Adolf Glaßbrenner
Komischer Volkskalender für 1849
Adolf Glaßbrenner

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Januar

Die Sonne, von der im verg. Jahre zu viel Licht verlangt wurde, steht erst nach 8 Uhr auf, und scheint über Könige und Gerechte. Der Mond, unser Reichs-Nachtwächter, stößt am 2. und 31. in sein erstes Horn und trinkt am 16. das letzte Viertel, obschon er bereits am 8. voll ist. Am 24. kommt ein neuer. Die Witterung wird so beschaffen sein, daß keine Volksversammlungen stattfinden und die Reaction Oberwasser kriegt. Bis gegen den 20. eiskalt: draußen und in den Herzen der Reichen und Hohen. Bis den 27. milder mit weißem Schnee, der sich später, mit Regen vereinbart.

1. Woche.       WO MAN SINGET, LASS DICH RUHIG NIEDER.
M 1. An diesem merkwürdigen Tage werden sich viele Menschen gratuliren, welche sich condoliren möchten.
D 2. Trotzdem die Paulskirche nicht geheizt ist, friert Keinen darin.
M 3. Congreß in Karlsbad wegen weiterer Beschränkung der Presse und des Versammlungsrechtes.
D 4. Der Kaiser von Oestreich dankt ab. Es fließt eine Thräne.
F 5. Erzherzog Johann, pensionirter Reichsverweser, wird zum Kaiser von Oestreich ausgerufen. Seine Frau nimmt die Wahl an.
S 6. Die Kaiserin von Oestreich läßt scheuern.
2. Woche.       WIR HATTEN GEBAUET EIN STATTLICHES HAUS.
S 7. Hochzeit Pius' IX. mit der Gräfin von Landsfeldt.
M 8. Ein Exkönig thut Etwas, was er als König nie gethan hat: er segnet das Zeitliche.
D 9. Die Geheimeräthe Held, Eichler, Korn, Löwinson und Karbe werden in den Adelstand erhoben.
M 10. Die Demagogen K. Mathy, Fr. Bassermann und Gervinus werden vorläufig zum Tode verurtheilt.
D 11. Erbsen, Sauerkohl und Pökelfleisch.
F 12. Große Illumination in beiden Sicilien zum allerhöchsten Geburtstage Sr. Maj. des Königs von Neapel.
S 13. Der frühere Censurpreis, 3 Groschen pro Bogen, wird auf 2 Groschen ermäßigt.
3. Woche.       GUTE NACHT! ALLEN MÜDEN SEI'S GEBRACHT.
S 14. Der Prediger Sydow predigt über den Text: »Eine jute jebratne Jans is eine jute Jabe Jottes,« und »vom verlornen Schaf.«
M 15. Der Kaiser von Rußland reitet in den Straßen Petersburgs umher und ruft: Hoch Freiheit und Einigkeit! Rußland geht fortan in Deutschland auf!
D 16. Die Königin Isabella von Spanien empfängt, und zwar den Gesandten von Hohenzollern-Sigmaringen.
M 17. Cottbus ist ruhig. – – – Prag †.
D 18. An diesem Tage wird General Wrangel in den Straßen Berlins kein Gras sehen.
F 19. Der hohe russische Adel bringt einigen Petersburger Demokraten eine Katzenmusik.
S 20. Der Sicherheitsausschuß von Berlin, die Schutzmannschaft, wird um 2000 Mann vermehrt.
4. Woche.       DAS GRAB IST TIEF UND STILLE.
S 21. Das neue deutsche Staatsprincip heißt: der gemäßigte Rückschritt.
M 22. Ernst August hebt, da sein Volk die Constitution für eine halbe Sache hält, dieselbe auf und wird wieder consequent.
D 23. Das Recht, Waffen zu tragen, bleibt den deutschen Soldaten.
M 24. Fr. Hecker in New-York läßt Deutschland grüßen.
D 25. Der Kölner Dom schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
F 26. An diesem Tage passirt ein glückliches Malheur in Würtemberg.
S 27. Der hohe Senat von Rußland setzt den Kaiser mit 1000 Rubeln Pension und freies Licht ab.
5. Woche.       HERZ, MEIN HERZ, WARUM SO TRAURIG?
S 28. Ihre Majestät die Königin Donna Maria da Gloria von Portugal werden nebst hohem Gemahl zum Lande hinausgejagt.
M 29. Hinrichtung von 733 Demokraten in Thüringen.
D 30. Große Revolution des türkischen Volkes. Abdul Medschid wird mit der ganzen Janitscharenmusik ermordet.
M 31. Eine Flasche Clicquot macht dumme Streiche. Erdbeben in Kroppstädt.

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