William Shakespeare
Leben und Tod Königs Richard des zweyten.
William Shakespeare

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Eilfte Scene.

In Wales.

Salisbury und ein Officier treten auf.

Officier. Milord von Salisbury, wir haben zehen Tage gewartet, und die gröste Mühe gehabt, unsre Landleute bey einander zu behalten; da wir aber noch immer keine Nachrichten von dem König erhalten, so wollen wir wieder auseinander gehen. Lebet wohl!

Salisbury. Gedulde dich nur noch einen einzigen Tag, du rechtschaffner Welschmann; der König sezt all sein Vertrauen in dich.

Officier. Man glaubt, der König sey todt; wir warten nicht länger. Die Lorbeer-Bäume in unserm Lande sind alle verdorben, Wunderzeichen schreken die Fix-Sterne vom Himmel; der bleiche Mond schaut blutig auf die Erde herab, und hagre Propheten lispeln furchtbare Veränderung. Reiche Leute sehen traurig aus, und Bettler und Spizbuben tanzen und springen; die eine, aus Furcht zu verliehren was sie gewonnen haben, die andre, in Hoffnung durch Krieg und Zerrüttung zu gewinnen. Alles dieses sind Zeichen, die den Tod der Könige ankündigen – – Lebet wohl; unsre Landleute sind alle wieder auseinander gegangen, und lassen sich nicht benehmen, daß König Richard todt sey.

(Er geht ab.)

Salisbury. Ach! Richard! ach! mit thränenbeladnen Augen seh' ich deinen Glanz, gleich einem fallenden Stern, vom Firmament zur Erde sinken. Die Sonne sizt weinend im niedrigen West, und propheceyt Stürme, Unruhen und Unglük. Deine Freunde sind zu deinen Feinden übergegangen, und alle Umstände vereinigen sich zu deinem Verderben.

(Er geht ab.)


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