stolzen Sultâns verletzt, kommt noch schlimmer weg. Die Eifersucht macht diesen furchtbar. Es ist auch thöricht von einer Aeffin, solche Eifersucht heraufzubeschwören; denn der Leitaffe ist Manns genug für sämmtliche Aeffinnen seiner Herde. Wird diese zu groß, dann sondert sich unter der Führung eines inzwischen stark genug gewordenen Mitbruders ein Theil vom Haupttrupp ab und beginnt nun für sich den Kampf und den Streit um die Oberherrschaft in der Leitung der Herde und in der Liebe. Kampf findet immer statt, wo mehrere nach gleichem Ziele streben; bei den Affen vergeht aber sicher kein Tag ohne Streit und Zank. Man braucht eine Herde nur kurze Zeit zu beobachten und wird gewiß bald den Streit in ihrer Mitte und seine wahre Ursache kennen lernen.

Im übrigen übt der Leitaffe sein Amt mit Würde aus. Schon die Achtung, welche er genießt, verleiht ihm Sicherheit und Selbständigkeit, welche seinen Untergebenen fehlt; auch wird ihm von diesen in jeder Weise geschmeichelt. So sieht man, daß selbst die Aeffinnen sich bemühen, ihm die höchste Gunst, welche ein Affe gewähren oder nehmen kann, zu theil werden zu lassen. Sie beeifern sich, sein Haarkleid stets von den lästigen Schmarotzern möglichst rein zu halten, und er läßt sich diese Huldigung mit dem Anstande eines Pascha's gefallen, welchem eine Lieblingssklavin die Füße kraut. Dafür sorgt auch er treulich für die Sicherheit seiner Bande und ist deshalb in beständiger Unruhe. Nach allen Seiten hin sendet er seine Blicke, keinem Wesen traut er, und so entdeckt er auch fast immer rechtzeitig eine etwaige Gefahr.

Die Affensprache darf ziemlich reichhaltig genannt werden; wenigstens verfügt jeder Affe über sehr wechselnde Laute für verschiedenartige Erregungen. Auch der Mensch erkennt bald die Bedeutung dieser Laute. Der Ausruf des Entsetzens, welcher stets die Mahnung zur Flucht in sich schließt, ist besonders bezeichnend. Er läßt sich allerdings sehr schwer beschreiben und noch weniger nachahmen; man kann eben nur sagen, daß er aus einer Reihe kurzer, abgestoßener, gleichsam zitternder und mißtöniger Laute besteht, deren Werth der Affe durch die Verzerrung des Gesichts noch besonders erläutert. Sobald dieser Warnungston laut wird, nimmt die Herde eiligst die Flucht. Die Mütter rufen ihre Kinder zusammen; diese hängen im Nu an ihr fest, und mit der süßen Bürde beladen, eilen sie so schnell als möglich nach dem nächsten Baume oder Felsen. Der alte Affe zieht voran und bezeichnet den Weg, welcher stets in der kühnsten Weise ausgeführt wird. Erst wenn er sich ruhig zeigt, sammelt sich die Herde und beginnt dann nach kurzer Zeit den Rückweg, um die unterbrochene Plünderung wieder aufzunehmen.

Jedoch nicht alle Affen flüchten vor Feinden; die stärkeren stellen sich vielmehr selbst furchtbaren Raubthieren und dem noch gefährlicheren Menschen kühn zur Wehre und lassen sich auf Kämpfe ein, deren Ausgang für den Angreifer mindestens zweifelhaft ist. Alle größeren Affen, namentlich Menschenaffen und Paviane, besitzen in ihren Zähnen so furchtbare Waffen, daß sie es mit einem Feinde wohl aufnehmen können, zumal sie im Kampfe außerordentlich treu und fest zusammenhalten. Weibliche Affen lassen sich nur, wenn sie sich ihrer Haut wehren oder ihr Junges vertheidigen müssen, in Streit ein, bethätigen dann aber ebenso große Tapferkeit wie die Männchen. Die meisten Arten kämpfen mit Händen und Zähnen: sie kratzen und beißen; allein es wird von vielen Seiten einstimmig versichert, daß sie auch mit abgebrochenen Baumästen sich vertheidigen, und es ist gewiß, daß sie Steine, Früchte, Holzstücke und dergleichen von oben herab auf ihre Gegner schleudern. Schon mit dem Pavian beginnt ohne Feuergewehr kein Eingeborener Kampf und Streit; dem Gorilla gegenüber wird er nicht einmal durch das Feuergewehr in allen Fällen zum überlegenen Gegner. Jedenfalls ist die beispielslose Wuth der Affen, welche deren Stärke noch bedeutend steigert, sehr zu fürchten, und die Gewandtheit, welche sie alle besitzen, nimmt ihrem Feinde nur zu häufig die Gelegenheit, ihnen einen entscheidenden Schlag beizubringen.

In der Gefangenschaft halten fast alle Affenarten gute Freundschaft; doch bildet sich bald ein ähnliches Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnis wie unter einer freilebenden Bande. Der Stärkste erringt auch hier die Oberherrschaft und knechtet und peinigt den Schwächeren so lange, bis dieser sich fügt. Zarte Rücksicht zu nehmen, ist nicht der Affen Art; Uebermuth macht sich jederzeit geltend, selbst inniggeliebten Pfleglingen gegenüber. Größere Arten, und zwar die Männchen ebensowohl wie die Weibchen, nehmen sich der kleineren, hülfloseren regelmäßig an; starke Aeffinnen zeigen selbst Gelüste nach kleinen Menschenkindern oder allerlei jungen Thieren, welche sich tragen lassen. So abscheulich der Affe sonst gegen Thiere ist, so liebenswürdig beträgt er sich gegen Thierjunge oder Kinder, am liebenswürdigsten natürlich gegen die eigenen, und daher ist die Affenliebe sprichwörtlich geworden.

Die Affen gebären ein Junges, wenige Arten zwei. Dies ist regelmäßig ein kleines, häßliches Geschöpf, ausgestattet mit doppelt so lang erscheinenden Gliedmaßen, wie seine Eltern sie besitzen, und einem Gesichte, welches, seiner Falten und Runzeln halber, dem eines Greises ähnlicher sieht als dem eines Kindes. Dieser Wechselbalg ist aber der Liebling der Mutter, und sie hätschelt und pflegt ihn in rührender oder – lächerlicher Weise; denn die Liebe streift, mindestens in unseren Augen, an das lächerliche. Das Kind hängt sich bald nach seiner Geburt mit beiden Vorderhänden an dem Halse, mit beiden Hinterhänden aber an den Weichen der Mutter fest, in der geeignetsten Lage, die laufende Mutter nicht zu behelligen und ungestört zu saugen. Aeltere Affenkinder springen bei Gefahr auch wohl auf Schulter und Rücken ihrer Eltern.

Anfangs ist der Affensäugling gefühl- und theilnahmlos, um so zärtlicher aber die Mutter. Sie hat ohne Unterlaß mit ihm zu thun; bald leckt sie ihn, bald laust sie ihn wieder, bald drückt sie ihn an sich, bald nimmt sie ihn in beide Hände, als wolle sie sich an seinem Anblicke weiden, bald legt sie ihn an die Brust, bald schaukelt sie ihn hin und her, als wolle sie ihn einwiegen. Plinius versichert ernsthaft, daß Aeffinnen ihre Jungen aus Liebe zu Tode drücken; in der Neuzeit ist dies niemals beobachtet worden. Nach einiger Zeit beginnt der junge Affe mehr oder weniger selbständig zu werden, verlangt namentlich ab und zu ein wenig Freiheit. Diese wird ihm gewährt. Die Alte läßt ihn aus ihren Armen, und er darf mit anderen Affenkindern scherzen und spielen; sie aber verwendet keinen Blick von ihm und hält ihn in beständiger Aufsicht, geht ihm übrigens willig auf allen Schritten nach und erlaubt ihm, was sie gewähren kann. Bei der geringsten Gefahr stürzt sie auf ihn zu, läßt einen eigenthümlichen Ton hören und ladet ihn durch denselben ein, sich an ihre Brust zu flüchten. Etwaigen Ungehorsam bestraft sie mit Kniffen und Püffen, oft mit förmlichen Ohrfeigen. Doch kommt es selten dazu; denn das Affenkind ist so gehorsam, daß es manchem Menschenkinde zum Vorbilde dienen könnte, und gewöhnlich genügt ihm der erste Befehl seiner Mutter. In der Gefangenschaft theilt sie, wie ich mehrfach beobachtet habe, jeden Bissen treulich mit ihrem Sprößlinge und zeigt an seinem Geschicke einen solchen Antheil, daß man sich oft der Rührung nicht erwehren kann. Der Tod eines Kindes hat in vielen Fällen das Hinscheiden der gefangenen Mutter zur Folge. Stirbt eine Aeffin, so nimmt das erste beste Mitglied der Bande die Waise an Kindesstatt an, und die Zärtlichkeit gegen ein Pflegekind der eigenen Art ist kaum geringer als die, welche dem eigenen Kinde zu theil wird. Bei anderartigen Pfleglingen ist dies anders: hier zeigt sich der Affe oft als unerklärliches Räthsel. Er pflegt seinen angenommenen Liebling nach Möglichkeit, drückt ihn an sich, reinigt ihn, behält ihn unter steter Aufsicht etc., gibt ihm aber gewöhnlich nichts zu fressen, sondern nimmt das für das Pflegekind bestimmte Futter ohne Gewissensbisse zu sich, hält jenes auch, während er frißt, sorgsam vom Napfe weg. So habe ich an Pavianen beobachtet, wenn sie junge Hunde oder Katzen zu Pfleglingen erkoren hatten.

Es ist noch nicht ermittelt, wie viele Jahre der Affe durchschnittlich zu seinem Wachsthume braucht. Daß diese Zeit bei den größeren Arten eine längere als bei den kleineren ist, versteht sich wohl von selbst. Meerkatzen und amerikanische Affen sind vermuthlich in drei bis vier Jahren erwachsen, Paviane aber bedürfen acht bis zwölf Jahre zu ihrem Wachsthume und die größeren Menschenaffen erreichen wahrscheinlich noch viel später ihre Mannbarkeit, da bei ihnen der Zahnwechsel kaum in einem früheren Lebensabschnitte als beim Menschen eintritt. Im Freileben scheinen alle Affen wenigen Krankheiten ausgesetzt zu sein; mindestens weiß man nichts von Seuchen, welche dann und wann unter ihnen wüthen sollten. Wie hoch sie ihr Alter bringen, kann nicht bestimmt werden; doch darf man wohl annehmen, daß die Menschenaffen auch ein volles Menschenalter erreichen, vielleicht noch älter werden als der Mensch. Bei uns zu Lande leiden alle außerordentlich von dem rauhen Klima. Die Kälte drückt sie nieder, verstimmt sie und macht sie still und traurig. Gewöhnlich pflegt die Lungenschwindsucht ihr Leben zu beenden. Ein kranker Affe ist eine Erscheinung, welche jedermann rühren muß. Der sonst so heitere Gesell sitzt traurig und elend da und schaut den mitfühlenden Menschen kläglich bittend, ja wahrhaft menschlich in das Gesicht. Jemehr er seinem Ende zugeht, um so milder wird er; das Thierische verliert sich, und die edlere Seite seines Geistes zeigt sich heller. Er erkennt jede Hülfe mit größtem Danke, sieht bald in dem Arzte seinen Wohlthäter, nimmt ihm gereichte Arzneien willig ein, gestattet sogar wundärztliche Eingriffe, ohne sich zu wehren. Auch bei übrigens gesunden Affen kränkelt in der Regel wenigstens der Schwanz; sein Ende wird wund, eitert, bekommt den Brand, und ein Glied nach dem anderen fällt ab.

Ich weiß nicht, ob ich irgend einen Affen als Hausgenossen anrathen darf. Die munteren Gesellen bereiten viel Vergnügen, verursachen aber noch weit mehr Aerger. Auf lose Streiche aller Art darf man gefaßt sein, und wenn man eben nicht die Geisteskräfte des Affen studiren will, bekommt man jene doch bald gründlich satt. Die größeren Arten werden auch mitunter gefährlich; denn sie beißen und kratzen fürchterlich. Als frei herumgehendes Hausthier ist der Affe nicht zu dulden, weil sein ewig regsamer Geist beständig Beschäftigung verlangt. Wenn sein Herr solche ihm nicht gewährt, schafft er sie sich selbst und dann regelmäßig nicht eben zum Vortheile des Menschen. Einige Arten sind schon wegen ihrer Unanständigkeit nicht zu ertragen; sie beleidigen jedes sittliche Gefühl fortwährend in der abscheulichsten Weise. In Anbetracht der Untugenden, welche der Affe zeigt, der Tollheiten, welche er verübt, verschwindet der geringe Nutzen, welchen er gewährt. Ihn zu allerlei Kunststücken abzurichten, ist sehr leicht. Man zeigt ihm in handgreiflicherweise dasjenige, was er ausführen soll, und prügelt ihn so lange, bis er es ausführt: hierin beruht die ganze Kunst, welche man anwenden muß! In der Regel lernt der Schüler binnen ein bis zwei Stunden ein Kunststück; doch muß man ihn in Uebung halten, weil er rasch wieder vergißt. Mit seiner Ernährung hat man keine Noth: er frißt alles, was der Mensch genießt.

In ihrer Heimat schaden die Affen ungleich mehr als sie nützen. Man ißt das Fleisch einiger Arten und verwendet das Fell anderer zu Pelzwerk, Beuteln und dergleichen: allein dieser geringe Gewinn kommt nicht in Betracht gegen den außerordentlichen Schaden, welchen die Affen im Walde, Felde und Garten verursachen, und es ist wirklich unbegreiflich, daß heute noch die Inder in ihnen heilige Geschöpfe sehen und sie deshalb pflegen und hegen, als wären sie wirklich Halbgötter.

Bei der außerordentlichen Wichtigkeit, welche die Erforschung der Affen und ihrer Beziehungen zum Menschen neuerdings gewonnen hat, darf ein nochmaliger Rückblick auf ein vergangenes Volk und seine Anschauungen über unsere nächsten Verwandten als der beste Schluß des vorstehenden erachtet werden. Ich verdanke das folgende meinem verehrten Freunde Dümichen, einem der kennntnisreichsten unserer Alterthumsforscher, welcher die Güte gehabt hat, mir in kurzer Zusammenfassung mitzutheilen, was die Denkmäler der Pharaonenzeit in Bezug auf die den alten Egyptern bekannt gewesenen und von ihnen zur Darstellung gebrachten Thiere uns berichten.

»Während die steinernen Urkunden an den Außen- und Innenwänden altegyptischer Tempel uns vorzugsweise Egyptens Stellung in der Weltgeschichte erkennen lassen; während hier in Bild und Schrift die mehr als dreitausendjährige Geschichte jenes wunderbaren Volkes uns vorgeführt wird, des Volkes, welches vor Jahrtausenden am Ufer des Nils wohnte, groß an politischer Macht und das erste seiner Zeit an Kunst und Wissenschaft; während die Tempel uns vorzugsweise von dem Staatsleben der alten Egypter und von ihrem religiösen Dichten und Trachten erzählen und uns bestätigen, was Griechen und Römer preisend berichten über die Weisheit altegyptischer Priester: sind es seltsamerweise gerade die Darstellungen und Inschriften, mit denen die Wände der Grabkapellen geschmückt sind, welche das Leben des alten Egypters und seine Freude am Leben in anschaulichen Bildern vorführen. Was der Verstorbene besaß, was er erlebt und geliebt, was seinen Geist beschäftigte und was sein Herz erfreute – alles das sehen wir in seinem Grabe, so weit es eben bildlich sich darstellen ließ, zur Darstellung gebracht. Unter den lebensvollen Bildern nun, welche, überall an den Wänden egyptischer Grabkapellen uns entgegentretend, von einer in nebelhafter Ferne hinter uns liegenden Vergangenheit uns erzählen, nehmen fast immer einen hervorragenden Platz die in mannigfachster Abwechselung dargestellten Scenen aus dem Thierleben ein. Man sieht, wie der egyptische Künstler mit einer besonderen Vorliebe immer und immer wieder gerade bei diesem Gegenstande seine schöpferische Thätigkeit hat walten lassen. Hier erblicken wir z. B. den Inhaber des Grabes, wie er den ganzen Reichthum seiner Herden an sich vorüberziehen läßt, dort ist Vogel- und Fischfang abgebildet; hier wird uns eine Jagd auf Löwen, Antilopen und Gazellen vorgeführt; dort sehen wir, wie man den großen Nilthieren, dem Krokodil und Nilpferde, zu Leibe geht u. a. m. Diese zumeist durch hieroglyphische Beischriften noch weiter erläuterten Thierbilder, in denen der egyptische Künstler die einzelnen Thiere in ihrer bezeichnendsten Eigenthümlichkeit und zwar nicht selten mit dem glücklichsten Erreichen der Naturwahrheit zur Anschauung bringt, diese reichen thierkundlichen Beiträge von Seiten der Denkmäler darf die naturforschende Wissenschaft der Gegenwart entschieden nicht außer Acht lassen, und sehr zutreffend bemerkt der um die Aufklärung des egyptischen Alterthums so hoch verdiente Brugsch in Bezug hierauf an einer Stelle seiner Schriften: »Diese Art steinerner Bilderbücher, welche sich in alten Gräbern der ältesten geschichtlichen Epoche Egyptens, und man kann sagen der Menschengeschichte, überhaupt wieder finden – und, wie ich hinzuzufügen mir erlaube, auch auf den Denkmälern des neuen Reiches keineswegs ganz aufhören – sie sind von einem hohen Werthe für den Forscher, sie gewähren ihm in der leichtesten Weise gemalte Wörterbücher, genauer und sicherer als es jede andere schriftliche Ueberlieferung thun könnte. Sie geben ferner bedeutsame Winke über das älteste Vorkommen und die Verbreitung der Hausthiere und bieten nach dieser Seite hin der Geschichte der Naturforschung einen unschätzbaren Stoff.

»Aus der Ordnung der Affen finden wir und zwar in zahlreichen Beispielen den Mantelpavian oder Hamadryas und den Babuin abgebildet. Selten, aber doch einige Male kommen beide Meerkatzen des Ostsudân, Nisnâs und Abulandj der heutigen Araber, vor. In den Wandgemälden der Grabkapellen, welche dem Todtenacker des alten Memphis angehören, in den Felsengräbern von Beni-Hassan, in der thebanischen Nekropolis und anderen Grabdenkmälern begegnen uns Darstellungen des erstgenannten Affen, ebenso auf Tempelwänden. Doch sehen wir hier fast immer nur das Männchen, dessen Bedeutung hier stets eine mythologische ist und zwar meistens in Beziehung zum Monde steht, natürlich abgesehen davon, wo das Bild desselben in den Inschriften der Tempel als einfaches Schriftzeichen von mancherlei Bedeutung erscheint. Ganz allerliebst, mitunter geradezu meisterhaft ausgeführt sind die kleinen aus verschiedenen Steinen geschnittenen Figuren, einen sitzenden Hamadryas darstellend, von denen man in allen egyptischen Museen Europas mehrfache Stücke findet. Da weder der Hamadryas noch der Babuin in Egypten heimisch sind, und ebensowenig die beiden Meerkatzen der Thierwelt des unteren Nillandes angehören, sind wir durch das Vorkommen derselben schon aus solchen Denkmälern, welche theils noch aus den ältesten Zeiten, theils aus dem Mittelalter des altegyptischen Reiches herrühren, zu dem Schlusse berechtigt, daß bereits in jenen Urzeiten der Geschichte, aus denen die gedachten Denkmäler stammen, ein Verkehr zwischen Egypten und dem Heimatslande unserer vier Affenarten bestanden haben muß. Und weiter schließen wir, daß dieser Verkehr wohl damals schon vorzugsweise durch die Schiffahrt auf dem Rothen Meere vermittelt worden sein wird, wie das denn auch in der That einzelne Tempelinschriften geschichtlichen Inhalts, auf welche wir später noch näher zurückkommen werden, zu bestätigen scheinen. Das Vorkommen unseres Affen auf den ältesten egyptischen Denkmälern liefert also mehrmals den Beweis von einer uralten Verbindung Egyptens mit dem fernen Süden und Südosten und von einer vielleicht schon im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung stattgehabten Schiffahrt auf dem Rothen Meere. Daß dasselbe wenigstens im siebzehnten Jahrhundert v. Chr. bereits in einer gewissen Großartigkeit bestanden, stellt ein Werk von mir: »Die Flotte einer egyptischen Königin«, außer allen Zweifel.

»Was nun insbesondere die erste der vier auf den Denkmälern abgebildeten Affenarten, eben unseren Mantelpavian, betrifft, so lautet die hieroglyphische Schreibung desselben: An, Anin, Anan, Anân, welche Bezeichnung, wenn man sie wörtlich übersetzen wollte, so viel bedeutet als Nachahmer, Nachäffer, weshalb denn auch dieses Wort mit dem gleichbedeutenden »Uten«, einer anderen Benennung des Hamadryas, ganz allgemein für alle Affenarten in den Inschriften gebraucht wird. Wir haben demgemäß in dem altegyptischen Anin oder Annin besser ganz dieselbe Ableitung wie in unserem Worte: Affe; denn es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, daß das in Rede stehende herzuleiten ist von der Wurzel An mit der Grundbedeutung, einen Gegenstand durch Nachahmung in irgend einer Weise durch Bild oder Wort darstellen, woraus denn, durchaus dem Geiste des altegyptischen Sprachbaues entsprechend, alle jene scheinbar so verschiedenen, aber nichtsdestoweniger sämmtlich auf die angegebene Wurzel zurückgehenden Bedeutungen entstanden, in denen nun das Wort je nach dem Zusammenhange und je nach dem Determinitiv, d. h. demjenigen Zeichen, welches gleichsam als eine Erklärung und nähere Bestimmung der voranstehenden Wurzel noch angefügt wird, in den Inschriften erscheint als Nachbilden, Nachahmen, Nachahmer, Malen, Maler, Beschreiben, Schreiber, Schreibtafel, Schrift. Bemerkenswerth ist, daß in der späteren Zeit unter der Ptolemäerherrschaft, wo man sich mit den Bilderschriftzeichen allerlei Schreibspielereien erlaubte, in den Inschriften zuweilen geradezu das Bild eines sitzenden Mantelpavians, welcher den Griffel oder die Rohrfeder in der rechten Hand hält, für das Wort Schreiben, Schreiber, Schrift, eintritt. Noch glaube ich hier nicht unerwähnt lassen zu dürfen eine in Betreff der Unterscheidung und Namensfeststellung des Hamadryas oder Babuin äußerst lehrreiche Abbildung an einer Wand des oberegyptischen Terrassentempels, des von Teïr el Bahheri, auf der Westseite von Theben, in welcher uns eine im siebzehnten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von Egypten aus nach Arabien unternommene Seereise vorgeführt wird. In meiner »Flotte einer egyptischen Königin« habe ich diese geschichtlich wichtige Darstellung zur Mittheilung gebracht, und gibt uns Tafel 2 derselben die Belastung der egyptischen Flotte mit den fremdländischen Erzeugnissen. Die alten Egypter versäumten es selten, ihre Wandgemälde durch hieroglyphische Beischriften noch besonders zu erläutern; so finden wir denn auch eben zur Seite der Schiffe eine Erklärung, in welcher uns unter anderem ein sorgfältiges Verzeichnis der Schifferladungen, gewissermaßen der Frachtbrief, gegeben wird. Diese Inschrift lautet in wörtlicher Uebersetzung: Das Belasten der Schiffe mit einer großen Menge von Kostbarkeiten des Landes Arabien, allerlei wohlriechenden Hölzern, Haufen von Weihrauchharz, mit grünenden Weihrauchbäumen (man sieht, wie dieselben, in Holzkübel gepflanzt, von je sechs Männern auf die Schiffe getragen werden), mit Ebenholz, mit reinem Elfenbein, mit Gold und Silber aus dem Lande der Hirten, mit dem kostbaren Taschepholze und Kassiarinde, mit Ahemweihrauch und Mestemschminke, mit Ananaffen (Hamadryas), Kafuaffen (Babuin) und Tasemthieren (Wüstenluchsen), mit Fellen von Panthern des Südens, mit Weibern und ihren Kindern. Niemals ist eine Zufuhr gemacht worden gleich dieser von irgend einem Könige seit Erschaffung der Welt.

»Die meisterhafte Vollendung in der Ausführung dieser Wandskulpturen und die überraschende treue Nachbildung der beiden Affen, welche den Worten »Anan« und »Kafu« hier nachgesetzt sind, stellen es außer Zweifel, daß wir in dem Anan den Hamadryas und in dem Kafu den Babuin vor uns haben. Das alte egyptische Kafu ist übrigens, was Beachtung verdient, kein egyptisches Wort, sondern wohl dem Indischen entlehnt, wo es im Sanskrit und Malabarischen als »Kapi« erscheint, und offenbar ist aus ihm das hebräische »Kof« entstanden. Dieser Kafu der heiligen Inschriften, der »Kof« der Bibel, welcher gelegentlich einer salomonischen Ophirfahrt erwähnt wird, ist also, wie die oben besprochene Tempelinschrift den klaren Beweis liefert, der Babuin, und nicht, wie man bisher angenommen, der Hamadryas. Die hieroglyphischen Bezeichnungen für die übrigen Arten, die Meerkatzen nämlich, wage ich mit Bestimmtheit nicht anzugeben, da in den wenigen Darstellungen, welche mir von diesen Thieren bekannt sind, die Beischrift fehlt. Der Name mag in einem von jenen Worten stecken, welche gelegentlich zur Bezeichnung des Affen in den Inschriften gebraucht wurden.

»In dem zweifellos auf altegyptische Quellen zurückkehrenden Werke des Hieroglyphenerklärers Horopollon, welches uns in der griechischen Uebersetzung eines gewissen Philippus erhalten worden ist, wird in Bezug auf den Hamadryas unter anderem gesagt: Schrift hätten die Egypter in den Hieroglyphen durch das Bild eines Hamadryas ausgedrückt, weil sie der Ansicht gewesen, daß eine gewisse Art derselben diese gekannt, und daß wegen der Kenntnis der Buchstaben sie, die Egypter, mit jenen, den Affen, verwandt seien. Man habe in den Tempeln gedachte Thiere gehalten, und jedesmal, wenn ein Hamadryas in den Tempel eingeführt worden, habe ihm der Priester Schreibtafel, Dinte und Feder gereicht, damit er durch das, was er auf die Tafel schriebe, den Beweis liefere, ob er zu jener Art gehöre und zur Aufnahme berechtige. Aus denselben Gründen sei auch der Hamadryas dem Merkur, dem Urheber aller Wissenschaft, geheiligt gewesen.

»In diesem Ausspruche Horopollons liegt viel wahres. Die Forschung hat bestätigt, daß zu den von den alten Egyptern in den Tempeln heilig gehaltenen Thieren, welche nach ihrem Tode einbalsamirt wurden, und von denen mehrfach Mumien gefunden worden sind, auch der Hamadryas gehörte. Wir wissen, daß derselbe insbesondere dem Gotte Thoth (Hermes) in seiner Auffassung als Herr der Schrift und aller Wissenschaft wie in seiner Auffassung als Mondgott geweiht war, und daß er in verschiedenen Tempeln, namentlich in Hermopolis gehalten wurde. Die egyptischen Priester, dieses Thieres Klugheit erkennend, werden es gewiß nicht verabsäumt haben, demselben allerlei überraschende Kunststücke beizubringen, unter anderem auch das, auf eine Schreibtafel einzelne Zeichen zu malen, welche dann als hieroglyphische ausgegeben worden sein mögen, und es dürfte hiermit vielleicht das vorerwähnte, in den Inschriften sich findende Bild eines schreibenden Mantelpavians zusammenhängen. Weiter wird im Horopollon erzählt, daß man zur Bezeichnung des Mondes das Bild eines Mantelpavians gemalt habe, weil der wunderbare Einfluß jenes Gestirns auf unser Thier beobachtet worden sei, indem der männliche Hamadryas von Trauer erfüllt werde über den Verlust des Mondes, sich um jene Zeit verberge und keine Nahrung zu sich nehmen wolle, und indem man an dem Weibchen zu eben jener Zeit einen regelmäßigen Blutfluß wahrgenommen habe. Beides sei ebenfalls Veranlassung gewesen, daß man diese Thiere in den Tempeln gehalten habe, um durch sie die Zeit, in welcher Sonne und Mond in Konjunktion stehen, zu erkennen. Die Tag- und Nachtgleichen hätte man ebenfalls durch einen sitzenden Hamadryas ausgedrückt, und infolge des häufigen und regelmäßigen Wasserabschlagens, welches man um diese Zeit an dem Mantelpavian beobachtet, sei man auf die Erfindung der Wasseruhren und die Eintheilung des Tages und der Nacht in je zwölf gleiche Theile geführt worden. Trismegistus, wird dann weiter erzählt, habe, als er in Egypten gewesen, obige Wahrnehmung in Betreff des zwölfmaligen, in gleichen Zeitabständen erfolgenden Wasserabschlagens an dem Hamadryas gemacht; dies habe ihn auf die Erfindung eines Werkzeuges geführt, welches ein Gleiches gethan, und daher stamme die Eintheilung des Tages in zwölf Stunden.

»Auch in allen diesen Aussprüchen liegt wiederum viel wahres. In den astronomischen Darstellungen, welche zumeist an den Decken der Tempel angebracht sind, wird der Mantelpavian in deutlichste Beziehung zum Monde gesetzt. Bald tritt er zur Bezeichnung des Mondes selbst ein, bald erscheint er in aufrechter Stellung mit erhobenen Händen, in freudiger Erregung den aufgehenden Mond begrüßend, und ebenso wird das Bild eines sitzenden Hamadryas zur Bezeichnung der Tag- und Nachtgleichen gebraucht. Wie weit nun diesen Auffassungen eine richtige Naturbeobachtung von Seiten der alten Egypter zu Grunde liegt, was es mit dem Einflusse des Mondes auf den Hamadryas, mit der Freude über dessen Wiedererscheinung, mit der Trauer des Männchens und seinem Verstecken, wenn er des Mondlichtes beraubt ist, mit dem Blutflusse des Weibchens zu eben jener Zeit, mit dem häufigen und regelmäßigen Wasserabschlagen dieser Affenarten, was es mit alledem für eine Bewandnis habe: darauf zu antworten, kommt nicht der Alterthums-, sondern der Naturkunde zu.

»Während der Mantelpavian, wie wir sahen, vorzugsweise in mythologischer Auffassung auf egyptischen Denkmälern uns entgegentritt, während ihm der besondere Vorzug zu theil wurde, an geheiligter Stelle eine Rolle zu spielen, treffen wir die anderen drei Arten seiner Ordnung, den Babuin und beide Meerkatzen, im altegyptischen Hause an. Musik und Tanz, Zwerge, Hunde und Affen bildeten die ergötzliche Unterhaltung in dem Hause des vornehmen Egypters; und so finden wir denn in Darstellungen, welche uns derartige Scenen vorführen, ziemlich häufig eins von letzteren lustigen Aeffchen abgebildet, wie es, an dem Lehnstuhle seines Herrn angebunden, diesen durch seine komischen Sprünge und Grimassen erheitert.

»Der Affe gar possirlich ist,
Zumal, wenn er vom Apfel frißt.«

Auch dieser gewiß wahre Ausspruch ist bereits auf den altegyptischen Denkmälern wiederholt bildlich dargestellt, nur mit dem Unterschiede, daß es dort nicht Aepfel, sondern Feigen sind, deren Vertilgung der bald auf, bald unter dem Baume sitzende Affe sich angelegen sein läßt.«

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