Adolf Glaßbrenner
Komischer Volkskalender für 1849
Adolf Glaßbrenner

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April

Die Sonne wird in diesem Monate des Nachts scheinen, der Mond bei Tage. Man kann ihnen diese Abwechselung nicht verdenken, da die ewige Dasselbigkeit sehr ermüdend ist. Die conservativen Astrologen, für deren Wahrheit ich mein Fürstenwort verpfände, sagen Aufg. 5½ bis 5. Mond am 7. voll, 15. 23. neu. 29. . Es kann mit Siegesgewißheit behauptet werden, daß in diesem Monat das schönste Aprilwetter stattfindet. Ueberall wird es knospen und grünen, selbst in den Herzen der Zarucker. Am 17. und 19. furchtbare Gewitter, die aber nur – (Censurstrich). –

14. Woche.       DIE SONN' ERWACHT IN IHRER PRACHT ETC.
S 1. Vor allen Thoren der deutschen Städte unbeschreiblicher Jubel. Bürger, Soldaten, Arbeiter, Hofräthe, Advokaten, Raschmacher, Gelehrte, Apotheker und Priester umarmen sich. Sämmtliche Männer küssen sämmtliche Frauen.
M 2. Die Schulen werden auf vier Wochen geschlossen. Die Knaben jauchzen in allen Straßen und spielen Monarchie.
D 3. Der Gläubiger der Beherrscher kriegt Prügel statt Zinsen. Allgemeine Freude.
M 4. Die reichen Bürger Deutschlands übersenden 500 Millionen Thaler an die provisorische Regierung, um diese Summe zum Besten des Vaterlandes zu verwenden.
D 5. Revolution in London. Aufhebung der englischen Aristokratie; Confiskation ihrer Güter. Jeder Lord fort.
F 6. A. d. T. w. i. D. d. G. e.
S 7. In der A. A. Zeitung werden »Völker gesucht, welche sich regieren und beglücken lassen wollen.« Unterzeichnet: »Mehrere Könige und Herzöge.«
15.Woche.       WENN'S IMMER, WENN'S IMMER, WENN'S IMMER SO WÄR!
S 8. Keine Kirche. Vor allen Thoren erhebende Freiheitsfeier mit Musik und Gesang. Gott blickt aus dem Himmel und ruft: »Das ist gescheidt!« Ostern.
M 9. Die Spitzbuben und Betrüger Deutschlands zeigen an, daß sie – nach der Abschaffung der Fürsten – ihr Geschäft aufgegeben haben. Jeder Bürger könnte nun auch die kleinen Schlösser abreißen.
D 10. Mieroslawsky wird zum Präsidenten der russisch-polnischen Republik ausgerufen.
M 11. Die Standsäule Hermanns des Cheruskers steht Kopf. Der Düsseldorfer Senf wird sehr stark.
D 12. Der hohe Adel Deutschlands wandert nach dem Cap der guten Hoffnung aus.
F 13. Der frühere Kurfürst von Hessen legt eine Bierbrauerei an.
S 14. Eröffnung des deutschen »Bruderhauses« in der Paulskirche.
16. Woche.       ES BLINKEN DREI FREUNDLICHE STERNE ETC.
S 15. Der Bürger Arnold Ruge wird französischer Gesandte; Robert Blum Director von Sachsen.
M 16. Sämmtliche Thronhimmel von Deutschland werden in der früheren Walhalla verpfändet. Für Mottenfraß wird nicht eingestanden.
D 17. Der Bürger Ernst August errichtet ein Theatergeschäftsbureau.
M 18. Der Bürgerin Hahn-Hahn wird bei ihrer Abreise nach dem Cap der guten Hoffnung ein demokratisches Gelächter gebracht.
D 19. Eine Druckerei zeigt an, daß noch mehrere junge Prinzen bei ihr Beschäftigung finden können.
F 20. Kossuth, der Präsident der Republik Ungarn, wird in Wien festlich empfangen. Salbung im Slavenreiche.
S 21. Wäsche, Scheuern, ehelicher Verdruß, etwas Revolution.
17. Woche       EIN FREIES LEBEN FÜHREN WIR.
S 22. Die Republik Amerika macht der deutschen ein Geschenk von 10 Kriegsschiffen.
M 23. Frauen-Unruhen in Süddeutschland; Geschrei: Hoch die politische Emancipation!
D 24. Lamartine von Frankreich schlägt einen Congreß sämmtlicher Präsidenten Europa's vor.
M 25. Furchtbares Erdbeben, wodurch Rußland an Schwarzburg-Rudolfstadt fällt.
D 26. D. Reichsminister des Innern, Dr. Habicht, verkündet d. Gesetz, nach welchem alle Doctor- und Professor-Titel aufhören.
F 27. Die Türken werden nach Asien verjagt und die Türkei unter dem Namen »Neu-Deutschland« unsern Armen zur Ansiedlung übergeben.
S 28. Das »Deutsche Bruderhaus« in Frankfurt erhält Nachrichten aus allen Städten, daß Handel und Gewerbe in höchster Blüthe stehen.
18. Woche.       FAHRET HIN, FAHRET HIN, GRILLEN GEHT MIR AUS DEM SINN!
S 29. Die Schleswig-Holsteiner lassen dem Könige von Dänemark eine »Gute Nacht« wünschen.
M 30. Allgemeine Deutsche Priester-Versammlung zu Worms. Rothaan und Hengstenberg leiten die Debatte.

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