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Achtundzwanzigstes Kapitel.
In den Wäldern von Lincolnshire

Wenn Flemyng den Brief in die Hände bekommen hätte, in dem seine Tochter berichtete, daß er so entschieden gegen ihre Abreise protestiere, so würde gewiß ein Lächeln die Züge des alten Herrn erhellt haben. Nina war ihm ja allerdings ein ganz willkommener Gast; aber daß er sie oder irgend ein Glied seiner Familie nicht hätte entbehren können, wäre dem alten Weisen als ein klägliches Mißverstehen seiner täglich sich mehr vergeistigenden Natur vorgekommen.

Ohne ungerecht gegen Nina zu sein, können wir also diesen vorgeschobenen Widerstand ihres Vaters als eine Aeußerung ihres eigenen Unwillens auslegen, die heißen Monate August und September in Paris zuzubringen. Sie ausschließlich in ihres Vaters Hause zu verleben, lag absolut nicht in ihrer Absicht. Sie hielt sich tatsächlich nur die ersten paar Wochen daselbst auf, solange die Freiheit, die ausgedehnten Räumlichkeiten, die Menge der Dienstboten, der erfrischende Rasenplatz, ja selbst die durchaus nicht artiger gewordenen Brüder noch den Reiz der Neuheit hatten. Es war auch recht amüsant, die Besuche der Nachbarn zu empfangen, ihnen echte Pariser Roben zu zeigen, ihre neugierigen Fragen nach ihrem Gatten mit neckischen Antworten zurückzuweisen und sich hinter ihrem Rücken über sie lustig zu machen. Aber Ninas bewegliche Natur war doch dieser Unterhaltungen bald müde, und sie sah sich nach einem weiteren Kreise um.

Nina Flemyng war von jeher sehr beliebt gewesen, namentlich bei Damen, die im Besitz von Landhäusern waren, und diese zu beleben suchten. Sie mit ihrer heiteren, leichtlebigen, graziösen Weise, mit ihrer brillanten Toilette und ihrem Talent, sich in alles zu schicken, verstand es, sich in solchen Häusern zur vollen Geltung zu bringen, und wenn früher manche Mütter heiratsfähiger Söhne Bedenken getragen hatten, sie an sich zu ziehen, so fiel doch dieses Bedenken jetzt, wo sie fern in der Welt einen Gatten hatte, fort, und es war Nina leicht, sich vor dem Ende des Juli mehr Einladungen zu verschaffen als sie annehmen konnte. Von da an stattete dann die junge Frau abwechselnd bald auf diesem, bald auf jenem Landgute ihren Besuch ab, und sah sich von allen, mit denen sie in Berührung kam, verhätschelt und vergöttert.

Nun traf es sich, daß in den letzten Tagen des September Frau Claud Gervis in einem befreundeten Hause einem alten Freund und Nachbar begegnete, den sie seit ihrer Rückkehr nach England noch nicht gesehen hatte. Sie kam spät am Nachmittage an und saß vor Tische im Salon, in den soeben die von der Jagd heimkehrenden Herren eintraten. Unter dem Haufen Unbekannter tauchte plötzlich eine wohlbekannte Gestalt auf, die sich auch sogleich ihr näherte und unter dem Ausdruck lebhafter Freude ihr zurief: »Ist es möglich, daß ich Sie hier finde! Den einzigen Menschen, den ich vor allen übrigen gewünscht hätte zu sehen. Das ist doch wirklich ein Stückchen Glück!«

»Wie schmeichelhaft!« sagte Nina und streckte ihm die Hand entgegen. »Ich freue mich auch sehr, Sie zu sehen; aber, wenn man fragen darf, hatten Sie einen besonderen Grund, mich sehen zu wollen?«

»O, ich hörte, daß Sie in England waren – ich hoffte, daß wir uns treffen würden – es ist so lange her, daß wir uns nicht gesehen haben!« erwiderte Freddy Croft ein wenig verworren. Er war nämlich im Begriff, ihr die ehrliche Wahrheit zu sagen, als ihm einfiel, daß wohl keine Dame sehr gern höre, sie sei nur um deswillen ersehnt worden, weil sie Auskunft geben könne über eine andere ihres Geschlechts.

»Nicht so sehr lange, sollte ich denken,« warf Nina unbefangen ein. »Wann waren Sie denn in Paris? Vor kaum mehr als drei Monaten. Vielleicht haben Sie vergessen, daß wir uns damals gesehen haben?«

»Nicht im geringsten! Ich erinnere mich vollkommen, daß ich bei Ihnen war, und ebenso, daß Sie kein Wort mit mir geredet haben!«

»Ich bin gelehrt worden, zu reden, wenn ich angeredet werde. Sie sind doch nicht nach der Rue d'Amsterdam gekommen, um mich zu besuchen, und anderer Leute Unterhaltung mochte ich nicht unterbrechen. Es war ja wohl das Wettrennen, das Sie nach Paris führte, wie? Wie reizend dies Longchamps ist und die ganze waldige Umgebung! Ich kenne keinen angenehmeren Ort, um einen sonnigen Tag darin zu verleben, als das Bois de Boulogne.«

Freddy sah sie halb belustigt, halb beunruhigt, an. Augenscheinlich war ihr sein damaliges Rendezvous mit Genoveva kein Geheimnis; aber wußte Nina die ganze Wahrheit, oder probierte sie, etwas mehr herauszubekommen? Ehe er aber noch seiner Sehnsucht Genüge leisten und sich nach dem Gegenstand seiner Liebe erkundigen konnte, wurde er nach dem anderen Ende des Saales gerufen, um der Dame vorgestellt zu werden, die er zu Tische führen sollte. Erst mehrere Stunden später fand er wieder eine Gelegenheit, sich Nina zu nähern.

»Nichts Neues von der Prinzessin?« fragte er möglichst gleichgültig.

»Ich bekam vor einigen Tagen einen Brief von ihr. Sie ist in den Pyrenäen und amüsiert sich köstlich, wie sie sagt.«

»Alles wohl, hoffe ich?«

»Ich nehme an, daß sie sich wohl befindet. Ueber ihre Gesundheit sagt sie in dem Briefe nichts.«

»Und – hm – die übrigen von der Gesellschaft? Sind sie alle wohl und munter?«

»Nun, ich glaube, mit Herrn Glymno geht's durchaus nicht besser. Aber es ist auch wenig, Aussicht vorhanden, daß es jemals besser gehen wird, fürchte ich.«

»Schwerlich. Armer Bettelmann. Hm!«

Es trat eine Pause ein, während welcher sich Nina Kühlung zufächelte und ihr Gegenüber mit einem ironischen Lächeln betrachtete.

»Zum Kuckuck!« brach endlich Freddy hervor. »Wir sind unser Leben lang Freunde gewesen, und es ginge doch mit dem Teufel zu, wenn ich nicht offen mit Ihnen reden könnte. Sie wissen sehr wohl, was ich zu erfahren wünsche. Sagen Sie mir alles von ihr. Ich habe sie seit Monaten auch nicht einmal nennen hören. Und dieser abscheuliche Claud ist der schlechteste Korrespondent, den ich kenne.«

Nina antwortete nicht sogleich. Sie fuhr in ihrem Lächeln und Beobachten fort, bis sie die Frage an ihn richtete: »Wie sind Sie dazu gekommen, sich in sie zu verlieben, Freddy?«

Freddy lachte.

»Weiß ich's? Wie sind Sie dazu gekommen, sich in Claud zu verlieben?«

»Ah!«

Mit dieser etwas zweideutigen Antwort versank Nina wieder in ihr voriges Stillschweigen. Nach einigen Minuten indes riß sie sich wie mit einer gewaltsamen Anstrengung heraus und sagte: »Nun schön, was soll ich Ihnen von ihr erzählen? Mit ihr korrespondiere ich nicht, wie Sie wissen. Ich glaube, sie ist ganz wohl, wenn es Ihnen eine Beruhigung ist, das zu hören; es läßt sich auch annehmen, daß sie wie gewöhnlich die Geige spielt. Außerdem hat sie einen Anbeter gefunden – einen Herrn d'Arblay, und die Prinzessin setzt Himmel und Erde in Bewegung, um aus den beiden ein Paar zu machen. Sie brauchen sich aber keine schlaflose Nacht darum zu machen; Anlaß zur Eifersucht ist nicht vorhanden. Nach dem, was ich von d'Arblay gesehen habe, muß ich sagen, er wäre wie gemacht, ihr Gatte zu sein – ein sehr guter Mensch, etwas langsam, aber ein großer Musiker und ein Mann von ernster Lebensanschauung – kurz, eine männliche Wiederholung ihrer selbst. Ebendeswegen verabscheut sie ihn natürlich und betet Sie an, der Sie auch nicht einen Gedanken oder einen Geschmack mit ihr gemein haben. Es ist eine verkehrte Welt, worin wir leben.«

»Die Welt ist gut genug für mich, Frau Gervis. Ich habe ganz gewiß mehr Glück darin, als ich es verdiene,« sagte Freddy.

»O, wenn es jedem nach Verdienst gehen sollte! Aber wer weiß, ob Sie nicht am Ende gar nicht so glücklich sind, wie Sie sich's einbilden. Wer kann voraussehen, ob er einen guten Griff in den Glückstopf gethan hat? Alles in allem, mein lieber Freddy, ist das Leben überhaupt ein kolossaler Mißgriff. Man wird am besten damit fertig, wenn man so wenig wie möglich darüber nachdenkt und so lange froh ist und singt, als man nur kann. Im Nebenzimmer wird soeben getanzt; wollen wir nicht auch ein paar Touren mitmachen? Wir beide haben ja früher schon so manchen Walzer miteinander fertig gebracht.«

Tanzen war weit mehr nach Freddys Geschmack als Moralisieren. Er führte seine Dame nach dem schnell zugerichteten Tanzsaal und überzeugte sich bald, daß sie noch nichts von ihrer früheren Geschicklichkeit verloren hatte.

»Geht es denn noch so halbwegs?« fragte sie am Ende des zweiten Walzers.

»Sie wissen es recht gut,« lachte Freddy, »sonst wurden Sie gar nicht so fragen. Sie tanzen so gut, wie es nur möglich ist.

»So gut wie Genoveva?«

»Ich bin nicht willens, Vergleiche anzustellen. Sie sind beide vollkommen in Ihrer Art.«

»Seien Sie doch nicht so thöricht. Ich verlange die Wahrheit zu hören: tanze ich besser als sie?«

»Wenn Sie denn doch darauf bestehen, so glaube ich wohl, daß Sie sie im Tanz übertreffen. Ich bin dessen sogar gewiß. Aber –«

»Aber sie spielt die Fiedel, n'est-ce pas? Ein guter Satz zu Ollendorfs Uebungen! Ich bin gar nicht begierig, mich ihr gleichstellen zu wollen, außer in dem einen Punkt, und das können Sie mir wohl gönnen. Lassen Sie mich der verkörperten Vollkommenheit in einem kleinen Stück überlegen sein.«

Freddy fand kein Gefallen an dieser Unterhaltung über seine zukünftige Frau. Er versuchte, in eine andere Bahn zu lenken und erkundigte sich, wie lange Ninas Strohwitwerschaft noch dauern werde. Sofort aber unterbrach sie ihn ungeduldig. »Um des Himmels willen, brauchen Sie diesen unangenehmen Ausdruck nicht! Lassen Sie uns überhaupt nicht darüber sprechen. Wenn Sie wüßten, wie oft diese selbe Frage an mich gerichtet worden ist, nur in etwas feinerer Form! Nehmen Sie vorläufig an, ich habe überhaupt keinen Mann oder er befinde sich irgendwo hier im Zimmer. Wollen Sie mich nicht ein für allemal loswerden, so vermeiden Sie den Gegenstand.«

Aus eigenem Antrieb kehrte sie jedoch selber im Laufe des Abends zu dem verpönten Gegenstand zurück.

»Da sind wir denn also hier als Genossen im Unglück beisammen, zwei verirrte Tauben ohne unsere Täuberiche. Wir können unsere Thränen miteinander vermischen. Es ist seltsam, nicht wahr?«

Sie saß da in einer höchst anmutigen nachdenklichen Haltung, die Wange auf die Hand gestützt, den wundervoll modellierten Arm halb entblößt. Es hatte eine Zeit gegeben, wo Freddy diesen Arm mit der feinen Hand über die Maßen bewundert hatte, ja, wo er nahe daran gewesen, die Hand völlig für sich zu fordern. Einerseits hatte jedoch Lady Croft durch ihre allzu große Angst viel verdorben, andererseits hatte Nina im kritischen Augenblick es ratsam gefunden, Freddy mit schnöder Kälte zu behandeln und so hatte sich das Projekt zerschlagen, wie so viele andere unter Freddys Jugendthorheiten. War es eine Erinnerung an diese halb vergessenen Tage, die in Nina aufstieg und ihr diese Worte entlockte? Freddy hielt es für das beste, die Anspielung zu ignorieren und antwortete nur: »Ich denke, es wird keiner von uns Thränen vergießen, obschon ich Ihnen sagen kann, daß ich oft sehr geneigt dazu bin. Diese Art Leben ist eine harte Prüfung für einen armen Burschen wie ich. Bei Ihnen ist es etwas anderes, Sie haben gar keine Ursache, sich zu beklagen. Sie können an Claud schreiben und alle Tage von ihm hören, und ich setze voraus, daß Sie zu ihm zurückkehren können, sobald Sie sich dazu aufgelegt fühlen.«

»Vielleicht liegt ihm gar nichts daran, daß ich zu ihm zurückkehre,« seufzte sie vor sich hin und betrachtete dabei die Spitzen ihrer zierlichen schwarzen Atlasschuhe – von denen Claud auf ihr Verlangen erst gestern ein halbes Dutzend Paar geschickt hatte. Dann blickte sie plötzlich auf und sagte mit erzwungener Lustigkeit: »Sie vergessen, daß ich an einen Schriftsteller verheiratet bin, der an Wichtigeres zu denken hat als an seine Frau.«

Freddy wurde von Mitleiden bewegt.

»O,« dachte er, »arme Seele! Dachte ich's doch, daß da nicht alles stimmte. Papier und Tinte ihr vorzuziehen! Claud muß geradezu blind sein!«

»Natürlich vermißt er Sie,« sagte er laut.

»Meinen Sie? Nun, vielleicht vermisse ich –« Sie brach ab. Mit einem offenherzigen Lachen fuhr sie fort: »Die Wahrheit ist, daß, wenn ich jetzt nach Paris zurückkehrte, ich ihm eine fürchterliche Last wäre. Wir verheirateten uns, wie Sie wissen, etwas überstürzt, und wenn uns auch unsere Heirat nicht leid geworden ist, so doch sicher die Ueberstürzung. Wir befinden uns in der gräßlichsten Armut, und je länger ich hier bleibe, desto mehr ersparen wir an Brot und Butter – leuchtet Ihnen das nicht ein?« Als Freddy betroffen schwieg, fuhr sie fort: »Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß Clauds Vater ganz recht hatte, und daß man ein Eheband nicht zu hastig knüpfen sollte. Sie sollten ihm sehr dankbar sein, daß er Ihnen so viel Zeit zur Ueberlegung läßt. In Heiratsfragen ist das Weiseste, sich dreimal zu besinnen und dann – nicht zuzugreifen.«

Deutlicher konnte sie es nicht in Worten ausdrücken, daß sie ihre eigene Ehe bereute.

»Sie für Ihre Person sind wenigstens noch nicht verheiratet,« setzte sie das Gespräch fort.

»Ich werde mich aber bald verheiraten,« gab Freddy ernst und tapfer zurück.

»Sie haben sich's doch auch reiflich überlegt?«

Sie hob ihre schönen grauen Augen zu ihres Nachbars Gesicht auf mit einem Blick, der ein unbehagliches Beben durch seinen ganzen Körper sandte. Wie schön doch Nina war und wie vollendet in jeder Beziehung! Und wie reizend ihr diese Miene von halber Ironie, halber Melancholie stand! Freddy war mehr als je überzeugt, daß Claud taub und blind sein müsse.

Wir sehen also, wie alle ihre Frauenwürde Nina nicht verhinderte, ihre frühere Koketterie noch in alter Vollkommenheit auszuüben, noch dazu an einem, der ihren Künsten vormals noch glücklich entgangen war. Freddy war übrigens ein zu loyaler junger Mann, um sich mit der Frau seines Freundes in eine Liebelei einzulassen, abgesehen von seiner treuen Liebe, die ihm als Schutz dagegen diente.

So erwiderte er denn ihren Liebesblick so wenig glühend, daß Frau Gervis mit einem unterdrückten Gähnen ausrief: »Wie schläfrig einen diese Musik macht! Was soll man nur hier mit sich anfangen? Sie gehen doch wohl den ganzen Tag auf die Jagd, nicht wahr?«

»Heute war ich den ganzen Tag fort.«

»Und alle übrigen Herren auch, selbstredend. Wenn es etwas gibt, was die Menschen abspannt, so ist es das, den Liebenswürdigen zu spielen gegen eine Schar übel gelaunter Frauen, und fast alle Frauen sind übel gelaunt bis gegen zwölf Uhr mittags. Ich möchte wohl wissen, ob sie hier nicht etwas Reitbares im Stalle haben?«

»O, das haben sie. Ich will Ihnen morgen ein Reitpferd verschaffen und wir wollen zusammen einen Galopp machen. Ich werde morgen das Schießen einmal fahren lassen.«

»O wirklich? Nun, das wäre doch einmal etwas Gutes gethan. Erinnern Sie sich noch an unsere Galoppaden beim Lynchesterschen Wettrennen? Was für Spaß wir schon zusammen gehabt haben! Reitet Genoveva auch? Nein; aber sie spielt die Fiedel. Da haben wir's – machen Sie nur nicht so ein grimmiges Gesicht, ich wollte nichts Unangenehmes damit sagen.«

»Aber natürlich reitet sie!« erklärte Freddy, wirklich etwas geärgert; »sie reitet vorzüglich.«

»Wirklich? Um so besser. Ich werde nicht fragen, ob sie besser reitet als ich. Ich weiß, daß ich mit Ihnen standhalten kann, wo und wie Sie auch immer belieben, zu reiten, und das ist genug für unseren Zweck. Man kann unmöglich erwarten, die Vollkommenheit in mehr als einer Fertigkeit zu übertreffen.«

»Zum Kuckuck, Nina!« brach der junge Mann in gelangweiltem Tone hervor. »Ich glaube, Sie sind eifersüchtig auf Genoveva.«

Er beabsichtigte nicht, sie mit seiner Beschuldigung wirklich anzuklagen, sie aber fand es angemessen, sich es anders auszulegen. Einen Augenblick schwieg sie, dann antwortete sie ernst: »Vielleicht!« Und diesmal begleitete sie ihre Worte mit einem Blick, der nicht ganz so harmlos war wie der vorige.

Freddy stand auf und begab sich in nachdenklicher Stimmung nach dem Rauchzimmer. Es drängte sich ihm die Ueberzeugung auf, daß diese vernachlässigte Gattin ihre Wahl bereute und es bedauerte, daß sie eine frühere Gelegenheit, sich passender zu verheiraten, von sich gestoßen hatte. Nina that ihm sehr leid, und er beschloß, sich während der paar Tage, die sie wahrscheinlich zusammen verleben würden, nach Kräften freundlich gegen sie zu erzeigen.

O sancta simplicitas! Hätte er nur gewußt, wie in diesem Augenblick Nina mit der Herrin des Hauses zusammensaß und folgende, sehr aufrichtig gemeinte Aeußerung über ihn abgab: »Ach, Freddy ist ein ganz lieber kleiner Mensch, schrecklich dumm, wie Sie wissen, aber das gutmütigste Geschöpf, das je existiert hat. Er und ich sind seit den Tagen unserer Kindheit geschworene Verbündete gewesen. Er gibt sich viel Mühe, mich morgen zu einem Ausritt mit ihm zu bewegen, und ich sagte es ihm schon halb zu, wenn Sie nichts dagegen haben und mir ein Pferd geben können. Wo haben Sie nur diese köstlichen alten Spitzen herbekommen?«



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