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Neuntes Kapitel.

Den König von des Bettlers Schatz sollt ihr
Nun kennen. Noch vor Morgen stellt euch ein,
Vergeßt mich nicht, ich will's euch schon vergelten.

Der Bettlerbusch.

Der Deutsche war, wie es schien, entschlossen, die vortheilhafte Lage, in welche ihn die Entdeckung versetzt hatte, zu behaupten, und er erwiederte daher den Angriff des Alterthümlers mit großer Prahlerei und Keckheit.

»Mr. Oldenbuck, alles das mag recht witzig und komisch sein, aber ich habe nichts, wirklich gar nichts zu Leuten zu sagen, die ihren eigenen Augen nicht trauen. Es ist allerdings wahr, daß ich kein Mittel der Kunst angewendet habe, aber dadurch wird das Wunder, welches ich heute vollbrachte, nur um so größer. – Aber ich möchte Sie bitten, mein verehrter, guter und großmüthiger Gönner, Ihre Hand in Ihre rechte Westentasche zu stecken und mir zu zeigen, was Sie dort finden.«

Sir Arthur befolgte diese Weisung und zog die kleine Silberplatte hervor, welche er unter des Adepten Auspicien bei der letzten Gelegenheit angewendet hatte. »Das ist allerdings wahr,« sagte Sir Arthur, den Antiquar ernst anblickend, »hier ist das gezeichnete und berechnete Siegel, durch welches Mr. Dousterswivel und ich die erste Entdeckung regulirten.«

»Pfui, pfui! mein theurer Freund!« sagte Oldbuck, »Sie sind zu vernünftig, um an den Einfluß eines elenden, dünn geschlagenen Kronenstücks zu glauben, worauf einiges dummes Zeug gekritzelt ist. Ich sag' Ihnen, Sir Arthur, hätte Dousterswivel etwas von diesem Schatze gewußt, so würden Sie nicht Herr des kleinsten Theils geworden sein.«

»Wahrhaftig, mit Ew. Gnaden Erlaubniß,« sagte Edie, der sein Wort überall drein gab, »ich glaube, da Mr. Dousterswivel so viel Verdienst um die Entdeckung des Schatzes hat, so könnten Sie ihm wenigstens das überlassen, was etwa noch da unten übrig ist, denn ohne Zweifel wird er, der so viel zu finden wußte, auch noch mehr zu finden wissen.«

Dousterswivel's Gesicht ward bei diesem Vorschlage, sich seinen »eignen Profit« zu verschaffen, sehr finster, aber der Bettler zog ihn bei Seite und flüsterte ihm einige Worte in's Ohr, denen er große Aufmerksamkeit schenkte.

Unterdessen sagte Sir Arthur, dessen Herz durch das Glück warm geworden war, mit lauter Stimme: »Kümmern Sie sich nicht um unsern Freund Monkbarns, Mr. Dousterswivel, aber kommen Sie morgen auf's Schloß, und ich will Sie überzeugen, daß ich nicht undankbar für die Winke bin, die Sie mir in dieser Sache gegeben haben, und die elende Fairporter fünfzig Pfundnote, wie Sie sie nennen, steht Ihnen recht gern zu Diensten. Nun, ihr Leute, macht den Deckel dieser kostbaren Kiste wieder fest.«

Aber bei der Verwirrung war der Deckel zur Seite unter den Schutt gefallen, oder die lockere Erde aus dem Grabe hatte ihn bedeckt – kurz, er war nicht zu sehen.

»Nun, es thut nichts, legt die Leinwand drüber und bringt den Kasten in den Wagen. Monkbarns, werden Sie mitgehen? – ich muß zurück zu Ihnen, um Miß Wardour abzuholen.«

»Und, wie ich hoffe, auch Ihr Mittagsmahl bei mir zu halten und ein Glas Wein zu trinken, weil das Abenteuer so gut abgelaufen ist. Ueberdies müssen Sie wegen der Sache an den Kronschatzmeister schreiben, falls sich die Regierung hineinmischen sollte. Da Sie Herr des Grundes und Bodens sind, so werden Sie leicht die Schenkungsurkunde erhalten, wenn ja Ansprüche gemacht werden sollten. Wir werden die Sache noch besprechen.«

»Und ich empfehle besonders allen Anwesenden Stillschweigen,« sagte Sir Arthur, im Kreise umherblickend. Alle verbeugten sich und versprachen stumm zu sein.

»Nun, in diesem Falle,« sagte Monkbarns, »Verschwiegenheit zu empfehlen, wo ein Dutzend Leute mit der Sache, die verborgen gehalten werden soll, bekannt sind, das heißt nur, der Wahrheit eine Larve vorbinden, denn die Geschichte wird unter zwanzig verschiedenen Gestalten circuliren. Doch keine Sorge deßhalb, wir melden die Wahrheiten einem der Kronbeamten, und das ist Alles, was erforderlich sein wird.«

»Ich möchte wohl noch heut Abend einen Boten absenden,« sagte der Baronet.

»Ich kann Ew. Gnaden eine sichere Hand empfehlen,« sagte Ochiltree; »den kleinen Davie Mailsetter mit des Fleischers widerhaarigem Klepper.«

»Wir wollen die Sache auf dem Wege nach Monkbarns besprechen,« sagte Sir Arthur. Und zu den Arbeitern sagte er: »Ihr guten Leute, folgt mir zu den Vier Hufeisen, damit ich eure Namen aufzeichnen kann. Dousterswivel, Sie möcht' ich kaum bitten, nach Monkbarns hinab zu gehen, da zwischen dem Laird und Ihnen so große Meinungsverschiedenheit herrscht; verfehlen Sie aber nicht, mich morgen zu besuchen.«

Dousterswivel murmelte eine Antwort, in welcher die Worte »Pflicht,« – »mein geehrter Patron,« – »Sir Arthur Aufwartung machen,« allein vernehmbar waren; und nachdem der Baronet und sein Freund die Ruinen verlassen hatten, denen die Bedienten und Arbeiter folgten, welche, auf Belohnung und Branntwein hoffend, freudig ihrem Anführer folgten, blieb der Adept in finsterm Sinnen an der Seite des offenen Grabes zurück.

»Wer hätte das auch denken können?« rief er unwillkürlich aus. »Heiliger Himmel! ich habe von dergleichen gehört und oft von dergleichen gesprochen – aber, Sapperment! nie hab' ich dergleichen zu sehen erwartet! Und wär' ich zwei oder drei Fuß tiefer in die Erde gegangen – mein Himmel! Alles wäre mein gewesen! zumal, da ich lange damit umgehe, mich von dem Narren loszumachen.«

Hier endigte der Deutsche sein Selbstgespräch, denn als er die Augen erhob, begegnete er denen Ochiltree's, welcher der Gesellschaft nicht gefolgt war, sondern sich, wie gewöhnlich auf seinen Stab gestützt, an der andern Seite des Grabes hingepflanzt hatte. Die Züge des alten Mannes, von Natur so schlau und ausdrucksvoll, daß er fast ein schelmisches Ansehn hatte, schienen in diesem Augenblicke so durchdringend klug, daß selbst die Frechheit Dousterswivel's, obwohl er ein ausgemachter Gauner war, sich davor demüthigen mußte. Aber er sah die Nothwendigkeit einer Erklärung ein, und begann daher, seinen Muth zusammenraffend, den Bettler sogleich über die Vorfälle des Tages auszuforschen. »Guter Mr. Edie Ochiltree« –

»Blos Edie Ochiltree, nicht Master – Ihr und des Königs armer Bettelmann« – antwortete der Blaukittel.

»Nun gut, lieber Edie, was denken Sie von Alledem?«

»Ich dachte just daran, daß es sehr freundlich (um nicht zu sagen einfältig) von Ew. Gnaden war, zwei reichen Edelleuten, die Land und Gut und Geld die schwere Menge haben, diesen gewaltigen Schatz zu schenken (dreimal im Feuer geläutert, wie die Schrift sagt), einen Schatz, der Sie selber und zwei oder drei ehrliche Kerls obendrein ihr Lebenlang glücklich und zufrieden gemacht haben würde.«

»Wirklich, Edie, mein wackrer Freund, das ist sehr wahr; aber ich wußte nur nicht, das heißt, ich wußte nicht genau, wo das Geld zu finden war.«

»Ei, kamen denn nicht auf Ew. Gnaden Rath und Ermahnung Monkbarns und der Ritter von Knockwinnock hieher?«

»Ei, ja – aber es war noch ein andrer Umstand; ich wußte nicht, daß sie den Schatz finden würden, mein Freund; obschon ich an dem Husten, Niesen, Stöhnen und Geräusch eines Geistes hier in einer Nacht neulich merkte, daß ein Schatz hier zu finden sein müsse. Ach! mein Himmel! der Geist ächzte und stöhnte, als wär' er ein holländischer Bürgermeister, der nach einem großen Gastmahl auf dem Rathhaus seine Thaler zusammenrechnet.«

»Und glauben Sie denn wirklich an dergleichen, Mr. Dousterswivel? – ein gelehrter Mann wie Sie – ach pfui!«

»Mein Freund,« antwortete der Adept, durch die Umstände genöthigt, etwas aufrichtiger zu sprechen, als er sonst zu thun pflegte, »ich glaubte nicht mehr als Sie und alle andern Leute daran, bis ich den Geist neulich in der Nacht stöhnen und ächzen hörte, und bis ich heute die Ursache sah, nämlich eine große Kiste voll reinen Silbers aus Mexico – und was sollt' ich nun sonst glauben?«

»Und was würden Sie einem geben, der eine andere Silberkiste Ihnen suchen hälfe?« sagte Edie.

»Geben? – mein Himmel! ein reichliches Viertel davon.«

»Nun, wenn ich das Geheimniß besäße,« sagte der Bettler, »so würde ich auf der Hälfte bestehen; denn sehen Sie, obwohl ich ein zerlumpter armer Kerl bin und Silber oder Gold nicht verkaufen dürfte, aus Furcht, aufgehangen zu werden, so könnt' ich doch Leute finden, die es mir mit besserm Profite abnähmen, als Sie es im Sinne haben.«

»Ach, Himmel! – mein guter Freund, was hab' ich denn gesagt? – ich wollte sagen, Sie sollten dreiviertel, statt die Hälfte haben, und für mich wollt' ich nur das eine Viertel.«

»Nein, nein, Mr. Dousterswivel, wir wollen gleich theilen, was wir finden, gleich, wie Brüder. Nun besehn Sie den Deckel da, den ich aus dem Wege warf in den finstern Winkel, während Monkbarns dort das Silber untersuchte. Ich war froh, daß er dies nicht zu sehen bekam. Er hat ein scharfes Auge. Sie werden die Schrift besser lesen können als ich – ich bin kein Bücherleser, wenigstens hab' ich keine Uebung.«

Mit dieser bescheidenen Erklärung seiner Unkunde, brachte Ochiltree hinter einem Pfeiler den Deckel des Silberkastens hervor, der, nachdem er abgelöst worden, während der gierigen Untersuchung dessen, was er barg, nachlässig bei Seite geworfen worden war, und den der Bettler sodann, wie es schien, versteckt hatte. Es stand ein Wort und eine Ziffer auf dem Brette, und der Bettler machte dies deutlicher, indem er auf sein zerlumptes blaues Taschentuch spuckte und damit den Staub, der die Inschrift verdunkelte, abwischte. Sie war mit gewöhnlichen Buchstaben geschrieben.

»Können Sie's herausbringen,« sagte Edie zum Adepten.

»S,« sagte der Philosoph, indem er wie ein Kind in der Schule buchstabirte; »S, T, A, R, C, H, – Starch – das ist, was die Waschweiber zu Halstüchern und Hemdkragen brauchen.«

»Starch!« wiederholte Edie; »nein, nein, Mr. Dousterswivel, Sie verstehen das Beschwören besser als das Lesen – es heißt Search [suche], Freund, suche – sehen Sie, das E steht ja ganz deutlich da.«

»Aha! nun seh' ich's – es heißt sucheNummer Eins. Mein Himmel, dann muß ja wohl Nummer Zwei auch da sein, mein guter Freund; denn Search heißt doch so viel, als suchen und graben, und dies hier ist Nummer Eins! – Auf mein Wort, es steckt noch eine gute Nummer für uns im Glücksrade, mein guter Mr. Ochiltree!«

»Nun ja, das kann wohl sein – aber jetzt können wir sie nicht bekommen. Wir haben keine Schaufeln, denn die haben die Andern mit fortgenommen. Auch wird wahrscheinlich bald einer von ihnen zurückgeschickt werden, um die Erde in die Höhle zu werfen, und alles wieder gerade zu machen. Aber wollen Sie sich ein Bißchen mit mir im Walde niedersetzen, so sollen Sie sehn, daß Sie gerade an den einzigen Mann im Lande gekommen sind, der Ihnen von Malcolm Misticot und seinem verborgenen Schatze erzählen kann. Aber zuerst wollen wir die Buchstaben aus diesem Brette kratzen, damit diese nichts verrathen.«

Mit Hilfe seines Messers kratzte der Bettler nun die Schrift so weit weg, daß sie völlig unkenntlich wurde, und dann rieb er das Brett auch noch mit Schutt, um alle Spuren seines Messers zu verbergen.

Dousterswivel sah ihn schweigend und mit zweifelhaftem Blicke an. Es war eine Klugheit und Gewandtheit in Allem, was der alte Mann vornahm, daß sich daraus schließen ließ, er sei eine Person, die sich nicht leicht werde übervortheilen lassen; gleichwohl (denn auch Schurken haben einen gewissen Stolz) fühlte unser Adept die Schmach, eine Nebenrolle spielen zu müssen und einen Gewinn mit einem so gemeinen Genossen zu theilen. Seine Gier nach Gewinn war indeß stark genug, um seinen beleidigten Stolz zu besiegen, und obwohl weit mehr Betrüger als Dummkopf, setzte er doch auch einiges Vertrauen auf die abergläubischen Gebräuche und Meinungen, mittelst deren er andre betrog. Da er gewohnt war, bei solchen Gelegenheiten als Anführer zu handeln, fühlte er sich allerdings dadurch gedemüthigt, gleich einem Geier von einer schlechten Krähe zur Beute geführt zu werden. – Indeß, dachte Dousterswivel, will ich doch seine Geschichte zu Ende hören, und es müßte schlimm sein, wenn ich meine Rechnung nicht besser dabei fände, als es mir Mr. Edie Ochiltree vorschlägt.

Der Adept, jetzt aus einem Lehrer in einen Schüler der geheimen Kunst umgewandelt, folgte dem Bettler geduldig nach der Priorseiche – ein Ort, der sich, wie der Leser weiß, nicht weit von den Ruinen befand; hier setzte sich der Deutsche nieder und erwartete schweigend des Bettlers Mittheilungen.

»Mr. Dousterswivel,« sagte der Erzähler, »es ist ziemlich lange her, daß ich von dieser Sache erzählen hörte. Denn die Herren von Knockwinnock, der jetzige, so wie sein Vater und Großvater, auf die ich mich noch ein Bißchen besinnen kann, hörten nicht gern davon sprechen – und sie hören es auch jetzt noch nicht gern. Aber das thut nichts, es wurde doch in der Küche davon geplaudert, wie es in allen großen Häusern geht, wenn es auch im Saale verboten ist. Und so hab' ich die Sache oft von alten Dienstleuten erzählen hören; da aber in jetziger Zeit dergleichen Dinge nicht im Winter beim Herde besprochen werden, so ist die Frage, ob außer mir noch Jemand in der Gegend etwas davon weiß; ausgenommen freilich den Baronet selbst, denn wie ich hörte ist im Bücherzimmer zu Knockwinnock ein Pergamentbuch, worin die ganze Geschichte steht.«

»Gut, Alles das hat seine Richtigkeit – aber beginnen Sie nur Ihre Erzählungen, mein guter Freund,« sagte Dousterswivel.

»Nun ja, sehen Sie,« fuhr der Bettler fort, »es war in alten Zeiten ein Drängen und Treiben durch's ganze Land, wo ein Jeder nur für sich selber sorgte, und Gott für uns Alle; da entbehrte kein Mensch Geld und Gut, wenn er nur Kraft hatte, zuzugreifen, und keiner besaß auch länger etwas, als so lang er Macht hatte, es zu behaupten. Es ging just Alles drunter und drüber und wer gewinnen konnte, gewann. So ging es hier überall im Ostlande zu, und auf dieselbe Weise wahrscheinlich auch durch das ganze übrige Schottland.«

»In diesen Tagen kam nun Sir Richard Wardour in's Land, und er war seines Namens der erste in dieser Gegend. – Seit der Zeit hat es ihrer viele gegeben; die meisten von ihnen liegen, gleich ihm, den man nur »Höll-im-Harnisch« nannte, in jenen Ruinen begraben. Sie waren stolze Leute, aber tapfer und konnten für's ganze Land aufstehen, Gott segne sie – es liegt durchaus nichts Papistisches in dem Wunsche. Man nannte sie die normännischen Wardours, obwohl sie aus dem Süden nach diesem Lande kamen. Der Richard nun, den man den Rothhändigen nannte, machte sich mit dem alten Knockwinnock bekannt, denn damals herrschten die Knockwinnocks hier, und wünschte seine einzige Tochter zu heirathen, welche die Erbin des Schlosses und Landes war. Ungern, sehr ungern ging das Mädchen (Sybille Knockwinnock nannten sie die Leute, die mir die Geschichte erzählten), ungern, sehr ungern ging sie die Verbindung ein, denn sie unterhielt schon ein Einverständniß mit einem ihrer Vettern, welchem ihr Vater nicht wohlwollte. Als sie nun aber vier Monate lang mit Sir Richard verheirathet gewesen war (denn heirathen mußte sie ihn), so brachte sie ihm einen hübschen Jungen zur Welt. Darüber entstand nun ein gewaltiger Lärm, deßgleichen noch nie erhört worden; sie sollte verbrannt, er todtgeschlagen werden – weiter hörte man nichts sagen. Indeß ward doch die Sache einigermaßen vertuscht, der Junge ward fortgeschickt und in den Hochlanden erzogen; dort wuchs er zu einem hübschen, stattlichen Burschen heran, wie so mancher, der auf der unrechten Seite aus dem Bett' gekommen ist; Sir Richard mit der rothen Hand aber hatte selbst einen stattlichen Sohn, und Alles ging friedlich und ruhig ab, bis er sein Haupt zur Ruhe legte. Dann aber zog Malcolm Misticot herab (Sir Arthur meint, es solle Misbegot heißen, aber man hat ihn von jeher Misticot genannt), Malcolm, das Kind der Liebe, zog von Glen-isla herab und mit ihm eine Schaar langbeiniger Hochländer, die immer bereit sind, wo es Unheil zu stiften gibt; er behauptete, Schloß und Land gehörte sein, weil er seiner Mutter ältester Sohn sei, und so vertrieb er die Wardours hinaus in die Berge. Es entstand Kampf und Blutvergießen daraus, denn die Edelleute ergriffen verschiedene Partei; Malcolm aber behielt lange Zeit die Oberhand, behauptete das Schloß Knockwinnock, befestigte es und baute den Thurm, der noch bis auf den heutigen Tag Misticot's Thurm heißt.«

»Mein guter Freund, alter Mr. Edie Ochiltree,« unterbrach ihn der Deutsche hier, »das klingt ganz wie eine der langen Geschichten von einem Baron von sechzehn Ahnen in meiner Heimat; aber ich möchte viel lieber von Silber und Gold hören.«

»Nun, sehen Sie,« fuhr der Bettler fort, »dieser Malcolm ward von einem Oheim, einem Bruder seines Vaters, welcher Prior von St. Ruth hier war, sehr unterstützt, und sie hatten sich einen großen Schatz gesammelt, um die Erbfolge ihres Hauses auf den Gütern von Knockwinnock zu sichern. Man erzählt, die Mönche hätten damals die Kunst verstanden, das Metall zu vermehren – jedenfalls waren sie sehr reich. Endlich kam es dahin, daß der junge Wardour, der Sohn des Rothhändigen, Misticot herausforderte, mit ihm in den Schranken zu fechten, wie man's nannte. Nun ward Misticot dabei überwunden und der Gnade seines Bruders überlassen – dieser wollte ihm aber das Leben nicht rauben, weil das Blut Knockwinnocks in Beider Adern floß. Daher ward Malcolm gezwungen ein Mönch zu werden und er starb bald nachher im Kloster aus Mißmuth und Aerger. Niemand wußte, wo ihn sein Bruder, der Prior, beerdigt hatte, oder was er mit seinem Gold und Silber that, denn er gehörte der heiligen Kirche an und brauchte keinem Menschen Rechenschaft zu geben. Aber es besteht die Prophezeihung im Lande, daß, wenn Misticot's Grab gefunden würde, das Gut von Knockwinnock verloren und auch gewonnen sein solle.«

»Ach, mein guter alter Freund, Mr. Edie, das ist auch gar nicht unwahrscheinlich, wenn Sir Arthur, dem Mr. Oldenbuck zu Gefallen, sich mit seinen guten Freunden entzweien will. Und also meinen Sie, all das Silber und Gold gehörte dem guten Malcolm Mistigkoth?«

»Allerdings, Mr. Dousterswivel.«

»Und glauben Sie, daß noch mehr von der Art vorhanden ist?«

»Steif und fest glaub' ich's – wie könnt' es auch anders sein? – SucheNo. I. – das soll heißen: suche, und du wirst Nummer zwei finden. Ueberdies enthielt jene Kiste blos Silber, und ich hörte immer, Misticot's Schatz habe meist aus gelbem gutem Golde bestanden.«

»Ei, mein guter Freund,« sagte der Adept, hastig aufspringend, »warum beginnen wir denn nicht gleich?«

»Aus zwei guten Gründen,« antwortete der Bettler, welcher ganz ruhig sitzen blieb; »erstlich, weil wir, wie ich schon vorhin sagte, nichts zum Graben bei uns haben, denn sie haben Hacken und Spaten mit fortgenommen; und zweitens, weil müßige Leute kommen können, um das Grab zu besehen, so lang' es noch Tag ist; auch könnte der Laird Jemand schicken, um es wieder zu füllen – und auf eine oder die andre Weise würde man uns ertappen. Aber wollen Sie mich hier auf dieser Stelle um zwölf Uhr mit einer Laterne treffen, so werd' ich Werkzeug bereit halten, und wir werden beide miteinander ruhig an die Arbeit gehen, und kein Mensch merkt etwas davon.«

»Nun, ja – aber, mein guter Freund,« sagte Dousterswivel, in dessen Gedächtniß das frühere nächtliche Abenteuer noch nicht völlig verwischt war, trotz der glänzenden Hoffnungen, die Edie's Erzählung erweckt hatte, »es ist doch nicht so gut und so sicher um diese Nachtzeit bei des guten Mr. Mistigkoth's Grab zu sein – Sie vergessen, daß ich Ihnen erzählte, wie die Geister dort ächzen und stöhnen. Glauben Sie mir, es ist dort gar nicht geheuer.«

»Wenn Sie Geister fürchten,« antwortete der Bettler kalt, »so werd' ich das Geschäft selber verrichten, und Ihren Theil am Silber bring' ich Ihnen an einen Ort, den Sie mir bezeichnen werden.«

»Nein – nein – mein vortrefflicher alter Mr. Edie – das wäre zu viel Mühe für Sie – das will ich nicht – ich werde selbst kommen – das wird das beste sein; denn, mein alter Freund, ich, Hermann Dousterswivel war es, der Mr. Mistigkoth's Grab entdeckte, als ich mich nach einem Plätzchen umsah, wo ich einige unbedeutende Münzen niederlegen könnte, nur um meinem theuren Freunde Sir Arthur einen kleinen Possen zu spielen, nur zum Scherz und zum Vergnügen – ja, ich räumte etwas weg, was man Schutt zu nennen pflegt, und entdeckte Mr. Mistigkoth's eigenes Grabmal – Wahrscheinlich wollte er mich zum Erben haben, und daher würd' es nicht höflich von mir sein, wenn ich nicht selbst käme, um meine Erbschaft zu heben.«

»Also um Zwölf,« sagte der Bettler, »treffen wir uns unter diesem Baum. Ich will eine Zeitlang hier warten und darauf sehen, daß sich Niemand etwas mit dem Grabe zu thun macht – ich darf nur sagen, der Laird hab' es verboten. Dann lass' ich mir einen Bissen Abendbrod von Ringan, dem Förster drüben, geben, der mich auch in seiner Scheune schlafen lassen wird. In der Nacht schlüpf' ich heraus und Niemand wird etwas merken.«

»Thun Sie das, mein guter Mr. Edie, und hier, auf derselben Stelle, werd' ich Sie treffen, und sollten sich auch alle Geister das Gehirn aus dem Kopfe niesen und stöhnen.«

So sagend schüttelte er dem alten Manne die Hand, und mit diesem wechselseitigen Pfande der Treue und Bestimmtheit des Verabredeten, schieden sie für jetzt.


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