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An
Theodor Döring,
Königlichen Hofschauspieler in Berlin.

 

Sie haben mich oft ermuntert, werther Freund für die Bühne zu schreiben, und Ihnen eine Rolle »anzudichten« wie Sie's nannten. So lohnend nun die Aufgabe grade Ihnen gegenüber wäre, dessen schöpferische Kraft sich an jedem Ihnen anvertrauten Werke meisterhaft bewährt, so dürften doch noch viele Wassertropfen in das Meer fließen, ehe ich Ihrem Verlangen Genüge zu leisten wagte.

Nehmen Sie also einstweilen statt der gewünschten Rolle hier mein neues Buch. Eine seiner Figuren wird Ihnen, wie ich Sie kenne, wieder Lust machen, Ihre Kunst daran zu versuchen, und ich selber möchte wohl die Freude genießen, den Samuel von Ihnen dargestellt zu sehen.

Im Uebrigen schildert die Dichtung Ihnen Verhältnisse, wie sie mir oft entgegentraten, Irrthümer, denen abzuhelfen ich gelegentlich die Hand bot; und es leben hie und da wohl Frauen, welche bei dieser Erzählung an mich und an meine Unterredungen mit ihnen freundlich und vielleicht auch dankbar denken werden.

Ihnen aber sei das kleine Buch eine angenehme Unterhaltung nach der Arbeit, und ein Zeichen freundschaftlicher Anerkennung, wie ein Künstler sie dem Andern bieten mag.

Berlin, den 5. December 1854.

Fanny Lewald


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