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Epigrammatisches und Fabeln

 

Kuckuck

Wir Vögel singen nicht egal;
Der singet laut, der andre leise,
Kauz nicht wie ich, ich nicht wie Nachtigall,
Ein jeder hat so seine Weise.

 

Hier liegen Fußangeln

»Ich bin ein Barde.« Freund, sind deine Augen helle?
G'nügt dir die Eichel und die Quelle?

 

Hinz und Kunz

H. Was meinst du, Kunz, wie groß die Sonne sei?

K. Wie groß, Hinz? – als'n Straußenei.

H. Du weißt es schön, bei meiner Treu!
Die Sonne als'n Straußenei!

K. Was meinst denn du, wie groß sie sei?

H. So groß, hör' – als'n Fuder Heu.

K. Man dächt' kaum, daß es möglich sei;
Potz tausend, als'n Fuder Heu!

 

Hinz und Kunz

H. Was doch die Großen alles essen!
Gar Vogelnester; eins zehn Taler wert.

K. Was Nester! hab ich nicht gehört,
Daß manche Land und Leute fressen?

H. Kann sein! kann sein, Gevattersmann!
Bei Nestern fingen die denn an.

 

Kunz und Hinz

K. War David nicht ein weicher Mann?
Wie konnt' er Gott denn bitten,
Auf Menschen, die ihm nichts getan,
Den Zornkelch auszuschütten?

H. Kunz, laß Dir sagen, wie das war.
Zun Zeiten der Philister,
Da war ein König König zwar,
Doch war er auch ein Priester.

 

Hinz und Kunz

Kunz
Wie viel sind Ärzte in Paris?
Ich glaube, sind wohl hundert gar.

Hinz
Sind mehr noch, Nachbar ganz gewiß!
Denkt nur, die Totenliste von Paris
Ist zwanzigtausend alle Jahr.

 

Hinz und Kunz

H. Bist auch für die Philosophei?

K. Was ist sie denn? so sag's dabei.

H. Sie ist die Lehr', daß Hinz nicht Kunz,
und Kunz nicht Hinze sei.

K. Bin nicht für die Philosophei.

 

Hinz und Kunz

H. Mein Junge da, das ist ein Junge, der!
Kein Kuchen ist so rund wie er,
Und hat dir, hör, vor hunderttausend Knaben
Ganz sonderbare Gaben.
Was meinst du wohl, er buchstabiert schon frisch;
Und sähst du ihn beim Abendsegen,
Da sieht er aus, als wär' ihm groß daran gelegen,
Und kneipt indes die andern unterm Tisch!
Nun, Kunz, was hältst du ihn?

K. Bei meiner Seel', es steckt ein Pfarrer drin!

 

Kunz und der Wucherer

W. Ein gut Gewissen, Freund, ist eine große Gabe!

K. Und gute Zähne auch! Gottlob, daß ich sie habe.

 

Den Pythagoras betreffend Hinz und Kunz

Hinz
Sie machen vom Pythagoras viel Wesen,
Als wär' ein solcher Mann noch nie gewesen.
Er ist vielleicht ein Lumen bei den Alten;
Doch sollt' er uns die Stange halten?
Was meinst du, Kunz, auf deine Ehr'?

Kunz
Das tät' er schwerlich, Herr Compeer!

 

Hinz und Kunz

(Dem Gerichtshalter in – – gewidmet)

K. Hinz, wäre Recht wohl in der Welt?

H. Recht nun wohl eben nicht, Kunz, aber Geld.

K. Sind doch so viele, die des Rechtes pflegen!

H. Eben deswegen.

 

Aus dem Englischen

Es legte Adam sich im Paradiese schlafen;
Da ward aus ihm das Weib geschaffen.
Du armer Vater Adam, du!
Dein erster Schlaf war deine letzte Ruh'.

 

Grabinschrift

an den Windmüller Jackson

Hier liegt der Müller Jackson!
Er lebte vom Winde mit lieben Weib und Knaben!
Es leben auch sonst noch viele davon,
Die keine Mühle haben.

 

Ich wüßte nicht warum?

Den griechischen Gesang nachahmen?
Was er auch immer mir gefällt,
Nachahmen nicht. Die Griechen kamen
Auch nur mit Einer Nase zur Welt.

Was kümmert mich ihre Kultur?
Ich lasse sie halter dabei,
Und trotze auf Mutter Natur;
Ihr roher abgebrochner Schrei

Trifft tiefer als die feinste Melodei,
Und fehlt nie seinen Mann;
Videatur Vetter Ossian.

 

Vergleichung

Voltaire und Shakespeare: der eine
Ist, was der andre scheint.

Meister Arouet sagt: ich weine;
Und Shakespeare weint.

 

An Herrn N. N. Litteratus

»Es war einmal ein Reuter,
Der hatt' ein schönes Pferd;«
Gut das, und was denn weiter?
»Er aber war nichts wert.«

 

Urians Reise um die Welt

mit Anmerkungen

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was erzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Zuerst ging's an den Nordpol hin;
Da war es kalt, bei Ehre!
Da dacht' ich denn in meinem Sinn,
Daß es hier besser wäre.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

In Grönland freuten sie sich sehr,
Mich ihres Orts zu sehen,
Und setzten mir den Trankrug her;
Ich ließ ihn aber stehen.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Die Esquimaux sind wild und groß,
Zu allem Guten träge;
Da schalt ich Einen einen Kloß,
Und kriegte viele Schläge.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Nun war ich in Amerika;
Da sagt' ich zu mir: Lieber!
Nordwestpassage ist doch da;
Mach dich einmal darüber!

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Flugs ich an Bord und aus ins Meer,
Den Tubus festgebunden,
Und suchte sie die Kreuz und Quer,
Und hab' sie nicht gefunden.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Von hier ging ich nach Mexiko;
Ist weiter als nach Bremen,
Da, dacht' ich, liegt das Gold wie Stroh;
Du sollst 'n Sack voll nehmen.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Allein, allein, allein, allein,
Wie kann ein Mensch sich trügen!
Ich fand da nichts als Sand und Stein
Und ließ den Sack da liegen.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Drauf kauft' ich etwas kalte Kost,
Und Kieler Sprott und Kuchen,
Und setzte mich auf Extrapost,
Land Asia zu besuchen.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Der Mogul ist ein großer Mann
Und gnädig über Maßen
Und klug; er war itzt eben dran,
'n Zahn ausziehn zu lassen.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Hm! dacht' ich, der hat Zähnepein,
Bei aller Groß' und Gaben!
Was hilft's denn auch noch: Mogul sein?
Die kann man so wohl haben.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Ich gab dem Wirt mein Ehrenwort,
Ihn nächstens zu bezahlen;
Und damit reist' ich weiter fort
Nach China und Bengalen.

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Nach Java und nach Otaheit,
Und Afrika nicht minder;
Und sah bei der Gelegenheit
Viel Stadt' und Menschenkinder;

Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter, Herr Urian!

Und fand es überall wie hier,
Fand überall 'n Sparren,
Die Menschen grade so wie wir
Und eben solche Narren.

Tutti
Da hat Er übel dran getan;
Verzähl' Er nicht weiter, Herr Urian!

 

Urians Nachricht

Von der neuen Aufklärung
oder
Urian und die Dänen

Urian
Ein neues Licht ist aufgegangen,
Ein Licht schier wie Karfunkelstein!
Wo Hohlheit ist, es aufzufangen,
Da fährt's mit Ungestüm hinein.
Es ist ein sonderliches Licht;
Wer es nicht weiß, der glaubt es nicht.

Die Dänen
Erzähl' Er doch von diesem Licht!
Was kann es? Und was kann es nicht?

Urian
Erst lehrt es Euch die Menschenrechte.
Seht, wie die Sache Euch gefällt!
Bis jetzo waren Herr und Knechte,
Und Knecht und Herren in der Welt;
Von nun an sind nicht Knechte mehr,
Sind lauter Herren hin und her.

Die Dänen
Sind also keine Knechte mehr!
Sind alles Herren hin und her!

Urian
Sonst war Verschiedenheit im Schwange,
Und Menschen waren klug und dumm;
Es waren kurze, waren lange,
Und dick und dünne, grad und krumm.
Doch nun, nun sind sie allzumal
Schier eins und gleich, glatt wie ein Aal.

Die Dänen
Nun aber sind sie allzumal
Schier eins und gleich, glatt wie ein Aal!

Urian
Man nannte Freiheit bei den Alten,
Wo Kopf und Kragen sicher war,
Wo Ordnung und Gesetze galten
Und niemand krümmete kein Haar.
Doch nun ist frei, wo jedermann
Rad schlagen und rumoren kann.

Die Dänen
Doch nun ist frei, wo jedermann
Rad schlagen und rumoren kann!

Urian
Vernunft, wie man nie leugnen mußte,
War je und je ein nützlich Licht.
Indes was sonsten sie nicht wußte,
Das wußte sie doch sonsten nicht.
Nun sitzt sie breit auf ihrem Steiß
Und weiß nun auch, was sie nicht weiß!

Die Dänen
Das macht sie gut!... auf ihrem Steiß –
Und weiß nun auch, was sie nicht weiß!

Urian
Religion war hehre Gabe
Für uns bisher, war Himmelbrot;
Und Menschen gingen drauf zu Grabe:
Sie sei und komme her von Gott.
Nun kommt sie her, weiß selbst nicht wie? –
Man saugt nun aus dem Finger sie.

Die Dänen
Nun kommt sie her, wir wissen, wie:
Sie saugen aus dem Finger sie.

Urian
Auch wißt Ihr wohl vom Potentaten,
Wie der großmächtiglich regiert,
Und wie, ohn' Streit und Advokaten,
Dem Szepter Ehr' und Furcht gebührt.
Doch nun ist Szepter gar nicht viel,
Nicht besser als ein – -stiel.

Die Dänen
Uns ist und bleibt der Szepter viel!
Euch lassen wir den – andern Stiel.
Wir fürchten Gott, wie Petrus schreibet,
Und ehren unsern König hoch.
Was Wahrheit ist und Wahrheit bleibet
Im Leben und im Tode noch;
Das ist uns heilig, ist uns hehr!
Ihr Fasler, faselt morgen mehr.

Schlußchor
Was himmelan die Menschen treibet,
Sie besser macht, was Probe hält,
Was Wahrheit ist und Wahrheit bleibet
Für diese und für jene Welt:
Das ist uns heilig, ist uns hehr!
Ihr Fasler, faselt morgen mehr.

Asmus

 

Bemerkung

Freiheit und Knechtschaft sind wohl zwei:
Doch oft im Grunde einerlei.

 

Ein Gülden ABC

A

Armut des Geistes Gott erfreut;
Armut und nicht Armseligkeit.

B

Besprich Dich nicht mit Fleisch und Blut,
Fahr zu, gleich zu, wie Paulus tut.

C

Creuz ist ein Kraut, wenn man es pflegt,
Das ohne Blüte Früchte trägt.

D

Dürst nicht nach Rache und nach Blut;
Vergeben wäre wohl so gut.

E

Ein edles Herz glänzt hell und hold,
Ein gutes ist gediegen Gold.

F

Für was Du Gutes hier getan,
Nimm keinen Lohn von Menschen an.

G

Geduldig sein – Herr, lehr' es mich,
Ich bitte Dich, ich bitte Dich.

H

Hau Deinen Götzen mutig um,
Er sei Geld, Wollust oder Ruhm.

I

In Dir ein edler Sklave ist,
Dem Du die Freiheit schuldig bist.

K

Kämpf und erkämpf Dir eignen Wert;
Hausbacken Brot am besten nährt.

L

Liebt Euch auf Erden, liebt und wißt,
Daß Gott im Himmel Liebe ist.

M

Merk auf die Stimme tief in Dir;
Sie ist des Menschen Kleinod hier.

N

Nimm wahr der Zeit; sie eilet sich
Und kommt nicht wieder ewiglich.

O

O Herr, lehr uns bedenken wohl,
Daß wir sind sterblich allzumal.

P

Parabeln sind wohl fein und schön,
Doch muß sie einer auch verstehn.

Q

Quäl nicht Dein Herz ohn' Unterlaß,
Ein freier Mut gefällt Gott baß.

R

Recht halte heilig bis in 'n Tod,
So bleibt ein Freund Dir in der Not.

S

Straf keck das Böse ins Gesicht;
Vergiß Dich aber selber nicht.

T

Treib Tugend jeden Augenblick;
Wer nicht voran geht, geht zurück.

U

Und wenn sie alle Dich verschrein,
So wickle in Dich selbst Dich ein.

V

Verlaß Dich nicht auf diese Welt;
Sie ist Schaum, der zusammenfällt.

W

Wie wird es dann, o dann uns sein,
Wenn wir der bessern Welt uns freun?

X

Y

In Sturm die Sonne spiegelt nicht
Im Meer ihr heilig Angesicht.

Z

Zerbrich den Kopf Dir nicht zu sehr,
Zerbrich den Willen; das ist mehr.

 

Ein silbern Dito

A

Aus Nichts wird Nichts, das merke wohl,
Wenn aus Dir Etwas werden soll.

B

Betrüge nicht; Du hast nicht Rast
Noch Ruh', wenn Du betrogen hast.

C

Cränz einen Welterob'rer nicht,
Schlepp lieber ihn zum Hochgericht.

D

Dring und durchdringe die Natur;
Wer sie durchdringt, beherrscht sie nur.

E

Erleuchtet das Jahrhundert ist;
Der Esel Stroh und Disteln frißt.

F

Fahr nicht zu hoch her, eitler Mann;
Noch hast Du 's letzte Hemd nicht an.

G

Greif nicht leicht in ein Wespennest;
Doch, wenn Du greifst, so stehe fest.

H

Häng an die große Glocke nicht,
Was jemand im Vertrauen spricht.

I

Im Anfang war die Erde leer,
Am Ende sind's die Köpfe mehr.

K

Kratz nicht im Staube wie ein Tier,
Der Kopf sitzt ja noch oben Dir.

L

Leih dem in Not, und sei bereit;
So hast Du zwei zugleich erfreut.

M

Mach keines Glauben Deinen Spott;
Ein jeder glaubet sich und Gott.

N

Nichts ist so elend als ein Mann,
Der alles will und der nichts kann.

O

Oft galt das Faustrecht statt der Pflicht;
In unsern Jahren gilt es nicht.

P

Pfeif immer auf dem Finger nicht;
Die Narren tun's, wie Sirach spricht.

Q

Querfeldein braust der Waldstrom wohl;
Der Bach im Wege bleiben soll.

R

Rebekka wählen ist Geschmack;
Nicht wahr, Kollege Isaak?

S

Sir Newton war ein großer Mann,
Ein Tropfen aus dem Ozean.

T

Trag Deine Tugenden nicht Schau,
Und ehr und liebe Deine Frau.

U

Umsonst ist's, frühe aufzustehn;
Und besser, früh zu Bette gehn.

V

Vor Kritikastern hüte Dich;
Wer Pech angreift, besudelt sich;

W

Wer Pech angreift, besudelt sich;
Vor Kritikastern hüte Dich.

X

Xerxes verließ sich auf sein Heer;
Allein das Heer auf ihn nicht sehr.

Y

Ygreck ein böser Buchstab' ist;
Bei ihm hilft nicht Gewalt noch List.

Z

Zuletzt nehmt noch die Warnung an:
Daß keinem Schelm man trauen kann.

 

Universalhistorie des Jahres 1773;

oder Silbernes A. B. C. (Defect)

Am Firmament in diesem Jahr
Ist's so geblieben, wie es war.

Gelehrte setzten fort ihr Spiel
Mit dem bewußten Federkiel.

Prozesse hatten gut Gedeihn,
Und über Recht tat niemand schrei'n.

Stammbäume trieb man, groß und dick,
In Mistbeeten mit gutem Glück.

Theologie war leider krank
Durch Übersetzungen und Zank.

Ungläubig wurde jedermann,
Sir Hagel und 'Squeir Urian.

Xantippen fehlten ganz und gar;
Oft ist ein ganzer Vers nicht wahr.

Ysop wuchs wenig an der Wand,
Nach Hamburg kam ein Elephant usw.

 

Denksprüche alter Weisen

mit meinen Randglossen

Nichts Böses tun, ist gut;
Nichts Böses wollen, ist besser.

Und dem Gentleman, der's nicht tut noch will, muß wohl recht gut zu Mute sein!

Den leeren Schlauch bläst der Wind auf;
Den leeren Kopf der Dünkel.

Drücke sie beide, daß sie zu sich selbst kommen.

Gib dem Narren Gift!
Das heißt: rühm' ihn.

Gib dem Narren keinen Gift; denn es ist auf den Apotheken verboten.

Sei das,
Was du von andern willst gehalten sein.

Denn wenn du 'n Esel bist, so bist du «n Esel, ob auch alle Menschen dich für einen Löwen hielten.

Die Welt ist ein Schauplatz,
Du kommst, siehst, und gehst vorüber.

Und wirst vom Schauplatz vergessen, wer du auch seist. Mach aber, daß dich das wenig kümmern dürfte.

Der Großprahler ist wie ein gemaltes Schwert;
Beide können nicht gebraucht werden.

Und doch werden beid' oft in vergoldeten Rahmen gefaßt.

Zeuge Kinder, die unsterblich sind,
Nicht, die im Alter deines Leibes,
Die deiner Seele pflegen in der Ewigkeit!

Und wisse, einige Kinder gehen hier schon heraus ins Publikum, ihren Vater berühmt zu machen; andere werden heimlich gezeugt und kommen hier gar nicht zu Gesicht, aber ihrer keines geht verloren, sondern sie werden ins lieben Gottes sein Fündelhaus eingeschrieben, spielen einmütig um ihres Vaters Grab, weil er schläft, und schreien: »Hurrah!«, wenn er wieder aufsteht.

Das Weib muß nicht zu Wort kommen,
Denn das ist eine schreckliche Sache.

Ist nur von den Weibern in Griechenland zu verstehen.

Der Adel besteht in Stärke des Leibes bei Pferden,
Bei Menschen in guter Denkart.

Gilt auch bei unserm Adel.

Die Götter haben große Geschenke zu vergeben,
Aber das größte von allen ist die Tugend.

Ich glaube, lieber Herr! Hilf meinem Unglauben.

Das Geld eines Geizigen ist wie eine untergehende Sonne;
Kein Mensch hat gut davon.

Hui der künftigen Morgenröte in der Hand eines bessern Erben!

Es ist besser, daß ein Narr beherrscht werde,
Denn daß er herrsche.

Weiß keine Glosse.

Versprich nicht Großes;
Tue was Großes.

Schwatze nicht von der Weisheit,

Sei weise.

Wem die Götter Reichtum und Verstand geben, der ist
glücklich,
Denn er kann viel Gutes machen.

Wem die Götter keins von beiden geben, der kann – Randglossen machen.

 

Ein Versuch in Versen

Die Römer, die, vor vielen hundert Jahren,
Das erste Volk der Erde waren,
Doch wenigstens sich dünkten, es zu sein;
Die große Schreiber ihrer Taten
Und Dichter auch und große Redner hatten
Und Weise, groß und klein;
Die stolz auf ihrer Helden Scharen,
Auf ihre Regulos und Scipione waren,
Und Ursach hatten es zu sein;
Die fingen endlich an und aßen Ochsenbraten,
Frisierten sich und tranken fleißig Wein –
Da war's geschehn um ihre Heldentaten,
Um ihrer Dichter edlen Reih'n,
Um ihre Redner, ihre Schreiber;
Da wurden's große dicke Leiber
Und Memoirs- und Zeitungs-Schreiber,
Und ihre Seelen wurden klein;
Da kamen Oper und Kastraten
Und Ehebruch und Advokaten
Und nistelten sich ein.
O, die verdammten Ochsenbraten!
O, der verdammte Wein!

 

Auf einen Selbstmörder

Videare verum, atque uti res est dicere
Er glaubte sich und seine Not
Zu lösen durch den Tod.
Wie hat er sich betrogen!

Hier stand er hinterm Busch versteckt:
Dort steht er bloß und unbedeckt,
Und alles, was ihn hier geschreckt,
Ist mit ihm hingezogen. –
Wie hat er sich betrogen!

 

Einem Rezensenten zu Ehren

Heil, Heil dem Kritikaster!
Zweimal zu lesen haßt er,
Und las er zehnmal – sein Gesicht
Scheint schwach, er sah' es doch wohl nicht.

 

Die Henne

Es war 'mal eine Henne fein,
Die legte fleißig Eier;
Und pflegte denn ganz ungemein,
Wenn sie ein Ei gelegt, zu schrei 'n,
Als war' im Hause Feuer.
Ein alter Truthahn in dem Stall,
Der Fait vom Denken machte,
Ward bös darob, und Knall und Fall
Trat er zur Henn' und sagte:
»Das Schrei'n, Frau Nachbarin, war eben nicht vonnöten;
Und weil es doch zum Ei nichts tut,
So legt das Ei, und damit gut!
Hört, seid darum gebeten!
Ihr wisset nicht, wie's durch den Kopf mir geht.«
»Hm!« sprach die Nachbarin und tat
Mit einem Fuß vortreten,
»Ihr wißt wohl schön, was heuer
Die Mode mit sich bringt, ihr ungezognes Vieh!
Erst leg' ich meine Eier,
Denn rezensier' ich sie.«

 

Fuchs und Bär

Kam einst ein Fuchs vom Dorfe her,
Früh in der Morgenstunde,
Und trug ein Huhn im Munde;
Und es begegnet' ihm ein Bär.
»Ah! guten Morgen, gnäd'ger Herr!
Ich bringe hier ein Huhn für Sie;
Ihr Gnaden promenieren ziemlich früh,
Wo geht die Reise hin?«
»Was heißest du mich gnädig, Vieh!
Wer sagt dir, daß ich's bin?«
»Sah Dero Zahn, wenn ich es sagen darf,
Und Dero Zahn ist lang und scharf.«

 

Kuckuck am Johannistage an seine Kollegen

Man rächt sich an dem Undank gern;
Doch hab' ich mich genug gerochen,
Und mich von mir ganz satt gesprochen.
Ich hör' nun auf, Ihr Herr'n!

 

Die Biene

Wohl uns des Königs, den wir ha'n!
Er ist ein gut Regent und Mann,
Und er hat keinen Stachel. –

 

Fuchs und Pferd

Einst wurden Fuchs und Pferd,
Warum, das weiß ich nicht, auch hat es mich verdrossen,
Denn mir sind beide Tiere wert,
In einem Käficht eingeschlossen.
Das Pferd fing weidlich an zu treten
Für Ungeduld und trat
Den armen Rein'ke Fuchs, der nichts an Füßen hat.
»Das nun hätt' ich mir wohl verbeten,
Tret' Er mich nicht, Herr Pferd! ich will Ihn auch nicht treten.«

 

Die Nachahmer

Es ritten drei Reuter zum Tor hinaus,
Auf Eselein gar eben;

Sie waren nach heurigem Gebrauch
Dem Versemachen ergeben.

Ein Dichter auch den Weg her kam,
Sein Buc'phal große Schritte nahm.

Die Ewigkeit zu finden;
Die Reuter sich hinten anbinden,

Daß er sie mit sich schleppen tat
In die schöne große Ewigkeit,

Da wären sie gar zu gerren.
Der Dichter im Reiten sich umsah:

Ei, seht doch! es sind Herren da;
Wie heißen denn die Herren?

Er da, gebunden an den Schwanz?
»Heiß Fipp.« Er? »Fapp.« Und? »Firlefanz.«

Reitet wohl, Ihr lieben Herren!
Nun tät der Dichter, als war' er stumm,

Und sah sich gar nicht weiter um!
Auch kämen die Reuter nicht ferren.

 

Der große und der kleine Hund

oder Packan und Alard

Ein kleiner Hund, der lange nichts gerochen
Und Hunger hatte, traf es nun
Und fand sich einen schönen Knochen
Und nagte herzlich dran, wie Hunde denn wohl tun.
Ein großer nahm sein wahr von fern:
»Der muß da was zum Besten haben,
Ich fresse auch dergleichen gern:
Will doch des Wegs einmal hintraben.«

Alard, der ihn des Weges kommen sah,
Fand es nicht ratsam, daß er weilte;
Und lief betrübt davon und heulte,
Und seinen Knochen ließ er da.

Und Packan kam in vollem Lauf
Und fraß den ganzen Knochen auf.

Ende der Fabel

»Und die Moral?« Wer hat davon gesprochen? -
Gar keine! Leser, bist du toll?
Denn welcher arme Mann nagt wohl an einem Knochen,
Und welcher reiche nahm' ihn wohl?

 

Nachricht vom Genie

Ein Fuchs traf einen Esel an.
Herr Esel! sprach er, jedermann
Hält Sie für ein Genie, für einen großen Mann!
»Das wäre!« fing der Esel an,
»Hab' doch nichts Närrisches getan.«

 

Der Mann im Lehnstuhl

Saß einst in einem Lehnstuhl still
Ein viel gelehrter Mann,
Und um ihn trieben Knaben Spiel
Und sahn ihn gar nicht an.

Sie spielten aber Steckenpferd
Und ritten hin und her:
Hop, Hop! und peitschten unerhört
Und trieben 's Wesen sehr.

Der Alte dacht' in seinem Sinn:
»Die Knaben machen's kraus;
Muß sehen lassen, wer ich bin.«
Und damit kramt' er aus;

Und machte ein gestreng Gesicht
Und sagte weise Lehr'.
Sie spielten fort, als ob da nicht
Mann, Lehr', noch Lehnstuhl wär'.

Da kam die Laus und überlief
Die Lung' und Leber ihm.
Er sprang vom Lehnstuhl auf und rief
Und schalt mit Ungestüm:

»Mit dem verwünschten Steckenpferd
Was doch die Unart tut,
Still' da! ihr Jungens, still', und hört!
Denn meine Lehr' ist gut.«

Kann sein, sprach einer, weiß es nit,
Geht aber uns nicht an.
Da ist ein Pferd, komm, reite mit;
Denn bist du unser Mann.

 

Die Geschichte von Goliath und David

in Reime bracht

War einst ein Riese Goliath,
Gar ein gefährlich Mann!
Er hatte Tressen auf dem Hut
Mit einem Klunker dran,
Und einen Rock von Drap d'argent
Und alles so nach advenant.

An seinem Schnurrbart sah man nur
Mit Gräsen und mit Graus,
Und dabei sah' er von Natur
Pur wie der – aus.
Sein Sarras war, man glaubt es kaum,
So groß schier als ein Weberbaum.

Er hatte Knochen wie ein Gaul
Und eine freche Stirn,
Und ein entsetzlich großes Maul
Und nur ein kleines Hirn;
Gab jedem einen Rippenstoß
Und flunkerte und prahlte groß.

So kam er alle Tage her
Und sprach Israel Hohn.
»Wer ist der Mann? Wer wagt's mit mir?
Sei Vater oder Sohn,
Er komme her, der Lumpenhund,
Ich bax 'n nieder auf den Grund.«

Da kam in seinem Schäferrock
Ein Jüngling zart und fein;
Er hatte nichts als seinen Stock,
Als Schleuder und den Stein,
Und sprach: »Du hast viel Stolz und Wehr,
Ich komm' im Namen Gottes her.«

Und damit schleudert' er auf ihn
      Und traf die Stirne gar;
Da fiel der große Esel hin,
      So lang und dick er war.
      Und David haut' in guter Ruh'
      Ihm nun den Kopf noch ab dazu.

Trau nicht auf deinen Tressenhut
      Noch auf den Klunker dran!
Ein großes Maul es auch nicht tut:
      Das lern vom langen Mann;
      Und von dem kleinen lerne wohl:
      Wie man mit Ehren fechten soll.

 

Eine Fabel

Vor etwa achtzig, neunzig Jahren,
      Vielleicht sind's hundert oder mehr,
      Als alle Tiere hin und her
Noch hochgelahrt und aufgekläret waren
      Wie jetzt die Menschen ohngefähr;
– Sie schrieben und lektürten sehr,
Die Widder waren die Skribenten,
Die andern: Leser und Studenten,
      Und Zensor war: der Brummelbär –

      Da kam man supplicando ein:
»Es sei unschicklich und sei klein,
Um seine Worte und Gedanken
Erst mit dem Brummelbär zu zanken,
      Gedanken müßten zollfrei sein!«

      Der Löwe sperrt den Bären ein
Und tat den Spruch: »Die edle Schreiberei
Sei künftig völlig frank und frei!«

Der schöne Spruch war kaum gesprochen,
So war auch Deich und Damm gebrochen.
Die klügern Widder schwiegen still,
Laut aber wurden Frosch und Krokodil,
Seekälber, Skorpionen, Füchse,
Kreuzspinnen, Paviane, Luchse,
Kauz, Natter, Fledermaus und Star
Und Esel mit dem langen Ohr etc. etc.
Die schrieben alle nun und lieferten Traktate,
Vom Zipperlein und von dem Staate,
Vom Luftballon und vom Altar,
Und wußten alles auf ein Haar,
Bewiesen's alles sonnenklar
Und rührten durch einander gar,
Daß es ein Brei und Greuel war.

Der Löwe ging mit sich zu Rate
Und schüttelte den Kopf und sprach:
»Die besseren Gedanken kommen nach;
Ich rechnete, aus angestammtem Triebe,
Auf Edelsinn und Wahrheitsliebe –
Sie waren es nicht wert, die Sudler, klein und groß;

Macht doch den Bären wieder los!«

 

Der Esel

Hab' nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn' Mut und ohn' Gewalt;
Mein spotten und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;
Hab' nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muß Stroh und Disteln käuen;
Werd' unter Säcken alt -
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts als eine schöne Stimme.

 


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