Rudolph Stratz
Die kleine Elten
Rudolph Stratz

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XIII.

Ein sprühender, kalter Herbstregen fegte durch die Straßen, auf denen die grau-nüchterne Morgenstimmung Berlins lag.

Es klopfte draußen an Valeskas Tür. Lange und energisch.

»Fräulein Elten . . . Sie müssen aufstehen . . .«, klang die Stimme der Frau von Haidenschild vom Flur.

Ein längeres Schweigen. Dann folgte als Antwort ein müdes »Ja . . . ja . . . gleich . . .« von innen, und die Bettstelle ächzte.

Damit gab sich die Haidenschild aber nicht zufrieden.

»Ja . . . ja . . . gleich! . . .«, rief sie durch die Tür, ». . . und dann schlafen Sie sofort wieder ein. Das kenne ich nun schon!«

Und wirklich . . . drinnen war es schon wieder still geworden.

»Fräulein Elten . . .«, die Haidenschild hämmerte ausdauernd gegen das Holz, »es ist Sonnabend . . . es ist Kostümprobe heute . . .«

»Oh . . . ja . . . Kostümprobe . . .«, klang es matt von innen.

»Und es ist neun Uhr . . . neun Uhr, Fräulein . . . um halb zehn müssen Sie drüben sein!«

Das wirkte!

Frau von Haidenschild hörte, wie drinnen etwas mit gleichen Füßen aus dem Bett sprang. Gleich darauf knarrte die Diele in der Nähe der Tür, und sie vernahm Valeskas noch ganz schlaftrunkene Stimme:

»Danke schön . . . und, bitte, recht rasch den Kaffee!«

* * *

Valeska kam gerade noch zurecht.

Auf halb elf war die Kostümprobe – oder »Generalprobe«, wie das Publikum sie beharrlich nennt – zu dem Einakter »Der Hausfreund« angesetzt. Und eine Stunde mußte man schon zu dem Frisieren, Schminken und Toilettemachen rechnen.

Es herrschte ein ungewohntes Leben auf dem langen, halbdunklen Korridor, der auf der einen Seite durch die Zugänge zur Bühne, auf der anderen durch die Türen der einzelnen Garderobezimmer begrenzt war. An jeder Tür standen auf Papptäfelchen die Namen der beiden Inhaberinnen. Nur die Dobschütz hatte einen Raum für sich allein, und am anderen Ende des Ganges war eine große, heute leere Garderobe für die gesamte Komparserie eingerichtet.

Alle Augenblicke wurden Türen aufgemacht und zugeschlagen. Man rief nach der Friseuse. Ein halbes Dutzend Garderobieren eilte geschäftig hin und her. Von der Bühne her tönte dumpf das Pochen und Hämmern der Arbeiter, aus den Garderobezimmern Geschwätz und Gelächter und ein langgezogenes do–re–mi–fa–sol in Käthe Hannemanns klangvoller Altstimme.

Zum erstenmal seit Eröffnung der Saison waren fast sämtliche Damen auf der Bühne beschäftigt. Die Dobschütz in der Hauptrolle, die Hannemann und Elly Krause in kleineren Partien, endlich Valeska, Thilda, Mizi Stadinger und die Ilgen in den bewußten vier Worten. Pepi Hochleitner und Elisabeth Neumann, die nicht in dem Einakter, aber abends in der darauffolgenden »Kleinen Herzogin« zu tun hatten, trieben sich ebenfalls auf dem Korridor herum, um nachher sich vom Parkett aus mit kritischen Blicken den Einakter oder vielmehr – was sie eigentlich allein interessierte – die Toiletten der Kolleginnen anzusehen.

* * *

»Was hast du denn nur heute?« fragte in der Garderobe Valeska zu Thilda Thorbeck hinüber, während sie, in tiefstem Negligé vor dem Spiegel sitzend, sich zum Schminken bereitmachte.

Thilda zuckte die Achseln.

»Ich habe Kopfweh!« sagte sie kurz.

»Komisch!« dachte die Elten und sah sich in dem Toilettenraum um, den im bläulichen Schein des elektrischen Lichts ein wirres Durcheinander von Kleidern, Wäschestücken, Schminkrequisiten und vielen anderen Dingen erfüllte. »Es wird wohl der Ärger wegen ihres Kostüms sein . . . natürlich . . . sie kann es nicht wie die andern . . .«

Und in der Tat . . . Thildas Robe, die im Hintergrund über einem Stuhl lag, machte einen entschieden dürftigen Eindruck. Sie war nicht neu und offenbar nachträglich für Thildas hagere Figur umgearbeitet.

Valeska sah sie, wie schon oft, kopfschüttelnd von der Seite an. Entsetzlich mager war doch das Mädel! . . . Diese Schlüsselbeine . . . und überhaupt . . .

Die hübsche Elten blickte einen Augenblick befriedigt an sich hernieder. Dann fuhr sie rasch in den Cold-cream-Tiegel, beschmierte sich damit das ganze Gesicht und wischte es vorsichtig ab, so daß nur eine leicht glänzende Fettschicht auf der Haut zurückblieb.

»Du bist heute so merkwürdig verdrossen, Thilda,« sagte sie, während sie sich unterhalb der Augen einige Striche mit Karmin-Fett-Rouge anbrachte und dieses dann mit spitzen Fingern nach den Schläfen verrieb und über die Backen hin verschwinden ließ, »hat sich der böse Onkel Klaus wieder aus der Neumark hören lassen . . .?«

»Nein!« erwiderte Thilda beinahe schroff.

»Nun . . . wenn du mir's nicht sagen willst . . .«

Valeska sah sich prüfend im Spiegel an und begann, sich vorbeugend, die Augenpartie zu bearbeiten.

Erst zog sie vorsichtig mit dem grauen Fett-Krayon einen Strich von dem inneren Augenwinkel im Bogen unterhalb des Auges zur Schläfe und verrieb ihn mit dem Finger. Dann machte sie es ebenso mit den Augenlidern, gab reichlich Rosafettpuder auf das Ganze und nahm es, vorsichtig zwinkernd, mit einem Samtbürstchen wieder weg.

Thilda schwieg noch immer. Sonst pflegte sie bei solchen Gelegenheiten ihrer Freundin unablässig von dem Assessor und was damit zusammenhing zu erzählen.

Das ärgerte Valeska. Nachdem sie sich vermittels einer Hasenpfote voll Trockenrouge die Augenpartien ebenmäßig geglättet hatte, wandte sie sich zu Thilda und fragte:

»Sag' mal . . . hast du was gegen mich?«

»Was sollte ich haben?« erwiderte Thilda gelassen. »Ich wundere mich nur . . .«

»Einen Augenblick . . .« Valeska nahm das Mascarobürstchen und färbte sich sorgfältig mit der chinesischen Tusche die Augenbrauen und die Wimpern. »Über was wunderst du dich?«

Thilda, die schon fertig geschminkt und angezogen war, trat zu der Elten und legte ihr die Hand auf den bloßen Arm.

»So gib doch acht!« schrie diese ärgerlich. Sie hatte eben eine umgekehrte Stecknadel in der Hand, auf deren Kopf etwas Dunkelrot von dem Krayon klebte, und fuhr sich damit vorsichtig in die Augenhöhle. Erst machte sie sich einen starken roten Punkt in den inneren Augenwinkel, dann unterzog sie das Auge bis zur Hälfte mit einem roten Streifen und setzte endlich am äußeren Augenrand einen spitzen roten Strich auf das Schwarze. Dann färbte sie sich die Augenlider etwas rot und gab den Nasenlöchern durch Trockenrouge einen roten Glanz.

»Also worüber wunderst du dich?« fragte sie, gereizt sich umdrehend, Thilda, die immer noch neben ihr stand. Sie ahnte schon, worauf die Sache hinauslief.

»Über deine Toilette!« erwiderte Thilda und warf einen Blick auf Valeskas im Hintergrund ausgebreitete Robe. »Das ist ja ein wahrhaft verschwenderisches Kostüm . . .«

Die Elten färbte sich eben die Lippen mit roter Pomade.

»Pah . . . meine Toilette . . .«, sagte sie, und ihre weißen Zähne blitzten. »Das Kleid hab' ich schon lange . . .«

»Nein,« erwiderte Thilda Thorbeck, »es ist von neuester Mode . . . und nicht ein einziges Mal getragen.«

Die kleine Elten wurde trotzig.

»Gut,« sagte sie und überstäubte das ganze Gesicht mit Veloutine, dem rosa Trockenpuder, »wie du willst . . . also es ist von neuester Mode und nicht ein einziges Mal getragen. Und nun störe mich nicht. Ich habe so schon beinahe die Ohren vergessen.«

Und eilig begann sie sich die Ohrläppchen rot zu färben.

Dann leerte sie nasse Rosaschminke auf ein Tellerchen und trug diese – vorsichtig, um keine Streifen entstehen zu lassen – auf Arme, Hände, Hals und Büste auf. Darauf kam weißer Fettpuder, sorgsam mit einer Pelzbürste verrieben, und nun war sie soweit fertig geschminkt und einer Wachspuppe ähnlicher als einem Menschen.

Ihre Heftigkeit tat ihr leid.

»Was hast du denn nur gegen die Robe?« fragte sie, während sie sich etwas Rouge zwischen die Finger tat. »Ich finde sie ganz hübsch . . .«

Thilda sah sie an.

»Sie muß eine Unsumme gekostet haben«, sagte sie kurz.

»Ja.« Es war Valeska lieb, daß sie sich in diesem Augenblick über den Tisch beugen und mit einem Wildlederläppchen das Email auf ihren Nägeln verreiben konnte. »Ich habe eine Erbschaft gemacht . . . neulich . . . von einer Tante . . . und die benutzte ich, um mich für Berlin zu equipieren . . .«

Sie schwindelte das etwas stockend und sah Thilda bang von der Seite an. Sie würde ihr das nicht glauben . . . natürlich . . . solche Tanten gab es ja nur im Monde . . .

Thilda setzte sich ruhig wieder auf ihren Stuhl und kehrte ihr halb den Rücken zu.

»Ich habe natürlich kein Recht, mich in deine Angelegenheiten zu mischen,« meinte sie, »aber da du mir selbst gesagt hast, daß du aus ganz armer Familie stammst . . .«

»Aber die Tante war reich!« Die kleine Elten stampfte vor Zorn auf den Boden. Sie ärgerte sich selbst über ihre ungeschickten Ausflüchte. Und da Thilda achselzuckend schwieg, setzte sie schnippisch hinzu: »Und meine Armut mache mir ja nicht zum Vorwurf. Es kann nicht nur Majorstöchter auf der Welt geben.«

»Darauf habe ich keine Antwort!« sagte Thilda, und eine peinliche Stille entstand.

Zum Glück kam in diesem Augenblick, zusammen mit der Garderobiere, Mizi Stadinger herein, ein Blatt Papier in der Hand.

»Ich will mich für übermorgen krank melden,« sagte sie zu Valeska, »ich kann nicht spielen . . . die vier Worte übernimmt ja jede andere im Augenblick.«

»Was fehlt Ihnen denn?«

»Eigentlich nichts. Aber ich muß meinen Prinzen besuchen. Es ist sein Geburtstag.«

»Und was wollen Sie für eine Krankheit angeben?«

»Ich weiß nicht!« meinte die Mizi. »Käthe Hannemann riet mir eben, ich sollte schreiben, ich hätte seit acht Tagen eine heftige Gehirnerschütterung . . .«

»Sie hat sich wieder einen Ulk mit Ihnen gemacht!«

Valeska verbiß mühsam das Lachen, während sie sich von der Garderobiere in ihr Kleid helfen ließ.

Die Mizi merkte das nicht.

»Ich finde schon was . . .«, sagte sie, »aber . . . was ich Sie fragen wollte . . . schreibt man Arzt oder Artzt?«

»Ich glaube . . . Artzt . . .«, meinte Valeska sinnend.

»Glauben hilft zu nichts . . .«, versetzte die Kleine ärgerlich. »Ich muß es genau wissen, sonst lachen sie mich im Bureau wieder aus . . .«

»Und dabei spielen wir lauter hochadlige Damen heute abend,« lachte Valeska übermütig, »recht unorthographische Prinzessinnen . . . das muß man sagen . . . Thilda . . . wie heißt es?«

Thilda, die mit der Mizi auf sehr gespanntem Fuße stand, sagte kurz:

»Es heißt Arzt . . . natürlich!«

Aber Mizi hörte kaum darauf.

In dumpfem Staunen sah sie auf Valeskas schimmerndes Kleid, das die Garderobiere eben an der Seite zuhakte. Dann lief sie hinaus auf den Korridor, wo schon einige der andern Damen standen.

»Kinder . . .«, rief sie ganz aufgeregt, ». . . die Elten hat eine Robe . . . das ist schon das Höchste . . . wundervoll . . . sage ich euch!«

Das erregte Sensation.

»Wie ist es denn?« fragte Käthe Hannemann, deren hohe Gestalt und schöne, verächtlich-sinnlichen Züge ebenfalls durch ein glänzendes Kostüm in das beste Licht gesetzt waren.

Die Mizi berichtete eifrig:

»Also aus grünem Damast . . . mit langer Schleppe . . . große grüne Puffärmel . . . der ganze Ausschnitt . . . die Schleppe und alles mit rosa Chrysanthemum besetzt . . . vorn eine riesige Schleife aus silberdurchwirktem Tüll . . . und darunter verfallend lichter, cremefarbener Tüll mit Silber gestickt . . . und . . .«

Aber in diesem Augenblick trat die Elten selbst heran und merkte an dem staunenden Schweigen ihrer Kolleginnen, welch tiefen Eindruck sie machte.

»Tausend Mark!« taxierte flüsternd die Hannemann, die beste Kennerin in solchen Dingen, das Kleid, und die andern nickten zustimmend.

Und dreihundert Mark Monatsgage!

»Tausend von dreihundert geht nicht,« tuschelte Franziska Ilgen zu Mizi, »also borg' ich mir eins. Nun werden die Herren wohl einsehen, daß ich recht hatte . . .«

»Ja . . . diese Scheinheiligen«, seufzte Mizi in ehrlicher Entrüstung.

Und ähnlich dachten die andern. Valeskas Stellung stand von Stund an fest, und nur die eine Frage blieb vorläufig offen:

»Wie heißt er?«

* * *

Aber schon gab der Inspizient das Zeichen, auf den Bühnenraum zu kommen, da das Stück begonnen hatte. Der ganze Schwarm rauschte die steile Treppe hinauf, ein Gewirr von blendenden Schultern und knisternder Seide, von sorgsam frisierten Köpfchen und bunten Blumengirlanden, das sich seltsam von der grauen, staubigen Kulissenwelt ringsumher abhob.

An der Pappwand blieben sie stehen und horchten, die Schleppen über dem linken Arm, mit vorgebeugtem Oberkörper auf ihr Stichwort. Ihre Busen hoben und senkten sich, eine Wolke feinen Parfüms entströmte der Gruppe, und ein Theaterarbeiter, der etwas abseits auf dem Boden lag, blinzelte wohlgefällig zu ihr hinauf.

Als Valeska mit den andern auf die Szene trat, merkte sie alsbald, daß auch dem Direktor, der unten im Parkett thronte, ihre Toilette nicht entging. Er flüsterte mit dem danebensitzenden Regisseur und notierte sich dann etwas in sein Taschenbuch.

Ihr ganzer Auftritt dauerte nur etwa fünf Minuten. Dann rauschten alle vier wieder nach den Garderoben zurück.

»Und wegen dieser Kleinigkeit verliert man nun den ganzen Vormittag«, seufzte die Elten, während sie sich wieder mit Cold-cream abschminkte und das Gesicht trockenrieb.

Thilda Thorbeck antwortete nicht.

Valeska lief zu ihr hin und schlang ihr die bloßen Arme um den Hals.

»Bist du mir denn wirklich böse?«

Ihre Freundin machte sich los, sanft, aber unerbittlich.

»Ich habe wahrhaftig keinen Grund, dir böse zu sein,« sagte sie, »aber ich glaube . . . wir passen doch nicht so zueinander, wie ich dachte.«

»Und das alles wegen dem dummen Kleid . . .«, schluchzte die kleine Elten. »Geh . . . Thilda . . . sei doch lieb . . . es ist doch nicht der Rede wert . . .«

Aber in diesem Punkte war Thilda unerbittlich.

»Du weißt schon, was ich meine . . .«, sagte sie ruhig, »die andern nehmen's dir nicht übel . . . im Gegenteil . . . da kannst du unbesorgt sein!«

»Du bist recht häßlich . . .«, Valeska verbarg weinend das Gesicht zwischen den Händen, »recht häßlich bist du . . . soll man denn gar keine Freude mehr im Leben haben . . . und was hat man denn davon? . . . Man verachtet uns doch . . . das kannst du mir glauben . . . wenn man's uns auch nicht sagt . . . ob wir nun so sind . . . oder so . . .«

Und ohne auf den Gruß der Freundin, die das Zimmer verließ, und die Tröstungen der Garderobiere zu achten, schluchzte sie vor sich hin.

* * *

Inzwischen hatte Franziska Ilgen zusammen mit ihrer Busenfreundin Käthe Hannemann das Theater verlassen und begegnete auf der Straße Herrn von Seybling, der von einem Spazierritt im Tiergarten zurückkehrte.

Als er die beiden schönen Mädchen erblickte, drängte er sein Pferd zu ihnen an den Bürgersteig.

»Nun . . . wie steht's mit dem Einakter morgen?« fragte er und lüftete höflich den Hut.

»Großartig, Herr Baron!« erwiderte die schwarze Franziska. »Das heißt . . . bis auf Fräulein Eltens Toilette . . . über die werden Sie sich wundern!«

»Wirklich?«

»Ja, das ist doch wohl das Powerste, was noch dagewesen ist!«

»Was willst du?« rief Käthe und warf den schönen, von aschblonden Flechten gekrönten Kopf in den Nacken. »Ein armes, braves Kind wie die Elten . . .«

Seybling sah sie aus dem Sattel forschend an und merkte den Spott, der um ihre Mundwinkel zuckte.

»Oh . . . wirklich . . .?« sagte er befriedigt und legte die Schenkel an, um weiterzureiten. »Also auf morgen, meine Damen!«

* * *

»Nun ist nur noch die eine Rolle hier zu besetzen . . .«

Der Direktor Hochmann blätterte, wie er es seit einer Stunde schon tat, nachdenklich in einem umfangreichen Manuskript.

». . . die Astild . . . die einzige, die ich in dem ganzen merkwürdigen Stück für total verzeichnet halte . . .«

»Ja . . . undankbar ist sie jedenfalls sehr . . . trotz ihres Umfangs . . .«, pflichtete Reichau, der Sekretär, bei, »und umarbeiten kann sie der Autor nicht mehr . . .«

»Nein . . . da er tot ist . . .« Hochmann überlegte. »Wirklich ein Pech, mit dreißig Jahren als völlig unbekannter Mensch zu sterben, nachdem man eben solch ein Ding geschrieben hat. Es ist ein wahres Wunder, daß ich durch Zufall in meiner letzten schlaflosen Nacht gerade dies Buch aus dem Stoß von Manuskripten herausgegriffen habe . . . Nun, wir werden ja sehen . . . ich bringe es jedenfalls als nächste Neuheit . . .«

»Und die Astild?«

Hochmann sann nach.

»Eine böse Sache, wer die Rolle kriegt, ist geliefert. Abgetan vielleicht auf immer. Denn unser Publikum und auch ein Teil der Kritik kann gerade solch eine Rolle nicht von der Darstellung trennen. Und es ist nichts damit zu machen. Man muß darin umwerfen!«

»Und dabei muß die Darstellerin schön sein,« meinte Reichau, »um diese edelmütige Kokotte wenigstens einigermaßen glaubhaft zu machen. Außerdem sehr schick . . . und dann sind noch zwei glänzende Toiletten erforderlich.«

»Toiletten . . .« Hochmann sann wieder nach, und seine Züge erhellten sich. »Toiletten . . . haben Sie die Elten heute auf der Probe gesehen?«

»Ja. Die Robe war pompös!«

»Schön! Also schreiben Sie: Astild – Fräulein Elten.«

 


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