Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Achtes Kapitel.

– – – – Und dieser Doctor,
Euer schwarzer bärtiger Genoß, wird euch
So vieles Geld in einen Kolben schütten
Und dann, zum andern Mal, so viel Merkur,
Daß Alles in der Hitze bersten wird,
Aufgehend rasch in fumo

Der Alchymist.

»Wie geht es Ihnen, guter Mr. Oldenbuck? und ich hoffe, Ihr junger Herr, Capitain M'Intyre, befindet sich wieder besser? – Ach, es ist eine schlimme Sache, wenn junge Herrn einander Bleikugeln in den Leib jagen!«

»Bleierne Abenteuer jeglicher Art sind sehr gefährlich, Mr. Dousterswivel; ich bin so glücklich zu hören,« fuhr der Alterthümler fort, »nämlich von meinem Freund Sir Arthur, daß Sie ein besseres Geschäft angefangen haben, und ein Goldfinder geworden sind.«

»Ach, Mr. Oldenbuck, mein guter und geehrter Gönner hätte von der Kleinigkeit kein Wort sagen sollen; denn, obwohl ich alles Zutrauen habe – ja in der That alles Zutrauen auf des guten Mr. Oldenbuck's Klugheit und Verschwiegenheit, und auf seine große Freundschaft zu Sir Arthur Wardour – so ist es doch, beim Himmel! ein höchst wichtiges Geheimniß.«

»Gewichtiger als alles Metall, welches wir dabei bekommen, fürcht' ich,« antwortete Oldbuck.

»Das kommt auf den Glauben und die Geduld an, die Sie für das große Experiment haben. Wenn Sie sich mit Sir Arthur vereinigen, welcher hundert funfzig Pfund daran wendet – Sie sehen, hier sind funfzig Pfund in einer häßlichen Fairporter Banknote – so wenden Sie auch hundert funfzig in solchen schlechten Papiernoten dran, und Sie werden dafür reines Gold und Silber haben, ich weiß selber nicht wie viel.«

»Und auch wohl sonst Niemand, glaub' ich,« sagte der Alterthümler. »Doch hören Sie, Mr. Dousterswivel; wenn wir nun, ohne den schnupfenden Geist mit fernerer Räucherung zu belästigen, mit einander hingingen, bei schönem hellem Tageslicht und unsern guten Gewissen, wo wir denn keine andern Beschwörungsmittel brauchten, als gute derbe Hacken und Spaten, um den Boden des Chors von St. Ruth von einem Ende zum andern hübsch durchzuarbeiten, und uns so über das Vorhandensein des vermeinten Schatzes Gewißheit zu verschaffen, ohne es uns weiter etwas kosten zu lassen? Die Ruinen gehören Sir Arthur selbst, also kann uns Niemand hinderlich sein. Meinen Sie, daß wir auf solche Weise einen guten Erfolg erleben können?«

»Pah! Sie werden keinen kupfernen Fingerhut finden. Aber Sir Arthur wird nach seinem Belieben handeln; ich habe ihm gezeigt, wie es möglich, sehr möglich ist, die großen Summen zu gewinnen, welche er braucht. Ich habe ihm das Experiment selbst gezeigt. Will er nicht glauben, guter Mr. Oldenbuck, so ist es Hermann Dousterswivel einerlei; aber er büßt freilich das Geld und das Gold und das Silber ein, das ist Alles.«

Sir Arthur Wardour warf einen schüchternen Blick auf Oldbuck, der, vorzüglich wenn sie persönlich beisammen waren, trotz ihrer häufigen Meinungsverschiedenheit, keinen gewöhnlichen Einfluß auf seine Gesinnungen ausübte. In der That fühlte der Baronet, was er freilich nicht gern eingestanden haben würde, daß sich sein Geist vor dem des Antiquars beugen müsse. Er achtete ihn als klugen, scharfsinnigen, sarkastischen Charakter, fürchtete seine Satire, und hatte einiges Vertrauen zu seinen im Allgemeinen gesunden Ansichten. Er blickte daher auf ihn, als wünsche er Erlaubniß, seiner Leichtgläubigkeit Gehör geben zu dürfen. Dousterswivel sah, er sei in Gefahr, seinen Narren zu verlieren, wenn er nicht auf den Rathgeber einen günstigen Eindruck machen könnte.

»Ich weiß, mein guter Mr. Oldenbuck, daß es vergebliche Mühe ist, Ihnen etwas von dem Geist und Kobold zu sagen. Aber betrachten Sie dieses merkwürdige Horn; ich weiß recht gut, daß Sie die Merkwürdigkeiten aller Länder kennen, und wie das große Oldenburger Horn, welches man noch im Museum zu Kopenhagen aufbewahrt, dem Herzog von Oldenburg von einem weiblichen Waldgeist gegeben wurde. Nun könnte ich Ihnen ja keine Posse vormachen, wenn ich auch wollte, da Sie alle Merkwürdigkeiten so gut kennen, und hier haben Sie das Horn voll Münzen vor sich – ja, wär' es eine Büchse oder Schachtel gewesen, so wollt' ich gar nichts sagen.«

»Da es ein Horn ist,« sagte Oldbuck, »so bekräftigt es allerdings Ihre Behauptung. Es ist ein Gefäß, welches die Natur allein bildete, und daher war es bei rohen Völkern sehr im Gebrauch, obwohl das sinnbildliche Horn noch häufiger vorkommen mochte, im Verhältniß, als die Civilisation fortschritt. Und dies gegenwärtige Horn,« fuhr er fort, indem er es auf dem Aermel rieb, »ist eine merkwürdige und ehrwürdige Reliquie und sollte ohne Zweifel für irgend Jemand als cornu copia oder Füllhorn gelten; ob aber für den Adepten oder seinen Patron, das mag zweifelhaft sein.«

»Nun, Mr. Oldenbuck, ich finde, daß Sie noch immer schwergläubig sind; aber lassen Sie sich versichern, daß die Mönche das magisterium verstanden.«

»Sprechen wir nicht vom magisterium, Mr. Dousterswivel, sondern denken wir lieber ein Bischen an den Magistrat. Wissen Sie auch, daß Ihre Beschäftigung dem Gesetz Schottlands zuwider ist, und daß wir Beide, Sir Arthur und ich, das Friedensgericht verwalten?«

»Mein Himmel! und was thut denn das zur Sache, wenn ich Ihnen Alles Gute erweise, was ich vermag?«

»Nun, Sie müssen wissen, daß, als die gesetzgebende Gewalt die grausamen Hexengesetze vernichtete, sie deswegen nicht hoffen konnte, all' die abergläubischen Meinungen der Menschen, worauf sich solche Chimären gründeten, auszurotten; und um zu verhüten, daß solche Meinungen von listigen und verschmitzten Personen benutzt würden, ward durch den neunten Paragraphen des fünften Kapitels in Georg's II. Gesetzsammlung bestimmt, daß jeder, welcher behauptete, durch seine vorgebliche Erfahrung in geheimer und mächtiger Wissenschaft, Güter, welche gestohlen, verloren oder versteckt sind, entdecken zu können, Pranger- und Gefängnißstrafe erleiden solle, als ein gemeiner Gauner und Betrüger.«

»Und so sagt das Gesetz?« fragte Dousterswivel, ein wenig betroffen.

»Sollen es selbst nachlesen,« erwiederte der Antiquar.

»Dann, Gentlemen, muß ich Abschied von Ihnen nehmen, weiter bleibt nichts übrig; ich liebe nicht an dem Orte zu stehen, den Sie Pranger nennen; es ist ein übler Ort, um frische Luft zu schöpfen, wie mir scheint; und Ihre Gefängnisse liebe ich eben so wenig, wo man nicht einmal frische Luft schöpfen kann.«

»Wenn Ihr Geschmack von der Art ist, Mr. Dousterswivel,« sagte der Antiquar, »so rath' ich Ihnen, zu bleiben, wo Sie sind, denn ich kann Sie nicht gehen lassen, außer in Gesellschaft eines Konstabels; überdies erwarte ich, daß Sie uns gleich jetzt nach den Ruinen von St. Ruth begleiten, und uns den Ort zeigen, wo Sie diesen Schatz zu finden gedenken.«

»Mein Himmel, Mr. Oldenbuck! welches Benehmen gegen Ihren alten Freund! Ich sage Ihnen so ehrlich als ich kann, daß, wenn Sie jetzt gehen, Sie nicht so viel vom Schatze finden werden, als ein armseliges schäbiges Sechspencestück werth ist.«

»Gleichwohl will ich den Versuch machen, und Sie sollen, im Fall des Gelingens, Ihren Antheil haben, – versteht sich, wenn Sir Arthur damit einverstanden ist.«

Sir Arthur hatte während dieser ganzen Verhandlung äußerst verlegen ausgesehn und war, um eine gemeine, aber bezeichnende Phrase zu brauchen, wie vor den Kopf geschlagen. Oldbuck's hartnäckiger Unglaube flößte ihm den starken Argwohn ein, Dousterswivel sei ein Betrüger, und des Adepten Benehmen war gar nicht so entschlossener Art, als er erwartet hatte. Doch gab er ihn noch nicht gänzlich auf.

»Mr. Oldbuck,« sagte der Baronet, »Sie lassen Mr. Dousterswivel zu wenig Gerechtigkeit widerfahren. Er hat es auf sich genommen, diese Entdeckung mit Hilfe seiner Kunst, und unter Anwendung der Charaktere zu machen, welche die Gewalt darstellen, die über die planetarische Stunde herrscht, in welcher das Experiment gemacht werden soll; und nun verlangen Sie von ihm, es zu beginnen, indem Sie ihn mit Strafe bedrohen, und ohne ihm eine der Vorbereitungen zu erlauben, die er zu einem glücklichen Erfolge für nöthig erachtet.«

»Das habe ich eben nicht so streng gesagt. Ich verlangte blos, daß er gegenwärtig sei, wenn wir suchen, und daß er uns währenddem nicht verlasse. – Ich fürchte, er hat die herrschende Gewalt; und was auch immer jetzt in St. Ruth verborgen sein mag, es könnte verschwinden, ehe wir dorthin kommen.«

»Gut, meine Herrn,« sagte Dousterswivel unmuthig, »ich will keine Umstände machen, mit Ihnen zu gehen; aber ich sage Ihnen voraus, Sie werden nicht mehr finden, als was Sie eben so gut zwanzig Schritt von Ihrer eigenen Thür finden könnten.«

»Das wollen wir nach Kräften untersuchen,« sagte der Alterthümler; des Baronets Wagen fuhr vor und Miß Wardour erhielt von ihrem Vater die Weisung, sie solle in Monkbarns bleiben, bis er von einer Spazierfahrt zurückkehren würde. Die junge Dame wußte nicht recht, wie sie diese Weisung mit den Mittheilungen vereinbaren solle, die doch vermuthlich zwischen Sir Arthur und dem Alterthümler stattgefunden hatten; sie war aber für den Augenblick genöthigt in einem unbehaglichen Zustande der Ungewißheit zu bleiben.

Die Fahrt der Schatzgräber war traurig genug. Dousterswivel verharrte in mürrischem Schweigen, indem er zugleich über seine getäuschte Erwartung und die drohende Strafe nachsann. Sir Arthur, dessen goldne Träume schon im Schwinden begriffen waren, überblickte im düstern Bilde die nahenden Mißlichkeiten seiner bedrängten Lage. Oldbuck, welcher einsah, daß seine Einmischung in des Nachbars Affairen weit genug gegangen sei, um dem Baronet gerechte Ansprüche auf thätigen und wirksamen Beistand zu geben, erwog traurig, bis zu welcher Ausdehnung er wohl seine Börse werde öffnen müssen. Indem sich nun so jeder in seine eignen, unangenehmen Gedanken begrub, ward kaum ein Wort gewechselt, bis man die Vier Hufeisen erreichte, jenes kleine Wirthshaus, welches das genannte Zeichen führte. Sie verschafften sich hier den nöthigen Beistand und die Geräthschaften zum Graben, und während sie mit diesen Vorbereitungen beschäftigt waren, gesellte sich plötzlich der alte Bettler, Edie Ochiltree, zu ihnen.

»Der liebe Gott segne Sie,« begann der Blaukittel im ächten Bettlertone, »und schenk' Ihnen langes Leben – mich freut es recht, zu hören, daß der junge Capitän M'Intyre bald wieder auf den Beinen sein wird – vergessen Sie heut' Ihren armen Bettelmann nicht.«

»Ah, alter Pfennigkumpan!« erwiederte der Alterthümler. »Nun, du bist ja nie wieder nach Monkbarns gekommen, seit den Gefahren bei Klipp' und Fluth – da hast du etwas zu Schnupftaback –« während er nach seinem Geldbeutel suchte, brachte er zugleich das Horn aus der Tasche, welches die Münzen enthielt.

»Ei, das ist ja etwas, den Schnupftaback hinein zu thun,« sagte der Bettler, das Horn betrachtend. »Das sieht aus, wie eine alte Bekanntschaft von mir. Diese Schnupftabaksdose hätt' ich unter tausenden wieder erkannt. Ich habe sie manches Jahr bei mir getragen, bis ich sie gegen die hier bei dem alten Georg Glen, dem Bergmanne, vertauschte, als er auf den närrischen Einfall kam, dort in Glen-Withershins anzufahren.«

»Ei! wirklich?« sagte Oldbuck, – »also mit einem Bergmanne machtest du den Tausch? aber vermuthlich sahest du die Dose früher nie so hübsch gefüllt?« mit diesen Worten öffnete er sie und ließ die Münzen sehen.

»Wahrhaftig, darauf können Sie schwören, Monkbarns. Als sie mein war, hatt' ich nie mehr auf einmal drin, als für sechs Pence schwarzen Rappée. Aber ich wette, Sie wollen ein Alterthum daraus machen, wie Sie's schon mit so vielen andern Dingen gemacht haben. Der Henker! ich wollte nur, es machte Jemand aus mir ein Alterthum; aber viele legen einem verrosteten Stück Kupfer, Eisen oder Horn einen großen Werth bei, während sie sich wenig kümmern um einen alten Kerl aus ihrem eigenen Lande und Volke.«

»Sie können nun errathen,« sagte Oldbuck, sich an Sir Arthur wendend, »wessen guten Diensten Sie den Fund jener Nacht verdanken. Diesem Füllhorn bis auf einen Bergmann nachzuspüren, heißt einem unserer Freunde auch zugleich näher kommen. Aber mit Ihrer Erlaubniß wollen wir unser Werk verfolgen und sehen, was dabei herauskommt.«

Die Gesellschaft langte bald in den Klosterruinen an, und stand, nachdem man sich im Chore befand, still, um zu überlegen wo man zunächst beginnen sollte.

»Bitte, Mr. Dousterswivel, welchen Rath geben Sie uns bei dieser Gelegenheit? – Können wir glücklichen Erfolg erwarten, wenn wir von Ost nach West, oder wenn wir von West nach Ost graben? – Oder wollen Sie uns Beistand leisten mit Ihrer dreieckigen Phiole voll Maithau, oder mit Ihrer Wünschelruthe vom Haselbusch? Oder wollen Sie die Güte haben, uns mit einigen graulichen Kunstausdrücken zu helfen, die, wenn sie uns auch jetzt nichts helfen, doch wenigstens denen nützlich sein können, welche nicht das Glück haben, Junggesellen zu sein, weil sie ihre lärmenden Kinder damit still machen können?«

»Mr. Oldenbuck,« sagte Dousterswivel schmollend, »ich habe Ihnen bereits gesagt, daß Sie nichts Gutes zu Stande bringen werden, und ich werde wohl noch eine Gelegenheit finden, Ihnen für Ihre Höflichkeiten zu danken – ja gewiß, ich werde sie finden.«

»Wenn die Herren den Boden hier zu durchwühlen gedenken,« sagte der alte Edie, »und eines armen Mannes Rath annehmen wollen, so würd' ich dort unten bei dem großen Stein beginnen, wo in der Mitte der Mann ausgestreckt auf dem Rücken liegt.«

»Ich habe selbst einigen Grund dies für das Rathsamste zu halten,« sagte der Baronet.

»Ich habe nichts dagegen zu sagen,« erwiederte Oldbuck; »es war nicht ungewöhnlich, Schätze in die Gräber der Abgeschiedenen zu verbergen – Ich könnte manche Beispiele aus Bartholinus und andern anführen.«

Der Grabstein, derselbe, unter welchem Sir Arthur und der Deutsche die Münzen gefunden hatten, ward noch einmal bei Seite geschoben und die Erde gab dem Spaten sehr leicht nach.

»Die Erde ist durchgearbeitet,« sagte Edie, »sie schaufelt sich leicht weg. Ich kenne das wohl, denn ich arbeitete einmal einen Sommer beim alten Will Winnet, dem Todtengräber, und habe mehr Gräber gemacht in meinem Leben als irgend Einer. Aber im Winter verließ ich ihn, denn es war eine kalte Arbeit. Dann aber kam eine laue Weihnacht und die Leute starben dick und dünn weg, denn Sie wissen ja, warme Weihnachten machen einen fetten Gottesacker. Ich taugte in meinem Leben nie für zu schwere Arbeit, daher macht' ich mich davon, und Will konnte seine letzten Quartiere allein besorgen.«

Die Gräber waren nun mit ihrer Arbeit so weit vorgerückt, um zu entdecken, daß die Seiten des Grabes, welches sie jetzt ausräumten, ursprünglich aus vier steinernen Wänden bestanden hatten, welche ein Parallelogramm bildeten, wahrscheinlich nach der Größe des Sargs eingerichtet.

»Es lohnt die Mühe schon, wenn wir in unserer Arbeit fortfahren,« sagte der Antiquar zu Sir Arthur, »wär' es auch nur der Neugier wegen. Ich möchte wohl wissen, wessen Grab man mit so ungewöhnlicher Mühe bereitet hat.«

»Das Wappen des Schildes,« sagte Sir Arthur seufzend, »ist jenem am Misticotsthurme ganz gleich, den Malcolm, der Usurpator, erbaut haben soll; kein Mensch wußte, wo er begraben war, und es existirt eine alte Prophezeiung in unserer Familie, die uns nichts Gutes verspricht, wenn dieses Grab entdeckt wird.«

»Ich weiß,« sagte der Bettler, »als Kind hab' ich das oft gehört:

»Kommt des Bastard Malcolm Grab an die Sonnen,
Wird Knockwinnock's Gut verloren und gewonnen.«

Oldbuck, mit seiner Brille auf der Nase, war bereits bei dem Grabmal niedergekniet und prüfte, theils mit dem Auge, theils mit dem Finger, die verwitterte Umschrift beim Bilde des verstorbenen Ritters. »Es ist allerdings das Wappen von Knockwinnock, rief er, »mit dem Wappen von Wardour verbunden.«

»Richard, genannt der rothhändige Wardour, heirathete Sybille Knockwinnock, die Erbin dieser sächsischen Familie, und durch dieses Bündniß,« (sagte Sir Wardour,) »erhielt Schloß und Besitzung den Namen Wardour im Jahre des Herrn 1150.«

»Ganz Recht, Sir Arthur, und hier ist auch jene Querbinde, das Zeichen der Illegitimität, welches schräg durch beide Felder des Wappens geht. Wo sind unsre Augen gewesen, daß sie dies merkwürdige Monument nie zuvor sahen?«

»Nein, wo war der Stein, daß er bis jetzt nicht vor unsre Augen kam?« sagte Ochiltree; »denn ich habe, als Kind und als Mann, diese alte Kirche sechzig Jahr lang gekannt, und bemerkte den Stein doch nie; aber es läßt sich doch ziemlich leicht übersehen, was hier ist.«

Alle suchten sich nun zu erinnern, wie dieser Winkel der Kirche früher beschaffen gewesen sei, und Alle stimmten darin überein, daß ein großer Haufen Schutt dagelegen habe, welcher entfernt werden mußte, um das Grab sichtbar zu machen. Sir Arthur hätte sich allerdings besinnen können, das Grabmal bei der frühern Gelegenheit schon gesehn zu haben, aber sein Geist war zu aufgeregt, als daß er dieses Umstandes, als etwas Neuen, hätte gedenken sollen.

Während die Umstehenden so mit Nachdenken und Gesprächen beschäftigt waren, fuhren die Arbeiter mit Graben fort. Sie hatten die Erde bereits fast fünf Fuß tief ausgeworfen und da diese Arbeit immer beschwerlicher wurde, so begannen sie endlich der Sache müde zu werden.

»Wir sind jetzt tief genug,« sagte einer von ihnen, »und es zeigt sich weder Sarg noch sonst etwas – wahrscheinlich ist schon Jemand vor uns dagewesen;« mit diesen Worten stieg er aus dem Grabe.

»Nun, Mann,« sagte Edie, in das Grab steigend, »laß mich meine Hand versuchen, ich bin ja ein alter Todtengräber. Ihr seid gute Sucher, aber schlechte Finder.«

Kaum war er im Grabe, so stieß er mit der Eisenspitze seines Stockes heftig auf den Boden. Dieser fand Widerstand, und der Bettler rief, wie ein schottischer Schulknabe, wenn er etwas finden sieht, »kein Halbpart und kein Viertelpart – Alles mein und nichts den Nachbarn.«

Alle, vom niedergeschlagenen Baronet bis zum mürrischen Adepten, wurden nun von Neugier ergriffen, stellten sich um das Grab, und würden hineingesprungen sein, wenn es der Raum gestattet hätte. Die Arbeiter, die von dem einförmigen und scheinbar hoffnungslosen Werke schon ermüdet waren, ergriffen nun ihr Werkzeug wieder und handhabten es mit all dem Eifer der Erwartung. Ihre Schaufeln geriethen bald auf eine harte hölzerne Fläche, welche, nachdem die Erde hinweggeräumt war, sich als Deckel eines Kastens darstellte, aber weit kleiner als der eines Sarges. Nun waren alle Hände bereit, ihn aus dem Grabe zu heben, und Aller Stimmen, während man ihn erhob, verkündigten seine Last und prophezeiten seinen Werth. Sie täuschten sich nicht.

Als man die Kiste niedergesetzt und den Deckel mittelst einer Hacke losgesprengt hatte, zeigte sich zuerst eine grobe Leinwanddecke, dann eine Quantität Werg und darunter eine Anzahl Silberbarren. Ein allgemeiner Ausruf begrüßte einen so überraschenden und unerwarteten Fund. Der Baronet richtete Hände und Augen gen Himmel mit dem stummen Entzücken eines Menschen, der von einem unaussprechlichen Kummer befreit ist. Oldbuck, der kaum seinen Augen trauen konnte, hob ein Stück Silber nach dem andern empor. Keine Inschrift, kein Zeichen befand sich dabei, außer auf einem ein Stempel, welches spanisch zu sein schien. An der Reinheit und dem hohen Werthe des Schatzes konnte er keinen Zweifel haben. Dennoch hob er ein Stück nach dem andern empor und prüfte so jede Reihe, weil er zu finden erwartete, daß die untern Lagen von geringerem Werthe wären; aber er vermochte keinen derartigen Unterschied zu entdecken, und mußte endlich zugestehen, daß Sir Arthur im Besitze von Metall sei, welches sich wohl auf tausend Pfund schätzen lasse. Sir Arthur versprach nun den Arbeitern eine gute Belohnung ihrer Mühe und überlegte, wie man die unverhoffte Aerndte am besten nach Knockwinnock schaffen könnte, als der Adept, nachdem er sich von seinem Erstaunen, welches nicht geringer als das der Andern gewesen, erholt hatte, ihn am Aermel zupfte und seine demüthigen Glückwünsche darbrachte. Darauf wandte er sich mit triumphirender Miene an Oldbuck:

»Ich sagte Ihnen, mein guter Freund Mr. Oldenbuck, daß ich Gelegenheit suchen würde, Ihnen für Ihre Höflichkeit zu danken; meinen Sie nun nicht, daß ich jetzt eine recht gute Gelegenheit gefunden habe?«

»Ei, Mr. Dousterswivel, Sie glauben doch nicht, etwas zu unserm glücklichen Funde beigetragen zu haben? – Sie vergessen, daß Sie uns allen Beistand Ihrer Wissenschaft versagten, Mensch. Und Sie sind hier ohne Ihre Waffen, welche die Schlacht hätten durchfechten sollen, die Sie zu unserm Besten gewonnen zu haben behaupten. Sie haben weder Zauberspruch, Siegel, Talisman, Amulet, Kristall, magischen Spiegel noch sonst etwas angewandt. Wo sind Ihre Zirkel und Ihre Abrakadabra's, Mann? Wo Ihr Farnsame und Ihr Eisenkraut,

»Wo Eure Kröten, Krähen, Drachen, Panther,
Wo Sonne, Mond und Firmament und Sphäre,
Wo Lato, Azoch, Zernich, Chibrit, Heautarit,
Mit all den Brühen, Stoffen, Auflösungen,
Die eines Menschen Ohr zerreißen?« –

Ach! trefflicher Ben Jonson! Friede deiner Asche, weil du für die Quacksalber deiner Zeit eine Geisel warst! – Wer hätte gedacht, daß sie heut zu Tage wieder aufleben könnten?«

Die Antwort des Adepten auf des Alterthümlers Tirade sparen wir für das nächste Kapitel.


 << zurück weiter >>