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Drittes Kapitel

Nina sah nach und nach ein, daß all ihr Reden, um William von seinem Plane abzubringen, verlorne Liebesmüh war. Den ersten Tag, als er ihr seinen Entschluß, Schauspieler zu werden, mitteilte, glaubte sie ihm einfach nicht. Sie sah ihn mit großen Augen an und begann zu lachen. »Du,« rief sie Sophie zu, die im Nebenzimmer saß, »er will Schauspieler werden! Ich glaube, William ist nicht ganz richtig im Kopfe.«

Auf William hatte sie all ihre Hoffnungen gesetzt, in ihm und nur für ihn hatten die Schwestern die zwei Jahre in der Einsamkeit des Pfarrhofs gelebt; er war ihr alles, ihr Augapfel. Nina hatte es immer gewußt, er war nicht wie die andern, aber gerade darum erst recht hoffte sie, daß etwas ganz Außerordentliches aus ihm würde. Sie vergötterte ihn, las jeden seiner Briefe wieder und immer wieder und schrieb sie dann in ihr Tagebuch ab. Der Bruder war ihr ganzes Leben.

Was er eigentlich werden sollte, darüber hatte sie sich keine bestimmte Vorstellung gemacht, aber jedenfalls mehr als alle anderen! Er war kein Durchschnittsmensch, und sie kannte niemanden, der es hätte mit ihm aufnehmen können!

Je mehr ihre Gedanken um die Zukunft des geliebten Bruders kreisten, desto verzweifelter wurde sie. Denn sie sah zuletzt ein, daß dieser Gedanke sein Leben geworden war, daß er für dieses eine seine ganze nervöse Spannkraft einsetzte, die bei ihm die Stelle der wirklichen gesunden Lebenskraft anderer Jünglinge vertrat, und daß er nur in dieser einen Hoffnung lebte und glücklich war. Je mehr sie mit ihm zusammen war, desto deutlicher kam es ihr zum Bewußtsein, daß dieser Selbstbetrug, wie sie es nannte, so fest mit ihm verwachsen war, so sein ganzes Dasein umspannte, daß zuletzt sogar eine Zeit kam, wo sie im stillen betete, das heißt, sich zu beten zwang, daß ihm seine Hoffnungen, die er darauf setzte, in Erfüllung gingen!

Ja, nach und nach, als das Zusammenleben mit ihm sie überzeugt hatte, wie tiefe Wurzeln diese unglückselige Idee in ihm geschlagen hatte, war ihre Furcht, er könnte Schauspieler werden, umgekehrt zu einer förmlichen Angst geworden, daß er es nicht würde! Und zuletzt wußte sie selber nicht mehr aus und ein; nicht mehr, was sie im Widerstreit ihrer Gefühle wünschen oder fürchten sollte.

Nur eines wußte sie sicher, daß sie in jedem Falle, wie die Sache sich auch gestalten mochte, unglücklich würde. Denn sie glaubte nicht, daß er wirklich Talent gerade zu diesem Berufe hatte.

Deshalb sagte sie wieder und immer wieder: »Warum willst du denn gerade das werden? ... Wenn du dich nun irrst ...?«

»In so etwas irrt man sich nicht.«

»Du nimmst ein Spiel für Ernst, William ...«

»Ich bitte dich, Nina, höre auf, quäl' mich nicht. Es kann doch nichts nützen. Wenn ich Schauspieler werde, wird vielleicht noch mal was aus mir, trotzdem Mutter schwindsüchtig war und Vater geisteskrank –«

»William!«

»Ja, das kann alles nichts helfen, es ist doch nun einmal so. Wir können es ebensogut gleich gerade heraussagen. Ich habe des Nachts Halluzinationen, und du hustest, und überhaupt, es ist, im ganzen genommen, eine schöne Familie ... Aber wenn ich Schauspieler werde, so würde ich mich selbst zwingen können, etwas zu leisten, weil ich an mich glaube ... Ich weiß es, da werde ich arbeiten und mich anstrengen und wieder arbeiten, gleichviel, wie lange es dauert, bis etwas aus mir wird, und wenn ich auch fünf Jahre Tanzübungen machen müßte und zehn Jahre Gymnastik drillen, um es zu erreichen. Aber geht es schief und hat es mich genarrt ... was ich fühle, dann ... dann ... nein, es ist nicht auszudenken – – –«

Nach einem solchen Gespräch war Nina immer noch niedergeschlagener und angstvoller wie vorher.

Einige Wochen später, zum Winter hin, saßen die drei Geschwister eines Abends um den runden, kleinen Tisch, den sie zum warmen Kachelofen hingeschoben hatten, zusammen; Nina und Sophie machten Handarbeiten, während William vorlas. Es war eine lange Zeit her, seit er ihnen das letztemal vorgelesen hatte, und Nina war ganz erstaunt, wie gut er las. Als er mit dem zweiten Akte fertig war – es waren »die Neuvermählten« von Björnson – sagte sie ruhig, ohne aufzusehn: »Heut fühle ich es selbst, ... du liest sehr gut ...«

»Nicht wahr?« entfuhr es ihm. Sein Gesicht leuchtete förmlich auf. Es entstand eine Pause.

»Es ist nicht Eitelkeit von mir,« sagte er leise, »aber ich wurde so froh!«

Das Stück sowohl wie das Vorlesen hatte Nina ganz gerührt; ihr Taschentuch lag auf dem Schoß, und jeden Augenblick nahm sie es auf, wischte sich die Augen und putzte die Nase.

Als William geendet hatte, stand er auf und setzte sich, wie er es so gern tat, in eine Ecke im Dunkeln. Keiner von ihnen sprach.

Nina saß, mit dem Kopf auf die Hände gestützt, sinnend da. Sie seufzte ein paarmal, fing wieder zu häkeln an und fiel dann abermals in Gedanken.

»Aber Hög kannst du doch dann nicht mehr heißen,« sagte sie auf einmal ganz tonlos, wie halb zu sich selbst.

»Warum nicht?« Er fuhr vom Stuhle auf. »Nicht mehr Hög – heißen – – – «

»Man kann doch nicht Hög auf ein Plakat schreiben! ... Was würde Vater dazu gesagt haben?«

William wurde blutrot, sah Nina eine Weile ganz starr an und lachte dann höhnisch auf: »Wegen der Högschen Ehre ...«

»Ja eben – du bist der letzte dieses Namens.«

»Grade deshalb tue ich es ja ... Ihr könnt ganz ruhig sein ...«

»Und du findest, daß Vaters Namen auf einem Theaterplakat am Platze ist?« sagte Nina mit bebender Stimme.

»Vaters Namen? Ja, allerdings – – der – – «. Er murmelte etwas vor sich hin und wandte sich um.

Nina stand auf, sie zitterte am ganzen Körper: »Vater war krank ... das ist keine Schande, aber ...«

Er preßte die Hände gegen die Brust und bezwang sich gewaltsam. »Ja,« sagte er und biß sich auf die Lippen »gewiß – aber es ist auch keine Schande, das einzige zu wirken, was man kann!«

Er stützte sich ans Klavier, fing plötzlich zu zittern an, daß er kaum stehen konnte, und wurde abwechselnd blaß und rot. »Wenn ich dem Namen Schande machen sollte« – die Zähne klapperten gegeneinander – »so werde ich ihn gewiß ablegen ... Darüber könnt ihr ruhig sein!«

Er riß das Taschentuch heftig heraus, hielt es schnell vor das Gesicht und schluchzte.

Dann ging er hinaus.

Als Nina später zu ihm hineingehn wollte, um ihm »Gute Nacht« zu sagen, war die Tür seines Zimmers verriegelt. Sie rüttelte am Schloß. »William ... ich bin's!« Niemand antwortete. Sie rief lauter: »William, William!« Dann guckte sie durch das Schlüsselloch. Es war dunkel im Zimmer. Sie hörte, wie er vom Sofa aufstand und auf die Tür zukam.

»Was gibt's denn?« fragte er.

»Mach' mir auf ... ich möchte mit dir reden ...«

»Das kann ja doch nichts nützen ... Gute Nacht!« sagte er von drinnen und ging wieder von der Tür fort.

– – – William konnte die ganze Nacht keinen Schlaf finden.

Er mochte kein Licht anzünden, als er in sein Zimmer trat. Er legte sich auf die Chaiselongue und wickelte sich in seine Reisedecke, denn die Kälte schüttelte ihn, daß seine Zähne klapperten; er hüllte sich ganz und gar in die Decke ein, gleichsam als wollte er sich verbergen. Die Glieder waren ihm schwer wie Blei, und er fühlte sich im ganzen matt und schlaff, wie betäubt von dem Schlage, den er empfangen hatte. Er konnte nicht einmal denken; seine Gedanken, die zu arbeiten versuchten, wurden von einer wüsten Schlaffheit, die alles aufsaugte, übermannt, und das Gehirn unterlag diesem plötzlichen Kolbenschlage. Es war eine Art geistiger Ohnmacht.

Aber nach und nach allmählich erwachten die Gedanken wieder und schrien gleichzeitig in seinem Kopfe auf, daß es nur so in seinen Schläfen hämmerte. Zum ersten Male in dem fürchterlichen Kampfe dieser Stunden übte er an seinem Lebensplane Kritik.

»Aber du kannst doch dann nicht mehr Hög heißen!« tönte es ihm immer wieder in den Ohren.

Zuerst suchte er sich durch den alten Lehrsatz zu beruhigen, daß jeder seinen eigenen Weg gehen, sein Ziel suchen muß. Größe und Berühmtheit waren dasselbe, nur die Wege, die dazu führten, verschieden. Aber heut abend genügte ihm das nicht. Es schrie förmlich in ihm auf: Aber du großer Himmel, man sollte doch wohl das Recht haben, seinen eigenen Weg zu gehn? Ja, er mußte ihn gehen, wie dieser auch beschaffen sein mochte, um das Beste in sich zu retten, und dieses war so gut, wie die Kunst, der er sich weihen wollte, groß war! Und doch war er unruhig, und qualvolle Zweifel bemächtigten sich seiner ...

Denn die andern urteilten nicht wie er. Nun, Nina z. B. – wie konnte sie es doch als etwas so ganz Einfaches, Selbstverständliches sagen, wieviel es sie auch kosten mochte: »Aber du kannst doch dann nicht mehr Hög heißen!« Warum sagte sie das? Sie liebte den Namen, das wußte er, und sie liebte ihn als den Letzten des Geschlechts, der den alten Namen wieder zu neuen Ehren bringen und berühmt machen sollte.

Er stand vom Sofa auf und ging im dunklen Zimmer rundherum. Er stieß gegen die Möbel, ohne es zu merken, warf Stühle um und stellte sie wieder auf, alles ganz mechanisch wie ein Nachtwandler.

Gewiß, das war doch Übertreibung, Nina übertrieb ...

Aber warum glaubte sie nicht an ihn? – Sie liebte ihn doch so sehr ... und glaubte trotzdem nicht ...

Es brannte ihm wie Feuer in der Seele. Nirgends hatte er Ruhe. Er rannte wieder ruhelos umher; es war doch grausam, fürchterlich, so kämpfen zu müssen! ...

Und warum gab es doch niemanden, der an ihn glaubte? Nicht Nina, nicht Sophie oder einer seiner Bewunderer. Warum nicht? Und er hatte so ein sehnsüchtiges Verlangen, eine menschliche Seele zu finden, die seinen Glauben teilte, wo er nun so einsam und allein seinen schweren Weg gehn und die ganze Zukunft über den reißenden Strom tragen sollte, wo so viel über ihn hereinstürmte! ... Ach Gott, wenn sie doch zu ihm kämen und an ihn glaubten ...

Alles hing nun vom Talent ab. Besaß er nicht den unerschütterlichen Glauben an seine Begabung, so konnte er nicht, nein, so durfte er diesen Weg nicht einschlagen – – – darin lag die Verantwortung, die er auf sich lud. Um das Talent handelte es sich, darum drehte sich alles – alles ... aber das hatte er ja – –

Und wenn er es nun nicht besaß?

Er war nahe daran, laut aufzuschreien, als dieser Gedanke wiederkam, er wollte ihn niederzwingen ...

Wie in körperlichem Schmerze erhob er sich auf seinem Sitz und wankte stöhnend hin und zurück ...

Ja, denn wenn dies mißglückte, dann war es mit ihm vorbei und mit dem stolzen Geschlecht! Dann war der Name tot – tot – ausgelöscht. –

Aber es konnte ja nicht mißglücken! Und zum tausendsten Male hämmerten dieselben Gedanken wie feurige Eisenhämmer in seinem Gehirn ...

Es war ja wie eine Offenbarung gewesen; es war ja das, was ihm Licht in sein Dunkel gebracht, was ihn geweckt und ihm Leben für Tod gegeben hatte. All seine Träume, all seine Gedanken, alles ... Ach nein, ach nein ... ich sieh dich an ... nimm mir's nicht!

Er versuchte zu beten, konnte es aber nicht. Sich auf die Knie werfend, flüsterte er einige leidenschaftliche Bittworte vor sich hin ...

So kam er plötzlich darauf, an Jakob zu denken, Jakob aus der Bibel, der mit Gott kämpfte ...

Ja, es war schwer zu kämpfen, und man mußte feststehn, um nicht zu unterliegen!

Es war ihm, als verschluckte er all die Schreie, die sich in der Todesangst aus seiner Brust losringen wollten.

Und wenn er es nun doch aufgab? Wenn er nicht wagte, diese Bürde auf seine schwachen Schultern zu nehmen, die Last von sich warf?

Er sprang mit einem Satz auf, rannte wie besessen auf und nieder, mit dem Kopfe unaufhörlich hin und her wackelnd wie in unerträglichem, physischem Schmerze, preßte sich die Hände, daß es weh tat – – – aber nein – er mußte vorwärts, er konnte es nicht preisgeben!

Was denn sonst beginnen? Wohin sich wenden? – –

Zuletzt wurde er müde, seine Gedanken glitten ins Weite! Er fiel auf dem Sofa zusammen und sank in einen dumpfen Halbschlummer.

So kam dann Nina und rief; er hörte es erst undeutlich, dann traf sein Name das Hirn wie eine Schmerzempfindung. Er erhob sich schwerfällig, ging zur Tür, antwortete der Schwester und ging wieder zurück. Seine Gedanken fingen nun aufs neue zu arbeiten an, aber er war ruhiger geworden. Er nahm jetzt das Ganze auf eine andre Art, gleichsam als ob er die Überreste des alten Kampfes sammelte. Zum ersten Male begann er die Aussichten für und wider zu messen; er wog seine Kraft und untersuchte seine Mittel.

Er zündete Licht an und betrachtete sich prüfend im Spiegel: seine Züge, sein Gesicht. Bis dahin hatte er nur auf die Stimme besonderes Gewicht gelegt, nun wollte er alles bedenken, und so untersuchte, prüfte er, besah wieder und wieder sein Abbild.

Plötzlich fiel ihm ein, daß eines Tages in Sorö, als er gerade so vor dem Spiegel gestanden, Gerson hereingekommen war und gesagt hatte: »Du solltest dir auch deinen Rücken ansehn!« und er erinnerte sich, daß ihm diese Worte förmlich einen Stich gegeben hatten ...

Nun nahm er noch einen Handspiegel hinzu, richtete sich gerade auf, stand, so aufrecht er konnte, und betrachtete sich ...

Nein, »Held« zu werden, davon konnte keine Rede sein ... der Rücken war krumm, entschieden krumm ...

Er ließ den Spiegel fast mit einem Schrei zur Erde fallen.

Lange blieb er ganz zusammengefallen vor der Konsole sitzen, wie von tausend Schlägen getroffen; es war ihm, als ob nun alles düster wurde und so kalt und unbeschreiblich leer! Unsäglich müde und angstvoll starrte er in dieses tiefe Dunkel, in diese Öde, das fürchterliche Nichts. – – Er hob den Kopf und begegnete seinem eigenen Gesicht im Spiegel, es war grau gefurcht, die Züge schlaff.

Nein, er wollte sich nicht sehn! Hastig sprang er auf und begann wieder sein ruheloses Wandern.

Also »Held« konnte er nicht werden, der Königsmantel fiel von seinen Gliedern nieder wie Lumpen, und er konnte ihn nicht festhalten.

Aber hatte er auch ein Recht, dies zu fordern? Wenn es auch vielleicht das Beste, Schönste war, so doch sicher nicht das einzige!

Und er flüchtete sich in den Gedanken an Arbeit. Fleiß vermochte ja viel und mußte doch da decken können, wo die Mittel nicht ausreichten, wo seine Gaben schwach waren. In seiner Seelenangst klammerte er sich nun daran.

Held konnte er nicht werden, das sah er ja auch ein, aber es gab doch andre Rollen! Richtige Menschen, die nicht schön waren, wenigstens nicht schöner als die meisten, darzustellen – Menschen, die wie im täglichen Leben sprachen ... einfach, natürlich. – – Das mußte er sicherlich können, er fühlte ja tiefer als die meisten und hatte mehr gelitten; er brauchte ja nur alles, was er erlebt und gefühlt hatte, wiederzugeben!

Und durch eifrige gymnastische Übungen konnte ja auch der Rücken sich noch strecken, er war doch noch so jung! Und die Stimme war doch schön!

So kämpfte er, kämpfte Zoll um Zoll; und für jeden Schritt, den er verwundeten Herzens zurückweichen mußte, suchte er wieder eine neue Spanne Terrain zu erobern.

Welche Seelenqual! Welche Marter! Er biß sich die Lippen blutig und war über den physischen Schmerz noch froh, der den psychischen vertreiben helfen sollte.

Alles, alles konnten sie ihm nehmen, dies eine nicht! Das Licht war ihm ja von diesem Gedanken gekommen, und es konnte kein Trug sein; und war es ihm auch nicht beschieden, König zu sein, so wollte er dennoch den Glauben nicht verlieren; er mußte dem Rufe folgen und diesen Weg gehn, selbst wenn sich die stolzen Vorfahren in ihren Gräbern umdrehen sollten ...

Er bemerkte, daß die Lampe blakte und schraubte sie niedriger. Dann zündete er ein Licht an, nahm es in die Hand und ging durchs Speisezimmer in Ninas Schlafstube. Das Knarren der Tür erweckte sie; schlaftrunken hielt sie die Hand vor die Augen, um sie gegen das Licht zu schützen.

»Wer ist da?« fragte sie erschrocken, »wer ist da?«

»Ich ...«

Sie erhob sich halb, sah ihn erstaunt an, legte sich dann wieder zurück und sagte matt: »Bist du noch nicht zu Bett gegangen?«

»Ich hätte doch nicht schlafen können,« sagte er und stellte den Leuchter auf den Nachttisch nieder.

»Und ich habe so gräßlich geträumt!«

Er setzte sich auf die Bettkante und machte sich mit dem Lichte zu schaffen.

»Ich habe so viel heut nacht über die Sache nachgedacht ...« fing er an.

Nina seufzte. »Aber nun – bin ich mir klar, es ist das Richtige, muß das Richtige sein, sonst hätte ich ja nicht diese Kraft ...«

Nina sah ihn an, sie hatte ihn nie so bleich gesehn. Gerührt nahm sie seine Hand. »Ich bin's ... die unrecht hatte ...«

Sein Gesicht hellte sich plötzlich auf. »So glaubst du's also auch« ... fragte er leise, fast ängstlich.

»Ich meinte mit dem Namen ...«

William stand auf. »Danke,« sagte er ganz tonlos.

»Und was das andre betrifft ... mußt du ja selbst am besten wissen ...« fügte sie hinzu.

Er setzte sich wieder hin. »Man muß arbeiten,« sagte er mechanisch.

Nina sah wieder auf. Sie erkannte ihn kaum wieder. »Verzeih mir, ich habe dir gewiß weh getan ... aber ich ...«

»Nein, nein,« unterbrach er sie fast hart, »es war nur notwendig.« Er nahm das Licht, blieb noch einen Augenblick mit dem Leuchter in der Hand wie zögernd am Bette stehn. »Gut' Nacht,« sagte er dann, auf die Tür zuschreitend. Es klang wie von Tränen verschleiert.


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