Magnus Gottfried Lichtwer
Fabeln
Magnus Gottfried Lichtwer

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Phöbus und sein Sohn.

            Der Mond trat zwischen Sonn' und Erde,
Sein Schatten deckte Höh' und Grund,
Und auch die Trift, wo bei der Heerde
Ein Hirt und Sohn des Phöbus stund.

    Der Hirte rief voll Furcht und Zagen:
Mein Vater, du verlierst den Schein;
Wie kann der heitern Gottheit Wagen
Des Lichtes Quell, und dunkel seyn?

    Du irrst, sprach Phöbus, deine Hürden
Sind blos der Ort, der dunkel ist,
Du suchst mir Fehler aufzubürden,
Womit du selbst umnebelt bist.

* * *

    Zwischen Gott und unsern Sinnen
Steht die Menschheit mitten innen,
Und verbirgt vor uns sein Licht;
Wir sind dunkel, Gott ist's nicht.

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