Jakob Wassermann
Das Gold von Caxamalca
Jakob Wassermann

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9

Es kamen aber nun seine Diener und Dienerinnen nach Caxamalca, seine Höflinge und seine Frauen, und flehten mit emporgehobenen Händen, daß man sie zu ihrem Herrn lasse. Sie sagten, ihr Leben sei dem Inka zugeschworen seit ihrer Geburt, und aus seiner Nähe verstoßen, müßten sie nach dem Gesetz des Landes den Tod erleiden.

Der General wählte ungefähr zwanzig von ihnen aus, darunter den Prinzen Curacas, den Halbbruder des Inka, den dieser besonders liebte. Es war ein schöner und sanfter Jüngling, dem Fürsten ähnlich an Gesicht und Gestalt. Die übrigen schickte der General wieder ihres Weges. Wie wir kurz hernach vernahmen, begingen sie allesamt Selbstmord.

Es kamen aber auch Tausende von andern Bewohnern des Landes und der Städte, die ihren Herrn nur zu sehen verlangten. Sie wurden erst nach Caxamalca gelassen, wenn man sich vergewissert hatte, daß sie keine Waffen bei sich trugen. Es hätte dessen nicht bedurft. Sie waren in einem Zustand äußerster Verstörtheit. Sie konnten nicht glauben und nicht begreifen, daß der Sohn der Sonne ein Gefangener war. Voll schmerzlicher Verwunderung schauten sie uns an, und wenn einer der Unsern zu ihnen redete, bebten sie in abergläubiger Furcht. Eine übernatürliche Macht schien sie vor den Mauern festzuhalten, die den Inka umschlossen; manche weinten, manche seufzten bloß still, manche lagen auf den Knien, das Haupt zwischen den Armen, und in der Nacht sah ich ihre Augen aus der Dunkelheit leuchten, indes von den Bergen herüber die klagenden Gesänge schallten.

Das ganze Reich war in Trauer und Verzweiflung.


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