William Shakespeare
Leben und Tod Königs Richard des zweyten.
William Shakespeare

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Vierter Aufzug.

Erste Scene.

Der Parlament-Saal in London.

Bolingbroke, Aumerle, Northumberland, Percy, Fizwater, Surrey, der Bischoff von Carlisle, der Abbt von Westmünster, Herolde, Officianten, Gerichtsdiener, und Bagot, treten auf.

Bolingbroke. Ruft den Bagot hervor – – Sage nun ohne Scheu, was du von Glosters Tode weißst; wer half dem Könige dazu, und wer vollbrachte diese unglükselige That?

Bagot. Wenn ihr das wissen wollt, so stellt mir den Lord Aumerle vor die Augen.

Bolingbroke. Vetter, tritt hervor, und sieh' diesem Mann in die Augen.

Bagot. Milord Aumerle, ich weiß eure edelmüthige Zunge verschmäht es, zu läugnen was sie einmal gesagt hat. In jener Zeit, da Glosters Tod angezettelt wurde, hörte ich euch sagen: Ist mein Arm nicht lang genug, da er von dem ruhigen Englischen Hof bis nach Calais an meines Oheims Kopf reicht? Unter vielen andern Reden, hört ich euch damals auch dieses sagen: Ihr wolltet eher hunderttausend angebotne Cronen ausschlagen, als daß Bolingbroke nach England zurük komme; und ihr seztet hinzu, wie glüklich dieses euers Vetters Tod dieses Land machen würde.

Aumerle. Prinzen und Milords, was für eine Antwort soll ich diesem niederträchtigen Mann geben? Soll ich meine schönen Sterne so sehr entehren, und ihm wie einem der meines gleichen ist, antworten. Und doch muß ich, oder ich muß es leiden, meine Ehre von dem Geifer seiner verläumderischen Zunge beflekt zu sehen. Hier ist mein Pfand, (er wirft seinen Handschuh hin,) das Siegel des Todes, daß dich für die Hölle auszeichnet. Du liegst, und ich will, daß es falsch ist was du sagst, mit deinem Herzens-Blut beweisen, so unwürdig es auch ist, den Stahl meines ritterlichen Schwerdts zu besudeln.

Bolingbroke. Bagot, nim dich in Acht; du sollt es nicht aufheben.

Aumerle. Einen einzigen ausgenommen, wollt' ich, der Beste in dieser Versammlung hätte mich so herausgefordert.

Fizwater. Wenn du es zufrieden bist, daß ein andrer seinen Plaz nehme, so ist hier mein Pfand gegen das Deinige. Bey dieser schönen Sonne, die mir zeigt, wo du stehst, ich hörte dich sagen, und du sprachst es mit einem pralerischen Ton, du seyest die Ursach von des edlen Glosters Tod gewesen. Wenn du das läugnest, so lügst du eine zwanzigfache Lüge, und mit diesem meinem Schwerdt will ich sie in dein Herz zurük stossen, worinn sie ausgebrütet wurde.

Aumerle. Feige Memme, du hast das Herz nicht, so lange zu leben, daß du diesen Tag sehest.

Fizwater. Bey meiner Seele, ich wollt' es wäre in dieser Stunde.

Aumerle. Fizwater, diß verdammt dich zur Hölle.

Percy. Aumerle, du lügst; o seine Ehre ist in dieser Anklage so rein, als du ein Bösewicht bist. Und daß du es bist, das will ich, hier ist mein Pfand dafür, bis zum lezten Lebens-Athem an dir beweisen. Heb' es auf, wenn du Muth hast.

Aumerle. Und wenn ich es nicht thue, o dann verdorre meine Hand, und schwinge niemals wieder den rächenden Stahl über den Helm meiner Feinde! Wer beschuldigt mich noch mehr? Beym Himmel, ich nehm' es mit allen auf Ich habe tausend Geister in meiner Brust, um zwanzigtausend solchen wie ihr seyd, zu antworten.

Surrey. Milord Fizwater, ich erinnre mich der Zeit sehr wol, da Aumerle und ihr euch mit einander sprachet.

Fizwater. Milord, es ist wahr; ihr waret dabey, und ihr könnt mir Zeugniß geben, daß es wahr ist.

Surrey. So falsch, beym Himmel, als der Himmel selbst wahrhaft ist.

Fizwater. Surry, du lügst.

Surrey. Ehrloser Bube, diese Lüge soll so schwer auf meinem Schwerdte ligen, daß es Rache über Rache nehmen soll, bis du, der mich lügen hieß, und deine Lüge, so ruhig in der Erde ligen als deines Vaters Schädel. Zu dessen Beweiß, ist hier das Pfand meiner Ehre; verbinde dich zum Kampf, wenn du das Herz hast.

Fizwater. Wie unnöthig spornst du ein feuriges Roß! Wenn ich das Herz habe zu essen, zu trinken, Athem zu holen, so hab' ich auch das Herz, Surrey in einer Wildniß aufzusuchen, und ihn anzuspeyen, indem ich ihm sage, daß er lügt, und lügt, und lügt: Hier ist mein Pfand, daß ich dich zur Straffe ziehen will. So wahr ich in dieser neuen Welt zu gedeyhen wünsche, Aumerle ist meiner wahrhaften Anklage schuldig. Ueberdem hörte ich den verbannten Norfolk sagen, du Aumerle, habest zween von deinen Leuten abgeschikt, den Herzog zu Calais zu ermorden.

Aumerle. Ist kein ehrlicher Christ hier, der mir einen Handschuh leiht, damit ich sagen kan, daß Norfolk lügt; hier zieh ich diesen ab, daß ich es auf ihn beweisen will, wenn er zurükberuffen werden mag.

Bolingbroke. Alle diese Händel sollen zur Entscheidung ausgesezt bleiben, bis Norfolk zurükberuffen ist; und das soll er werden, und, ob er gleich mein Feind ist, in alle seine Herrschaften wieder eingesezt; wenn er wieder da ist, soll er gegen Aumerle seinen Beweis machen.

Carlile. Dieser ehrenvolle Tag wird nie gesehen werden. Eine lange Zeit hat der verwiesne Norfolk für Jesum Christum, in glorreichen blutigen Kämpfen für die Ehre des heiligen Creuzes, mit schwarzen Heiden, Türken und Saracenen gefochten; hernach, von der kriegrischen Arbeit abgemattet, nach Italien sich zurükgezogen, und endlich zu Venedig seinen Leib dieser anmuthsvollen Erde, seine reine Seele aber Christo, seinem Feldherrn, gegeben, unter dessen Fahne er so lange gestritten hatte.

Bolingbroke. Wie, Bischoff, ist Norfolk todt?

Carlile. So gewiß ich lebe, Milord.

Bolingbroke. Seliger Friede führe seine Seele in Abrahams Schooß! – – Milords Appellanten, eure Händel sollen alle auf den gewechselten Pfändern beruhen, bis wir euch den Tag zu eurer Probe angesezt haben.


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