Andreas Gryphius
Carolus Stuardus
Andreas Gryphius

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Die Ander Abhandelung.

Der Geist Straffords. Der Geist Lauds.

Die gantz entstimm'te Harff' und das erhitzte Brüllen /
Der Leuen Mordgeschrey die Ohr und Hertzen füllen /
Die Lilje sonder Glantz / die unter grimmen Fuß
Des Pövels sich zu Kott / zutretten lassen muß;
Rufft Wentworts Geist hervor! Ertzrichter aller Sachen!
Sinckt Albion nun gantz dem Abgrund in den Rachen?
Muß mein Jerne dann in lichten Flammen stehn?
Heist du Britannien in eignem Blutt vergehn?
Das enge Reich ist ja dem scheußlichen Gedränge /
Dem Bürgerlichen Krig und Mordtumult zu enge /
Der Themse Purpur-schaum besprützt das wüste Land
Auff dem Altar und Herd durch eine Glutt entbrant.
Der Drummeln Widergalm / die hellen Sturm-Trompeten
Das Wütten das Gekreusch / und unversetzte Tödten /
Der Leichen faule Stanck / erfüllt ja Lufft und See /
Vnd dringt aus diser Grufft in die besternte Höh'
Durch eine dicke Wolck aus Qualm der Grüfft' entsprossen/
Ich hab! Ach HErr ich hab! als ich die Zeit beschlossen
Mich auff dem Traurgerüst / dem rauen Mord-Altar
Noch unter disem Beil geopffert für die Schar
Des auff mein müdes Haubt aus Rach erhitzten Pövels/
Nicht indenck tollen Neids / und blindgesteifften Frevels.
Ich sanck durch dich gestärckt / unzaghafft auff die Knie/
Dein letztes auff der Welt / war meines: ich verzih'.
Mein Geist erhitzter GOtt brennt noch von keiner Rache /
Mehr bitt ich / kehre nicht dein Aug auff meine Sache.
Muß mein vertroffen Blutt ja zum Gericht auffstehn;
So laß den Außspruch nicht auff imands Hals ergehn.

Laud. Wer bricht die schwartze Ruh der ungeheuren Stille:
Vnd winselt durch die Nacht?
Wird imand mehr als ich / durch ernster Rache wille
Aus seiner Gruben bracht?
Wie? oder schaw' ich dich. O Wentwort! Blum der Helden /
Mit dessen Blutt das Recht beschriben /
Daß die gewündschte Ruh aus Albion vertriben?
Dein Kläger muste selbst von deiner Vnschuld melden /
Als das bewegte Volck nach deinem Leben rang /
Vnd dem gekrönten Haubt dein Haubt abdrang.
Von wem doch hatt ich Schutz und Heil zu hoffen?
Als bey noch festem Thron der Donner dich getroffen!

Strafford. Wer sich auff Zepter stützt und traut der Fürsten Schweren;
Fält / leider! gleich als ich. Das Rasende verkehren
Der ungewissen Zeit / gibt jenem Cron und Stab /
Vnd dem ein bluttig Beil / und ein beschimpfftes Grab!
Doch klag ich werther Printz nicht über deine Treue
Du libtest biß ans End' / und trugest keine Scheue
Zu reden vor mein Heil. Was hast du nicht versucht
Zu retten disen Kopff? und gleichwol sonder Frucht.
Wie lang hat deine Faust das Mord-Papir verschoben?
Dich hatt die freche Rott / dich hat das tolle Toben
Vnd leichter Buben Schaum an Ehr und Macht verletzt /
Eh' als an meinen Hals das Richtbeil ward gesetzt.

Laud. Es blickt nunmehr denn wol was man bißher gesuchet /
Die Cron und Infell sind durch einen Mund verfluchet:
Wer ist der wider uns sich je verschworen hat?
Als der der Hirten Stab und Zepter selbst zutrat?

Strafford. Mein Vrtheil / daß die Welt / ich weiß nicht wie gefället /
Wird Gott noch übersehn / dem sey es heimgestellet /
Ich rühr es weiter nicht. Eins aber klag ich an /
Was mein entleibter Geist auch nicht verschmertzen kan:
So bald der falsche Neid auff einen sich erhitzet /
Dem Glück und Sonne lacht / bald wird der Pfeil gespitzet
Der ihm das Hertz abdrückt: es geht dem Pövel ein.
Er muß ein Ketzer schlecht / wo nicht Verräther seyn.

Laud. Vnd öffter diß und das.

Straff.         Diß streut man durch die Hütten /
Man lehrt die Cantzel selbst auff unbefleckte wütten /
Man munckelt in dem Raht / bey voller Gasterey
Bricht man was härter aus. Denn wird die Zunge frey
Die vorhin eine Scham / und noch ein schwach Gewissen
Vermischt mit etwas Furcht kont in die Lippen schlissen.
Bald rufft man überlaut: Greifft den Verrähter an!
Wie schändlich daß der Stat den Ketzer leiden kan!
Wach auff / was redlich ist! So bald die Schläge blitzen
Muß er / trotz den es kränckt / Blut auff dem Richt-Platz schwitzen /
Man fragt nach keinem Grund / was er betheuren kan
Gilt nichts! es geht nur Reich und Gottes Zepter an.
Das allzeit-blinde Volck sucht GOtt und Printz zu rächen/
Vnd dem der nichts verbrach den schwachen Hals zu brechen.
Vnd meint es habe Recht und Sache wol beschickt;
Wenn es die heisse Brunst in keuschem Blut erquickt.
Wenn es die vor sein Heil bey Tag und Nacht gewachet:
Hat auff dem Mordgerüst / in Todes-Angst verlachet.
Wenn es muttwillig sich durch seiner Väter Tod
Gestürtzt in frembde Dinst und ungeheure Noth.

Laud. Mehr denn zu wahrer Spruch / durch unsern Fall bewehret!
Der Donner ists / der mich und dich in nichts verkehret.
Was legte man nicht auff die grauen Har /
Als man der Auffsicht überdrüssig war?
Man hat durch meine Schmach / durch meiner Kercker Ketten /
Der Kirchen Recht verletzt und in den Staub getretten.
Wer Frembd / wer Bürger war frolockt ob meiner Pein /
Damit er konte selbst Haubt / Hirt und Bischoff seyn.
Wie aber ists / wie aber ists gelungen?
Das scharffe Beil hat durch den Hals gedrungen;
Vnd man setzt an unser Stat / Aeltesten der Kirchen vor /
Die man gehört mit taubem Ohr.
Die man verdrang / nun lehrt und lernt ein jder
Vnd dichtet neue Schwärm' und baut und bricht es wider /
Die Herde geht zustreu't und irr't in höchster Noth;
Wie wenn der Wolff einreist / und Hirt und Wächter tod.

Straff. Doch must' auch unser Tod zu schnöden Lock-Aas dinen.
Wär' auch der Schotten Heer in Engelland erschinen /
Wann was man in geheim auff Cron und König schloß
Nicht durch mein Blut besterckt? als diß den Hals ausfloß
War Calidon das Schwerdt zu zucken recht verbunden.
Nachdem es abermals in Nord sich eingefunden
Wohin man Bischoff sie durch deine Bande riff;
Geschah es daß man dir nach Kopff und Gurgel griff.
Da must ein Geistlich Haubt die Schottsche Dinst bezahlen /
So tranck man / wehrter Laud / als in gekrönten Schalen
Dein Blut der Schottschen Kirch für ein' Hertzstärckung zu /
So blib das Kirchen-Gut in frembder Faust mit Ruh /

Laud. Wie wird mir! Ach! welch Elend ist vorhanden?
Die Majestät traur't selbst in Banden.
Man richtet Schauplätz auff zu einem Jammer-Spil /
Vor dem die grosse Welt erbeben wil?
Ich schau' in Engelland nur wilde Thire wohnen /
Der mit der Infel schertzt / wird nicht der Crone schonen
Des Fürsten heilig Blut treufft auff den Greuel Sand
Vnd sein gesalbtes Haubt ist in des Henckers Hand.
Weh Albion! Weh! Weh! muß denn mein Geist sich wittern
Vnd dein Mord-Prophete seyn?
Weh Albion! Weh! Weh! schau wie die Felsen zittern /
Die wilde See bricht ein /
Vnd führt die Straffe mit / ich schaue Schwefel Regen
Vnd Flösse Leichen voll / und brüderliche Degen
In brüderlicher Wund' und ein verwüstet Land
Vnd umbgekehrte Städt' und nichts als Grauß und Sand.

Strafford. Der Himmel müsse dich betrübter Printz erquicken
Der Himmel müsse dir gewündschten Beystand schicken.
Es werde deine Seel mit so vil Gnad' ergetzt /
Als hart mein herber Fall dein treues Hertz verletzt.

Laud. Weh Albion! Weh Engelland! Weh! Weh!
Die Straffe wacht / sie brennt auff kalter See!
O seelig wer die Tage nicht erreicht! O seelig wer vor disem Sturm erbleicht!
O besser durch ein Beil den kurtzen Rest beschlossen!
O besser vor der Angst die Handvoll Bluts vergossen!
Die Straffe selbst steigt von des Himmels Höh
Weh Albion! O Engelland Weh! Weh!

Straffort. Hilff Gott ists nicht genung an den so schweren Schlägen!
Sol man denn Schuld mit Schuld / und Blut mit Blut abfegen!

Laud. Schaut wie in Eil das Traurspill sich verkehr!
Der Feldherr selbst begibt sich der verführten Heer.
Der nechst nach ihm prallt auff des Königs Throne /
Vnd last die Erbschafft dem nicht gleich gesinnten Sohne /
Die Erbschafft die umbsonst mit Mord mit List und Schwerdt
Versichert / weil der Fürst die Zeit in Ach verzehrt.
Indem erscheint die Rach' und trennt was sich verbunden.
Das Ansehn mit der Macht des Land-Zwangs ist verschwunden.
Sie bricht den falschen Stul und angemasten Stab
Der Wütterich verleurt sein ausgezihrtes Grab.
Da henckt sein richend Aaß. Ach König! ach! hir brennen
Die Hertzen die dich itzt aus Rasen nicht erkennen.
Schau Wentwortt! wie das Beil in diser Leiber wütt /
Die wider Länder Recht und wider Völcker Sitt /
Geschlossen Carols Tod. Man schleifft zu letzten Schmertzen /
Was sich vor unterstund mit unserm Blut zu schertzen.
Vnd Stuards Nachsaß blüht.

Straffort.         Herr wer erkennet nicht
Wie recht dein Vrtheil sey! wie heilig dein Gericht?


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