Andreas Gryphius
Carolus Stuardus
Andreas Gryphius

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Fairfax. Hugo Peter. Cromwell.

Wol / was komm't neues hir!

Pet.         Aus Catten alte Schreiben!

Crom. Das Vrtheil läst sich nicht durch Federn hintertreiben.

Pet. Der Cron enterbter Erb / hält für den Vater an!

Fairf. Vmbsonst. Weil er nicht mehr als Briffe schicken kan!

Crom. Was macht verruckter Sinn! was macht dich so vermessen
Zu pochen auff den Thron / den du nicht hast besessen!
Lehrt dich der Vater nicht wie schwach der Zepter sey /
Auff den er sich gestützt! Ha! blinde Phantasey!
Ha! schlechtes Printzen-Recht! komm an verjagter König!
Kom! steh dem Vater bey! kom! Wo dein Hoff zu wenig
Treib Pfaltz und Nassau mit / komm' an mit Batos Heer!
Ja bringe (wo du kanst) auch König' ins Gewehr!
Doch muß dein Carol fort. Vnd du vertriben trauren.
Die junge Natter kan kaum in der Hölen lauren /
Die Lufft ist noch zu rauh: Doch pfeifft sie schon hervor.
Vnd steckt den schlauen Kopff und scharffe Zähn empor.
Nein Printz. Verjagter Printz! du wirst mich so nicht schrecken!
Eh' wil ich dise Leich auff gleichem Sand' ausstrecken
Eh soll mein eigen Stahl mir durch die Brüste gehn:
Eh Brittens Insel dir soll zu Gebotte stehn!
Komm! wage dich ins Reich! was könt ich bessers hoffen!
Komm' Plimuth läst dich ein! die weitte Tems ist offen.
Es gilt dem Vater heut und übermorgen dir?
Der Sterbende begehrt den Lebenden von mir.

Pet. Der vilmal hundert Jahr sich liß durch einen zwingen;
Verändert nicht so leicht. Ob Carols Kopff wird springen;
Siht Schott / und Albion und Irr doch nach dem Thron.
Vnd wündscht auff Stuards Stul den König oder Sohn
Gesetzt auch! daß wir itzt das Volck mit Eisen schrecken/
Wird doch diß Traurspil vil / bey vilen Leids erwecken.
Die Thränen-Bach / die nicht frey von den Wangen rint /
Die ists / die einen Gang durchs schmachtend' Hertz gewint /
Vnd in die Seel ausreist.

Fairf.         Was Rath das Volck zu dempffen?

Pet. Ein grösser Schmertzen muß den mindern überkämpffen.
Mitleiden wird alsbald durch strenge Furcht verjagt.
Man greiffe nach dem Kopff / der Stuards Kopff beklagt.
So / weil ein jeder muß ob eigner Noth erzittern /
Wird nicht ein frembder Fall die Seelen gros erschittern.
Gesetzt auch das der Geist des Königs in sie führ /
Das ein gesammelt Volck zur Rache sich verschwür:
Nimm nur die Haubter ab / die andre leiten können.
Gib ihr Vermögen preis. Ihr werdet vil gewinnen
Durch eines grossen Hab' in dem der Pövel theilt
Kommt dir die Macht anheim. Wird einer übereilt
Durch was zu strenges Recht / und fällt im Mordgetümmel:
Beklag ihn! doch gib vor: Der nur gerechte Himmel
Hab ein verborgen Stück / durch unverhoffte Macht /
Vnd wolverdinte Rach an helles Licht gebracht /
Noch eins. Man schone nicht. Wer strauchelt: den stoß nider.
Wer frevelt: der vergeh. Nichts ist das mehr zu wider
Durch sich erworbner Macht / als laues Linde seyn.
Dem / welchem man verzih / kommt ehr sein Fehlen ein
Als daß er durch dich frey. Wer wil dir schuldig bleiben
Gut / Ehre / Stand und Leib. Geld pflegt man zu verschreiben /
Vnd forderts wider ein. Das Leben ist zu vil
Drumb setzt es nicht umbsonst auff ungewisses Spil.
Da auch des Adels Macht den Vorsatz sucht zu hindern – – –
Doch / warumb schwätz ich hir / man kan ihr Trotzen mindern
Auch sonder meinen Rath.

Fairf.         Entdecke dein Gemüt!

Pet. Ich mißbrauch ohne Noth des Haubtmans Zeit und Güt.

Fairf. Mit nichten. Fahre fort!

H. Pet.         Da man mich ja wil hören;
Dafern ich Weisere denn mein Verstand sol lehren:
So setz ich / daß nichts mehr den Adel groß gemacht/
Als erstgeborner Recht. Wenn dises weg gebracht
So steht er / als entwehrt. Man lasse gleich auffheben /
Die gleich / auff gleiche Zeit / von gleichen Eltern leben.
Scheins mehr denn nur zu vil. Mein Bruder geht mir vor /
Warumb? umb daß ich nicht vor ihm den Tag erkor /
Soll ich / umb daß der Mond ihn neunmal ehr beschinen:
Entgöttert von ihm gehn / und als Leibeigen dinen?
Da der geschwinde Geist mir offt vil besser steht /
Als sein vernebelt Kopff / den ihm der Wahn erhöht /
Vnd Dünckel ausgefüllt. Wer wird den Schluß nicht loben?
Gleich Bruder gleiches Erb. Die ersten mögen toben
Steht ihr den andern bey. Wer fordert nicht was ein?
Wer wil in eigner Sach' ihm selbst im Wege seyn?
Noch mehr! sie werden euch durch dises Stück verbunden /
Durch welche sie ihr Erb und Vatertheil gefunden /
Durch welche sie beschützt. Wenn nun ihr Stamm sich mehrt
Zersplittert sich ihr Gutt. Vnd was man vor geehrt
Verfällt in leichten Staub. Denn wird die Pracht zutretten/
Die von dem Pövel sich auff Himmlisch anliß betten/
Denn herrscht wer Waffen führt. Denn wird gantz Britten rein
Von Adel / Graff und Printz / trotz Catt und Rheten seyn.

Cromw. Gar recht!

Pet.         Noch etwas mehr ist hir in acht zu nehmen;
Sie sehn der Herren Haus wird übel sich bequemen.
Kaum einer schleust mit uns auffrichtig Carols tod.
Drum eh'stes abgesetzt! Wer die gemeine Noht
Nicht Väterlich behertzt! wer sich vor die wil wagen
Die wir zu aller Heil durch unser Schwerdt geschlagen;
Wer den Tyrannen noch gekrönt anbetten will /
(Der nach so langem Krig aus seinem Thron verfill;)
Wird (glaubt es) nichts dem Volck / dem Heer nichts tauglichs rahten.
So lang als diser Wald das Land wird überschatten;
Getröste die Gemein sich ein'ger Sonnen nicht.

Fairf. Wie aber wenn uns Recht und Prister widerspricht?
Du sihst / sie scheuen nichts / wie hefftig wir auch schrecken
Mit Kercker / Band und Noth / ihr Murren zu entdecken.

Pet. Der Feldherr glaub es fest / es wird nicht besser stehn;
Biß rechtsgelehrter Nam und Stand wird untergehn.
Wir haben Krafft des Sigs / Macht Satzungen zu stifften;
Drumb weg mit dem was stets fußt auff verfaulte Schrifften!
Der Kirchen-macht ist todt / wer auff die Inful hält;
Muckt / fleucht / und ist verlängst auff Laudts sein Grab gefällt.
Was übrig zwey't sich selbst. Die Eltesten begönten
Sie schafften Hülff und Geld / und was wir wündschen könten /
Sie lockten Heer und Volck aus Calidon ins Land /
Vnd drungen Stab und Schwerdt dem König aus der Hand;
Itzt schmertzt sie daß die Schar die nicht auff Häubter sihet
Vnd nur sich selber führt; mit diser That bemühet /
Vnd letzten Außschlag gibt. Drumb raast sie sonder Sinn
Vnd bleibt doch eben schön'. Erweget den Beginn
Nicht nur des Traurspils End / und sagt wer mehr gewaget.
Nach schon beschehner That wird nur zu spät geklaget.
Doch gut für uns das sich die Schar itzt trenn' und beiß/
Vnd jenem der diß Stück / und jener dem verweiß.

Crom. Man muß die Schrifftling' itzt hart an einander hetzen;
So schwächt ihr Sturm sich selbst ohn unser Widersetzen.
Ich schaff ohn Auffschub an daß man noch heut außschrey;
Das Stuards Sohn entsetzt von Cron und Außspruch sey.

Fairf. Vnd du? wo eilst du hin.

Pet.         Gleich nach dem Traur-Gerüste.

 

Fairfax.

Geh aller Schelmen Schelm' / ersetze deine Lüste
Mit umbgesprützten Blutt! zudrümer dises Reich
Vnd mach es wie du suchst den wilden Inseln gleich!
Scheinheilger Bub'. Ich beb' / ich starr' / ich schau mit schrecken:
Wie sich die Boßheit könn' ins Kirchen-kleid verstecken/
Was vor ein Feuer sie im heilgen Schein auffblaß /
Wie übergrimmig sie in solchem Schmucke raaß.
Der / den neu Albion zu lehren außgesendet:
Hat sein vertrautes Ambt ohn Scheu und Scham geschändet.
Er liß die Kantzel stehn / kam zu uns über Meer;
Vnd bracht auff Stuards Haubt die grimsten Anschläg' her.
Er der des HErren Wort und Friden solt' ankünden;
Eilt mit den Rotten sich boßhafftig zu verbinden /
Hetzt auff der Cantzel selbst das Volck zum Blutt-bad an /
Schnaubt Eisen / Büchs und Mord. Ja der verruchte Man
Ergriff Helm / Degen / Stab / und rännte (trotz Gewissen!
Trotz Ambt! Beruff und Stand!) zu freveln Bluttvergissen.
Er liß mit Cromwel sich in engre Bündnüß ein /
Schlug Carols Bande vor / verhetzte die Gemein
Des Heers / Ihn vor Gericht in höchster Schmach zu stellen/
Kiest selbst die Blutt-Räth' aus / sucht alle zu vergällen/
Auff was nicht mit ihm tobt'. Vnd rühmt noch Licht und Geist!
In dem er Recht und Stand als überhauffen schmeist.
Diß nennt man geistlich frey / diß heist auff nimand sehen /
Vnd keines Anhang seyn / nicht irr'gen Menschen Flehen /
Außbannen Strick und Zwang der die Gewissen drückt
Zureissen was die Seel in Dinstbarkeit verstrickt.
Ich weiß man sucht das Band der Scharen schon zu trennen;
Man sucht (ich spür es wol) mich heimlich anzurennen /
Man gibt auff meine Wort / ja Tritt und Vmbgang acht /
Vnd zeucht den treuen Dinst leichtfertig in Verdacht.
Dem Degen hab ichs nur und meiner Faust zu dancken;
Daß ich mich noch nicht schau auff disem Gläteiß wancken /
Da mancher sich erhöht durch meinen Fall wil sehn.
Doch / was kan unverhofft nicht / in dem nun geschehn!
GOtt! ewig-grosser GOtt! wie find ich mich bestritten!
Mein Geist erschrickt mir graut vor dem erhitzten Wütten!
Ich fil der Mordschar nicht mit meiner Stimmen bey;
Bin von der Vnterschrifft des rauhen Macht-Brifs frey /
Erklärte mich / daß mir nicht Stuards Tod belibte /
Der weiß / der alles weiß / wie mich der Schluß betrübte!
Ich war / und wär'/ ach! stünd es nur in meiner Macht;
Sein Haubt von Stock und Beil zu retten noch bedacht;
Vnd doch wird mir / was mir zu wider / hir betriben
Ja diser Mord-schlag selbst von meisten zugeschriben.
Wer nah diß Vnheil siht / wer fern diß Traurspil hört,
Glaubt daß ich selbst mein Ehr auffs gifftigste versehrt/
Vnd legt mir dises zu was ich doch höchst verfluche.
Wer gibt mir was ich mit beklemter Seelen suche?
Daß ich mich dermaleinst vor allen frey erklär,
Damit nicht frembde Schuld mein stilles Grab beschwer.
Brich an gewündschtes Licht / in dem erlaubt zu sagen;
Wer Kolen zu der Glutt / wer Wasser zugetragen!
Wie denck ich doch so fern bey der so nahen Qual?
Wie halt ich dir mein Wort bestürtztes Eh-Gemahl?
Ach! mit was Anblick / mit was Thränen auff den Wangen;
Wirst du Betrübte / mich Bekümmerten / empfangen!
Mich / der sein inners Leid und schärffsten Vberdruß
Mit Freuden-vollem Aug'/ O Schmertz! verdecken muß.
Muß? muß ich länger denn zu schlimsten Bübereyen/
Ich? Namen / Ehr' und Faust als ein Leibeigner leihen?
Nein warlich! bricht man heut des Königs Thron und Stab;
So schmeiß' ich aus der Faust den Krigs-Stock bey sein Grab.


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