Andreas Gryphius
Carolus Stuardus
Andreas Gryphius

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Cromwell. Der Gesandte aus Schottland.

Gesan. ich frage / mit was Recht kan man die Bitt ausschlagen?

Crom. Eur eigne Wolfahrt zwingt uns dises zu versagen.

Gesan. Wie? Wolfahrt? wenn ihr uns in unserm Haubt verhönt!

Crom. Der Richter Schärfe wird durchs heil'ge Recht versöhnt.

Gesa. Wer gibt euch dise Macht der Schotten Haubt zu richten?

Crom. Man muß der Britten Zanck durch Themis Richt-Axt schlichten.

Gesa. Schlagt ihr den hohen Eyd so schändlich aus der acht?

Crom. Weil Stuard selbst nicht hat was er uns schwur bedacht.

Gesa. Was schwur er daß er nicht mit höchstem Fleiß vollzogen.

Crom. Als seine Leib-Standart ist wider uns geflogen?

Ges. Wie offt hat Cromwell sich vor Carols Heil erklärt!

Crom. Waar ists / daß ich von Gott es inniglich begehrt.

Ges. Wie daß er dann sein Wort / ja sein Gebet gebrochen?

Crom. Weil Gottes Geist in mir dem Betten widersprochen.

Gesa. Gab Schotten euch sein Haubt zu diser herben Schmach?

Crom. Sprecht warumb dachte da nicht Schotten besser nach!

Gesa. Ihr habt zur übergab uns durch den Eyd bewogen.

Crom. Man halt dem keinen Eyd der uns dadurch betrogen.

Gesa. Wie? greifft man Schotten noch mit disem Vorruck an?

Crom. Wenn Schotten uns / wie nechst / mit Krig angreiffen kan.

Gesa. Wir fochten (wie es recht) vor unsers Königs Leben.

Crom. Vnd der gerechte GOtt / hat uns den Sig gegeben.

Gesa. Pocht Britten nicht zu vil / der Tag ist noch nicht hin!

Crom. Wir haben unter des den Morgen zum Gewin.

Gesa. Wer gar zu zeitlich lacht muß offt vor Abends weinen.

Crom. Ein Beyspil wird noch heut an Stuards Kopf erscheinen.

Gesa. Wol! spigelt euch an dem der so verfallen kan.

Crom. Wir thuns! drumb sehen wir / was GOtt und Recht wil / an.

Gesa. O Recht! verkehrtes Recht! wer hat hie recht gesprochen?

Crom. Gantz Britten hat den Stab auff Stuards Hals gebrochen.

Gesa. Gantz Britten? sagt zwey / drey / die diser Tod ergetzt!

Crom. Hat nicht das Parlament die Richter selbst gesetzt?

Gesa. Das Parlament? wo ists? in welches Kerckers Hölen?

Crom. Man kärckert niemand ein / als dinstbegir'ge Seelen.

Gesa. Wer richtet? der nicht vor gewaffnet bey euch stundt.

Crom. Vnd der / dem Landes Bräuch' und Grundgesetze kundt.

Gesa. Dem es an Macht und Mut gebrach sich zu erklären!

Crom. Wer wil sein eigen Hertz mit frembder Schuld beschweren!

Gesa. Der aus des frembden Fall Nutz oder Vortheil sucht.

Crom. Des Fürsten Tod verspricht uns noch geringe Frucht.

Gesa. Was zwingt euch denn sein Blut so schmählich zu vergissen?

Crom. Weil dreymal funffzig Mann einstimmig es beschlissen.

Gesa. Zwey drittheil gingen fast in zwey / drey Tagen ein.

Crom. Vnd dennoch war die Zahl der Richter nicht zu klein.

Gesa. Ihr habt mit Zwang und Macht die meisten kaum erhalten.

Crom. Wir haben tausend noch die dises Recht verwalten.

Gesa. Kaum einer fällt euch bey / der ausser eurer Macht.

Crom. Ein dunckel Aug' hat nie der Sachen Wehrt betrachte

Gesa. Waar ists. Ich kan der Straff Vrsachen nicht ergründen.

Crom. Wiss't ihr des Römschen Briffs Geheimnüß nicht zu finden?

Gesa. Wie daß ihr den gekrönt der solche Briffe schrib?

Crom. Weil das verblümmte Stück vil Jahr verdunckelt blib!

Gesa. Vil Jahr verdunckelt blib? wer hat es nun entdecket?

Cromw. Die Zeit welch' aus der Grufft was dunckel aufferwecket.

Gesa. Recht so! so büsst er auch was Buckingham verbrach!

Crom. Gab er dem Cantelberg nicht alle Boßheit nach?

Gesa. Hat Cantelberg nicht selbst / für seine Schuld gelitten?

Crom. Hat Carl sein eigen Land blutdürstig nicht bestritten?

Gesa. Ja! als es alle Schuld und Pflicht ihm auffgesagt!

Crom. Wer hat Jerne wol zum Auffruhr ausgetagt?

Gesa. Wer hat Jernes Zaum durch Straffords Beil zuschnitten?

Cromw. Liß Carl sein Krigs-Volck nicht durch alle Gräntzen wütten?

Gesa. Hat eur entblöstes Schwerdt denn nirgends was versehn?

Crom. Er zog die Schwerdter aus! es ist durch ihn geschehn!

Gesand. Wie daß man dann zu Wicht mit ihm begehrt zu schlissen?

Crom. Weit besser / daß der Schluß zu Wicht wird abgerissen.

Ges. Da er auff Statsrath Wortt und Vollmacht sich einliß!

Crom. Da unsern Sig und Schweiß der Statsrath niderriß.

Gesand. Da aller Zwang und Zwist fast auff ein Ende kommen.

Crom. Vnd man die Frucht des Sigs uns aus der Faust genommen.

Gesand. Was gibt man nicht gar offt umb Fridens willen nach?

Crom. So schätzt ihr unser Blut gleich einer Wasserbach?

Ges. Wann man umb Friden dingt muß jder was verschmertzen.

Crom. Der Vberwinder muß sein Vortheil nicht verschertzen.

Ges. Der König gab fast mehr als zu begehren nach.

Crom. Gesetzt es sey! wer burgt vor diß was er versprach?

Ges. Ihr habet ja sein Wort / und ihn in euren Händen.

Crom. Gefangne / wenn sie frey die ändern und verwenden.

Gesand. Gönnt daß er sich erklär' und nemm't noch Bürgschafft an.

Crom. Sagt mir wer Lager / Land und Statt versichern kan?

Gesa. Mein König! rettet dich nicht dein unschuldig Leben!

Crom. Auch Fromme können offt gar böse Fürsten geben.

Gesa. Dein unbefleckter Geist / dein keusches nüchtern seyn!

Crom. Diß steht bey Fürsten schlecht / man lobt es in gemein.

Gesa. Wer wird nach deinem Tod nicht Albion anspeyen?

Crom. Was geht es ander an was Britten kan befreyen?

Gesa. Wird unsre reine Lehr durch Königs-Mord befleckt?

Crom. Die reine Lehre wird durch dises Blut erweckt.

Ges. Vnd dürffen wir noch Rom den Königs-Mord verweisen!

Crom. Sind keine Schotten mehr die solchen Richtstul preisen?

Gesa. Läst GOtt / der Printzen GOtt / so grimme Blut-spil zu?

Crom. Der Vnterdruckten GOtt schafft durch diß Spil uns Ruh!

Gesa. Der Himmel wacht ja selbst für dise die er krönet!

Crom. Vnd bricht den Thron entzwey der rechtes Recht verhönet.

Gesa. Vergossen Königs Blut rufft Rach' und schreyt für GOtt!

Crom. So viler Britten Blut / wil Blut / wie GOtt gebott.

Gesa. Ein Erb-Fürst frevelt GOtt / GOtt hat nur Macht zu straffen!

Crom. GOtt führt sein Recht jtzt aus durch unterdrückter Waffen.

Gesa. Heist dises Gottes Recht / wenn man das Recht verkürtzt?

Crom. Wenn trotze Tyranney den strengen Halß abstürtzt?

Gesa. Man wegert ihm Gehör auff sein inständig Bitten!

Crom. Da / als er Ihm die Zeit zu hören selbst verschnitten.

Gesa. So stirbt er unverhört zu Brittens höchster Schand?

Crom. Warumb hat er die Zeit nicht besser angewandt.

Gesa. Wie? ist euch eine Stund / in diser Zeit so theuer?

Crom. In einem Augenblick entbrent ein grosses Feuer!

Gesa. O! daß die Flamme nicht gantz Albion verzehr!

Crom. Man lescht mit Königs Blut daß sie uns nicht verher.

Ges. Denckt wie der Printzen Printz diß Blut hab offt gerochen?

Crom. Es geh nu wie es geh! Das Vrtheil ist gesprochen.

Ges. Was spricht der Höchste nicht auff diß Verbrechen aus?

Crom. Des Höchsten Außspruch trifft des Ertz-Tyrannen Hauß.

Gesa. Was könt eur eigen Hauß in künfftig nicht entzünden?

Crom. Wir werden für den Brand auch künfftig Mittel finden.
Die Zeit verlaufft! bey mir nur ferner nicht gesucht /
Was ausser meiner Macht. Die Bitt ist sonder Frucht.
So wenig euch vergönnt den Grund der Welt zu spalten:
So wenig könnt ihr heut das Richt-Beil hinterhalten /
Weil nichts mehr retten kan / nichts sag ich / glaubt es mir:
Es stünde denn GOtt selbst und augenscheinlich hir.

 

Hugo Peter. Cromwell.

Wie? hat der Schott einmal das Ende finden können!

Crom. Ich wolt und möcht ihm mehr zu reden nicht vergönnen.

Pet. Der Catt ligt abermals dem Fairfax in dem Ohr.

Crom. Noch eh der Schott abtrit / steht schon der Catt im Thor.

Pet. Man fahre schleunig fort / denn hilfft kein überlauffen.

Crom. Schaff an! man fahre fort! Sind die beschickten Hauffen
Durch Gaß und Platz vertheilt?

Pet.         Mehr denn zu wol bestellt.
Der Port ist starck besetzt. Das Waffen-volle Feld
Erschreckt die bleiche Stadt.

Crom.         Nun! keine Zeit verloren.
Man sagt es habe sich ein Hauffen hart verschworen /
Zu retten Stuards Kopff. Drumb nehmt das Schloß in acht.
Bewahrt das Traurgerüst / und handelt mit Bedacht.

Pet. Eh'r soll der Leib zustückt auff lichter Glut verbrennen /
Eh soll man Fleisch von Fleisch und Glid von Glidern trennen:
Eh soll mein bluttend Haubt auff Londens Brücken stehn:
Eh der verdammte Carl der Straffe soll entgehn.

 

Chor der Engelländischen Frauen und Jungfrauen.

Jungf. Güldnes Licht der Erden Wonne /
Das den grossen Bau erhält:
Schmuck des Himmels / schönste Sonne.
Wie daß nicht dein Glantz verfält?
Kanst du ob dem Greuel stehn?
Wilst du nicht in Wolcken gehn?
Vnd mit Donner-schwartzen Flecken:
Dein bestürtztes Antlitz decken?
Frau. Nacht komm in den Tag gezogen:
Komm du ungeheure Nacht:
Die aus Plutons Grufft geflogen
Als des Frevels tolle Macht
Mit dem scharffgezuckten Schlag
Auff Mariens Nacken lag.
Komm die Foudrigen verhüllet /
Als es seinen Grimm erfüllet.
Jungf. Phoebe lescht mit nassen Wangen
Schon ihr silberzartes Licht.
Dunst und Nebel hat umbfangen
Der Astreen Angesicht.
Nur Orion zuckt sein Schwerdt
Auff der Britten Kirch und Herd
Vnd Meduses Schlangen Zöpffe
Treuffeln über unser Köpffe.
Frau. Nein! wir wündschen kein Verdecken /
Die mit Väterlichem Blut
Wollen Sonn und Tag beflecken.
Diß erquickt den heissen Mutt!
Last uns sehn was nach uns schlägt?
Was uns auff die Baare trägt:
Wie das Wetter sich entzünde;
Wie man Eyd und Pflicht entbinde.
Jungf. Printz! den Zeit und Ewikeiten
Den die Nach-Welt schon verehrt /
Laß dich auff den Mord-Platz leiten.
Wer dein letztes Seufftzen hört /
Wer den grossen Mutt betracht /
Vnd dein Antlitz nur beacht
Wird trotz allem Argwon schlissen
Dein unschuldig Blutvergissen.
Frau. Printz! leid umb dich so vil Zeugen /
Als um diß Gerüste stehn
Daß wenn du dich hin wirst beugen
Brittens Heyl müss' untergehn.
Brittens Heyl das in dir lebt
Das sich wider sich erhebt /
Daß wenn du wirst nidersincken:
Wird inn deinem Blut ertrincken.

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