Adolf Glaßbrenner
Komischer Volkskalender für 1849
Adolf Glaßbrenner

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Ich weeß nich, mir kommt es immer vor, als ob die Freiheit bei uns blos eine Jastrolle jejeben un sehr unjlücklich gespielt, bebütirt hat, nennt man des. Sie trat als »Weib aus dem Volke« auf, aber des Bürjerwehr-Commando hat se jleich austrommeln lassen.

 

Die Gefahr.

            Nächtens um die zwölfte Stunde,
Liegt Berlin in tiefer Ruh;
Plötzlich wirbelt's in der Runde,
Hörner schmettern wild dazu!

Furchtbar dröhnt es durch die Straßen,
Allen Schläfern rinnt das Blut, –
Immer stärker, ohne Maaßen,
Selbst den Weibern wächst der Muth!

Und sie fahren aus den Betten:
Bürger, Bürger, zum Gewehr!
Auf! das Vaterland zu retten,
Ist kein Opfer uns zu schwer!

Und in Kurzem stehn gerüstet
Gegen zwanzigtausend Mann:
Ha! wenn's nun dem Feind gelüstet:
Wir sind da! Er rücke an!

Und der Feldherr, todesmuthig,
Ruft: Kam'raden, folget mir!
Sei der Kampf auch heiß und blutig:
Siegen oder fallen wir!

Und die Linden kühn erringend,
Sieht man auch den Feind schon fliehn:
Vier Besoffne, wie sie singend
Nach der Wilhelmsstraße zieh'n.

 

Die neuen Staatsbürger.

        Es saßen zum Frühstück vereinigt,
Der würdigen Männer wohl Vier;
Sie schimpfeten sehr auf die Freiheit
Und tranken mitsammen viel Bier.

Am Abend, da waren sie wieder
Beisammen, die würdigen Vier,
Da lobeten sie ihren Fürsten
Und tranken auch wieder viel Bier.

Der Kriegesrath und der Hofrath,
Ein Schneider und ein Barbier,
Das sind vier würdige Männer:
Sie trinken zusammen viel Bier.

 

Für die Hinterbliebenen vom 19ten März sind große Summen gesammelt. Wenn man aber alle die höhern Beamten betrachtet, die zum ancien régime gehörten und noch immer nicht abgesetzt sind, so glaube ich doch nicht, daß die großen Summen für die – Hinterbliebenen vom 19ten März – ausreichen werden.


 

Alle Redner reden von Constitution, obschon in dem Bauch dieser Constitution bei Diesen der Absolutismus, bei Jenen die Republik liegt. Die Constitution ist das politische Mädchen für Alles.

 

Die Theater stehen jetzt janz leer. Warum? Die Leute sagen, sie hätten kein Geld dafür. Mit Permission, des is 'ne Lüje! Ich jlobe, wir haben noch niemals so viel Jeld davor ausjejeben, uns Komödien vorspielen zu lassen. Allerdings hatten die Acteure den Vorhang nich ufjezogen, aber wer durch des feine Jewebe un Jespinnste nich durchkucken kann, der muß nich bloß een Brett, sondern alle die Bretter vor'n Kopp haben, uf die unsre politischen Komödianten ihre Rollen abpathossen, die ihnen vom Souffleurkasten, der mit Purpur überzogen is, einjeblasen werden. »Ich sehe keine Reaction!« des is des dritte Wort aller – Reactionäre. Ne, des is doch wirklich um die Crepangse zu kriegen! Keine Reaction! Mit Hühneroogen kann man sie sehen!


 

Neulich machte mein Sohn Willem einen Spazierjang mit unjefähr fünfzig von seine Kameraden, eine Ercursion nennt man des. Wie er wieder zu Hause kam, fragte ich ihn, als Vater, wie es gewesen wäre? Darauf antwortete er: »ick habe mir königlich amiesirt.« Darauf sagte ich ihm, weil er natürlich noch keinen Bejriff von die jetzigen Zustände haben kann, sehr strenge: »Königlich amiesirt, so heeßt es nich mehr! Es heißt jetzt: ich habe mir reichsverwesersch amiesirt! Wie heeßt es?« Darauf fing der dumme Junge jleich an zu heulen und sagte unter Schluchsen: ich habe mir reichsverwesersch amiesirt! –

 

Jleich nach die schöne Wiener Revolution empfahl ein Weinhändler: »Frisch abgezogenen Johannisberger.«


 

Der constitutionelle Bürger Isaac Moses Hersch schrieb an's Ministerium Camphausen: »Wie ich habe gesehen Ihren Entwurf von die Verfassung, hab' ich bekummen ein Schreck in meine Glieder, wie wenn ich hätt gesehen spuken das Jespenst von's Minesterium Eichhorn! Gott soll mer lassen leben mit meine Frau und Kinder, es hat nicht viel gefehlt, hätt mir der Schlag gerührt auf die Stelle. Haste gesehen a Entwurf! Hohes Ministerium Camphausen! Was soll ich Ihnen sagen? Mir hat mein Verstand stille gestanden, wie ich habe gelesen Ihren Entwurf; wie muß er erst Ihnen haben stille gestanden, wie sie ihn haben geschrieben!«

 

Dr. Ernst Heiter schreibt: »Gestern traf ich den früher viel genannten, jetzt aber antiquirten X. Es giebt nichts Unbequemeres, als einen todten Menschen zu begegnen, der noch lebt.«

 

Ick habe immer in de Staatszeitungen gelesen, deß der Adel verliehen wurde. Nanu fordern wir ihn zurück, so beschädigt, verbraucht un besuddelt er ooch is. Dahin, wo wir ihn jetzt hinlegen wollen, paßt er noch immer.

 

Busike. »Herrjees, wat hast Du politischer Hungerfritze denn gegen de Voßsche anzuwenden? Se hat ja drei Beilagen!«

Schnebbe. »Det is richtig, aber det Fleesch is faul, un bei de Beilagen sind immer so viel dumme un blaffende Hunde, det keen anständijer Mensch anbeißt.«

 

Also in de Paulskirche sitzen unsre deutschen Vertreter! Na wenn die unsre Freiheit zu Weje bringen, det wäre des erste Jute, was aus de Kirche hervorjejangen is.

 

Ick weeß nich, warum uns die Zarucker des Wort un die Sache Revolution nehmen wollen, un dafür Ereigniß, Bejebenheit, Zusammenstoß un dergleichen nämliches Zeug sagen! Ne, ne, wir bleiben bei de Revolution un wollen se nich aus de Ogen verliren bis unsre Freiheit gesichert is. Wir haben, wie der berühmte Minister Habicht von Dessau sagt: in jede Westentasche 'ne Barrikade, wenn se uns Eener angreifen will. Der König selbst un der Minister v. Schwerin haben sie »Tage des Ruhms« jenannt. Bejebenheit! Theeekessels! Eine Bejebenheit mit 187 Todte im Friedrichshain! Seht Euch doch vor, Ihr Zarucker, Mucker, Opernkucker, Achselzucker, Zinsenschlucker, Haideschnucker, Ehrespucker, Polizeidrucker un Knieehucker, des es keene Bejebenheit war, denn eine Bejebenheit kann alle Dage wiederkommen! Außerdem is es noch billig un jerecht: deß wir uns de Revolution nich verdeutschen lassen – denn wir haben durch sie das Bürjerrecht erlangt, also kommt's ihr auch zu. –

 

Die Königin Victoria will jetzt blos inländische Stoffe tragen. Mich soll wundern, was der Prinz Albrecht dazu sagen wird.

 

Nanu? – Heute lese ick in de Zeitung, die Pässe sollen beibehalten werden! Ne, ne, det verbitten Wir uns! Orden, Pässe, Adel, alle Dummheiten müssen abgeschafft werden, oder wir illum'niren keen Fenster mehr, wenn ein Prinz oder eine Prinzessin jeboren wird! Det haste davon! Pässe, hat sich was zu pässen! Wir, von Jottes Jnaden Volk sind sehr unangenehm jeworden; wir wollen uns nicht mehr bescheinigen lassen, deß wir keene Spitzbuben sind. Des wissen wir alleene. Wir erinnern uns nich, Jottesrechte jestohlen un die Menschen um 33 Jahre bedrogen zu haben.

 

Wenn es man nich wahr wird, deß wir damals, als wir die Freiheitshelden nach den Friedrichshain trugen, ihnen die letzte Ehre erwiesen haben.

 

In Hamburg haben sie Privatstunde im Barrikadenbau gehabt. Bei dieser Schule wird es wohl nicht nöthig gewesen sein, die Trennung von der Kirche zu verlangen.

 

Jestern hausirte mir ein Bilderhändler mit lauter Portraits von alte Fürsten, Kurfürsten, Herzoge un Könije an. »Laaßen Sie mir zufrieden!« sagte ick verdrüßlich, »sonne Karrikaturen kooft jetzt keen Mensch mehr!«


 

Des jeht jetzt schon jut uf's Arretiren wegen politische Meinungen los. Wir haben von den Siren Jedankenfreiheit jekriegt, um nanu laßen se noch de Jedanken frei, aber die Personen sperren se ein.

 

Es giebt Millionen Menschen, die nur Wunderbares sehen, wenn sie Entrée bezahlt haben.

 

Die halben Zaruckerchens sagen immer von de Volks-Parthei: »die Demokraten jehen zu weit.« Aber ick jloobe im Jegentheil, wenn die Demokraten nich noch weiter jehen, denn werden se bald alle in't Jefängniß sitzen.

 

Ne, mein Sohn Willem is doch wirklich der dummste Junge in janz Europa! Seit einiger Zeit halte ich nämlich Verstandes-Uebungen mit ihm, weil ich jloobte, deß ich blos Uebungen nothwendig hätte, und deß ich ihm vielleicht darin üben könnte, Verstand zu kriegen. Aber ne! So ne bornirte Antworten sind mir noch von keinen jungen Menschen vorjekommen, der mir nu schon jejen Sieben Jahr des schwere Schuljeld kost't un der jetzt, bei die neuen Einrichtungen, Institionen heeßt des, später mal Deputirter oder sogar, wenn die Umstände danach sind, Minister werden kann. Ich habe mir einije von die Antworten aufjeschrieben, weil se wirklich so bockdämlich un unbeholfen sind, deß es wie soll ich sagen, bei diese all- jemeinjebildete Zeiten un bei solchen Vater, kaum zu glauben is.


Ich fragte ihm:             Er antwortete:      
Was is ein Prediger? Der schwarze Mann mit eine Bibel.
Wozu is die Kirche? Damit man des Orjeln hört.
Was soll der Mensch in der Kirche? Einen Jroschen in'n Klingelbeutel schmeißen.
Was is eine jute Handlung? Eine Conditorei.
Wer hat die Welt jeschaffen? Moses.
Woraus hat Jott die Menschen geschaffen? Aus Klöße.
Weswegen feiern wir den Sonntag? Weil man sich ein reines Hemde anzieht.
Wodurch zeichnet sich der Mensch vor den Thieren aus? Durch Bleistift.
Was ist Freiheit? Wenn keene Schule is.
Was ist Liebe? Wenn man sich gern hat.
Wer hat das Pulver erfunden? Johann Guttenberg.
Warum nennt man den Löwen den König der Thiere? Weil er Allens uffrißt.
Wo liegt Polen? In Sibirien.
Wo liegt Frankreich? In Paris.
Wo liegt Deutschland? Rund um uns 'rum.
Was ist eine Actie? Wenn man ein Papier hat.
Woraus sind die Rothschild'schen Actien entstanden? Aus Lumpen.
Wodurch erreicht man die ewige Seligkeit? Durch's Sterben.
Wer is unser Aller Vater? Der Rentier Buffey.
Weshalb haben wir Preußen Krieg mit Dänemark geführt? Des weeß ich nich.
Was ist ein Edelmann? Von.
Wofür haben wir Deutschen einen Reichsverweser? Für Frankfurt.
Wo kommt der Champagner her? Aus'n Keller.
Was ist ein Kronprinz? Ein junger Mensch, der noch keene Krone hat.
Was ist eine Kammer? Wenn man schlafen will.
Was ist ein Orden? Bunt.

 

Jestern sprach ich mit einem solchen echten servilen, kriechenden Hofmann, der durchaus nich in Deutschland ufjehen wollte. Er wäre un bliebe Preuße, mit Leib un Seele, mit Jott für König un Vaterland. »Ach wat!« sagte ich, »Sie sind ja nich mal en Preuße! Sie sind en Lippe-Bückeburger

 

Ein Freund von mir, der sich sehr am politischen Leben betheiligt, hat eine allerliebste reizende Frau. Wie ich neulich da war, hing sie sich an ihn, sah ihn mit ihren schönen Augen an und fragte zärtlich: »Liebst Du mich denn noch?« – »Ach,« antwortete er seufzend, indem er seinen Hut aufsetzte, »Pauline, wenn dazu jetzt Zeit wäre!«

 

Der »beschränkte Unterthanenverstand« war ein janz richtiges Wort, denn erstens war unser Verstand durch die Fürsten wirklich beschränkt, un zweetens haben Völker überhaupt keenen Verstand, oder doch einen sehr beschränkten, so lange sie Unterthanen bleiben.

 

Die Abjeordneten un Predijer Sydow un Jonas wollte ich doch jehorsamst jebeten haben, in de Wochendage in de Kirchen zu stimmen un Sonndags in de Deputirtenkammer zu predijen.

 

Wie des Volk von Berlin so böse, entrüstet über die Eisenjitter in't Schloß war, die der König sich machen ließ, un ooch die janze Bürjerwehr Protest um de Jitter lejte, da habe ich Seine Majestät sehr vertheidigt, indem ich sagte: was nützt einen ein Schloß, wenn man's nich zuschließen kann?

 

Warum jehen denn die Reichen mit de Armen so brutal um? Weil sie keen Jeld haben! Na, denn müssen sie den lieben Jott ooch nich ehren, denn der hat jewiß ooch keen Jeld. – Un doch wird er die Stolzen und Hoffährtijen jehörig bezahlen.

 

Die Despoten sind jnädijer, als wir Alle, sie sind Allerjnädigst. Des is richtig, denn Alles, was sie erlassen, sind Strafen.

 

Die Publicisten sind doch noch immer Menschen, die mehr schreiben als denken, un dadurch schaden sie uns fürchterlich. So zum Exempel, was mir jrade einfällt, machen sie jar keenen Unterschied zwischen Polizeiminister un Minister der Polizei, un schreiben bald so, bald so. Un daher kommt es denn nu ooch, deß die meisten Minister der Polizei Polizeiminister werden.

 

Was is eine Revolution? Der Wille des Volkes. Wenn man also die Revolution anerkannt hat, und man will sich denn noch mit einen Andern vereinbaren, so is des ein rechter Unsinn! –

 

In mein Weinhaus, wo ich immer des Morjens von Elwe bis Ein Uhr sitze, trat gestern der fromme Baron v. X. rein. »Ach, Herr Jesus!« sagte der Wirth zu mir, »der Mucker läßt sich wieder eine Flasche Wein zu Schulden kommen.«

 

Die Berliner Frauen jehören zu den reizendsten von der Welt, aber von die lieben bürjerlichen Hausfrauen ärgert es mir immer, deß sie nich verstehen, einen orndt'lichen Kaffee zu kochen. Un doch is es so leicht. Wenn ich man irgend wüßte, wie ich's ihnen beibringen könnte. Vielleicht mach ich mal ein Einjesandt vor de Zeitung draus. Man nimmt nämlich zuerst Kaffeebohnen; des is aber jerade des, was die meisten Hausfrauen beim Kaffeekochen vernachlässigen.

 

Ein Deputirter hat die Gewohnheit, fast alle seine unnützen Redereien so anzufangen: »Ich bin persönlich für...« Einer von seinen Collegen sagte von ihm: »Dieses persönliche Fürwort ist außerdem ein sehr langweiliges Neben- und Umstandswort, aber niemals ein Hauptwort, noch weniger ein Zeitwort, kurz, für sein Vaterland Nichts weiter als ein Zahlwort.

 

Es jibt, wie ich aus de Zeitungen bemerke, immer noch Fürsten, die des Jagdrecht nich ufjeben wollen. Sie denken: jrade wenn des Volk wild wird, denn is Uns des Jagdrecht am liebsten. Wie is es'n aber, wenn sich des Volk des Jagdrecht selbst nimmt! Wird da nich manches Hochwild sehr Hase werden?

 

Neulich kam so'n ufjeblasener Adlijer bei einen Volkshaufen vorüber. »Nanu, Naturjeschichte!« rief Einer der Jesellen, »wat wird'n nanu? Der Mensch is ohnehin schon det vornehmste Jeschöpf, – nanu kommt Der noch!«

 

Lola Montez war die Eva, mit welcher Ludwig von Baiern im Paradiese lebte, aber ooch zujleich der Engel mit der Reitpeitsche, welche ihn daraus vertrieb. – Des is ein Jedanke von mir, den ich jestern Mittag beim Desehr hatte, als ich einen Borschdorfer aß.


 

Wenn das Ministerium in Hannover von seiner Höhe fällt, denn soll mir des nich wundem. Ich habe schon lange bemerkt, daß es am Schwindel leid't.

 

Des is 'ne komische Jeschichte! Die juten Teltower Könijs-Bauern schicken neulich eine Adresse an die Nationalversammlung, worin sie sich jejen die Aufhebung un Ausrottung des Adels aussprechen. Außerdem jaben sie dem Boten einen Sack Rüben mit, den er bei einen Käsekrämer in de F... Straße abjeben soll. Der Bote aber, der vielleicht nich aus Teltow jebürtig is, is etwas dumm, un verwechselt die Jejenstände, un so kommt die reactionäre Adresse zum Käsekrämer un der Sack mit Teltower Rüben an de Nationalversammlung.

 

Unser Armen-Unterstützungs-Haus sucht eine liberale Inschrift. Ich weiß eine sehr passende:

»Mir Nichts, Dir Nichts!«

 

Ne, aber wie weit die Unbildung noch bei vielen Menschen jeht, des heißt, die Unkenntniß von Fremdwörtern, nennt man des! des jeht in's Weite. Neulich war ich in's Ausland jejangen, des heeßt immer noch in Deutschland, da jing ich in einen patriotischen Verein, nämlich ohne zu fragen, als deutscher Staatsbürger. Da handelte es sich darum, ob wejen eine verwickelte Jeldjeschichte, die mir nich recht klar jeworden is, un von die ich blos merkte, daß der Fürst von des Land nich zu kurz dabei gekommen war: ob diesen Fürsten eine Petition eingereicht werden sollte. Un – wenn ich es nich selbst jehört hätte, denn würde ich es nich jlauben! – da sagte Einer von die Staatsbürjer, der einen sehr langen, blauen Ueberrock anhatte: »Ick bin sehr davor, daß wir bei unserm Fürschten so'n Dings, so 'ne Spedition vornehmen.«

 

Heute Mittag jeh' ich unter'n Linden, so seh ich und mein Freund Frischer, mit den ich mir unterjearmt hatte, eine von unsre Deputirten aus Jerold'ten rauskommen, der sich wahrscheinlich über einen merkantilischen Jejenstand sehr erhitzt hatte, und dessen Nase offenbar zur rothen Republik jehörte, während er keineswejes jerade auf sein Ziel losjing, sondern in seinen Bewejungen sehr schwankend war. »Is des nich Einer von die Männer,« fragte ich Frischer'n, »die uns vertreten sollen?« – »Ja wohl!« antwortete mein Freund, »er is eben im Tritt.«


 

Die Süd-Deutschen wollen einen hohen Schutzzoll für Deutschland, die Nord-Deutschen sind größtentheils für den Freihandel. Die jüngste politische Annäherung der Süd-Deutschen an das ihnen sonst so verhaßte Preußen rührt wahrscheinlich daher, weil der König von Preußen ein Hohenzoller ist.

 

Darüber sind wir Deutsche Alle einig, daß wir gegenwärtig noch uneinig sind. Das neue Deutschland wird wahrscheinlich erst im Frühling aufblühen, denn das alte ist so eben erst in Verwesung übergegangen.

 

Die Caution für Zeitungen ist die Censur der Capitalisten.

 

Von Dr. Ernst Heiter. Ueber Das, was man nicht versteht, wird immer am meisten und am gelehrtesten geschrieben. Was man wirklich weiß, weiß man auch Andern in wenigen und einfachen Worten zu sagen.

Cavaignac will kein Napoleon werden. Er hat Recht: um ein Napoleon zu werden, muß man ein Napoleon sein. Aber Der ist der Größte, der ein Napoleon ist und – keiner werden will.

Manchen Frauen ist nicht wohl, wenn sie nicht krank sind. So fühlen sich manche Bürger nicht frei, wenn sie nicht unter Controlle der Polizei stehen.

Ludwig Börne sagt: Die ersten Verbrechen der Freiheit waren überall die letzten der Tyrannei. Aber ich gehe weiter und sage: die fernern Verbrechen der Freiheit sind die Verbrechen der Reaction. Das einzige Verbrechen der Freiheit ist – ihr Tod.

Die Bibel ist nicht Gottes Wort. Wenn sie Gottes Wort wäre, brauchte sie nicht in die verschiedenen Sprachen übersetzt zu werden, – Die Bibel ist das Buch der Könige und ihr letzter Abschnitt die Offenbarung Johannis. –

Als der Staat zur politischen und socialen Maschine wurde, preßte er sein Herz, die Arbeit, und erniedrigte ihre Achtung und ihren Werth. Durch das Aufathmen eines freien Völkerlebens hören wir nun wieder das Herz pochen und seine Rechte fordern. Aber die Arbeit hat keine Grenzen, ihre Adern fließen durch die Welt und ergießen sich in das Meer, in welchem die Welt schwimmt. Nicht der einzelne Staat also kann der Arbeit helfen, sondern die Staaten. Die Despotien haben sich und konnten sich nicht anders verbinden als zum Despotismus, wie sich freie Staaten nur zur Freiheit verbinden können. Reicht sich jetzt das Gewerbe brüderlich seine Millionen Hände, kürzt die Stunden seines heiligen Schweißes so weit ab, daß ihm Muße zur Bildung bleibt, durch welche sie die geistige Versöhnung und Gleichheit mit den andern Staatskräften erreicht, und fallen die Schranken des Handels, so wird ihm und mit ihm uns Allen geholfen – eher nicht. Ihr Staaten: schon steht das bleiche, halb wahnsinnige Elend drohend hinter euch. Nehmt der Arbeit die Schnürbrust ab und kredenzt ihr den vollen Becher eurer Liebe, bevor es zu spät wird!

 

Neulich war ich in eine Jesellschaft – Thee danzzank – mit einen Capitalisten, einen solchen Jeldmenschen zusammen, der sich unter de Sonne blos einen silbernen Champagner-Dhaler, un unter'n Mond einen Doppel-Louisd'or denkt. Es wurde über Unsterblichkeit jestritten un der Jeldmensch war für de Unsterblichkeit. Plötzlich, wie Einer ihm eben eine Menge Jejenjründe ufjestellt hatte, rief der Capitalist: »Ich wette 10 Louisd'or, deß wir unsterblich sind!«

 

Von de Letten – ich weeß zwar nich, welche Völker man so nennt – habe ich heute ein Sprichwort gelesen, von des mir scheint, daß es manchem von unsre jetzigen politischen Philister uf de Stirne jeschrieben steht. Nämlich:

Es ist der arme Teufel
Erzogen in einer Tonne,
Durch's Spundloch aufgefüttert –
Wie paßt er an die Sonne?

 

Was die Trinker manchmal für putzige Ausdrücke haben! Jestern läßt sich Einer in mein Weinhaus eine Flasche Rothwein vor anderthalb Dhaler jeben, schenkt sich ein, kost't ihn mit einen lauten Schlürf, macht eine zufriedene Miene un äußert janz ernst zu seinen Nebenmanne: »Ein sehr brauchbarer Rothwein.«

 

Ne, so was von Frühwohlität is mir noch nich vorgekommen. Wie mein Schwiegersohn, Dr. Ernst Heiter, hier in Berlin war, waren mehre von seine gelehrten Freunde bei mir – ich jab eine Bowle – un da sagte ein junger geistreicher Mann: »Jedes schöne Mädchen, das sich verheirathet, ist mir untreu geworden. Aber ich habe noch Hoffnung, daß sie ihren Fehler bereut.« – Mein Schwiegersohn nannte das: objective Weltanschauung.

 

Im März hatten wir unsre Revolution. Des war der letzte Monat, wo ein R. drinn is. In den Monaten ohne R. sind bekanntlich die Krebse am besten. Des hat sich wieder bis zum September jlänzend bewährt. –

 

Meine süße Tochter Hulda, Frau Dr. Heiter, schreibt:

»Nieder mit den Orden!

Nieder mit jenen großen Sternen, welche man in den Windeln der Geburt fand! Nieder mit jenen kleinen Sternen, welche Deutschlands Nacht bedeuten! Nieder mit jenen goldenen und silbernen Raubthieren, welche unser Gold und Silber stahlen! Nieder mit jenen Bändern und Schleifen, in denen die Wahrheit erstickt wurde! Nieder mit jenen Kreuzen, welche man solchen Leuten anheftete, die das Kreuz des Volkes waren! Nieder mit jenen Schnallen, mit denen man die Lippen der ungerecht Verurtheilten schloß! Nieder mit jenen Brillanten, welche die verkohlten Thränen der Armuth waren! Nieder mit der ganzen bunten Lappen-Livrée, durch welche die Despotie ihre getreusten Knechte und Knechter bezeichnete! Nieder mit den Orden!«


 

Unsere Minister, die wir jetzt hatten, haben uns den Champagnerwein der Freiheit präsentirt, aber sie haben das Jlas unterwegs umjedreht.

 

Man wunderte sich, deß ein absoluter König früher viel mehr und viel längere Reden als nach der Revolution hielt. Ich finde des sehr natürlich: er hat uns jetzt nich mehr so viel zu sagen.


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