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Annam

Die Lieder Annams sind stark beeinflußt durch den Geist der Poesie Chinas. Sie werden von Frauen bei Festlichkeiten und Mahlzeiten vorgetragen.

Du bist so schön ...

Du bist so schön wie eine Pfirsichblüte,
So zart wie eine junge Rosenknospe,
Die eben zaghaft durch die Schale bricht.

Du bist so frisch wie vom Hibiskusstrauche
Das erste Blatt. Wenn du mich nicht verschmähtest, –
Du Schönste, wie glückselig wäre ich!

Wenn du zum königlichen Tempel schreitest,
So wart ich schon auf dich am Wegesrande,
Und nahst du dann, füll ich mein ganzes Herz

Mit deiner Schönheit märchenhaftem Bilde,
Und kehrst du wieder heim, so geh auch ich
Und nehm dein Bild in meiner Seele mit.

Volkslied

* * *

Die Einsame

Ich armes junges Mädchen lebe ganz allein,
Ich schreibe lange Briefe, – doch ich weiß ja nicht,
An wen ich meine langen Briefe richten soll.

In meinem Herzen wachen zarte Liebesworte auf,
Ich flüstre sie den schlanken Bambusstämmen zu,
Die meinen Garten zieren, aber die verstehn mich nicht.

Und wachsam, aufrecht, von Erwartung ganz erfüllt,
Steh ich am Fenster, luge durch des Vorhangs Spalt
Und seh die Schatten schlanker Männer mir vorüberziehn.

Volkslied

* * *

Zurückgewiesene Werbung

Ich habe meinen Zähnen Glanz verliehen,
Damit ich einen Gatten finde. – »Mädchen,
Das trifft sich gut, – ich suche eine Frau!

Wie wär es, wenn wir beide uns vereinten?
Begleite mich! Wir wollen Hochzeit machen
In meinem Dorfe, das Mo-Lao heißt!«

Wenn Äste am Bananenbaume wachsen,
Wenn an den Zwiebelstauden Rosen blühen
Und wenn die Turteltaube ihre Eier

Ins Wasser legt und in das Laub der Bäume
Der Aal emporsteigt, um sein Nest zu bauen, –
Dann will ich kommen, euer Weib zu sein!

Volkslied

* * *


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