Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Sechster Abschnitt.
Widerlegung des allgemein verbreiteten Vorurtheils, man dürfe niemanden ein Taschenmesser schenken

In den dunklen Decembertagen währte der Verkauf des Hausgeräthes bis in den zweiten Nachmittag. Vater Tulliver, der in seinen lichten Augenblicken eine Reizbarkeit zu zeigen begann, die oft eine Wiederholung seines Starrkrampfes nach sich zog, hatte in den entscheidenden Stunden, wo das Geräusch der Auktion seiner Schlafkammer am nächsten rückte, lebendig todt dagelegen. Der Doktor hatte entschieden, es sei weniger gefährlich ihn da zu lassen, wo er war, als ihn in das Nebenhaus zu bringen, wie der gute Lukas vorsorglich rieth, weil es doch sehr schlimm sei, wenn der Herr von dem Lärmen aufwache, und so hatten denn Frau und Kinder die ganze Zeit in der stillen Schlafkammer gesessen, die große Gestalt im Bette angesehen und gezittert vor Angst, ob das starre Antlitz nicht plötzlich zusammenzucke bei den Hammerschlägen, die ihnen selbst so unerbittlich und schmerzlich ohne Aufhören an das Ohr schlugen.

Endlich war's vorbei; der scharfe Ton einer Stimme, die fast so hart klang, wie der Hammerschlag der ihr folgte, war verhallt; das Geräusch von Fußtritten auf dem Hofe hatte aufgehört. Das blonde Gesicht der guten Frau Tulliver schien in den letzten dreißig Stunden um zehn Jahre gealtert; im Geiste war sie immer geschäftig gewesen zu errathen, wann ihre liebsten Sachen unter den Hammer kämen; das Herz hatte ihr gezittert bei dem Gedanken, nun wandere eins nach dem andern in den goldenen Löwen und werde dort mit fürchterlicher Oeffentlichkeit als ihr Eigenthum erkannt, und all die Zeit mußte sie ruhig dasitzen und durfte ihre innere Aufregung nicht äußern. Das bringt wohl Furchen in glatte runde Gesichter und vermehrt die weißen Streifen in dem Haar, welches einst in reinen Sonnenschein getaucht schien. Schon um drei Uhr hatte Käthchen, die gutmüthige zänkische Dienstmagd, welche alle Käufer als ihre persönlichen Feinde ansah und den Schmutz an ihren Füßen ganz besonders scheußlich fand, mit großer Energie zu schruppen angefangen und dabei immerfort leise gewettert über solche Leute, die andrer Leute Sachen wegkauften. Sie schruppte indeß mit Auswahl, weil sie noch mehr so abscheulichen Schmutz vorhersah, wenn die Leute erst die Sachen abholten; aber wenigstens dem Wohnzimmer, wo »das Schwein«, der Exekutor gesessen und geraucht hatte, wollte sie den Anstrich von Behaglichkeit geben, der sich durch Reinlichkeit und die wenigen Möbel, welche die Verwandten für ihre Herrschaft gekauft hatten, herstellen ließ. Ihre Madame und die Kinder sollten heut Abend da Thee trinken, hatte Käthchen beschlossen.

Zwischen fünf und sechs Uhr, kurz vor der gewöhnlichen Theestunde, kam sie hinauf und sagte, es sei jemand da, der den jungen Herrn zu sprechen wünschte. Die betreffende Person war in der Küche, und bei der unvollkommenen Beleuchtung hatte Tom zuerst nicht die entfernteste Ahnung, wer der untersetzte kräftige Mensch sei, der ungefähr zwei Jahre älter war als er selbst und ihn aus einem viereckigen Gesicht ganz voll Sommersprossen mit seinen blauen Augen ansah und mit der entschiedenen Absicht eines ehrfurchtsvollen Grußes sich in das rothe struppige Haar faßte. Der niedrige, mit Wachstuch überzogene Hut und ein gewisser glänzender Ueberzug von Schmutz über seinen Kleidern, die beinahe wie Schreibtafeln aussahen, deutete auf einen Bootsmann oder Schiffer, aber damit kam Tom in seinem Rathen nicht weiter.

»Ihr Diener, junger Herr«, sagte der Rothhaarige mit einem Lächeln, welches durch eine freiwillig angenommene Schwermuth zu brechen schien. »Kennen mich wohl nicht mehr!« fuhr er fort, als er den forschenden Blick Tom's bemerkte, »aber ich möchte Sie gern allein sprechen, wenn Sie erlauben.«

»Im Wohnzimmer ist geheizt«, meinte Käthchen, welche die Küche jetzt nicht grade gern verlassen wollte, da das Brod eben röstete.

»Kommt mit«, sagte Tom und überlegte schon, ob der junge Mensch vielleicht ein Packträger von Guest und Co. sei; denn seine Gedanken gingen unaufhörlich darauf hin, Onkel Deane könne jeden Augenblick schicken und ihm sagen lassen, es sei eine Stelle für ihn frei.

Das helle Feuer im Wohnzimmer war das einzige Licht, welches die paar Stühle, den Schreibsekretair, den kahlen Fußboden und den einen Tisch sehen ließ; doch nein, in der Ecke stand noch ein zweiter kleiner Tisch mit einer großen Bibel und ein paar andern Büchern. Die Kahlheit im Zimmer fiel Tom zuerst auf, ehe er daran dachte, dem Fremden wieder in's Gesicht zu sehen, aus welchem nun ein halbverstohlener forschender Blick auf ihn fiel, dem eine gänzlich fremde Stimme folgte:

»Kennen Sie denn Bob garnicht mehr, dem Sie das Taschenmesser geschenkt haben, Herr Tom?«

Und damit zog der Sprechende zum unwiderleglichen Beweise das Taschenmesser mit der rauhen Schale hervor und öffnete die größte Klinge.

»Wie! Bob Jakin?« rief Tom, nicht grade mit herzlicher Freude, denn er schämte sich der jugendlichen Vertraulichkeit ein wenig, deren Symbol das Taschenmesser war, und er wußte doch nicht ganz sicher, ob Bob bei seinem Besuche wohl die edelsten Motive hätte.

»Ja freilich, Bob Jakin, wenn's Jakin mal sein muß, weil's so viele Bobs giebt, – derselbe Bob, mit dem Sie damals nach den Eichhörnchen gingen, als ich vom Baum 'runter fiel und mir das Schienbein tüchtig schrammte, aber das Eichhörnchen kriegt' ich doch, und die kleine Klinge hier ist zerbrochen, sehn Sie, aber ich wollte mir keine neue einsetzen lassen; sie betrügen einen gar zu leicht und geben einem ein anderes Messer; denn so'ne Klinge giebt's im ganzen Lande nicht mehr, un' das Messer paßt mir so gut in die Hand. Un' Sie sind der einzige gewesen, Herr Tom, der mir was geschenkt hat, sonst keiner, außer etwa der Wilhelm, der mir den jungen Teckel schenkte, statt'n in's Wasser zu werfen, un' ich mußt'm erst lange zureden, ehe er'n mir gab.«

Bob sprach mit einer scharfen, etwas feinen Stimme, und seine lange Rede ging ihm mit größter Geläufigkeit von der Zunge; als er zu Ende war, rieb er die Klinge des Messers zärtlich auf dem Aermel.

»Nun, Bob«, erwiderte Tom, halb mit der Miene eines Gönners, denn die eben gehörten Erinnerungen hatten ihn etwas freundlicher gestimmt, obschon ihm aus seiner Bekanntschaft mit Bob der Grund ihrer Trennung am allererinnerlichsten war, – »nun Bob, kann ich etwas für Euch thun?«

»I nein, Herr Tom«, antwortete Bob, indem er das Messer laut zuklappen ließ und in die Tasche steckte, wo er sofort nach etwas anderm zu suchen schien. »Ich wär' jetzt nicht zu Ihnen gekommen, wo's Ihnen schlecht geht, und der Alte, für den ich die Vögel gescheucht habe – er gab mir mal zum Spaß 'ne Tracht Prügel, weil ich 'ne Rübe aß, – er kommt nie wieder auf, sagen die Leute, un' da wär' ich doch nicht gekommen un' hätte Sie noch um ein Messer gebeten, weil Sie mir schon eins gegeben haben. Wenn mir einer ein Auge blutig schlägt, das ist mir genug, un' ich bitte ihn nicht um's zweite, als bis ich ihm eins wieder versetzt habe, un' das gilt im Guten wie im Schlechten. Nach unten wächst man nicht, Herr Tom, aber als Sie noch'n kleiner Junge waren, da mocht' ich Sie am liebsten leiden, als ich auch noch klein war, wenn Sie mich auch noch so tüchtig prügelten und mich nicht wieder ansehen wollten. Der Fritz Brumby, den könnt' ich so viel prügeln wie ich wollte, aber wahrhaftig, man kriegt's bald dick, so'nen Jungen durchzuprügeln, wenn man nichts mit'm aufstellen kann beim Nestersuchen un' sowas. Ich habe Jungens gesehen, die standen vor 'nem Busche un' guckten sich die Augen aus dem Kopfe, un' konnten doch keinen Vogelschwanz von 'nem Blatte unterscheiden. Das macht ja kein Pläsir, mit so'nem Kroppzeug, aber Sie waren immer verteufelt fix, Herr Tom, un' ich konnt' mich auf Sie verlassen, daß Sie immer zur rechten Zeit mit Ihrem Stocke bei der Hand waren, bei den Ratzen oder sowas, wenn ich die Büsche absuchte!«

Während dieser Rede hatte Bob einen schmutzigen leinenen Beutel hervorgeholt und würde wahrscheinlich noch nicht aufgehört haben zu sprechen, wenn nicht Gretchen grade in's Zimmer getreten wäre und ihm einen Blick der Ueberraschung und Neugier zugeworfen hätte, worauf er wieder mit großem Respekt sein rothes Haar zupfte. Aber im nächsten Augenblick drang das Bewußtsein von der im Zimmer vorgegangenen Veränderung so mächtig auf Gretchen ein, daß es den Gedanken an Bob's Anwesenheit völlig zurückdrängte. Ihr Blick schweifte unwillkürlich von ihm weg auf die leere Stelle, wo sonst das Bücherbrett gewesen war; jetzt war da nichts mehr als der längliche, noch nicht verblaßte Fleck an der Wand und darunter der kleine Tisch mit der Bibel und den paar andern Büchern.

»O Tom«, rief sie aus und schlug die Hände zusammen, »wo sind die Bücher? Ich dachte, Onkel Glegg wollte sie für uns kaufen; hat er das nicht gesagt? und jetzt sind dies alle?«

»Vermuthlich«, sagte Tom mit der Gleichgültigkeit der Verzweiflung. »Warum sollten sie auch viele Bücher kaufen? blos ein paar Möbel haben sie gekauft.«

»Aber Tom«, rief Gretchen und ihre Augen füllten sich mit Thränen, als sie nach dem kleinen Tische hinstürzte, um nachzusehen, was denn für Bücher gerettet seien. »Unsre liebe alte Pilgerreise, wo Du die Bilder so schön gemalt hast, und das eine Bild, wo der Pilger den Mantel umhatte und aussah wie 'ne große Schildkröte, das ist auch nicht mehr da! Ich glaubte, in unserm ganzen Leben brauchten wir uns davon nicht zu trennen. Aber wir verlieren alles; am Ende unsres Lebens werden wir nichts mehr haben, was wir am Anfange hatten.«

Gretchen wandte sich vom Tische weg und warf sich halb schluchzend in einen Stuhl, während ihr die dicken Thränen in den Augen standen. Von Bob bemerkte sie garnichts; der sah sie die ganze Zeit so aufmerksam an, wie ein kluges stummes Thier, dessen Anschauungen vollkommner sind als seine Fassungskraft.

»Nun, Bob«, meinte Tom, um von was anderm zu sprechen, »Ihr seid also hergekommen, weil's uns schlecht geht. Das ist recht gutmüthig von Euch.«

»Ich will Ihnen sagen, wie's zusammenhängt, junger Herr«, antwortete Bob, indem er seinen leinenen Beutel losmachte. »Sehn Sie, die beiden letzten Jahre hab' ich auf 'nem Schiffe gearbeitet und mir damit mein Brod verdient, un' zwischen durch bin ich bei Torry Ofenheizer gewesen. Da hab' ich vor vierzehn Tagen ganz ungeheures Glück gehabt; hab's ja immer gesagt, ich wär'n Glückskerl, hab' noch keine Schlinge gelegt, wo ich nicht was drin gefangen hätt'; aber dies war keine Schlinge, es war'n Feuer in unsrer Fabrik, un' ich hab's gelöscht, sonst wär' das Oel in Flammen aufgegangen, un' dafür hat mir der Herr zehn Goldstücke gegeben, letzte Woche hat er sie mir selbst gegeben, un' zuerst sagte er, ich wär'n fixer Junge, aber das wußt' ich schon vorher, un' denn kam er 'raus mit den zehn Goldstücken, un' das war mir was neues. Da sind sie noch, die Füchse, alle bis auf einen!« und dabei schüttete Bob den Inhalt des Beutels auf den Tisch. »Un' als ich sie hatte, da kochte mir mein Kopf wie'n Kessel voll Suppe, vor lauter Nachdenken, was ich jetzt wohl anfinge, un's war mancherlei wo ich dran dachte, denn mit der Schiffsarbeit das hab' ich satt, das zieht einem die Tage so in die Länge wie'n Rattenschwanz. Un' erst dacht' ich, ich wollte mir Frettchen halten un' Hunde un'n Rattenfänger werden, un' dann fiel mir ein, ich müßte doch'n größeres Geschäft anfangen, so eins, was ich noch nicht recht kennte, denn das Rattenfangen, das kenn' ich von inwendig und auswendig, und ich überlegt's mir immer vom frischen, bis ich mich endlich entschloß, ich wollte hausiren gehen, denn das sind kluge Kerls, die Hausirer, und ich wollte blos leichte Sachen in meinem Pack haben, und meine Zunge könnt' ich dabei gebrauchen; bei den Ratten und auf den Schiffen nützt sie einem nichts. Un' denn käm' ich weit 'rum im Lande, un' die Frauensleute würd' ich schon gehörig beschwatzen, und mein Essen kriegt' ich warm im Wirthshause – herrje! was wär' das für'n herrliches Leben!«

Hier machte Bob eine kleine Pause und sagte dann mit herausfordernder Bestimmtheit, als wende er diesem paradiesischen Bilde entschlossen den Rücken:

»Aber ich frage nichts darnach, nicht soviel! Ein Goldstück hab' ich gewechselt, un' für meine Mutter eine Gans gekauft, un' für mich eine blaue Plüschweste un' ne Mütze von Seehundsfell; das war, als ich noch hausiren gehen wollte, da mußt' ich doch anständig aussehen. Aber ich frag' nichts mehr danach, nicht soviel! Vielleicht hab' ich nächstens mal wieder das Glück, so'n Feuer zu löschen, so'n Glückskerl wie ich bin. Un' da wär's mir denn recht lieb, wenn Sie die neun Goldstücke nehmen wollten, Herr Tom, und ein kleines Geschäft damit anfingen. Es reicht zwar nicht weit, aber's hilft doch.«

Tom war tief gerührt und vergaß ganz seinen Stolz und Argwohn.

»Ihr seid sehr freundlich, Bob«, sagte er erröthend und mit einem leisen Beben in der Stimme, welches selbst seinem Stolze und seiner Strenge einen gewissen Reiz gab, »und ich werde Euch nicht wieder vergessen, obschon ich Euch heut Abend nicht gekannt habe. Aber das Geld kann ich nicht nehmen; das hieße Euch Euer kleines Vermögen rauben, und mir hilft's doch nicht viel.«

»Wirklich nicht, Herr Tom?« erwiderte Bob traurig. »Sagen Sie das aber nicht, weil Sie etwa glauben, ich gebrauchte das Geld. Ich bin garnicht so arm. Meine Mutter verdient 'nen hübschen Groschen mit Federn rein machen un' so was, un' wenn sie auch blos von Wasser und Brod lebt, sie wird dick und fett dabei. Un' ich selbst bin so'n Glückskerl, un' ich glaube beinahe, Sie sind's nicht so ganz, Herr Tom; wenigstens dem Alten fehlt's dran, un' nu könnten Sie etwas von meinem Glücke annehmen un' keiner verlör' was dabei. Herrje! ich habe schon mal 'ne Schweinskeule im Flusse gefunden, die war gewiß von so 'nem holländischen Schiff gefallen, die am Hintertheil so rund gebaut sind. Ueberlegen Sie sich's doch noch mal, junger Herr, schon wegen unsrer alten Bekanntschaft; sonst muß ich glauben, Sie sind mir noch böse.«

Bob schob die Goldstücke vor sich hin, aber ehe Tom antworten konnte, sagte Gretchen, indem sie die Hände zusammenschlug und Bob ruhig ansah:

»O, es thut mir recht leid, Bob; ich hätte Euch nie für so gut gehalten. Ich glaube beinahe, Ihr seid der freundlichste Mensch auf der Welt.«

Bob hatte früher nie bemerkt, daß Gretchen die schlechte Meinung von ihm habe, die sie ihm jetzt im stillen abbat, aber er lächelte vor Freude über dieses schöne Lob von einem jungen Mädchen, die, wie er des Abends zu seiner Mutter meinte, so ganz kurjose Augen hätte, die einen so kurjos ansähen, daß einem ganz kurjos zu Muthe würde.

»Wirklich, Bob, das Geld kann ich nicht nehmen«, sagte Tom, »aber glaubt nicht, daß ich Eure Freundlichkeit darum weniger anerkenne. Ich will von keinem etwas annehmen, sondern selbst arbeiten. Und dies Geld hülfe mir doch nicht viel, wirklich nicht, Bob. Kommt, gebt mir die Hand.«

Tom streckte seine feine weiße Hand aus, und Bob legte schnell genug seine harte schwielige Hand hinein.

»Laßt mich die Goldstücke wieder in den Beutel thun«, sagte Gretchen, »und wenn Ihr Euren Packen eingekauft habt, da müßt Ihr wiederkommen; wir müssen ihn doch sehen.«

Als Gretchen ihm den Beutel zurückgab, sah Bob ein bischen unglücklich aus und meinte: »'s ist grade, als wenn ich blos zum Schein hergekommen wäre, daß ich das Geld so wiedernehme. Ich bin wohl so'n Stück von 'nem Schelm, aber doch nicht so'n Schelm; blos wenn einer so'n rechter Schuft oder so'n rechter Esel ist, dann kann ich das anführen nicht lassen.«

»Bob, Bob«, sagte Tom, »schlechte Streiche dürft Ihr nicht machen, sonst werd't Ihr noch mal transportirt.«

»I ne, Herr Tom, ich nicht«, sagte Bob mit sehr vergnüglichem Selbstvertrauen. »Auf Flohstiche steht keine Strafe. Wenn man so 'nen Hansnarren nicht bisweilen anführte, ih, da würd' er ja nie klüger. Aber, Herrje, nehmen Sie doch ein Goldstück, un' kaufen Sie sich was, un' für das Fräulein auch, blos zum Andenken, so wie mein Taschenmesser.«

Mit diesen Worten nahm Bob ein Goldstück heraus und drehte entschlossen den Beutel zu. Aber Tom schob das Gold zurück und sagte: »Nein, wirklich nicht, Bob, herzlichen Dank, aber ich kann das nicht annehmen.« Und Gretchen nahm das Goldstück zwischen die Finger, hielt es Bob hin und sagte freundlich zuredend:

»Jetzt nicht, Bob, vielleicht ein andermal. Wenn Tom oder der Vater jemals Eure Hülfe nöthig haben, denn wollen wir's Euch sagen – nicht wahr, Tom? Und das möchtet Ihr doch, daß wir Euch immer für einen Freund ansehen, auf den wir uns verlassen können, nicht wahr, Bob?«

»Ja, Fräulein, ich danke Ihnen recht«, sagte Bob, indem er widerstrebend das Gold zurücknahm; »ja, das wär' mir lieb, das möcht' ich grade. Und ich wünsch' Ihnen recht wohl zu leben, Fräulein, und Ihnen wünsch' ich viel Glück, Herr Tom, un' ich danke Ihnen auch, daß Sie mir die Hand gegeben haben, wenn Sie auch das Geld nicht haben nehmen wollen.«

Der Eintritt des Dienstmädchens, die mit sehr ärgerlichem Blick fragte, ob sie jetzt den Thee hereinbringen dürfe, oder ob das geröstete Brod so hart werden solle wie ein Stein, war ein zeitgemäßer Dämpfer auf Bob's weitere Redseligkeit und beschleunigte seinen Abzug.


 << zurück weiter >>