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Vorwort

Der Neudruck der folgenden Novelle war durch den Begründer und Herausgeber der Sammlung heimatkundlicher Schriften, Herrn Stadtrat Professor Dr. J. Ziehen, in den Grundzügen vorbereitet, und die Entwürfe zu den Bildstöcken lagen fertig vor, als das unerwartete Hinscheiden des verdienten Gelehrten den Fortgang der Arbeit unterbrach. Aufzeichnungen über die geplante Art der Ausgabe konnten nicht ermittelt werden, von dem einmal geäußerten Gedanken, die wörtlichen Reden der Erzählung mundartlich wiederzugeben, mußte der Unterzeichnete absehen, da er sich der volksmäßigen Frankfurter Ausdrucksweise um 1720 durchaus nicht gewachsen fühlte. Der ursprüngliche Wortlaut wurde fast unverändert gelassen. Nur an wenigen Stellen mußten vorsichtige Streichungen eintreten, um gar zu behagliche Breiten in Wegfall zu bringen, auch um den verwickelten lateinischen Satzbau übersichtlicher zu gestalten. Fremdwörter, die zu des Verfassers Zeiten im »Frankfurter Hochdeutsch« gang und gäbe waren und der Sprache eine örtliche Färbung verliehen, blieben stehen; die heutige Rechtschreibung wurde angewandt und die Zeichensetzung vereinfacht.

Nun einige Angaben über das Leben Georg Wilhelm Pfeiffers. Er wurde am 21. Dezember 1795 als Sohn des Bürgers und Sattlermeisters Johann Philipp Pfeiffer in Frankfurt am Main geboren. Zunächst wollte er Maler werden. Im Alter von siebzehn Jahren trat er jedoch zu Ostern 1812 in die Quarta des städtischen Gymnasiums ein. Bereits im Herbste 1815 hatte er alle Klassen durchlaufen und wurde zur Universität entlassen. In Heidelberg widmete er sich 3½ Jahre hindurch dem Studium der Rechte. Am 7. April 1819 erhielt er auf Grund seiner Dissertation » De pupillari substitutione« (Über Erbeinsetzung auf Todesfall eines Waisenkindes in der Unmündigkeit) Titel und Würde eines Doktors beider Rechte. Bereits am 29. April desselben Jahres bewarb er sich beim Senate seiner Vaterstadt um Zulassung zum Advokatenexamen; im Herbste, am 10. September, leistete er Bürger- und Advokateneid in Frankfurt. Zwei Jahre später trat er in den Dienst der städtischen Polizeiverwaltung ein und rückte bald zum Polizei-Assessor auf; in dieser Stellung verblieb er bis einige Jahre vor seinem Ende. Pfeiffer starb am 22. August l87l unverheiratet. Seine Wohnung befand sich zuletzt Neue Mainzerstraße 58 II. – Allzu angenehm war Pfeiffers Tätigkeit – besonders zur Zeit der Demagogenverfolgungen – gerade nicht, viel angefeindet wurde er beispielsweise in Folge der Untersuchung gegen die an der Erstürmung der Frankfurter Wachen beteiligten Studenten (vgl. Wilh. Schulz und C. Welcker, Geheime Inquisition, Censur und Cabinetsjustiz in verderblichem Bunde, Carlsruhe 1845), besonders wegen der Behandlung der Studenten Handschuh und Dähmert. Es liegen allerdings auch Zeugnisse, gerade von Angehörigen der eben Genannten, dafür vor, daß Pfeiffer zur Versöhnlichkeit und Nachsicht neigte, »so sehr er sich auch scheinbar mit den obersten Bundesbehörden zu verhalten wußte«. Er war, wie es in einem Nachrufe in der Didaskalia vom 26. August 1871 heißt, die »Incarnation des alten Frankfurter Staatswesens, das Musterbild der ächten, früheren frei-reichsstädtischen Bureaukratie ... Wie aber die Bureaukratie damals überhaupt in einem intimen, familiären Verhältniß zu der Bürgerschaft stand, so war Pfeiffer auch ein ächter Repräsentant des alten Frankfurter Borjerthums.«

In den erzählenden Schriften Pfeiffers, mögen sie nun Zustände des vierzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts zum Vorwurf haben, überall treten uns die liebevoll gezeichneten Kleinbürger seiner Zeit in ihrer Gemütlichkeit, aber auch in ihrer geistigen Enge entgegen. Der Fremde, der »Permissionist und Zugereiste«, erfaßt den stillen Reiz der schlichten Novellen zumeist nur schwer: sie sind ihm zu flach und nichtssagend. Störend, beinahe stillos, ist ja auch für viele Altfrankfurter die langatmige, hochdeutsche Sprache Pfeiffers. Und doch fangen die dämmerigen Gäßchen an zu leben, die behäbig breiten und die schmalen hochgiebeligen Häuser werden vertraut, wenn der Erzähler seine bunten Gestalten vorüberziehen läßt.

Georg Wilhelm Pfeiffer war zu seiner Zeit ein gern gelesener Lokalschriftsteller. Etwa dreißig größere und kleinere Novellen, zwei Lokalpossen, eine Gedichtsammlung in Frankfurter und Sachsenhäuser Mundart, ferner zahlreiche Gelegenheitsgedichte zu Hochzeiten und anderen Festlichkeiten sind von ihm bekannt geworden. Die meisten Erzählungen gelangten in der Didaskalia zum Ausdruck. Pfeiffer wird auch ein »Repertorium zur Geschichte der Reichsstadt Frankfurt a. M. (Frankfurt 1856)« verdankt; es ist gedacht als Register zu A. Kirchners Geschichtswerk. Zum Schlusse mag ein Verzeichnis der bekannteren Schriften folgen. Die Untertitel sind bei den Erzählungen der Raumersparnis halber weggelassen.

Die Bürgerschlacht. Localposse in drei Aufzügen. Frankfurt a. M. 1828. Gedr. b. J. F. Gerhard d. Älteren / Der Mehlwardein oder Tugendlohn und Borjerglück. Localposse in Alexandrinern und in zwei Abtheilungen. Ebenda 1837. / Klänge und Bilder aus Frankfurt und Sachsenhausen. Frankfurt a. M. 1854 u. 1857. / Der Sankt Andreas-Abend. Iris 1828. / Der Einzug der Alliirten zu Frankfurt am Main. Vogt u. Kitz 1846. / Der Falschmünzer. Didaskalia 1847. / Der Komthur. Ebenda 1847. / Der Neffe aus Paris. Convers. Blatt 1850. / Huth und Pommer. G. W. P(feiffer) von Frank(furt). Didaskalia 1850. / Der alte Schwede in Sachsenhausen. G. W. P. von Frank. Didaskalia 1850. / Der Sohn des Unbekannten. 2 Bdch. Bei J. G. Fey 1851. / Günther von Schwarzburg. G. W. P. von Frank. Didaskalia 1852. / Der Judenarzt. Frankf. Anzeiger 1853. / Herz und Königsrecht. Ebenda 1853. / Cronberg. Frankf. Anz. 1854. / Die Nachtigall. Didaskalia 1855. / Der Dominikaner. Didaskalia 1857. / Der türkische Gesandte. Hermann'sche Buchhandlung 1858. / Der Syndikus. Didaskalia 1859. / Der Alte im steinernen Hause (der Alchymist) Karl Theod. Reiffenstein u. G. W. Pfeiffer. Didaskalia 1859. / Der Zauberer. Familienbl. 1859. / Der Stadthauptmann von Frankfurt. Verlage Meidinger u. Co. 1860. / Der Mann aus dem Römer. 1860. / Mozart bei der Kaiserkrönung. Familienbl. 1862. / Augerau in Frankfurt. Didaskalia 1863. / Napoleon I. in Frankfurt (1807). Didaskalia 1865.

Frankfurt am Main, im August 1925
Heinrich Bingemer

Haus »Zum Engel«


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