Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Achtes Kapitel

Anne Bäbi bekömmt Einfälle und fährt zMärit

Als aber Jakobli sich immer mehr klagte und wehrte, so ward es Anne Bäbi doch angst; es setzte vom Elixier ab und dachte erst ans Doktern auf andere Weise. Aber wie? Zum Doktor, der ihns so abgetrumpft, mochte es nicht gehen; andern kannte es keinen und meinte, es werde öppe einer sein wie der andere und keiner viel mehr wissen; und um nichts zu bekommen als schnöde Worte, brauche man zu keinem Doktor zu gehen; man könne die haben, wo man wolle. Endlich tauchte ihm das Wort der Wirtin wieder auf, welches ganz vergessen in seiner Seele lag. Mädis Weiberhändlergeschichte war wie ein Deckel über demselben gewesen.

Aber nur langsam tauchte er auf, und immer wieder legte sich ein Bedenken darüber als wie ein Deckel. Es sei doch noch die Frage, ob es helfe, dachte Anne Bäbi. Das Elixier sei auch nicht für alle Leute gut, wie es scheine; aber mit dem könne man hören, wenn es einem bös mache. Wenn man aber einmal gwybet hätte, und es komme nicht gut, so syg gwybet gwybet, und dann sei nichts mehr zu machen. Doch die Bedenklichkeit überwand Anne Bäbi, indem es sagte, es hätte noch nie gehört, daß einer am Wyben gestorben wäre, wenn er öppen e Freyni bekommen; aber sellige syge rar heutzutage. Anne Bäbi war überzeugt, es selbst sei eine Freyne; aber der Art, wie es sei, deren gebe es nicht mehr viele. Wenn es so eine wüßte, es besinnte sich nicht lange, dachte es.

Einmal, als sie alleine waren, sagte es zu Hansli: «Jakobli macht mir doch Angst; was meinst, wär Wybe nit gut?» Daran hätte er nicht gesinnet, sagte Hansli, es dueche ihn, zehn Jahre könnte man noch warten, und wenn man zwanzig warten würde, so wäre Jakobli gerade so alt als er, wo er gewybet, und das, dueche ihn, sei nicht uschickig gewesen. Mi heyg de afe e rechte Vrstang vo dr Sach. «Es ist aber o nit en iedere son e Tröchni wie du», sagte Anne Bäbi. Und sobald Anne Bäbi dem Hansli einmal widersprochen hatte, so war es fertig, es mußte nach seinem Kopfe gehen. Es war, als ob der eigene Widerspruch wie ein Hammer die Sache einem Nagel gleich in den Kopf getrieben hätte.

Erst jetzt begann Anne Bäbi so recht ans Weiben für Jakobli zu sinnen, und in vertrauten Stunden mußte Hansli noch oft davon hören. Er sagte aber wenig mehr dazu. Denn als er noch einmal sagte, es duech ihn, es wäre emel einist Wybervolch gnue im Haus und eine mehr chönnt nur zviel sy, da frug ihn Anne Bäbi: «Hast du dich zu klagen, bin ich dir erleidet, soll ich öppe gehen?» Was sollte da Hansli sagen? Er sagte:«Ni, ni, aber mi ghört öppe mängs.» «Aber ein witziger Mann sagt nicht alles nach», antwortete Anne Bäbi, und seitdem schwieg Hansli.

Aber Anne Bäbi sagte oft: «Eini mehr chönnt ume zviel sy, het er gseit. Das wott mr fast ds Herz zrschryße, es wott mi töde! Mir selligs z'säge! Es duecht mi, ih möcht nimme drbysy. U wenn ih ume fr gwüß wüßt, wie ers gmeint het, ih lüf furt, oder ih häychti mi, Gott vrzieh mr my Süng. Aber ih däyche, der würd de wohl die drfür nachenäh, wo dSchuld dra wäre.» Indessen lagen ihm diese Worte mehr im Munde als im Herzen, störten seinen Frieden eigentlich nicht und hinderten ihns nicht, immer tiefer dem Wyben von Jakobli nachzusinnen.

Es ging viel mehr zur Kirche als sonst und machte, daß es allemal zuerst darin war; so sah es sie aufmarschieren die Dorfschönen eine nach der andern und paßte wohl auf, wie eine jede tat, wie die einen die Hände rieben, andere so styf ränggeleten und noch andere handlich den Kopf herumwarfen wie das vornehmste Kutschenroß. Aber Anne Bäbi gefielen alle nicht, wie sie auch taten, ringelten und ränggelten, und doch machte es so wenig Ansprüche. Auf Geld sah es aparti nicht, aber von der Gasse wollte es doch auch keine. Einer solchen könne man es am wenigsten treffen, sagte es, und kaum hätte man sie zweggfuhret, so sei ihr nichts mehr gut genug. Eine Hübsche wollte es, e verflucht e Bravi; aber doch nit son e Gäuggel mit Lätsche hingerfür und Lätsche vorfer und emene Büschelimüli und zwegknüblets Kruselhaar uf dr Stirne. Son e schießige Giraff begehre es nicht, sagte es, sie seien sich an selligs Züg nit gwohnt. Öppen e Fürnehmi bigehr es nit, es begehre nicht, verachtet zu sein von einem Söhniswyb; und dann würde alles nicht schön genug sein, da müßten Umhäng zuche und Kachelgschirr vom Tüfel und vielleicht gar no es Ruhbettli; und wenn man das hätte, so dächte dr Narr vielleicht gar noch an ein Reitwägeli, es agstrichnigs, gelb oder blau. Aber doch so vo ganz gmeine Lüte und öppe, won e großi Kuppele King seien, begehre es keine. Mit sellige sei man verflümeret plaget; do sei alle Tage eins vor dr Türe und mangelte öppis, und wenn sie einist alle wybete und mannete, so könnte all Sonntag jemand zu Gevatter stehen, und ds selb sei zletsch doch noch köstlich, und hätte man doch hell nichts davon.

Wohl sagte es zuweilen von der Einen oder der Andern: «Die gefiele mir, wenn dMutter nicht mehr lebte; aber das ist e Zächi und machts no lang, und mit einem Söhniswyb will ich gut nachkommen, und es solls öppe nit bös haben bei uns, und was wir haben, soll es öppe auch haben; aber so mit einer alten Gränne vo Gegeschwiegere mag ich nichts zu tun haben. Von so einer, wo die Sache hell nichts angeht, könnte ich nichts annehmen, und wenn afe eine eine Tochter in einem Hause hat, so meint sie schon, sie hätte den Fuß im Hafen und hängt ds Maul in eine jedere Pfanne. Nein, wenn Jakobli Eine nehmen soll, so muß ihre Alte unter em Boden sein oder weit da dännen, daß sie nit all Tag cha cho schmöcke, was es Neues gebe, und wie manches Huhn Eier lege.»

So geschah es doch, obgleich Anne Bäbi so oft sagte, es sei ihm öppe fast eine jedere recht, daß es fand, es sei heutzutag bös; so sei es doch ehemal nicht gewesen; aber im ganzen Dorf sei kein einziges Meitschi, wo es öppe könnte sagen, es freute ihns; und zu seinen Zeiten seien ganze Kuppelen gewesen, wo man nicht gewußt hatte, welche man lieber wollte, und ds Wasser sei einem im Maul zusammengelaufen, wenn man sie nur von weitem gesehen. Es hätte afange e Bravi sein müssen und e Guti, wenn sie hätte einen Mann bekommen wollen, von wege zselbist hätte man noch können auslesen. So begann Anne Bäbi von der Kirche abzusetzen und seine Augen weiter in der Runde gehen zu lassen; aber da es wenig Bekanntschaften hatte, so fand es sich auch nicht zurecht. Es hatte dem Jakobli eine schöne Bkleidig machen lassen und ging mit ihm zuweilen hier und dort in ein Bad; das tue ihm bsunderbar wohl, sagte es.

In diesen Bädern fanden sich wohl auch Mädchen; aber war es Tanzsonntag, so wirbelten die Leute untereinander, und Anne Bäbi fand kein Mädchen, das mit einer alten Frau und einem halbkranken Burschen sich abgab. Waren es aber einsamere Tage, so stunden badende Mädchen Anne Bäbi schon Rede und berichteten, sie müßten heimpressieren; sie wüßten nicht, ob der Vater mit dem Wägeli ihnen entgegenkäme, von wegen sie hätten heute mehr als tausend Habergarben einzumachen. Aber die Mutter hätte gesagt, sie sollte nur gehen, die Jungfrauen möchten wohl kommen; wenn sie nur daheim sei, für die Schweine zu füttern, vo wege zwölf Säu zu füttern, wolle etwas sagen. Das gefiel Anne Bäbi gar wohl, nämlich die tausend Habergarben und die zwölf Säue, wenn alles nur so gewesen wäre. Aber dann war niemand da, bei dem es gründlichen Bericht hätte einziehen können, und den Wirtsleuten traute es nicht; wußte es doch nicht, waren sie dem Mädchen verwandt oder dessen Vater schuldig oder schalkhafte Leute, welche Freude an falschen Berichten hatten.

So war Anne Bäbi bös daran; aber die Not lehrt die Menschen sich helfen. Eine Frau kam alle Wochen ins Haus mit Kaffee, Seife und Zucker, und die war weit umher bekannt und kannte in vielen Dörfern jede Katze, also noch vielmehr jedes Mädchen. Wenn nun diese Frau im Hause ihre Geschäfte abgemacht hatte und vom Hause weg war, so ging Anne Bäbi ihr nach und hielt bald in freiem Felde, wo niemand hinter einer Wand sie behorchen konnte, oder im Bohnenplätz, wo sie niemand sah, lange Konferenzen mit ihr, deren Inhalt und Ergebnisse geheimer blieben als die mancher geheimen Räte.

Da geschah es, daß Anne Bäbi einmal sagte, es duechs, es möchte einmal zSolothurn zMärit; aber laufen möchte es nicht, die Beine täten ihm gleich weh, es möchte reiten. «Machs!» sagte Hansli, «für ne Schoppe läßt dich der Bote schon aufhocken.» «Das ist mir ume halb anständig», sagte Anne Bäbi. «Er läßt alles reiten, wer ihn darum frägt; bei allen Wirtshäusern kehrt er ein, und man weiß nie, wenn man heimkömmt. Es duecht mich, dMähre hätte wohl der Zeit, und dann könnte auch Jakobli mitkommen; er wäre schon lange gerne einmal in Solothurn gewesen.» «He, su nimm ne!» sagte Hansli. «Du mußt auch mitkommen», sagte Anne Bäbi, «mit dem Jakobli darf ich nicht fahren, dMähre het dr Gring gar meineidig uf, wenn sie ds Gschirr ahet.» «Dr Sami kömmt gerne mit», sagte Hansli. «Ich begehre den Sami nicht», sagte Anne Bäbi, «er fahrt gar unerchannt, und wenn er dazukömmt, so ist er e unerchannte Hung, und mi cha ihm nit z'trinke gnue gä.»

Darauf hatte Hansli nichts zu antworten, und sein Mitgehen war eine ausgemachte Sache, aber er ging ungerne. Ebenso ungern ging Jakobli; es war ihm allemal zuwider, wenn er unter viele Leute mußte, weil sie ihn dann so ansahen und allerlei von ihm sagten. Mädi ward überhaupt allemal wirbelsinnig, wenn Anne Bäbi mit Jakobli fortging, und nun gar an einen Märit, das wollte es fast zerreißen, und es schoß herum wie eine gejagte Surrfliege. Und während Mädi in der Küche polterte, rumorte Sami im Stall. Er sollte die Mähre zwegmachen und hatte nichts davon, und weil sie aufs Gstellwägeli keinen Sitzbank hatten, so mußte er noch einen entlehnen gehen, und unter dem unangestrichenen Ungeheuer, welches er daherbrachte, und das in beiden Ecken zwei ungeheure Ohren hatte, erlag er fast. Das machte ihn noch unwirscher, und er verfluchte sich, er wollte ein Narr sein, die Mähre zu striegeln; das tue es dem Stallknecht wohl; er wüßte nicht, warum der sein Trinkgeld nicht verdienen sollte, er müßte sein Löhnchen auch verdienen; und das Wägeli salbe er nicht, wenn dFrau ihres Nest uf eme Wägeli obe ha well, so könne sie es seinethalben selbst salben. Da könne man das ganze Jahr genug werchen, und wenn es einmal ausgeritten sein müsse, so könne man daheim hocke und dSach alleine machen. Aber er sei kein Narr und wolle nicht immer so dabeisein. Anne Bäbi ließ sich durch alle diese Gesichter und verblümten Reden nicht anfechten; wenn es eine Sache recht im Kopfe hatte, so hatte es für keine andere mehr Sinn und bekümmerte sich um keinen Menschen mehr.

Am Dienstagmorgen, als der Märittag angebrochen, erfuhr Anne Bäbi doch, was es heiße, gegen die vereinten Kräfte einer ganzen Haushaltung anzukämpfen. Niemand verrührte willig und ungeheißen die Finger. Es mußte sämtliche Sonntagskleider zweglegen, mußte Hansli und Jakobli die Strümpfe kehren, die Halstücher umbinden, jedem ein Nastuch in die Tasche stoßen, sich selber zwegmachen, Garn rüsten, denn so ganz z'leerem wollte es doch nicht zMärit reiten. So schwitzte es von Tagesanbruch an, und als es endlich zMorge essen wollte, so war nichts zweg, und als es den Schaden umsah, waren noch keine Schuhe gesalbet, die Mähre nicht geschirrt, der Wägelisitz nicht aufgebunden; an Salben und Striegeln dachte nur niemand. Wohl, da fuhr Anne Bäbi zweg; allein es half nicht viel, und wenn nicht Jakobli aus Erbarmen wegen der Mutter zu den Schuhen, und Hansli aus Furcht vor der Frau zur Mähre gesehen hätte, sie hätten wahrscheinlich barfuß nach Solothurn wandern müssen. Sami ließ die Mähre alleine stehen, als eingeschirrt war, und die marschierte, alles satt, samt dem Wägeli mitten in einen Kleeacker, und Mädi brachte Anne Bäbi das Körbli mit Garn nicht nach, so daß es noch einmal absteigen und dasselbe eigenhändig holen mußte.

Endlich war alles richtig; man konnte vom Lande stoßen, das heißt aus dem Klee heraus. Anne Bäbi und Jakobli saßen auf dem Sitz, Hansli aber stund hinter demselben; er könnte dä Weg die Mähre besser halten, wenn sie etwa entrinnen wollte, meinte Anne Bäbi. Langsam bewegte sich das ungesalbte Wägeli auf der Straße, ringsum voll Kot und Klee, alten und neuen, und wenn die Mähre, reichlich mit Stroh und Heublümt versehen in Kammhaar und Stiel, zuweilen in einen schwerfälligen Trott verfiel, daß der weite Kummet auf ihrem Halse grimmig hin und her zottelte, schrie Anne Bäbi alsobald auf: «Herr Jemer, Herr Jemer, häb, häb, lue doch, sie wott gah!»

Hatte dann Anne Bäbi sich von seinem Schreck erholt, so begann es aufzubegehren über Mädi und Sami. So könne man es nicht länger gehen lassen; zletzt sei man gar nicht mehr Meister, und sie jagten einem noch zum Hause hinaus. Wenn man afange nicht mehr zMärit dürfte, das wäre ihm afe. Aber je besser man gegen die Diensten sei, desto wüster würden sie. Diese Klagen wurden unterbrochen durch manch freundlichen Zuruf Vorübereilender: «Weyt dr o zMärit? Dr syt spät!» Die Mähre hatte einen etwas gemächlichen Schritt; wenn aber ein Märitgänger rasch an ihr vorübereilte, so schämte sie sich und wollte trottend ihm nachzotteln; dann aber ertönte wieder: «Herr Jemer, häb, häb doch, häb!»

Nach und nach näherte sich der blaue Berg. Es glaube einmal, er sei seit gestern Abend emel ums Halbe gewachsen, sagte Anne Bäbi. Es hätte ihn nächti noch gutdings gschauet und gluegt, wo der Weißenstein sei, und denkt, gerade untenher sei Solothurn, und da sei er ume kline gsi, so wien es bravs Hus, aber de es längs, und jetzt gang er fast bis a Himmel uche, und seien soviel Wälder darauf und Weide, und es glaube, Land auch noch; es würde niemand es sinnen, wenn man es nicht selbst sehen könnte. «Sieh dort die neue Kirche», rief es bald darauf, «und dä guldig Knopf! Man könne ganz dazu hinauf, sagen die Leute, und da sehe man die ganze Stadt darin und de sich selber noch, es grus eim fast.» «Es muß doch de nit sy», sagte Hansli, «daß dSolothurner kei Geld hey, wenn sie so guldig Knöpf auf den Kirchtürmen haben; einmal bei uns vermöchte man das nicht.» «Du Göhl!» sagte Anne Bäbi, «ebe deswege haben sie keines mehr in den Säcken, weil sie es auf den Türmen zoberst obe hey.»

«Lue, was ist dort für es großes Wasser?» sagte Jakobli, «wir müssen doch nicht drdür düre; ich dürfte wäger nicht.» «Du Tröpfli!»sagte Anne Bäbi, «das ist ume dAare und ist ume Wasser drinne wie im e angere Bach o, ume öppis meh, und de ist e großi und e breiti Brügg drüber. Häb ume nit Kummer, drdür düre möcht ih selber o nit. Aber me cha druber ubere, mi merkts ume fast nit, daß me uf em Wasser ist. Aber Herr Jemer, wie chunnt eine dert nachezsprenge! Hansli, gang ab und häb dMähre, sust wott sie o nache!» Hans ging ab und hielt sie, und als er wieder aufsteigen wollte, sagte Anne Bäbi: «Es wäre besser, du führtest dMähre, wenn es dir nichts macht. DMähre het no kes Tor gseh, u mi weiß nit, wie sie tut, we sie drdur soll, und de steyht grad änenache gwöhnlich e Soldat mit eme Gwehr u het Schwebelhölzli feil und Vogelkräzi, und da chönnt dMähre erschüche ob dem, will sie no kene gsehe het.» Hansli gehorchte willig, nahm die Mähre beim Zaum, hatte die Geisel in der andern Hand und arbeitete sich glücklich durch das Gedränge und durch das Tor, ohne daß die Mähre den Soldat jenseits auch nur eines Blickes gewürdigt hätte, was der fast ungern hatte.

Als sie drinnen waren, frug Hansli, wo er einstellen solle. Es wisse das wäger nit, sagte Anne Bäbi. Es hätte neue von einer Pinte auf dem Säumärit gehört; aber es wisse nicht, ob man dorthin dRoß auch mitnehmen könne. Es däich fast, nit. Aber es hätte gehört, beim Adler seien die Wirtsleute Berner; es däich fast, sie wollten dort einstellen. Es schüche neue die Kartholische, und man wisse nie, was die so mit einem armen Roß anfangen könnten. So ein Mensch könne öppe zu ihm selber luege, aber son es arms Tierli könne es niemand sagen, was man mit ihm angefangen habe. Und doch, es müsse es aufrichtig sagen, es müsse sich allemal zwängen, wenn es etwas Kartholisches essen solle, es duechs, es hätte neue nit e Chust wie angers, sondern ganz e apartigi; nit e räukeligi, nit e brännteligi, nit e gräueligi, aber ganz e kartholischi. Es sei doch kurios, daß so nahe beieinander es alles so anders sei, sogar dChust; es muß neue es kurioses Wese sy mit dem Kartholische; es chönn si neue nüt druf vrstah.

Dieses Gespräch führte Anne Bäbi, während man nur langsam über den Roßmarkt durchs zweite Tor bis zum Adler fahren konnte. Dort hielten sie und stellten ein, und Hansli trug der Mähre einen großen Sack nach, worin er Futter für sie hatte, mehr als ein Kamel durch die große Wüste Sahara nötig gehabt hätte. Aber Hansli war der Meinung, daß, wenn die Mähre so manche Stunde laufen, sogar manchmal springen müsse, so müßte sie auch verhältnismäßig mehr fressen als sonst. Ob aber die gute Mähre alles bekommen, ist unbekannt geblieben; aber Hansli traute nicht recht, denn der Stallknecht schien ihm der Sprache an ein Kartholischer. Der gute Hansli wußte nicht, daß reformierte und kartholische Stallknechte von wegen dem Haber akkurat die gleiche Religion haben. Jenseits der Brücke, wo sie sorgfältig in der Mitte gingen, teilten sie sich. Hansli mußte mit dem Garn auf den Garnmärit gehen. Anne Bäbi sagte, es müsse allerlei einkaufen in Betängs Laden. Wann sie beide fertig seien, so wollten sie in der Pinte auf dem Säumärit zusammentreffen. Hansli brauche nicht zu pressieren, sagte Anne Bäbi, und wann er sein Garn bald verkauft habe, so solle er erst nach der Mähre sehen.


 << zurück weiter >>