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I.

Gegen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts bewohnte Ferdinand, fünfter Marquis von Mazzini, dieses Schloß, welches seit mehrern Generationen seine Vorväter zu ihrem Hauptsitze gewählt hatten. Es war ein Mann von wollüstigem, herrschsüchtigen Charakter. In früher Jugend vermählte er sich mit Louise Bernini, der zweyten Tochter des Grafen della Salario, einer Frau, die sich mehr noch durch Sanftheit und gefällige Sitten, als durch ihre hohe Schönheit auszeichnete. Sie gebar ihm einen Sohn und zwey Töchter, die in früher Kindheit ihre liebenswürdige Mutter verloren. Viele glaubten, daß die rauhe unfreundliche Behandlung des Marquis ihre Tage verkürzt hätte. Nicht lange nach ihrem Tode knüpfte er eine zweyte Verbindung mit Maria de Vellorno, einem jungen Fräulein, welches die fesselndsten Reize der Gestalt, aber nicht ihrer Vorgängerinn Seele besaß. Sie war schlau, verstellt, dem Vergnügen ergeben. von hoch strebendem unbiegsamem Geiste. Ihr Leichtsinn, ihre Sucht nach Vergnügungen ließ ihr nicht zu, sich um des Marquis häusliche Angelegenheiten zu bekümmern, und da sein Herz für väterliche Zärtlichkeit taub war, so vertraute er die Erziehung seiner Töchter einer Anverwandten der verstorbnen Marquise an; auch hätte er sie in keine beßere Hände geben können.

Bald nach seiner zweyten Vermählung vertauschte er das einsame Mazzini mit den glänzenden, fröhlichen Scenen von Neapel, wohin sein Sohn ihn begleitete. Seiner von Natur stolzen, gebietherischen Gemüthsart ungeachtet stand er jetzt ganz unter der Herrschaft eines Weibes. Er hatte heftige Leidenschaften, und die Marquise verstand die Kunst, sie nach ihren Absichten zu lenken, und wußte ihre Gewalt so schlau zu verbergen, daß er am unumschränktesten zu regieren glaubte, wo er am meisten Sclave war. Er pflegte ein Mahl des Jahrs nach dem Schlosse Mazzini zu kommen, wohin die Marquise ihn selten begleitete, und wo er nur verweilte, um einige Befehle über die Erziehung seiner Töchter zu ertheilen, die mehr sein Stolz als Zärtlichkeit ihm eingab. Emilie, die älteste, war ganz das Bild ihrer Mutter: mit einem sanften, fein fühlenden Herzen vereinigte sie einen hellen Verstand. Ihre jüngere Schwester Julie war weit lebhafter. Eine äußerst reizbare Empfindlichkeit trübte oft ihre Laune; sie war auffahrend, aber großmüthig; ein Verweis lockte ihr Thränen ab, nie aber machte er sie mürrisch. Sie besaß eine feurige Einbildungskraft, und zeigte früh Spuren von Genie. Madame de Menon ließ es sich eifrigst angelegen seyn, den Charakteranlagen ihrer jungen Zöglinge entgegen zu arbeiten, welche einst ihrer Ruhe gefährlich werden konnten, und niemand war wohl fähiger zu einem solchen Geschäfte. Eine Kette früher Leiden hatte ihr Herz weich gemacht, ohne die Kräfte ihres Geistes zu schwächen. Einsamkeit hatte ihr einen Theil ihrer verlornen Ruhe wieder gegeben, und ein scharfes Gefühl des Kummers zu sanfter Schwermuth gemildert. Sie liebte ihre jungen Pflegetöchter mit mütterlicher Zärtlichkeit, und fand in ihrer stufenweisen Vervollkommnung in ihrer ehrerbiethigen Liebe allen Ersatz für ihre aufopfernde Sorgfalt. Sie war Meisterinn in der Musik und im Zeichnen. Oft, wenn ihre Seele zu gepreßt war, als daß sie aus Büchern Trost schöpfen konnte, wiegten diese holden Trösterinnen des Lebens ihren Kummer ein, und sie unterließ nicht, auch ihren jungen Schülerinnen Talente mitzutheilen, deren wohlthätigen Einfluß sie so oft an sich selbst empfunden hatte. Emilie fand vorzüglich Geschmack am Zeichnen, und brachte es bald sehr weit darin. Julie war in seltnem Grade empfänglich für den Zauber der Harmonie; ihre Gefühle tönten im süßen Einklange mit den Saiten des Instruments.

Sie faßte Madame's Unterricht mit bewundernswürdiger Leichtigkeit, und brachte es bald zu einer Höhe, die Frauenzimmer selten erreichen. Sie hatte ihre ganz eigne Manie. Ihre Stärke bestand nicht so wohl in schneller Fertigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden, in künstlichen Sprüngen und Läufen, als vielmehr in einer Feinheit des Geschmacks und einem bezaubernden Ausdrucke, der jedem Ton eine Seele einzuhauchen scheint, und unwiderstehlich das Herz des Zuhörers fesselt. Die Laute war ihr Lieblingsinstrument; die zärtlichen Töne derselben harmonirten mit der süßen schmelzenden Melodie ihrer Stimme.

Das Schloß Mazzini war ein großes unregelmäßiges Gebäude, und schien für ein so zahlreiches Gefolge erbaut zu seyn, als die Sitte der damahligen Zeit in Krieg und Frieden um den Adel versammelte. Die gegenwärtige Familie füllt nur einen kleinen Theil desselben aus, und auch diesem gaben die weitläuftigen, geräumigen Zimmer, die langen einsamen Gänge, die zu denselben führten, ein verlassenes, verödetes Ansehen. Melancholische Stille thronte in den gewölbten Hallen, und oft unterbrach ganze Stunden lang kein Fußtritt das tiefe Schweigen in den Vorhöfen, die von hohen Thürmen beschattet wurden. Julie, die früh schon Geschmack am Lesen fand, mochte sich gern Nachmittags in ein kleines Cabinett zurück ziehen, wo sie ihre Lieblingsschriftsteller um sich liegen hatte. Dieses Zimmer bildete den westlichen Winkel des Schlosses; eines der Fenster stieß auf die See, über welche hinaus das Auge dämmernd die schwarze, felsige Küste von Calabrien erblickte, welche den Horizont begrenzte; aus dem andern Fenster, das in den Schloßhof ging, hatte man eine Aussicht auf die umliegenden Wälder. Juliens Instrument, und alles, was ihren Lieblingszeitvertreib ausmachte, war hier um sie versammelt. Manche kleine Verzierungen, die sie selbst erfand, und einige Zeichnungen von ihrer Schwester verschönerten dieses reizende Gemach. Ihr Schlafzimmer stieß daran, und war nur durch einen kurzen Gang von Madame's Zimmern abgesondert. Die kleine Gallerie führte durch einen andern langen, sich krümmenden Gang zu der großen Treppe, die zur so genannten nördlichen Halle herab lief, an welche die Hauptzimmer von der Nordseite des Gebäudes stießen.

Madame de Menons Zimmer gingen in beyde Gallerien. In dem größten brachte sie gewöhnlich ihre Vormittage mit der Ausbildung ihrer jungen Zöglinge zu. Die Fenster stießen auf die See, und das Zimmer war hell und angenehm. Des Mittags speisten sie in einem der untern Säle und hatten bey Tisch einen Mann zur Gesellschaft, den der Marquis seit vielen Jahren im Schlosse unterhielt, und der die jungen Fräulein im Lateinischen und in der Geographie unterrichtete. Sein Nahme war Vincent. In den schönen Sommerabenden hielt diese kleine Gesellschaft oftmahls ihre Abendmahlzeiten in einem Pavillon, der auf einen Hügel in dem Gehölz, das zum Schlosse gehörte, gebaut war. Von diesem Flecke hatte das Auge eine beynahe grenzenlose Aussicht über See und Land. Man überschaute die Meerenge von Messina, die gegen über liegenden Ufer von Calabrien, und eine große Fläche der wilden, mahlerischen Gegenden von Sicilien. Der Berg Ätna, mit ewigem Schnee bedeckt, und aus den Wolken hervor brechend, machte ein großes, erhabenes Gemählde im Hintergrunde der Scene. Auch die Stadt Palermo lag im Gesichte, und wenn Julie die schimmernden Thürme derselben anstarrte, mahlte ihre Einbildungskraft ihr die Schönheiten dieser Stadt, während sie insgeheim nach einem Anblicke der Welt seufzte, von welcher die widrige Eifersucht der Marquise, und ihre Furcht vor der verdunkelnden Schönheit ihrer Stieftochter sie bisher ausschloß. Sie wendete allen ihren Einfluß bey dem Marquis an, sie in der Einsamkeit des Schlosses zurück zu halten, und obgleich Emilie jetzt achtzehn und ihre Schwester sechzehn Jahre alt war, hatten sie noch nie die Grenzen von ihres Vaters Gebiethe überschritten. – Oft erzeugt Eitelkeit unnöthige Besorgnisse; allein hier hatte die Marquise gerechten Grund zu fürchten. Die Schönheit der beyden Schwestern hat wohl nie ihres Gleichen gehabt. Emiliens Gestalt war nach dem feinsten Ebenmaße gebaut; ihre Haut zart, ihr Haar blond und ihre dunkeln blauen Augen voll süßen Ausdrucks. Sie hatte einen gewissen Adel in ihrem ganzen Wesen, verbunden mit einer weiblichen Sanftheit, einer holden Schüchternheit, die unwiderstehlich die Herzen fesselte. Juliens Wuchs war schlank und geschmeidig, ihr Gang leicht und schwebend, ihre Physiognomie voll Seele, und ihr Lächeln bezaubernd. Ihre Züge standen in schönem Verhältnisse – jede lachende Grazie spielte um ihren Mund, und ihr Gesicht verrieth schnell alle Bewegungen ihrer Seele. Das dunkle, kastanienbraune Haar, das sich in üppiger Fülle um ihren Nacken lockte, vollendete den Reiz ihrer Gestalt. – So lieblich, und so in Dunkelheit verschleyert blühten die Töchter des edlen Hauses Mazzini. Allein sie waren glücklich; sie kannten noch nicht genug von der Welt, um ernstlich die Entbehrung ihres Genusses zu beklagen. Wenn auch Julie zu Zeiten nach dem Luftbilde seufzte, das die Fantasie ihr mahlte, und ein schmerzliches Sehnen nach dem bunten Schauplatze, von dem sie abgeschnitten war, in ihr aufstieg: so verscheuchte eine Zurückkehr zu ihren gewohnten Vergnügungen das idealische Bild aus ihrer Seele, und gab ihrem Herzen seine glückliche Selbstgenügsamkeit wieder. Bücher, Musik und Mahlen theilten ihre Mußestunden, und mancher schöner Abend schwand im Pavillon, wo Madame's verfeinerte Unterhaltung, Tasso's Gedichte, Juliens Laute und Emiliens Freundschaft eine Gattung von Glückseligkeit schufen, welche nur fein gebildete und hochempfängliche Seelen zu genießen und mitzutheilen fähig sind. Madame verstand und übte alle angenehmen Künste der Unterhaltung, und ihre jungen Freundinnen fühlten den Werth derselben, und suchten ihren Geist zu haschen.

Die Unterhaltung kann in zweyerley Classen getheilt werden, in vertrauliche und sentimentalische. Es ist das Gebieth der erstern, Freude und Zwanglosigkeit zu verbreiten, das Herz des Menschen gegen den Menschen zu öffnen, und einen milden Sonnenschein über die Seele zu strahlen. – Um uns für die Reize der andern, die ich hier sentimentalische Conversation nennen will, und worin Madame de Menon Meisterin war, empfänglich, und zu ihrer Ausübung fähig zu machen, müssen Natur und Kunst zusammen treffen. Ein hoher Grad von Geistescultur muß mit natürlich gutem Verstande, lebhaftem und feinem Gefühle verbunden seyn, und um sie unwiderstehlich anziehend zu machen, wird eine Kenntniß der Welt und eine bezaubernde Leichtigkeit des Tons erfordert, die man nur im öftern Umgange mit den verfeinerten Kreisen des höhern Lebens erlangt. Die sentimentalische Conversation bringt Gegenstände auf die Bahn, die Herz und Einbildungskraft fesseln; man verhandelt sie gleichsam scherzend mit Geist und Feuer, und verweilt nie so lange dabey, daß sie ermüden könnten. Oder mit andern Worten: Man schöpft ein wenig von der Oberfläche ab; denn in einem feinen Zirkel einen Gegenstand gründlich zu behandeln, wäre allerdings ein horribles Verbrechen gegen den Wohlstand. Anmerkung. (  der Übers. – D.Hrsg.) Hier blüht die Fantasie; das Gefühl ergießt sich, und Witz, von Delicatesse geleitet, und durch Geschmack verschönert, trifft zum Herzen.

So war Madame de Menons Unterhaltung, und die anmuthige Lage des Pavillons schien ihn ganz zur Scene geselligen Vergnügens bestimmt zu haben. Am Abende eines sehr schwülen Tages, da sie in ihrem Lieblingsaufenthalte gespeist hatten, reizte die Kühle und Schönheit der Nacht die glückliche Gesellschaft, länger, als gewöhnlich, darin zu bleiben. Als sie nach dem Hause zurück gingen, überraschte sie der Schimmer eines Lichts durch die zerbrochenen Fensterladen eines Zimmers in einem Flügel des Schlosses, der seit vielen Jahren verschlossen war. Sie standen stille, um es zu beobachten; es verschwand plötzlich, und ließ sieh nicht wieder sehen. Madame de Menon, über diese Erscheinung beunruhigt, eilte ins Schloß, um nach der Ursache zu forschen, als ihr im nördlichen Vorplatze Vincent begegnete. Sie erzählte ihm, was sie gesehen hatte, und befahl, daß man unverzüglich nach den Schlüsseln zu diesen Zimmern suchte. Sie fürchtete, daß jemand, in der Absicht zu rauben, in diesen Theil des Gebäudes gedrungen wäre. Sie kannte keine kleingeisterische Furcht, wo ihre Pflicht im Spiele war, und rief sogleich die Bedienten herbey, um sie dahin zu begleiten. Vincent lächelte über ihre Besorgnisse, und schrieb das, was sie gesehen hatte, einer Täuschung zu, welche die Feyerlichkeit der Stunde ihrer Fantasie gespielt hätte. Madame beharrte aber dessen allen ungeachtet auf ihrem Entschlusse, und nach mehrmahligem langen Suchen brachte man einen schweren, verrosteten Schlüssel herbey. Sie ging nun mit Vincent, und von den Bedienten begleitet, die voll ungeduldiger Verwunderung waren, nachdem südlichen Flügel des Gebäudes. Der Schlüssel wurde an ein eisernes Thor gebracht, das in einen Vorhof ging, der diesen Flügel von den andern Theilen des Schlosses absonderte. Sie gingen in den Hof, der mit Graf und Strauchwerk bewachsen war, und stiegen einige Stufen hinauf, zu einer großen Thüre, die sie sich vergebens zu öffnen bemühten. Alle Schlüssel aus dem ganzen Schlosse wurden umsonst versucht, und sie mußten endlich fortgehen, ohne ihre Neugier befriedigt, und ihre Furcht gestillt zu haben. Alles blieb indessen stille, und das Licht erschien nicht wieder. Madame verhehlte ihre Besorgnisse, und die Familie legte sich zur Ruhe.

Dieser Vorfall blieb bey Madame de Menon haften, und lange Zeit verstrich, ehe sie wieder einen Abend in dem Pavillon zuzubringen wagte. Einige Monden verflossen, ohne daß sie etwas sahen oder entdeckten, bis eine neue Erscheinung ihre Furcht wieder erweckte. Julie war eines Abends länger als gewöhnlich in ihrem Cabinette geblieben; ein Lieblingsbuch hatte ihre Aufmerksamkeit weit über die gewöhnliche Stunde der Ruhe hinaus gefesselt, und jeder Bewohner des Schlosses, sie allein ausgenommen, lag lange in Schlummer begraben. Die Schloßuhr, die eins schlug, weckte sie plötzlich aus ihrer Vergessenheit. Erschrocken, daß es so spät war, stand sie eilends auf, und wollte in ihr Schlafzimmer gehen, als die schöne Nacht sie ans Fenster lockte. Sie öffnete es, und lehnte sich heraus, um die schöne Wirkung des Mondlichts auf den dunkeln Wäldern zu betrachten. Nicht lange hatte sie so gelegen, als sie einen schwachen Schimmer durch einen Fensterrahmen in jenem unbewohnten Theile des Schlosses wahrnahm. Ein plötzlicher Schrecken ergriff sie, und kaum konnte sie sich aufrecht halten. Das Licht verschwand nach wenig Augenblicken, und bald darauf kam eine Gestalt mit einer Laterne aus einer verborgnen Thür des südlichen Thurms hervor, schlich sich außen längs den Schloßmauern hin, und drehte sich um den südlichen Winkel, der sie vor Juliens Blick verbarg. Erstaunt und voll Schrecken lief sie in Madame de Menons Zimmer, und erzählte ihr, was sie gesehen hatte. Man weckte sogleich die Bedienten, und das ganze Haus gerieth in Aufruhr. Madame ging in die nördliche Halle, wo die Bedienten bereits versammelt waren. Keiner hatte Muth genug, in den Vorhof zu gehen, und Madamen's Befehle wurden nicht geachtet, da der Eindruck abergläubigen Schreckens ihnen entgegen stand. Sie sah, daß Vincent fehlte, und wollte ihn eben rufen lassen, als er in die Halle trat. Voll Verwunderung, die ganze Familie versammelt zu finden, fragte er nach der Ursache. Er befahl sogleich einem Theile der Bedienten, ihn rings um die Schloßmauern zu begleiten, und mit einigem Widerstreben und mehr Furcht noch gehorchten sie ihm. Sie kamen alle zurück, ohne etwas gesehen zu haben; allein obgleich ihre Furcht nicht bestätigt war, war sie doch auf keine Weise zerstreut. Die Erscheinung eines Lichtes in einem Flügel des Schlosses, der seit vielen Jahren verschlossen war, und dem Zeit und Umstände ein Ansehen besonderer Verödung gegeben hatten, mußte in hohem Masse Verwunderung und Schrecken erregen. Der gemeine Mann empfängt begierig jeden Eindruck des Wunderbaren, und die Bedienten standen nicht an zu glauben, daß eine übernatürliche Macht im südlichen Flügel des Schlosses wohnte. Zu unruhig um schlafen zu können, beschlossen sie, das Übrige der Nacht zu durchwachen. Zu diesem Zwecke begaben sie sich in die östliche Gallerie, wo sie eine Aussicht auf den südlichen Thurm hatten, aus welchem das Licht hervor gegangen war. Die Nacht verstrich ohne weitere Störung, und die Morgendämmerung, die sie mit unaussprechlichem Vergnügen anbrechen sahen, zerstreute auf eine Weile ihre ängstlichen Besorgnisse. Die Zurückkehr des Abends aber erneute sie wieder, und mehrere Nächte bewachten die Bedienten den südlichen Thurm. Obgleich nichts sich sehen ließ, entstand dennoch das Gerücht und fand Glauben, daß es im südlichen Flügel des Schlosses spukte. Madame de Menon war zwar über den kleingeisterischen Wahn des Aberglaubens erhaben, wußte aber nicht, was sie aus der Erscheinung machen sollte, und beschloß, wenn das Licht sich je wieder sehen ließe, dem Marquis Nachricht davon zu geben, und die Schlüssel zu den Zimmern zu fordern.


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