Andreas Gryphius
Carolus Stuardus
Andreas Gryphius

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Gem. Mein Herr / diß ist es nicht was er erwegen soll.
Er denck' auff meine Red' und so kommt alles woll.
Anitzt ists Zeit sein Angst / doch mässig zu versüssen
Ich wil Gnad und dennoch Maß in Genade wissen.
Er hat der Länder Heil / der Häuser Recht versehrt /
Er hat der Britten Ruh durch grimmen Krig verstört
Er ist nicht wehrt das Schwerdt und Reichs-stab mehr zu führen;
Es sey! ich steh es zu / er soll den Hals verliren:
Mein Hertz das ist zu vil / hir / hir / – –

Fairf.         Recht! ich versteh
Wo mich Vernunfft nicht treugt; worauff mein Engel geh.

Gem. Ich bitt / umb / was ihm leicht zuthun – –

Fairf.         Vmbs Königs Leben?

Gem. Recht / doch so / daß er sich durchauß nicht könn' erheben /
Noch wider Reich noch uns – –

Fairf.         Ich hör es was sie mein' /
Sie wil das Carl vergeh' / in langer Kercker Pein?
Ach Hertz! es ist sehr schwer vor ein durchlaucht Gemütte!
Meint sie das Stuard selbst bewillig ihre Bitte?
Nein sicher! so ein Geist der nicht an Erden klebt /
Der nimand dinen kan / der durch die Lüfften schwebt
Verlacht den grimsten Tod / und zagt ob stetten Banden.
Das Beil krönt seinen Ruhm / die Fessel seine Schanden.
Sie dann versichre sich / das Carl sein Ende küß /
Daß Ihn der kurtze Tod aus langer Qual entschliß /
Daß Ihn nichts schwerer drück' als Kerker / Wach' und Schlösser /
Das Gnade die sie sucht nicht seinen Stand verbesser /
Wol seine Noth vermehr'! Ach! wer Mitleidens voll;
Spürt numehr was man itzt dem Fürsten wündschen soll!

Gem. Das Carl in stetem Weh' in Stanck und Kercker schmachte /
Daß Ihn was vormals Ihm zu Willen stund verachte;
Ist gantz mein Vorsatz nicht. Wer so vergraben sitzt;
Ist mehr denn lebend todt er hört was auff Ihn spitzt /
Er fühlt wie er verhönt / beseufftzt was er verlohren/
Es scheint ob würd' er stets zu Schmertzen neu geboren /

Fairf. Was schlägt sie mir denn vor / zu lindern seinen Stand.

Gem. Man schick Ihn durch die See in ein benachbart Land.

Fairf. Wie Hertz! daß er uns frey zu neuer Rach' entrinne?

Gem. Vnd neue Gunst zu uns durch Gunst bestürtzt gewinne.

Fairf. Daß er was Freund / was Feind auffs neu auf uns erreg?

Gem. Schaut wer den Harnisch itzt zu seinem Dinst anleg

Fairf. Es kan ein kleiner Funck' ein grosses Feur entzünden.

Gem. Wer ligt; der ligt! und wird noch Freund noch Mittel finden.

Fairf. Man seh was schon geschehn und noch geschehen kan

Gem. Fill Albion ein Feind mit Nutz von aussen an?

Fairf. Hat nicht Iberien die weite See bedecket?

Gem. Wich nicht Iberien durch uns're Macht geschrecket?

Fairf. Verwarlost ich nicht so des Reichs gemeine Ruh?

Gem. Ihm steht die Ruh des Reichs durch Macht zu schützen zu.

Fairf. Ach daß ich sie und uns nicht durch diß Stück gefähre!

Gem. Er schütze sich und uns durch Krafft verschworner Heere.

Fairf. Diß Stück siht seltzam aus / und macht mich gantz verdacht.

Gem. Bey dehm nicht der was Gutt und Tapferkeit betracht.

Fairf. Die Tapferkeit gehört in Schulen vor die Jugend.

Gem. Verzeiht dem Feind'! es ist die schönst und höchste Tugend.

Fairf. Mein Feind ist Stuard nicht / nun er mir nicht mehr gleich.

Gem. Vnd wündscht mein Trost zu sehn sein höchst-beschimpfte Leich?

Fairf. Sie weiß / ich habe nicht das Vrtheil außgesprochen?

Gem. Wer es nicht hemmen wil; hat selbst den Stab gebrochen.

Fairf. Das Heer schlug nach dem Spruch noch Rettungs-Mittel vor.

Gem. Ich rühms daß er sie nicht zu seinem Schimpff' erkohr.

Fairf. Wer seine Sach umbstöst; muß doch den Mutt erheben.

Gem. Er denck' an Jesus Wort / Vergib / wie wir vergeben.
Mein Trost! er nehme doch des Höchsten Lehr in acht!
Wie wil er doch fort an der heilig-Höchsten Macht
Fußfällig seyn / mein Licht? und eine Gnade hoffen;
Wofern sein Hertz nicht itzt Gott mir und König offen?
Doch ist des Königs Heil hir nicht mein höchstes Zil;
Sein eigen Ruhm und Ehr ists was von ihm ich wil.
Er mißgönn ihm nicht selbst mein außerkornes Leben;
Das Lob das alle Welt der Tapferkeit wird geben /
Die König in die Band aus ihrem Thron verstiß /
Vnd König aus dem Band' und schwersten Tode riß.
Der Tapferkeit / die den / der uns vorhin verletzet:
Aus Schmach und Hohn und Grufft in volle Freyheit setzet.
Die was noch unerhört uns von sich hören liß;
Vnd was ohn Beyspil ist durch erstes Beyspil wiß.
Mein Trost! Er schaue mich vor seinen Füssen ligen /Sie fället vor ihm nider.
Ich wolte mein Gesicht biß zu der Erden schmigen:
Wenn dise Bittens Art ihn nicht verdächtig macht;
Als ob er sonder Geist und nichts was trefflich acht.
Idennoch mangelt diß / und sind durch solche Zeichen /
O aller Helden Blum die Sinnen zu erweichen;
So sinckt sein Ehgemahl auff die gebeugten Knie:Sie kniet abermals / Er hebet sie auff von der Erden.
Er gönne mir den Tag / da ich – – –

Fairf.         Mein Leben! wie?
Glaubt sie / das nunmehr ich nicht bey mir selbst befinde;
Wie trefflich daß man sich des Vorschlags unterwinde.
Ja geh ich was sie wündscht nicht / wo nur möglich ein;
So wil ich ihrer Eh und Hold nicht würdig seyn.
Doch fält die Zeit sehr eng' / auff wehn ist hir zu bauen?
Ich darff dem Cromwel nicht / noch Hunck / noch Hackern trauen.
Vir Heere sind bestellt zu Carols Traur-Geleit

Gem. Er schaffe Phray und Hunck und Hackern an die seit.
Kan hir sein Leibheer nicht den besten Dinst verrichten?

Fairf. Wo zwey drey ander mir und sonder falsch beypflichten.

Gem. Er wag es auff die zwey / die uns noch heut ersucht.

Fairf. Es wäre (wenn sie eins mit uns) nicht sonder Frucht.

Gem. Was schadets wenn man sich mit ihnen recht vernehme?

Fairf. Die Morgenstund' ist nur zu disem Werck bequeme.

Gem. Ach wo sie willig sich erbitten zu dem Stück!

Fairf. So geht der Vorsatz fort.

Gem.         O höchst-gewündschtes Glück!
Ach mein Herr? sucht er mich mit Worten einzuwigen?

Fairf. Wie? glaubt sie daß ich sie / mein Engel kan betrigen?

Gem. Ach nein! doch grosse Furcht folgt grösserm Hoffen nach.

Fairf. Ich geb ihr meine Faust auf was mein Mund versprach.
Sie folg'! Ich geh zur Ruh' / es ist fast spät – – –

 

Die Gemahlin allein.

– – – – – – O Stunden!
Fliht Stunden fliht! kom Tag dein Heil ist Fürst gefunden
Es trotze Portugal auff der Princesse Mutt.
Die ihres Ehgemals durch Furcht beeystes Blutt
Erwärmt / und Ihn den Thron beredet zu besteigen /
Von dem er sich noch itzt der Welt gekrönt kan zeigen.
Ich hab' erhitzten Grim durch Sanfftmutt abgekehrt.
Ich rett' umb dessen Cron und Ehr und Haubt man spilt.
Vnd wo der Höchst ihm noch was er verlohr wil schencken . . . .
Idoch! mein Geist halt inn'! Ich darff so weit nicht dencken.
Vor itzund ists genung daß er den Leib erhalt
Vnd sich gewündscht entzih der rasenden Gewalt.
Ich könt außdrücklich zwar dem Ehgemal entdecken
Wer unser; doch es dörfft auch argen Wahn erwecken
In der gelibten Brust die sich gemeine macht
Durch so geheimen Schluß; reitzt offtermals Verdacht
Auff ihre reine Seel / vil kennen kaum ersinnen
Wie frembde Männer bloß durch Tugend zu gewinnen.
Drumb besser daß mein Herr die zu der That verpflicht
Die schon Verstand und Geist nach meinem Zweck gericht.

 

Hugo Peter. Wilhelm Hewlet. Daniel Axtel.

Peter. Du wirst gantz Albion den höchsten Dinst verrichten.
Du wirst den langen Zanck durch Gottes Richt-Axt schlichten /
Du wirst der Samuel auff unsern Agag seyn.
Du rettest Christus Kirch' und schützest die Gemein.
Du sel'ge Faust! du wirst des Mörders Blutt vergissen /
Der Ertzverräther wältzt sich schon vor deinen Füssen.
Nach disem Donnerschlag wird Ruh und Lust auffgehn;
Dein Ruhm wird mit der Sonn' an ihrem Himmel stehn.

D. Axtel. Der Stats-Rath welcher hoch durch solche That verbunden;
Beschenckt zum Denckmal dich mit zweymal funfftzig Pfunden
Auch wil man in Jern vor dich bemühet seyn;
So bald ein Ehrenstand dort offen; ist er dein.

Hew. Es mangelt nicht an Mutt / es mangelt nicht an Stärcke
Mich reitzt ein inrer Trib zu dem durchlauchten Wercke.
Ich schätz' es hoch / daß ich vor Reich / Kirch / und Gemein
Bey dem Schuld-Opfer sol der hohe Prister sein.
Brich an gewündschtes Licht! der Arm sol Britten rächen;
Vnd darthun was gehör' auff König' ihr Verbrechen.
Die eigen Herrschafft ligt mit Stuards schnöder Leich.
Vnd der so große Baum fält ab mit einem Streich.

Peter. Er fall' / anitzt ists noth damit das Werck gelinge /
Zu sinnen auff was Art man Stuards Hochmut zwinge.
Wann er der Straffe sich mit Kräfften widersetzt /
Auch selbst das Beil erwischt und den und die verletzt.

Axtel. Wird das Gerüste nicht mit Waffen gantz umbgeben?
Wie könt er wider uns auch nur ein Aug' erheben
Daß er nicht stracks – – –

Pet.         Mein Freund / diß ists was ich befahr.
Wenn er von Zorn erfrischt verzweifelt in die Schar
Sich ob dem Schauplatz stürtzt / so würd er fechtend sterben;
Hergegen sol die Schmach des Beils den Tod erherben.
Diß ists wohin ich zil'.

Axtel.         In Warheit / wol bedacht!

Hew. Stelt unter das Gerüst' ein außerkorne Macht.
Die (rühr ich einen Fuß) mir bald zu Hülff erscheine/
Mit Dolchen wol versehn.

Pet.         Du sihst nicht was ich meine!
Das Vrtheil wird verletzt / starb er durch ihren Stoß.
Man scheide Kopff und Leib. Diß ists was ider schloß.

Hew. Wil er nicht willig knien; so knie er denn gezwungen!
Man faß Ihm Arm und Haubt so bald er wird besprungen.

Axtel. Ihr wißt wol das aus Wahn nicht jder Hand anlegt;
Wann das gezuckte Beil nach blossem Nacken schlägt.

Pet. Man lasse Klammern dann und Sprengen fertig machen,
Vnd spann' Ihn / sperrt er sich / bey so bewandten Sachen
Mit Fesseln an das Klotz / kein Schimpff ist hir zu groß
Genung daß nicht sein Blutt aus Hertz und Glidern floß
Nach gantz zustücktem Leib'.

Hew.         Ich spür es sey das beste
Man mach Ihn / auff den Fall / durch die versteckten feste /
Der Helm schliß' ihr Gesicht vor aller Vorwitz ein.

Peter. Der Richt-Block mag wol auch was mehr denn nidrig seyn.

Axtel. Vmb Ihm wie tiff er sey gefallen vorzustellen.

Pet. Vmb Ihm wie er verdint den Todskelch zu vergällen.
Wol ich geb alles an! so bald die Nacht vorbey;
Stelt beyd euch zu mir ein.

Hew.         So bricht der Thron entzwey.

 

Chor der ermordeten Engelländischen Könige.

I. Chor.

Die heisse Pest die Kirch und Herd /
Vnd gantze Reich in nichts verkehrt /
Auffrühr / das Ebenbild der Hellen /
Daß die mit Blutt gefärbten Wellen /
Mit tausend Leichen überdeckt
Vnd das verderbte Land befleckt /
Wil nach den Bürgerlichen Krigen /
Auff Stuards trübem Mord-Platz sigen.

I. Gegen-Chor.

Was hat dich Albion erhitzt?
O Land mit Königs Blutt durchspritzt?
Machst du mit einem tollen Streiche
Dich selbst zu einer todten Leiche?
Das Beil daß du auff Carlen wetzt
Wird deiner Ruh' an Hals gesetzt.
Habt ihr wol je nach unsern Wunden
Ihr Königs Mörder Ruh gefunden?

I. Abgesang.

HErr der du Fürsten selbst an deine stat gesetzet
Wie lange sihst du zu?
Wird nicht durch unsern Fall dein heilig Recht verletzet?
Wie lange schlummerst du?

II. Chor.

Wahr ists! ein Fürst der frevelt dir /
Vnd du hast Mittel da und hir /
Dein Recht / das ewig Recht muß zihren /
Durch Menschen Vnrecht außzuführen.
Wird aber das verkehrte Reich /
Erquickt durch seines Königs Leich?
Vnd steht es frey den Mord zu wagen
Vnd die Gesalbten außzutagen?

II. Gegen Chor.

Zu tagen vor ein blindes Recht!
Da über Herren spricht ein Knecht!
Da was der Vnterthan verbrochen /
Wird durch des Fürsten Mord gerochen.
Des Fürsten / dessen höchste Schuld
Kein ander / als zu vil Geduld!
Wird diß mit Wolthun noch beschönet?
Heist daß nicht Recht und Gott verhönet!

II. Abgesang.

Meer / Himmel / Lufft und Erd' hat sich auff dich verschworen/
Verblendet Brittenland!
Die Straffen brechen ein! du hast dein Haubt verloren
Vnd taumelst in den Sand!

III. Chor.

                      Ach! Insel rauher denn dein Meer!
Die jederzeit der Mörder Heer
Auff deine Printzen außgeschicket /
Die du Meyneydig hast verstricket.
Wer fil nicht hir nach herbem Hohn
Durch Schwerdt / durch Pfeil / durch Gifft vom Thron.
Nur diß ist new: mit tollen Händen
Der heil'gen Themis Richt-Axt schänden.

III. Gegen Chor.

Auff neue Laster zeucht auch ein
Der unerhörten Straffen Pein!
Krig / Erdfall / Seuchen / faule Lüffte
Gehn noch nicht gleiche deinem Giffte.
Was eines jeden der gekrönt /
Vnd durch dich hinfil / Mord außsöhnt;
Wird wider dich zu Felde zihen.
Wer kan des Höchsten Faust entflihen?

III. Abgesang.

Weicht Geister! Britten ist kein Ort vor stille Seelen!
Entweicht dem Traurgericht!
Entziht dem Mord-Tumult / der ungeheuren Hölen /
Eur weinend Angesicht.

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