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Zweites Kapitel

– – – Schlich zu mir heran
Und schnitt vom besten Theile meines Landes
'nen großen Halbmond, ein gewaltig Stück ab.

Heinrich IV. Theil I.

Die Gesellschaft im Wohnzimmer zu Ellangowan bestand aus dem Laird und einer Person, die dem Aeußern nach der Dorfschulmeister oder vielleicht der Substitut des Pfarrers sein konnte; sein Anzug war zu schäbig, als daß er der Pfarrer selbst hätte sein können, zumal da er eben beim Laird zu Besuch war.

Der Laird war einer von jenen Edelleuten vom zweiten Rang, wie man sie häufig auf Landsitzen findet. Fielding beschrieb eine Klasse derselben als feras consumere nati; aber die Liebe zur Jagd zeigt doch eine gewisse Lebhaftigkeit des Geistes an, die Mr. Bertram verlassen hatte, wofern er sie überhaupt jemals besaß. Eine gutmüthige Sorglosigkeit bildete den einzigen ausfälligen Ausdruck seiner Züge, die indeß ziemlich einnehmend waren. In der That, seine Physiognomie kündete die Leere des Characters an, die durch sein ganzes Leben ging. Ich will den Leser einen Blick auf seinen Stand und seine Unterhaltungsweise thun lassen, bevor er eine lange Vorlesung an Mannering beendet hat, betreffend die Zweckmäßigkeit und den Nutzen, den es hat, wenn man seine Steigbügel mit Strohwischen umwickelt, sobald man an einem kühlen Abende reiten muß.

Gottfried Bertram von Ellangowan erbte einen großen Stammbaum und eine kleine Einnahme, wie so manche Lairds jener Periode. Das Register seiner Ahnen stieg so hoch hinauf, daß es sich in die barbarischen Zeiten heidnischer Unabhängigkeit verlor; und so trug sein Stammbaum, außer den Christen- und Kreuzfahrernamen Gottfried, Gilbert, Dennis und Roland, ohne Ende, auch noch heidnische Früchte dunklerer Zeiten, Arth's, und Knarth's, und Donagild's, und Hanlon's. Wirklich waren sie früher die stürmischen Gebieter eines wüsten, aber ausgedehnten Besitzthums gewesen, so wie die Häupter eines zahlreichen Stammes, genannt Mac-Dingawaie, obwohl sie später den normannischen Namen Bertram führten. Sie hatten Krieg gemacht, Rebellionen angestiftet, waren geschlagen, geköpft und gehängt worden, wie es sich für eine Familie von Bedeutung im Laufe vieler Jahrhunderte ziemt. Allmälig hatten sie mehr und mehr Gebiet in der Welt verloren und, während sie früher die Häupter von Verrath und verrätherischen Verschwörungen gewesen, waren die Bertram's oder Mac-Dingawaies von Ellangowan zu untergeordneten Mitverschwornen herabgesunken. Am unheilvollsten ward diese Rolle für sie im siebzehnten Jahrhundert, wo ihnen der böse Feind einen Geist des Widerspruchs einflößte, welcher sie in förmlichen Streit mit den herrschenden Mächten verwickelte. Sie handelten ganz anders als der berühmte Vikar von Bray und hielten sich so hartnäckig zu der schwächern Seite, wie jener würdige Geistliche zur stärkern. Und wirklich ward ihnen, gleich ihm, ihr Lohn.

Allan Bertram von Ellangowan, welcher blühete tempore Caroli primi, war, wie mein Gewährsmann, Sir Robert Douglas, in seiner »Schottischen Baronie,« (siehe den Artikel Ellangowan.) sagt, »ein standhafter Loyalist und voll Eifers für die Sache Sr. geheiligten Majestät, für welche er sich mit dem großen Marquis von Montrose und andern wahrhaft eifrigen und ehrenhaften Patrioten verband, und überdies brachte er der Sache große Opfer. Die Ehre der Ritterwürde war ihm von Sr. geheiligten Majestät verliehen worden, und 1642 ward er vom Parlamente als Uebelgesinnter mit Sequester belegt, sowie später abermals, im Jahr 1648, als Neuerungssüchtiger.« – Diese beiden ganz verschiedenen Benennungen, Uebelgesinnter und Neuerungssüchtiger (in Glaubenssachen) kosteten dem armen Sir Allan die eine Hälfte seines Familiengutes. Sein Sohn Dennis Bertram heirathete die Tochter eines vornehmen Fanatikers, welcher eine Stelle im Staatsrath hatte, und rettete durch diese Verbindung die Reste seines Familieneigenthums. Leider aber geschah es, daß er sich eben so sehr in die Grundsätze wie in die Reize seiner Gemahlin verliebte, und der obengenannte Autor charakterisirt ihn folgendermaßen: »Er war ein Mann von vorzüglichem Talent und Entschlossenheit, und aus diesem Grunde ward er auch von den westlichen Grafschaften zum Mitgliede des Ausschusses von Edeln und Herren gewählt, welcher ihre Beschwerden, in Betreff des Einfalles der Hochländer im Jahr 1678, dem geheimen Rathe Karls II. vorlegen sollte.« Wegen dieses patriotischen Werkes verfiel er einer Geldbuße, und um diese zu bezahlen, mußte er die übrige Hälfte seines väterlichen Erbes verpfänden. Dieser Verlust hätte durch strenge Sparsamkeit ersetzt werden können, doch als Argyles Aufruhr zum Ausbruch kam, kam Dennis Bertram wieder bei der Regierung in Verdacht und wurde nach Schloß Dunnotar an der Küste des Mearns geschickt, wo er den Hals brach, indem er versuchte, aus der unterirdischen Wohnung, Whigs Halle genannt, wo er mit achtzig seiner Genossen saß, zu entfliehen. Der Pfandinhaber trat daher den Besitz an und schnitt, wie sich Heißsporn ausdrückt, »heranschleichend,« ein zweites großes Stück vom Familieneigenthum los.

Donohoe Bertram, mit einem etwas irländisch klingenden Namen und mit etwas irländischem Charakter, erbte nun das verminderte Besitzthum von Ellangowan. Er wies den ehrwürdigen Aaron Macbriar, seiner Mutter Kaplan zur Thür hinaus, (man sagt, sie wären um die Gunst einer Viehmagd in Streit gerathen,) betrank sich täglich in Gesundheiten auf den König, den Staatsrath und die Bischöfe, hielt Orgien mit dem Laird von Lagg, Theophilus Oglethorpe und Sir James Turner, und nahm endlich seinen Grauschimmel und verband sich mit Clavers zu Killiekrankie. Im Gefecht bei Dunkeld, 1689, ward er von einem Cameronier mit einem silbernen Knopf todt geschossen, (weil man ihn gegen Blei und Stahl mit Hilfe des Bösen für fest hielt,) und sein Grab heißt noch jetzt des »Gottlosen Lairds Lager.«

Sein Sohn Lewis besaß mehr Klugheit, als sonst der Familie eigen gewesen zu sein scheint. Er hielt das geringe Eigenthum wohl zu Rathe, was ihm noch geblieben; denn Donohoe's Ausschweifungen, sowie neue Geldbußen und Confiscirungen hatten wieder einen Theil des Vermögens geraubt. Und obwohl auch er dem Verhängnisse nicht entging, welches die Lairds von Ellangowan verleitete, sich in politische Händel zu mischen, so war er doch klug genug, eh' er mit Lord Kenmore im Jahr 1715 auszog, sein Vermögen Vormündern zu übergeben, um Bußen und Geldstrafen auszuweichen, im Fall, daß der Graf Mar mit Einrichtung der protestantischen Thronfolge nicht zu Stande käme. Aber, Scylla und Charybdis – wie die Weisen sagten! er rettete sein Vermögen blos auf Kosten eines Processes, welcher das Familieneigenthum wieder schmälerte. Er war indeß ein Mann von Entschlossenheit. Er verkaufte einen Theil seiner Ländereien, und zog aus dem alten Schlosse, worin die Familie in ihren beschränkten Umständen, (so sagte ein alter Pächter,) gleich der Maus unter einer Falle lebte. Indem er einen Theil dieser ehrwürdigen Ruinen niederriß, baute er mit den Steinen ein schmales Haus, drei Stockwerk hoch, mit einer Fronte gleich einer Grenadiermütze, die gerade in der Mitte ein rundes Fenster hatte, gleich dem einzelnen Auge eines Cyclopen; sodann zwei Fenster an jeder Seite und eine Thür in der Mitte, welche zu einem Gesellschaftszimmer und Nebengemach, mit allen Arten von Zwielichtern erfüllt, führte.

Dies war das neue Schloß Ellangowan, wo wir unsern Helden, vielleicht besser unterhalten, als unsere Leser, zurückließen, und dorthin zog dieser Lewis Bertram zurück, voll von Plänen, wie er das Glück seiner Familie herstellen könne. Er übernahm selbst einige Ländereien, pachtete einige von benachbarten Eigenthümern, kaufte und verkaufte hochländisches Rindvieh und spanische Schafe, ritt auf Jahrmärkte und Kirchmessen, schloß schwierige Käufe ab, und fügte sich der Nothwendigkeit, so weit es nur möglich. Aber was er im Geldkasten sammelte, verlor er an Ehre, denn dergleichen landmännische und merkantilische Geschäfte wurden von den benachbarten Lairds scheel angesehen, welche an nichts dachten, als an Hahngefechte, Jagden, Wettrennen und zur Abwechslung etwa an ein verzweifeltes Duell. Die Geschäfte, denen er nachging, thaten, ihrer Meinung nach, der Würde von Ellangowans altem Adel Abbruch, und er sah sich genöthigt, sich allmälig ihrer Gesellschaft zu entfremden und zu dem Range eines adeligen Pächters herabzusinken, welches damals für einen sehr zweideutigen Charakter galt. Inmitten dieser Pläne forderte der Tod seinen Tribut, und Gottfried Bertram, der gegenwärtige Besitzer, sein einziger Sohn, erbte die kärglichen Reste eines großen Besitzthums.

Das Gefahrvolle bei den Speculationen des Vaters ward nun bald sichtbar. Da die Geschäfte seiner persönlichen und thätigen Oberaufsicht ermangelten, schlugen sie entweder fehl, oder erschienen unsicher und mit Gefahr verknüpft. Ohne nur einen Funken der Thatkraft zu besitzen, die solchen Unfällen entweder vorbeugt oder sie überwindet, setzte Gottfried sein Vertrauen auf die Thätigkeit Anderer. Er hielt weder Jäger, noch Hunde, noch andere Präliminarien des Untergangs; doch hielt er, wie seine Nachbarn wohl bemerkt hatten, einen Geschäftsführer, der ebensogut für seinen Ruin sorgte. Unter dieses Herren Aufsicht wurden kleine Schulden groß, Zinsen wurden auf Kapitale gehäuft, einlösbare Pfänder wurden erblich, und die Masse der Gerichtskosten wuchs bedeutend; Ellangowan besaß so wenig den Geist eines Proceßsüchtigen, daß er in zwei Fällen verurtheilt ward, die Kosten eines langwierigen Rechtshandels zu zahlen, obwohl er nie zuvor gehört hatte, daß dergleichen bei den Gerichten im Gange sei. Unterdessen sagten die Nachbarn seinen endlichen Untergang voraus. Die von höherm Range betrachteten ihn schon mit einiger Schadenfreude als einen heruntergekommenen Standesgenossen. Die niedern Klassen, die nichts Beneidenswerthes in seiner Lage bemerkten, schenkten seinen Verlegenheiten ein größeres Mitleid. Er galt sogar als eine Art von Günstling unter ihnen, und bei Vertheilung von Gemeindeplätzen, oder wenn über Krebsfang und Wilddieberei verhandelt wurde, oder bei ähnlichen Gelegenheiten, wenn sie sich von dem Adel bedrückt glaubten, pflegten sie zu einander zu sagen: »Ja, wenn Ellangowan, der brave Mann, noch das wäre, was einst seine Vorfahren waren, er würde nicht dulden, daß man das arme Volk so mit Füßen träte.« Indeß hinderte sie diese gute Gesinnung keineswegs, ihn bei allen möglichen Gelegenheiten zu bevortheilen, sie trieben ihr Vieh in sein Gehege, stahlen sein Holz, schossen sein Wild, und so weiter, »denn der Laird, der brave Mann, wird ja das nicht merken, – er macht nie Aufhebens davon, was ein armer Kerl thut.« – Krämer, Zigeuner, Kesselflicker, Landstreicher aller Art hausten in seinen Wirthschaftsgebäuden, oder herbergten in seiner Küche; und der Laird, der »kein durchtriebner Bursch,« aber ein gemütlicher Klatschgevatter war, gleich den meisten schwachen Menschen, fand seine Gastfreundschaft durch das Vergnügen belohnt, jene nach den Neuigkeiten der Landschaft ausforschen zu können.

Ein Umstand verzögerte Ellangowans Lauf auf der Heerstraße zum Untergang. Dies war seine Verheirathung mit einer Dame, welche ungefähr viertausend Pfund Vermögen besaß. Niemand in der Nachbarschaft konnte begreifen, warum sie ihn heirathete und ihres Geldes theilhaft machte, wenn es nicht darum geschah, weil er schlank und hübsch gewachsen war, angenehme Züge, ein freundliches Benehmen und die vollkommenste Gutmüthigkeit besaß. Dazu mochte noch kommen, daß sie selbst in dem bedenklichen Alter von acht und zwanzig stand, und keine nahen Verwandten hatte, die ihre Handlungen oder ihre Wahl leiten konnten.

Es geschah dieser Dame wegen (die sich zum erstenmal nach ihrer Verheirathung in den Wochen befand), daß der schnelle Bote, dessen die alte Dame in der Hüte erwähnte, gerade in der Nacht, wo Mannering ankam, nach Kippletringan abgefertigt wurde.

Nachdem wir so viel von dem Laird selbst gesagt haben, bleibt noch übrig, daß wir den Leser einigermaßen mit seinem Gefährten bekannt machen. Dies war Abel Simson, den man auch gewöhnlich, weil er sich den Geschäften eines Pädagogen gewidmet hatte, Dominie Simson nannte. Er war von niederer Herkunft, hatte aber schon von der Wiege an einen solchen Ernst des Charakters an den Tag gelegt, daß seine armen Eltern dadurch zu der Hoffnung ermuthigt wurden, ihr Goldsöhnchen werde, wie sie sich ausdrückten, »einst mit dem Kopfe noch auf der Kanzel herumwackeln.« In der ehrgeizigen Erwartung solch einer Erhöhung sparten und darbten sie, standen früh auf und legten sich spät nieder, aßen trocken Brod und tranken kalt Wasser, um ihrem Abel die Mittel zum Studieren zu sichern. Unterdessen machten ihn seine große, unschöne Gestalt, seine schweigsamen und gravitätischen Manieren, die groteske Weise, wie er seine Glieder bewegte, und die Gesichter, die er schnitt, wenn er seine Aufgabe hersagte, zum Gelächter aller seiner Schulkameraden. Dieselben Eigenschaften sicherten ihm auf der hohen Schule zu Glasgow in reichem Maaße dieselbe Art von Berühmtheit. Die Hälfte des jugendlichen Pöbels »aus den Höfen« pflegte sich regelmäßig zu versammeln, um Dominie Simson zu sehn (denn diesen Ehrentitel hatte er bereits erlangt), wie er die Treppe von der griechischen Klasse herabstieg, mit seinem Lexicon unter dem Arm, die langen, mißgestalten Beine spreizend, mit denen er linkisch im Takt mit seinen ungeheuren Schulterblättern blieb, welche den abgetragenen, fadenscheinigen schwarzen Rock, seine beständige und einzige Tracht, bald herauf, bald herab drückten. Wenn er sprach, so waren die Anstrengungen des Professors (obwohl er Professor der Gottesgelehrtheit war) durchaus nicht fähig, das unauslöschliche Gelächter der Commilitonen zu zügeln, ja bisweilen vermochte der Professor sein eigenes nicht zu unterdrücken. Das lange hagere Gesicht, die glotzenden Augen, die ungeheure Unterkinnlade, deren Oeffnen und Schließen keineswegs Akt eines freien Willens zu sein schien, sondern wie durch eine im innern Menschen angebrachte Maschinerie sank und stieg, – die rauhe und mißtönende Stimme und die eulenartigen Töne, zu welchen sie sich erhob, wenn er aufgefordert ward, deutlicher zu sprechen, – Alles dies, sammt dem abgeschabten Rock und zerrissenen Schuhen, die seit Juvenals Zeiten Gegenstände der Neckerei an armen Gelehrten waren, bot stets neuen Stoff zur Belustigung dar. Man kannte keinen Fall, wo sich Simson über diese üble Behandlung empfindlich gezeigt, oder den mindesten Versuch, sie seinen Quälern zu vergelten, gemacht hätte. Er schlich sich auf den geheimsten Wegen, die er entdecken konnte, aus dem Collegium, und verbarg sich in seine elende Wohnung, wo er, für achtzehn Pence die Woche, die Wohlthat eines Strohsacks genoß, und wenn seine Wirthin bei guter Laune war, seinen Studien auch wohl bei ihrem Feuer obliegen durfte. Bei all diesem Mißgeschick erwarb er sich gute Kenntniß des Griechischen und Lateinischen, und machte sich auch ziemlich bekannt mit den übrigen Zweigen des Wissens.

Im Laufe der Zeit erhielt Abel Simson, als Kandidat der Theologie, die Erlaubniß zu predigen. Doch, ach! theils seiner eigenen Schüchternheit wegen, theils der großen Lachlust wegen, welche die Versammlung bei seinem ersten Auftritt befiel, fühlte er sich gänzlich unfähig, in der beabsichtigten Rede fortzufahren, stotterte, räusperte sich, rollte die Augen abscheulich hin und her, bis die Versammlung glaubte, sie würden ihm aus dem Kopfe fahren, dann schlug er die Bibel zu, stolperte die Kanzelstufen hinab, fast über die alten Weiber fallend, die dort gewöhnlich ihren Platz hatten, und seit dieser Zeit hieß er nicht anders, als der steckengebliebene Kandidat. Und so begab er sich nach seiner Heimath, mit vernichteten Hoffnungen und Plänen, zurück, um die Armuth seiner Aeltern zu theilen. Da er weder Freund noch Vertraute, ja nicht einmal einen Bekannten hatte, so war Niemand im Stande zu beobachten, wie Dominie Simson ein Mißgeschick ertrug, welches dem ganzen Orte eine Woche lang Stoff zu Scherzen gab. Wir würden nicht zu Ende kommen, wenn wir die unzähligen Späße, die bei der Gelegenheit zum Vorschein kamen, alle erwähnen wollten, von einer Ballade, genannt Simson's Räthsel, die ein junger Philolog in Folge des Vorfalls schrieb, bis zu der schalkhaften Hoffnung des Pfarrers, daß der Flüchtling nicht, gleich seinem gewaltigen Namensvetter, die Thürflügel des Collegiums mit sich genommen haben möge.

Allem Anschein nach, blieb der Gleichmuth Simsons unerschüttert. Er suchte seine Eltern durch Stundengeben zu unterstützen, und bald hatte er Schüler in Menge, aber sehr geringe Einnahme. Er lehrte die Söhne der Pächter für so viel, als ihnen zu geben beliebte, und die Armen für nichts; und zur Schande der erstern sei es gesagt, daß der Lohn des Lehrers nie dem eines geschickten Ackermanns gleichkam. Er schrieb indeß eine gute Hand und vermehrte seine geringe Einnahme ein wenig dadurch, daß er Rechnungen copirte und Briefe für Ellangowan schrieb. Nach und nach gewöhnte sich der Laird, welcher der größern Gesellschaft sehr entfremdet war, ganz besonders an die des Abel Simson. Von Unterhaltung war allerdings nicht die Rede, aber der »Dominie« war ein guter Zuhörer und wußte das Feuer geschickt anzuschüren. Er versuchte sich sogar im Lichterputzen, aber nicht mit Erfolg, und verließ diesen Ehrenposten der Höflichkeit, nachdem er das Zimmer zweimal in totale Finsterniß versetzt hatte. So waren seine Artigkeiten darauf beschränkt, daß er sein Bierglas genau im nämlichen Augenblick mit dem Laird ergriff und am Schlusse der langen und weitschweifigen Erzählungen Ellangowans ein dumpfes Beifallsgemurmel hören ließ.

Bei einer solchen Gelegenheit war es, wo er Mannering zum erstenmal seine lange, hagere, linkische und knochige Figur zeigte, gekleidet in einen abgetragnen schwarzen Rock, während ein buntes, nicht allzu reinliches Halstuch seinen sehnigen, dürren Hals umfing. Außerdem trug er graue Beinkleider, dunkelblaue Strümpfe, benagelte Schuhe und kleine kupferne Schnallen.

So stellten wir in der Kürze das Leben und die Umstände der beiden Personen dar, in deren Gesellschaft sich Mannering nun behaglich fand.



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