Adolf Glaßbrenner
Komischer Volkskalender für 1849
Adolf Glaßbrenner

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September

Die Sonne geht um 5 blutroth auf und um 7 blutroth unter, im Uebrigen ihren bekannten vorgeschriebenen Weg. Der Minister der Nacht, Excellenz Mond, hat am 2. alle Hände voll zu thun und schneidet ein finstres Gesicht, spionirt am 9. so , am 24. so und wird uns am 16. etwas ganz Neues mittheilen. Vom Wetter wird man sich in diesem Monate sehr wenig unterhalten, da es ganz andre Dinge als Wassertropfen und Eiskörner regnen und hageln wird. Auch wird Allen selbst im Schatten heiß werden und es wird stürmisch ohne Luftzug hergehen. In den letzten Tagen schön und warm.

S 1. An diesem Tage würde Polen aufstehen, wenn's der Prophet nicht verrathen hätte.
36. Woche.       HÖR' UNS, ALLMÄCHTIGER, HÖR' UNS, ALLGÜTIGER!
S 2. An mehreren Orten wird »das Fest der Handwerker« in ganz neuer Bearbeitung aufgeführt. Um 7 Uhr eine sichtbare Mondfinsterniß.
M 3. Der »deutsche Polizeitag« erläßt eine neue Gemeindeordnung. Je 1000 Pöbelseelen kommen unter einen Adligen, einen Pfaffen und einen Polizeidirector.
D 4. Die deutschen Frauen lassen sich von ihren Männern scheiden.
M 5. Karl Müchler, der Verfasser von »Heil Dir im Siegerkranz« und mehrerer andrer Polterabendscherze, wird zum Historiographen ernannt.
D 6. Süddeutsche Frauen-Revolution. Die feindlichen Soldaten sind artig und nehmen die Zündhütchen ab. Allgemeiner Schrecken.
F 7. Der Kaiser Rothschild I. führt den Orden der Coupons vierter Klasse ein.
S 8. Der Rabbiner, Dr. X., geht zum preußischen Glauben über.
37. Woche.       SOHN, DA HAST DU MEINEN SPEER.
S 9. Predigt in der Frankfurter Paulskirche: »Von den zehn Aussätzigen.« Luc. 17. Ep. Gal. 5.
M 10. Aufhebung sämmtlicher deutschen Spielhöllen mit Ausnahme Frankfurts.
D 11. An diesem Tage wird man, bei günstiger Witterung, einen Weinreisenden bemerken.
M 12. Die Adligen, Pfaffen und Bezirksdirectoren zeigen dem »deutschen Polizeitag« an, daß die Kanaille noch immer Souverainetäts-Mucken hätte.
D 13. H. e. F.
F 14. Abfall der Hamburger Börse von Deutschland.
S 15. Die Heere der süddeutschen und norddeutschen Emancipatientinnen vereinigen sich bei Weinsberg. Der Generalfeldmarschall heißt Friederike.
38. Woche.       WAS IST DES DEUTSCHEN VATERLAND?
S 16. Der Straßburger Münster stattet Notre Dame in Paris einen Besuch ab. Preußen wünscht das etwaige Resultat zu sich zu nehmen.
M 17. Die Juden werden an ihrem Neujahrsfeste mit der frühern Schutzverwandtschaft beschenkt. »In Erwägung, daß die Regierungen Deutschlands christliche sind.«
D 18. Sieg der Frauen über die süddeutschen Truppen bei Schwetzingen. Auf dem Schlachtfelde großer Kaffee. Spuk in Frankfurt.
M 19. In Berlin platzt eine Schachtel mit Cadetten; 72 fallen auf die Straße und werden beschädigt.
D 20. Hr. v. Raumer giebt »Thaten« heraus, die in der Paulskirche hätten gethan werden können.
F 21. Die deutschen Regierungen widerrufen das durch englische Zeitungen verbreitete Gerücht, als solle dem deutschen Volke Nichts von den Errungenschaften der Februar-März-Revolution bleiben. Die Salzsteuer sei ermäßigt.
S 22. Ein speculativer Urwähler wird wegen einer Zwangs-Anleihe im Thüringer Walde zum Zuchthaus verurtheilt.
39.Woche.       MIT DEM PFEIL, DEM BOGEN, DURCH GEBIRG UND THAL ETC.
S 23. Ein Prediger wird in der Kirche wegen des Ausdrucks »fromme Schafe« interpellirt.
M 24. Untergang des Reuß-Lobenstein-Eberswalde'schen Reiches.
D 25. Gefangennehmung des Generals Ottensoser bei Wallmüller.
M 26. Ein Gedicht »Neuer Reinecke Fuchs von Radowitz« macht viel Aufsehen.
D 27. Louis Napoleon geht über die Alpen.
F 28. Der Präsident der italienischen Republik, Josef Mazzini, geht zum Deutsch-Katholicismus über.
S 29. Großes adliges Princip-Wettrennen auf den Fluren bei Tempelhof. Der »Kladderadatsch« schlägt den »Lamartine« um eine halbe Pferdelänge
40. Woche.  FRISCH AUF, FRISCH AUF MIT SANG UND KLANG!
S 30. Politische Gewitterschwüle. Man hört in der Ferne das Geräusch einer Barrikade.

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