Publius Ovidius Naso
Metamorphosen
Publius Ovidius Naso

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Die Lapithen und Zentauren

            Nestor, der Pyliergreis, am Siegesfest des Achilles,
Welcher den Cyknus erlegt, verkündete, denkend der Vorzeit,
So der Lapithen Gefecht und der untiergleichen Zentauren:

Heim mit Hippodame zog der Sohn des verwegenen Ixion;
Und an gereiheten Tischen in baumumschatteter Grotte
Lud er zum gastlichen Lager die trotzigen Wolkensöhne.
Edle Hämonier kamen zum Schmaus; auch kamen wir selber.
Festliche Lust durchhallte die Königsburg mit Getümmel;
Hymen erscholl's, Hymenäos! es dampften von Glut die Gemächer;
Und in der Frau'n und Mütter Umzingelung prangte die Jungfrau,
Wunderschön von Gestalt. Den Pirithous priesen wir selig,
Solch ein Weib zu gewinnen; doch fast ward vereitelt der Glückwunsch.

Denn dir, Ungestümster der ungestümen Zentauren,
Eurytus, brennt's wie vom Weine, so heiß von dem Blicke der Jungfrau
Unter der Brust; und die Trunkenheit herrscht mit Begierde verdoppelt.
Schleunig verwirrt ein Gerassel zerrütteter Tische das Gastmahl;
Und mit Gewalt wird gerafft am ergriffenen Haar die Vermählte.
Eurytus reißt von dannen Hippodame; andre, die jeder
Auskor, oder ergriff. Der eroberten Stadt war das Bildnis.
Laut scholl Weibergeschrei durch die Wohnungen. Schnell von den Sitzen
Sprangen wir. Theseus zuerst rief: Welch ein rasender Wahnsinn,
Eurytus, spornet dich an, daß du meinen Pirithous angreifst,
Weil ich leb', und zween, Unwissender, kränkest in einem?
Daß nicht solches umsonst vom erhabenen Helden gesagt sei,
Drängt er die Stürmer hinweg und befreit die geraubete Jungfrau.

Jener darauf kein Wort; denn nichts zur Verteidigung sagen
Kann er für solcherlei Tat: doch frech in des Rettenden Antlitz
Hebt er die schändende Hand, und schlägt ihm den edelen Busen.
Neben ihm stand, umstarrt von erhobenen Zeichen, ein schwerer
Altertümlicher Krug; den mächtigen, mächtiger selber,
Schwang empor der Ägid', und schleudert' ihn jenem ins Antlitz.
Klumpen geronnenen Bluts und Gehirn und Most durcheinander,
Speiend aus Wund' und Rachen, gestreckt im gefeucheten Sande,
Zappelt er. Rasch entbrennen vom Mord die gemähneten Brüder;
Mit einhelligem Ruf. Zu den Waffen! ertönt's: zu den Waffen!
Weine beseelen mit Mut; und geschleuderte Becher im Anfang
Fliegen und brechliche Humpen zum Kampf und gebogene Becken:
Dinge, dem Schmause vordem, nun Krieg' und Schlachten gewidmet.

Siehe, zuerst entblößte der trotzige Sohn des Ophion,
Amykus, seiner Zier das Gemach, und zuerst von der Decke
Riß er die leuchtende Krone, von häufigen Kerzen umschimmert.
Hoch sie empor dann hebend, wie wenn dem schneeigen Farren
Einer mit opferndem Beile den Hals zu zerbrechen sich anstrengt,
Schmettert' er gegen die Stirne des Celadon; und dem Lapithen
Ließ er verwirrt das Gebein in dem unerkennbaren Antlitz,
Vorwärts quollen die Augen; und tief durch zersplitterte Knochen
Sank die Nase zurück, bis hinab zum Gaume gequetschet.
Aber den Fuß entrüttelt dem Ahorntisch der Pelläer
Belates, streckt den Zentaur, sein Kinn auf den Busen zerschellend,
Und da mit dunkelem Blut er die Zähn' ausspeit, da verdoppelt
Jener den Schlag und entsendet den Geist des Tartarus Schatten.

Gryneus stand ihm zunächst, und schauend mit gräßlicher Miene
Auf den umdampften Altar: O warum nicht brauchen wir jenen?
Sprach er und hob mit den Gluten den ungeheuren Altar auf,
Schwang und warf ihn hinein in den dichtesten Schwarm der Lapithen.
Und er verschüttete zween, den Broteas und den Oreios.
Aber ein Sohn war Oreios der Mykale, die mit Bezaubrung
Oft, wie man sagte, die Hörner des sträubenden Mondes herabzog.
Nicht ungestraft bleibt dir's, nur sei ein Gewehr mir vergönnet!
Rief Exadius laut; und statt des Gewehres erlangt er
Hoch von der Fichte herab das Gehörn des geweiheten Hirsches.
Siehe, dem Gryneus bohrt es mit doppeltem Ast in die Augen,
Und entreißt sie der Stirn'; es haftet ein Teil um die Zacken,
Anderes fließt in den Bart und hängt mit Blute gerinnend.

Plötzlich vom hellen Altar der Erstlinge raffet sich Rhötus
Einen lodernden Brand; und rechts an dem Haupt des Charaxus
Knirscht er die Schläfe hindurch, voll gelb umwallenden Haares.
Ungestüm von der Glut, wie gedörrete Saaten, entzündet,
Flammten die Locken empor; und das Blut, in der Wunde gesenget,
Zischte mit schrecklichem Ton, und prasselte: so wie das Eisen,
Rot von der Esse durchglüht, nachdem in gebogener Zang' es
Faßte der Schmied und hinab in den Kühltrog tauchte; doch jenes
Zischt in der Flut, und es siedet der zitternden Welle Gebrodel.
Er, die begierige Flamme den struppigen Haaren entschüttelnd,
Wühlt aus der Erd' und erhebt die mächtige Schwell' auf die Schultern,
Deren Gewicht Lastwagen verlangt; doch den Feind zu erreichen,
Hält ihn die Schwere zurück; den Genossen sogar, den Kometes,
Welcher zunächst ihm weilte, zerdrückt der graue Granitblock.
Und nicht bändigte Rhötus die Lust: So, fleh' ich, begann er,
Möge der übrige Troß der Deinigen Tapferkeit üben!
Dann mit dem glimmenden Scheite die Wund' auffrischend von neuen,
Schmettert' er drei-, viermal ihm die berstenden Nähte des Schädels,
Daß in das flüssige Hirn eindrang der gesplitterte Knochen.

Siegreich nun zu Euagros und Korythos geht er, und Dryas.
Als davon, um die Wangen mit Erstlingsflaume gebräunet,
Korythos sank in den Staub: Was schufst du dir, rief Euagros,
Durch den erschlagenen Knaben für Ruhm? Nicht mehreres ließ ihn
Sagen der wilde Zentaur; dem Redenden stieß er den roten
Brand in den offenen Mund und hinab durch den Mund in die Gurgel.
Dir auch, tobender Dryas, das Haupt mit dem Feuer umwirbelnd,
Folget er nach; nicht aber bei dir auch fand er denselben
Ausgang. Ihm, da er stolz des beständigen Mordes sich freuet,
Bohrst du am Hals' in die Schulter die vorgeglühete Stange.
Rhötus erseufzt, arbeitet die Stang' aus dem harten Gebeine
Mühsam hervor und entflieht, mit eigenem Blute gefeuchtet.

Lykabas auch und Orneos entzieht und der blutige Medon,
Rechts am Buge verletzt, und Thaumas zugleich mit Pisenor;
Auch, der jüngst vor allen im Kampf der Schenkel gesieget,
Mermeros, ging langsamer nunmehr an empfangener Wunde;
Pholos und Melaneus auch, und der eberjagende Abas;
Und, der umsonst die Seinen vom Krieg abmahnte, der Seher
Astylos; er auch hemmte den wundenfürchtenden Nessus:
Fleuch nicht! sprach er, du wirst für Herkules' Bogen gesparet.
Aber Eurynomos nicht, noch Lycidas, oder Areos
Flohn, noch Imbreus, den Tod: die alle der mordende Dryas
Grade von vorn hinstreckt'; auch du von vorne, wiewohl du
Kehrtest den Rücken zur Flucht, empfingst die Wunde, Krenäos:
Zwischen die Augen hinein, da zurück du wandtest das Antlitz,
Stürmte der schreckliche Stahl, wo die Nas' an die Stirne sich füget.

Also tobte der Lärm; noch lag, der ohn' Ende gebechert,
Dort vom Weine betäubt und unerwecklich, Aphidas;
Und in ermatteter Hand die gehenkelte Lase voll Weines
Hielt er, gestreckt auf den zottigen Balg der ossäischen Bärin.
Diesen von fern anschauend, wie träg' er säumet' und wehrlos,
Wickelte Phorbas die Faust in des Speers Schwungriemen und: Zeche
Wein mit stygischer Flut! so redet' er; ohne Verzug dann
Schwang er mit Macht auf den Jüngling den Speer; und mit spitzigem Eisen
Drang ihm die Esche sogleich, wie er rücklings lag, in die Kehle.
Fühllos nahte der Tod; und hervor aus der strotzenden Gurgel
Rieselte schwarz auf die Polster und schwarz in die Lase der Blutstrom.

Selber sah ich Peträus, der rang aus der Erde zu rütteln
Eine bemastete Eiche; doch weil der Umklammernde ringsum
Hin und her sie bewegt und die wankenden Knorren erschüttert,
Fleucht des Pirithous Speer in Peträus' Rippen und heftet
Ihm die strebende Brust mit dem knorrigen Holze zusammen.
Lykos sank, wie man sagt, durch Pirithous' Kraft zu den Schatten;
Chromis sank durch Pirithous' Kraft: doch höheren Siegsruhm,
Als sie beide zugleich, gewähreten Diktys und Helops.
Helops stürzte dem Spieß, der, Bahn durch die Schläfen sich öffnend,
Rechts in das Ohr einbohret' und links mit der Schärfe hervordrang.
Diktys, dem spitzigen Hange des Felsgebirges entgleitend,
Da er in Angst ausweicht dem verfolgenden Sohn des Ixion,
Taumelt die Jähen hinab und zerbricht mit der Schwere des Leibes
Eine gewaltige Esch' und umhüllet den Stumpf mit Gedärmen.
Aphareus naht ihm ein Rächer; den ausgerütteten Bergfels
Trachtet er abzuschwingen; allein mit dem eigenen Schafte
Eilt der Ägid ihm zuvor und zerbricht des gewaltigen Armes
Knochen. Doch abzutun den Verkrüppelten, fehlet die Zeit ihm,
Oder die Lust. Auf den Rücken des ungeheuren Bianor
Springt er empor, der keinen, als ihn zu tragen gelernet;
Und er stemmt in die Rippen das Knie; mit der Linken ergreifend,
Hält er das wallende Haar, und Gesicht und drohende Lippen
Samt den gediegenen Schläfen zermalmt er mit knotigem Kernholz.
Auch Nedymus erlag und der Lanzenschneller Lykotas,
Seinem zermalmenden Schwung; und die Brust voll hängenden Bartes,
Hippasos; auch, der empor aus den Waldungen ragete, Ripheus;
Tereus auch, der in Forsten hämonischer Berge gehaschte
Bären, die lebenden oft und unmutbrummenden, heimtrug.

Aber die stets mit Erfolg' ausgehenden Kämpfe des Theseus
Trug Demoleon nicht; und emporzuwühlen im Dickicht
Strebt er die altende Fichte mit unermeßlicher Arbeit.
Da er nicht kann, entschwingt er die abgebrochne dem Feinde.
Weit von dem kommenden Wurfe zurück entfernte sich Theseus,
Auf der Minerva Gebot: so glaubte man seiner Beteurung.
Doch nicht sank untätig der Baum; denn dem stattlichen Krantor
Schnitt er hinweg an der Kehle die Brust und die linke der Schultern.
Waffengenoß war jener bei deinem Vater, Achilles:
Welchen, besiegt in Schlachten, der Doloper König Amyntor
Äakus' Sohne verliehn zum sichernden Pfande des Friedens.
Peleus, als er ihn fern von gräßlicher Wunde zerrissen
Schauete: Sühnungen doch, o der Jünglinge trautester, Krantor!
Rief er, empfah! und im Schwung auf Demoleon sandt' er mit starkem
Arme daher und mit Geistes Gewalt die eschene Lanze:
Welche der Seiten Verband durchkracht', und im Inneren haftend,
Zitterte. Jener entzieht die des Stahls entledigte Stange;
Doch kaum folget auch die; fest hänget die Spitz' in der Lunge.
Selber der Schmerz gab Kräfte dem Mut: der Verwundete bäumt sich
Gegen den Feind, und stampfet den Mann mit trampelndem Roßhuf.
Jener mit Helm und mit Schild empfängt die erklingenden Stöße,
Schirmt sich den Leib ringsher, und erhebt vorschützende Waffen;
Und es durchbohrt durch den Bug ein Stoß zwo Brüste dem Halbtier.

Doch erst hatt' er dem Tode gestreckt Phlegräos und Hyles,
Fernher; und in der Nähe Iphinous kämpfend, und Klanis.
Dorylas fügt' er hinzu, der die Schläfen bedeckt mit der Wolfshaut
Trug, und statt des Gewehrs zu wütenden Kämpfen ein seitwärts
Drohendes Rindergehörn, mit vielem Blute gerötet.
Diesem, denn Kraft gewähret der Mut mir: Schaue doch, rief ich,
Schaue, wie weit dein Gehörn doch nachsieht unserem Eisen!
Rief's, und drehte den Speer. Da er den nicht konnte vermeiden,
Schützt' er die Hand vor die Stirne, der kommenden Wunde zur Abwehr.
Fest ward gebohrt mit der Stirne die Hand; aufschreit er; doch jenen
Haut, wie verhaftet er war, und von bitterer Wunde gefesselt,
Peleus, nahe gestellt, grad unter dem Bauch mit dem Schwerte.
Hochauf springt er, und schleppt sein Eingeweid' auf dem Boden,
Und das geschleppte zerstampft, das zerstampfete reißt er, und wirret
Selbst um die Beine herum, und stürzt mit geleeretem Bauche.

Aber dich rettete nicht, Held Cyllarus, selber die Schönheit;
Wenn an jener Natur Schönheit zu gestehen erlaubt ist.
Jugendlich sproßte der Bart, und schimmerte golden, und golden
Wallete nieder das Haar bis mitten zum Bug von den Schultern,
Reizende Kraft im Gesicht; der Hals und die Schulter, die Händ' auch,
Sind, wie die Brust, der Künstler gelobtesten Bildungen ähnlich,
So weit reichet der Mann: auch dem Roßleib drunten ist fehllos,
Und unbeschämt vom Manne der Wuchs. Gib Nacken und Haupt ihm;
Kastors wert ist das Roß! So bläht sich der Rücken, so ragt ihm
Prall vom Fleische die Brust. Ganz dunkelt ihn Schwärze des Peches;
Weiß nur schimmert der Schweif, auch hell ist den Beinen die Farbe.

Viele Zentaurinnen zwar liebkoseten jenen; doch einzig
Rührte sein Herz die schöne Hylonome, welche mit Anmut
Weit der bewaldeten Höh'n Roßmänninnen alle besiegte.
Sie, die Schmeichlerin, hielt durch Lieb' und der Liebe Geständnis
Einzig den Cyllarus fest. Soweit ihr Bau es verstattet,
Hat sie den Schmuck auch erhöht: daß glatt vom Kamme das Haar ist;
Daß sie mit Rosmarin, mit Viol' und Rose das Haar sich
Oft durchflicht, und zuweilen in schimmernden Lilien pranget;
Daß sie des Tags zweimal in des pagasäischen Waldbergs
Sprudel das Antlitz sich wäscht, und zweimal in den Fluten sich badet;
Daß sie nur, was geziemt, von des auserlesenen Wildes
Zottigem Vlies um die Schulter, und links um die Seite sich hüllet.
Gleich beseelt sie die Liebe; vereint durchirren sie Berghöh'n,
Gehn dann gesellt in die Kluft. Auch nun ins lapithische Obdach
Trat miteinander das Paar, und focht miteinander den Blutkampf

Nicht ist der Täter bekannt: ein linksher fliegender Wurfspieß
Kam, und tiefer hinab, als die Brust dem Halse sich anschließt,
Cyllarus, heftet' er dich; und das Herz, von der Wunde gestreifet,
Welkt', und gänzlich der Leib, nach entzogenem Eisen erkältend.
Aber Hylonome faßt des Lieblings sterbende Glieder,
Drückt die pflegende Hand auf die Wund', und Lippen an Lippen
Fest ihm geschmiegt, versucht sie die fliehende Seele zu hemmen.
Als sie erloschen ihn sah, da sagte sie, was das Getöse
Nicht zu den Ohren mir ließ, und ergreifend die Wehr, die in jenem
Haftete, sank sie darauf, und umschlang noch sterbend den Gatten.

Hell auch steht der Zentaur Phäokemes mir vor den Augen,
Der sechs mächtiger Löwen zusammengeknotete Felle
Wohl sich gefügt, um den Menschen zugleich und das Roß zu umhüllen.
Dieser, den Block absendend, den kaum zwei Joche beweget,
Traf des Phonolenos Sohn, und zerschmetterte oben den Scheitel,
Weit war der Wirbel des Haupts umher geborsten; und plötzlich,
Mund und Ohren hindurch, aus Nas' und Augen, entfloß ihm
Weiches Gehirn: so wie fließt aus der Form des eichenen Reisigs
Käsende Milch; wie der Most, im gröberen Siebe gepresset,
Rinnt, und verdickt aus der Seig' einengenden Öffnungen abläuft.

Doch da den Liegenden jener der Rüstungen strebt zu entblößen,
Jetzt (dein Vater bezeugt's) in des Raubenden Weiche hinunter
Senk' ich das Schwert. Auch Chthonios nun und Teleboas stürzen
Unserer Kling': es trug die gedoppelte Gaffel des Astes
Chthonios, dieser den Spieß; mit dem Wurfspieß schlug er mir Wunden
Schaue das Mal; hier zeiget sich noch die verwachsene Narbe!
Damals sollte man mich zur Eroberung Ilions senden!
Damals hatt' ich die Macht, wo nicht zu besiegen, zu hemmen
Hektors gewaltige Macht. Doch in jenen Tagen war Hektor
Gar nicht, oder ein Kind; nun läßt mein Alter mich hilflos.

Preis' ich den Periphas dir, der die Zwittergestalt des Pyretus
Mordete? preis' ich den Ampyx, wie dort dem Traber Oïklus
Grad ins Gesicht er gebohret die ungestählte Kornelle?
Dumpf mit dem Hebel durchstieß, Pelethronier, dir, Erigdupos,
Makareus mitten die Brust. Noch seh' ich den fliegenden Jagdspieß,
Der, von Nessus geschnellt, in dem Schoße sich barg dem Cymelus.
Auch vermeine du nicht, nur Künftiges habe geweissagt
Mopsus, Ampykos' Sohn. Durch Mopsus' stürmenden Wurfspieß
Sank der Zentaur Odites, umsonst zu reden versuchend,
Weil an das Kinn ihm die Zung', und das Kinn an die Kehle gebohrt war.
Cäneus, Weib von Geburt, die schönste thessalische Jungfrau,
Jetzt durch Huld des Neptunus ein Mann, unverwundbaren Leibes
Cäneus mordete fünf, den Antimachus nieder, und Bromus,
Stiphelus, Helimos auch, und der Streitaxt Schwinger Pyrakmon:
Nicht mehr denk' ich der Wunden; die Zahl und die Namen bemerkt' ich.

Vorwärts fliegt in der Wehr des Emathiers, jenes Halesus,
Den er dem Tode gestreckt, der großgegliederte Halbmensch
Latreus. Zwischen dem Greis und dem Jünglinge schwebt' ihm das Alter;
Jugendlich blühte die Kraft, es sprenkelte Silber die Schläfen.
Dieser mit Schild, und mit Helm, und makedonischer Pike
Anschaunswert, das Gesicht zu beiderlei Heeren gewendet,
Schüttelte Kriegsgerät, und trabt' in gemessenem Umlauf,
Dann ergoß er die Worte des Übermuts in die Lüfte:
Dir auch, Cänis, begegn' ich im Kampf! denn immer ein Weib mir
Bleibst du, und Cänis, wie sonst! Macht nicht die erste Geburt dir
Mürbe den Sinn? Denkt nimmer dein Herz, welch Tun dir Belohnung,
Welches Verdienst des Mannes geheuchelten Schein dir erworben?
Schau, was geboren du wardst, was du duldetest! Wocken und Spindel
Nimm mit dem Körbchen zur Hand, und drehe Gespinst mit dem Daumen!
Kämpfe gebühren dem Mann! – Dem Prahlenden sendete Cäneus
Wühlenden Stahl in die Seite, die lang im Laufe gedehnt war,
Grade wo Roß und Mann sich gesellt. Wild tobt er vor Schmerzen:
Und in das offene Gesicht dem Thessalier stößt er die Pike.
Doch sie prallte zurück, wie vom Dach abprallender Hagel,
Und wie ein winziger Stein von gespanneter Trommel emporhüpft.
Nahe beginnt er den Kampf, und ringt der gehärteten Seite
Einzudrängen das Schwert; nicht bahnt dem Schwerte sich Durchgang.
Nie doch sollst du entfliehn; mit der Schneid' entgurgelt das Schwert dich,
Sei auch die Spitze gestümpft! so rufet er; und in die Quere
Dreht er das Schwert, und umschlingt ihm mit langer Rechte die Weichen.
Hell klirrt's unter dem Streich, wie Geklirr des gehauenen Marmors;
Und es zerknackt anschlagend die Kling' an dem Halse gesplittert.
Als er genug dem Erstaunten gereicht unverletzbare Glieder:
Nun, sprach Cäneus, wohlan! dein Leib sei von unserem Eisen
Wieder versucht! und er senkte zum Hefte hinab in den Bug ihm
Sein todbringendes Schwert, und blind in dem Inneren regt' er's
Mit umwendender Hand, und bohrete Wund' in die Wunde.

Siehe, mit grassem Geschrei stürzt rasend der Schwarm der Zentauren,
Alle zugleich auf den Einen Geschoss' absendend und tragend.
Rückwärts prallt und fällt das Geschoß; und stets undurchbohret
Bleibt er, und stets unblutig, der Elateïer Cäneus.
Tief erstaunt ob dem Wunder die Meng': Ha, Schand' und Beschimpfung!
Ruft jetzt Monychos aus: uns Schwarm soll besiegen der Eine?
Kaum er ein Mann? Ja wahrlich ein Mann! Wir zaudernden Träumer
Sind, was er war! Was frommen die unermeßlichen Glieder?
Was die gedoppelte Kraft? und daß zwiefache Natur uns
Stärkt, aus dem tapfersten Wuchs lebendiger Wesen gepaaret?
Nicht hat uns Ixion, und nicht mit der göttlichen Mutter,
Acht' ich, gezeugt! der so groß sich erhub, daß der Königin Juno
Gunst er gehofft! Uns wird ja ein Halbmann Sieger im Kampfe!
Felsen und Blöck' auf den Leib, und ganze Gebirg' ihm gewälzet!
Zäh, wie das Leben ihm ist, aus knirscht's mit gesendeten Wäldern!
Waldung zerdrücke die Kehl'; und statt der Wunde sei Last ihm!

Sprach's und ergriff ein langes, mit Macht vom rasenden Auster
Niedergeschlagnes Gebälk, und warfs dem gewaltigen Feind hin.
Beispiel war er dem Schwarm; und in weniger Frist war der Othrys
Weit von Bäumen entblößt, und der Pelion leer der Beschattung.
Dicht umdrängt von des Walds Aufhügelung, schmachtete Cäneus
Unter der wipflichten Last, und trug auf gehärteten Schultern
Hochgestapeltes Holz. Nachdem nun über sein Antlitz
Wuchs das Gewicht, und nirgend ein Weg zum Atmen ihm nachbleibt,
Lieget er bald ohnmächtig, und bald zu den Lüften vergebens
Ringt er empor sich zu richten, und abzuwälzen die Forste;
Oft auch regt er sie auf: wie jener da, welchen wir schauen,
Wenn er von Erderschütterung bebt, der erhabene Ida.

Zweifel umhüllt den Erfolg. Es behaupteten andre, der Leib sei
Durch den belastenden Wald in des Tartarus Öde gedränget.
Nein, sagt Ampykos' Sohn; denn hervor aus dem Schutte, mit gelben
Fittichen sah er den Vogel zur Heitere schweben des Äthers,
Welcher zuerst damals, und zuletzt damals mir erschienen.
Als ihn, der um das Lager der Seinigen sanft sich umherschwang,
Und mit gewaltigem Klang' in dem Umschwung tönete, Mopsus
Angeschaut, und mit Augen zugleich und Geiste gefolgt war:
Heil dir! rief er empor, o du Ruhm des lapithischen Volkes,
Größester Mann vormals, nur einziger Vogel, o Cäneus!
Glauben schuf der Verkünder dem Wort. Schmerz mehrte den Zorn uns,
Und es verdroß, daß einer von soviel Feinden erdrückt ward.
Auch nicht ruhten wir eher, mit Stahl zu wühlen im Blute,
Ehe zum Teil sie gestürzt, teils Flucht sie gerettet und Dunkel.


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