Erwin Rosen
In der Fremdenlegion
Erwin Rosen

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Legionärsmarotten, Legionswahnsinn.

Ein unangenehmes Ereignis. – Von den letzten drei Kupferstücken. – Der rumänische Jude aus Berlin. – Monsieur Viaïsse. – Die Legionsatmosphäre. – Die »Cafardbesessenen«. – Ein Doppelgänger Bismarcks. – Krügerles Marotte. – Der Wahnsinn des Legionärs Bauer. – Brutaler Humor. – Eine Tragödie.

Zwischen die gewaltigen Anstrengungen des großen Manövermarsches und eine schwere Arbeitsperiode, deren Gegenstand die Kloaken der Arabergefängnisse von Sidi-bel-Abbès waren, fiel ein mir unangenehmes Ereignis. Selbst die Zerteilung in allerkleinste Kupferportionen hatte meine wenigen Goldstücke nicht ins Unendliche vervielfältigen können. Eines schönen Tages besaß ich noch drei dickrunde Sousstücke. die zwar groß und schwer waren, aber in all' ihrer Kupfermenge doch nur einen Vermögensrest von zwölf Pfennigen repräsentierten.

Ich lag langgestreckt auf meinem Bett, müde und ärgerlich, und ließ mich von Guttinger verhöhnen, der als Trommler es nicht nötig hatte, seine wertvolle Arbeitskraft in den Dienst arabischer Kloaken zu stellen. Aber es machte ihm ein bissiges Vergnügen, sich liebevoll nach den unangenehmen Einzelheiten der Arbeit zu erkundigen.

Der Hohn war bitter! Der Wunsch nach Vergeltung stieg in mir auf, und ich dachte mit grimmigem Humor daran, daß mein Freund Guttinger ein gewisses Interesse an meinen Vermögensumständen haben mußte.

»Du, Trommler!« sagte ich.

Guttinger räkelte sich auf seiner Lagerstatt zurecht und murmelte etwas von bevorzugten Söhnen des Propheten – und ob die arabischen Sträflinge denn auch mit mir zufrieden gewesen wären –

»Trommler, ich hab' kein Geld mehr!«

Er fuhr von seinem Bett auf und sah mich tödlich erschrocken an.

»Heh?«

»Mein Geld ist zu Ende!«

Guttinger machte ein trauriges Gesicht.

Er dachte offenbar mit Entsetzen daran, wieviel ungetrunkener Wein noch in den Fässern von Sidi-bel-Abbès lagerte ... Aber mit einemmal klärten sich seine Züge auf. Er hatte einen Ausweg gefunden.

»Laß dir wieder schicke',« riet er.

Ich schüttelte den Kopf.

»Ach was,« meinte der Trommler mit der fröhlichen Zuversicht der Legion, »sie schicke dir scho' was. 'm Leschionär schicke sie immer was – soll ich dir vielleicht helfe, en recht schöne Brief schreibe?«

Wieder schüttelte ich den Kopf. Aber der Trommler ließ so leicht nicht locker. Mit großer Sachkenntnis in den verschiedenen Graden verwandtschaftlicher Beziehungen erkundigte er sich nach meinen Angehörigen. Als ich ihm in abgründiger Bosheit erklärte, sie seien alle so arm wie die Kirchenmäuse, fluchte er ein bißchen auf Arabisch und sagte nachdenklich die Koransure her, in der von den tiefen Pflichten der Freundschaft zwischen braven Männern die Rede ist. So inspiriert befragte er mich eine halbe Stunde lang nach den Freunden meines früheren Lebens. Ich behauptete, sie seien entweder schon gestorben, oder sie litten am Hungertyphus. Der Trommler fand das komisch. Aber er war zartfühlend und ging auf die Sache nicht weiter ein, da er wahrscheinlich glaubte, ich hätte im guten alten Deutschland irgend jemand meuchlings totgeschlagen oder irgendeine Bank beraubt!

Etwas anderes konnte doch einen »Leschionär« nicht davon abhalten, Brandbriefe zu schreiben! Ich ließ den trommelnden Philosophen in seinem Glauben.

Er brütete nachdenklich vor sich hin und gab dann das resignierte Urteil ab: » C'est la légion!«

Nach einer Weile fragte er: »Hascht denn gar nix mehr?«

Wortlos zog ich meine drei Kupferstücke hervor.

Da huschte ein leises Lächeln über sein betrübtes Gesicht. »Weischt, die wolle mir noch versaufe!« sagte er weich, mit jener tiefen innerlichen Überzeugung von der eigentlichen Bestimmung jeglichen Geldes, die ihm ein unerschütterlicher Glaubenssatz war. Und als wir die Treppe hinunterstiegen zur Kantine, schlug er klugerweise vor, zwei halbe Flaschen zu kaufen und nicht eine ganze. Denn die halben Flaschen füllte Madame la cantinière stets fast dreiviertel voll. So erzielten wir mit drei Kupferstücken das denkbar Möglichste.

Mein Freund, der Trommler, trank in Ehrfurcht, bis die Flaschen auch keinen Tropfen mehr hergeben wollten. Dann wurde er wieder betrübt. Aber er tröstete sich:

» Inschallah – und wenn wir kei' Geld habe, habe wir keins. Aber an deiner Stell' tät ich halt doch an jemand schreibe um e' bissele was!«

Mit dem völligen Armsein kam erst das volle Verständnis für meine Umgebung. Die wenigen Silberstücke, die ich früher noch besessen, hätten in einem zivilisierten Leben den Preis einiger Theaterbillette oder einiger hundert Zigarren bedeutet – im Lande von Sidi-bel-Abbès waren sie ein Reichtum gewesen, der lange Zeit hindurch von mühseliger Kleinarbeit befreite. Ihnen hatte ich es bis jetzt verdankt, wenn ich nach langen Märschen oder nach schwerer Taglöhnerarbeit in die Stadt gehen konnte, ohne mich sofort wieder mit Putzen und Waschen plagen zu müssen. Winzig kleine Summen erkauften Befreiung von solcher Bürde – das war nun vorüber. Nach dem Dienst wusch ich stundenlang am Waschtrog, wie die anderen es tun mußten, und plagte mich alltäglich mit dem langweiligen Glänzendputzen des Lederzeugs.

Meine Welt hatte sich verengert: jetzt bestand sie nur noch aus Exerzierfeld, Arbeitsstätte und meinem Bettplatz im Mannschaftszimmer. Immer wieder, hunderte Male, lag ich auf diesem Bett und starrte die sauber weißgetünchten Wände an und das lange Brett, auf dem die Tornister aufgebaut waren. Nun lebte ich ganz in den Legionskleinlichkeiten. Ich stritt mich mit den anderen herum, ob auch wirklich die Reihe an mir sei, im großen Tonkrug frisches Wasser zu holen: ich zankte mich über die unendlich wichtige Frage des Ausfegens unter meinem Bett und ich lernte Interesse für eine so bedeutsame Entscheidung, ob mir bei der großen Samstagsreinigung die Bank zugewiesen würde oder der große Tisch. Die Bank war ja viel leichter sauber zu machen!

In ewig gleichem Einerlei schlich Tag für Tag dahin. Das graue Gleichmaß ermüdete das Hirn und machte gleichgültig gegen die kleinen Rücksichten und die winzigen Gefälligkeiten, die Menschen aneinander üben sollten, die in hartem Leben auf engem Raum zusammengedrängt sind. Überall zeigte sich Häßlichkeit, und ein jeder, war er auch noch so ein Tölpel, wurde schnell klug genug, um die schlechten Seiten in dem Mann zu erkennen, der täglich neben ihm arbeitete und nächtlich neben ihm schlief. Kleinliche Bosheit, unverantwortlicher Klatsch, lächerliche Kleinintrigue bildeten die Atmosphäre der Mannschaftsstube, in der wir zwanzig Menschen atmeten. Geraune und Getuschel in allen Ecken und Winkeln...

Ich lernte die Menschen kennen, mit wenig Freude. Außer dem lustigen Rader steckte Humor nur in Abramovici. Er war die sonderbarste Gestalt im Zimmer. Er behauptete ein Rumäne zu sein, sprach aber nur Deutsch und zwar mit einem schreienden Berliner Akzent, was immerhin für einen Rumänen merkwürdig war. Auf die Frage nach seiner Konfession hatte er dem deutschsprechenden Korporal geantwortet, er sei ein Schweinefleisch essender Jude. Vermutlich wollte er damit ausdrücken, daß er keinerlei zarte Vorurteile habe.

Der lange hagere Mensch schien aus Gummi zu bestehen. Auf einem dünnen Hals saß ein Raubvogelkopf, der beständig nach links und nach rechts schnellte, um nicht die Gelegenheit zu verpassen, wenn es irgend etwas zu ergattern oder zu stibitzen gab. Die riesige Nase beschattete ein böses Maul. In näselndem weinerlichem Ton zeterte er tagaus tagein über Gott und die Welt und die Fremdenlegion. Seinem Redefluß konnte niemand widerstehen, und er war der erste und letzte und einzige Legionär, dem es jemals gelang, prinzipiell nicht zu arbeiten.

Sein französischer Spitzname war »Viaïsse« und erklärte sich daraus, daß der Gummimann in jedem Satz zehnmal den Schreckensruf »wie haißt« anbrachte. Als er sich einmal beim Kapitän über irgend etwas beschwerte, hatte dieser wuterfüllt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und verzweifelt gebrüllt: »Viaïsse, viaïsse, sacré nom de Dieu toujours viaïsse – was will denn der Mensch?« Das ganze Regiment lachte sich halbtot über »Monsieur Viaïsse,« und niemals wieder wurde er Abramovici gerufen, sondern Offiziere und Unteroffiziere riefen ihn: »Eh – Viaïsse, komm' sie her!« Er arbeitete nie. Vor Strafen rettete ihn die Komik, die ihm der Gott seiner Väter mit in die Wiege gegeben hatte. Ewig lang war er und unendlich dürr, und seine Arme reichten fast bis auf den Boden. Wenn ein Vorgesetzter sich unterfing, ihm irgendeine Arbeit aufzutragen, kam das Leben eines ganzen Ghettos in den dürren Gummimann. Seine Augen wurden groß und starr, die Nase bekam eine hochrote Wutfarbe, und der Kopf wackelte hin und her wie ein Pendel.

Dann schöpfte Viaïsse tief Atem. Die langen Arme, die ausgespreizten Krallenfinger fuhren in der Luft herum und ein wahnsinniger Wortschwall ergoß sich aus dem bösen Maul.

»...Wie haißt, nom de Dieu de bon Dieu de la Fremdenlegion, Gott soll mer strafen, soll ich mer arbeiten zu Tod, wie haißt? Gott der Gerechte, hab' ich gemüssen exerziert de ganze Vormittag und hab' ich nix gekriegt zu fressen wie 'ne dünne Supp' – waih geschrien, bin ich ä geschlagener Mann und werd' ich kriegen müssen ä Extraportion zum Essen, wenn ich nicht soll fallen um mausetot, jutester Sergeantleben. Wie haißt, wie haißt – bin ich e ruinierter Mann, wenn ich nicht krieg' sofort ssu essen! Nu??«

Man kann's nicht wiedergeben. Meine Worte sind blaß und mager und ärmlich, ich gebe billigen Glasfluß an Stelle der unschätzbaren Wortdiamanten meines Freundes Abramovici. Ein Freund war er, denn nie wieder hat mir jemand so viel Lachen beschert. Als er mit dem Depotzug aus Oran kam, hörte ich zu, wie ihm der Sergeant des Pelotons zum erstenmal eine Arbeit anbefahl. Abramovici kam ganz aus dem Häuschen über diese unerhörte Zumutung. Seine Arme wirbelten durch die Luft wie Windmühlenflügel und sein Wortschwall sprudelte.

Der arme Sergeant wollte ein Wort einwerfen, er wollte einen gemessenen Befehl erteilen, er wollte wütend werden. Aber er konnte nicht. Er sah nur immer wieder in starrem Staunen das giftige Rot der Nase an, er drehte sich, um den Windmühlenarmen zu entgehen, und ließ sich endlich mit einem greulichen arabischen Fluch auf das nächste Bett niederfallen, um eine Viertelstunde lang so fürchterlich zu lachen, wie er in seinem ganzen Leben noch nicht gelacht hatte. Als er endlich Luft schnappen mußte, radebrechte er (alle Legionssergeanten radebrechen Deutsch): »Oh Gott in Himmel, cet homme là, ssu viel spreken! Was isse das: Waih geschrien – ?«

Abramovici aber sprudelte weiter, bis endlich seine Rede in einigen letzten Klagen zu Gott dem Gerechten und dem Gott seiner Väter versickerte.

Damit kam er immer durch – das Lachen ist so selten da unten, daß Monsieur Viaïsse von Offizieren und Kameraden hoch geschätzt wurde.

Mich nannte er Freund. Von seiner Seite begann unsere Freundschaft mit einer konventionellen Frage:

»Wie haißt, werden Se mer geben ä Cigarett'?«

Viele Zigaretten hat der rumänische Jude aus Berlin von mir bekommen, solange noch Silber in meiner Tasche war. Er versicherte mich dafür seiner Hochachtung und titulierte mich in rauchbedürftigen Momenten mit »Herr Baron«. Als mit den Silberstücken die Zigaretten ein Ende nahmen, litt unsere Freundschaft ein wenig.

Ich selbst lebte in einem Zustand ewiger Reizbarkeit. Die geringste Kleinigkeit konnte eine Wut in mir auslösen, die mir heute unbegreiflich erscheint. So manches Mal riß ich meine paquetage vom Brett herunter, mühevolle Arbeit zerstörend, nur weil irgend eine Hose oder eine Jacke mir nicht die richtigen Fältchen zu haben schien. Es war sicherlich nichts anderes als Cafard gewesen, als ich damals auf dem Manövermarsch meinen Kapitän anschrie, weil der Arzt mir kein Opiat geben wollte – es war genau der gleiche Cafard, in einer milderen Form, wenn ich diesen oder jenen Kameraden anbrüllte, nur weil er mir beim Lederzeugputzen im Wege stand. Mein Verärgertsein, meine Reizbarkeit, mein Hinbrüten war – Fremdenlegionskoller.

Kein Legionär entgeht ihm.

Die anderen Kameraden im Zimmer hatten alle zuzeiten in größerem oder geringerem Grade den Cafard ... Zusammengepfercht wie Pferde in einem schlechten Stall wurden die Menschen bösartig. Man stritt sich um den Viertelliter Kompagniewein, der jeden zweiten Tag verteilt wurde, und wachte mit lächerlichem Argwohn darüber, daß nicht einer einen Tropfen mehr bekam als ein anderer: man zankte sich um ein Stückchen Brot: man sah in dem Bettnachbar einen Dieb, der einem ein wenig schwarzes Wachs stehlen wollte zum Lederputzen. Wenn einer mehr Arbeit aufgebürdet bekam als sein Nebenmann, schrie er Zeter und brüllte über Protektion und Günstlingswirtschaft und vermutliche gemeine Laster, die dem Beneideten leichtere Arbeit eintrugen.

Das war die Atmosphäre, in der sich die Legionsmarotten entwickelten. Merkwürdig viele Legionäre hatten einen »Sparren«, harmlose, komische Eigenheiten manchmal, die sich aber bis zum Wahnsinn steigern konnten.

Alle Marotten in der Legion nennt man Cafard. Der Legionär ist verdrießlich, sitzt stundenlang griesgrämig auf seinem Bett, spricht mit niemand, will von niemand etwas hören. Wenn man ihn fragt, ob ihm etwas fehle, antwortet er mit einer schweren Beleidigung. Er grübelt fortwährend und macht die absonderlichsten Geschichten. Er hat den Cafard...

Sein Legionskoller kann in einem sinnlosen Wutausbruch explodieren: Cafardbesessene stoßen einem Kameraden das Bajonett in den Leib, ohne jeden Grund, ohne jeden äußeren Anlaß. Manchmal rennen sie hinaus in die Wüste, manchmal zerfetzen sie jedes Stückchen ihrer Ausrüstung, um sich und andere einmal gründlich zu ärgern!

Am schlimmsten wird der Cafard in der heißen Jahreszeit, wenn aus wolkenlosem tiefblauem Himmel mit der sonderbaren grünlichen Färbung der Horizontränder, die Algerien eigentümlich ist, die Sonne unbarmherzig herniederbrennt. Dann liegt der Kasernenhof der Fremdenlegion öde und verlassen da. Es ist so heiß, daß die Steine auf dem gelben Lehmboden sich zu bewegen scheinen in der flimmernden überhitzten Luft. Die Legionäre der Wache tragen den flatternden weißen Nackenschutz und haben sich nasse Tücher in die Käpis gestopft. In den Mannschaftszimmern liegen die Legionäre auf ihren Matratzen und halten die streng vorgeschriebene sieste, die Ruhezeit von 11 Uhr Morgens bis 3 Uhr Nachmittags. Ist doch ein weißer Mann zu nichts zu gebrauchen in der Sonnenglut der heißen Zeit. Und in der Höllenhitze der Mannschaftszimmer hat der Cafard schon viel Unglück angerichtet; oft genug sind Legionäre während der sieste ohne jeden äußeren Anlaß plötzlich aus dem Fenster gesprungen, drei Stockwerke tief –

Ich habe einmal (wahrscheinlich auch im Cafard!) während der sieste eine Schilderung niedergeschrieben, wie es in unserem Mannschaftszimmer aussah. Die paar Zeilen sind das einzige, was ich in der Legion schrieb:

Halbnackt lag ich auf meinem Bett. Das Zimmer war heiß, heiß wie ein Backofen, geschwängert mit der Ausdünstung vieler Menschen. Von Fenster zu Fenster zog sich ein grellblendender Sonnenstreifen durch den länglichen Raum, und die Sonnenstäubchen tanzten und wirbelten im Kreis. Und Hitze, Hitze, daß sich die Mauern heiß anfühlten! Die Menschen in dem nackten, kalkgeweißten Zimmer lagen stöhnend auf ihren Betten, in allen möglichen und unmöglichen Stellungen. Die einen fluchten, andere stritten sich – nichts bringt den Cafard so scharf zum Ausdruck als physisches Leiden. Zwei Spanier zankten sich in der geräuschvollen, gestikulierenden Manier ihrer Rasse: ein Deutscher, im nächsten Bett, war eingeschlafen und murmelte deutsche Worte im Traum. Von seiner Mutter. Drüben in der anderen Zimmerecke schrie ein Franzose wütend, man solle ihm eine Bürste geben, seine Bürste sei verschwunden. Sein Bettnachbar brummte halb Arabisch, halb Französisch, ein häßliches Marschlied vor sich hin. Immer der gleiche Refrain:

Si le caporal savait 'ça! Il dirait: Nom de Dieu!

Ein anderer rieb langsam, wie ein Automat, an seinem Lederzeug herum, ein dritter erzählte, daß der Sergeant ein Lump sei und ihn tot arbeite. Da wachte der Deutsche auf. Im Schlaf gestört, schrie er brutal: »Maul halten, Bande, Bande!« Und die Franzosen und die Spanier johlten über die deutschen Worte –

» Monsieur le Caporal«» Monsieur le caporal« war Korporal Wassermanns Spitzname, weil er persönlich auf »gute Manieren« hielt und in den Augen der Legionäre die Marotte hatte, in Befehlen und Gesprächen sich einer gewählten Sprache zu befleißigen. – Der Verf. richtete sich langsam, müde, auf den Ellbogen auf und sagte in leisem Tone:

»Ein wenig Ruhe bitte!«

Die Spanier lachten, und ein Franzose sagte halblaut, die verdammte » casque à pique«, die preußische Pickelhaube, möge ehrliche Legionäre wenigstens während der sieste in Ruhe lassen.

Der Korporal rührte sich nicht. In dem gleichen, ebenmäßigen, leisen Tone sprach er weiter: »Ruhe! Sie wissen alle, daß während der sieste jeder laute Ton strenge verboten ist. Legrand, wegen des Ausdrucks » casque à pique« bestrafe ich Sie mit zwei Tagen Kasernenarrest. Sie dienen nicht in einem französischen Linienregiment, sondern in der Fremdenlegion! In der Fremdenlegion, verstehen Sie, und hier darf keinem Manne aus seiner Nationalität ein Vorwurf gemacht werden. Im übrigen ist es unklug, seinen eigenen Korporal zu ärgern, 'ça y est!«

Die Legionäre lachten und es wurde ruhig.

Herrgott, die Hitze! Da, ein klirrender, metallischer Klang. Der eine Spanier hatte das lange Nadelbajonett, das immer über dem Kopfende eines Legionärbettes hängt, herausgerissen und war im schönsten Zuge, auf seinen Landsmann und Kameraden loszugehen. Der Korporal sprang zwischen die beiden und schleuderte den einen rechts, den andern links weg. Natürlich war in einer Sekunde der Krawall da. Die beiden Spanier gingen aufeinander los, schrien sich an und waren im Begriff, sich umzubringen. Die übrigen Legionäre lachten und johlten dazwischen...

Endlich klang unten im Hof das Signal Debout, légionaires, debout – auf, auf! Die sieste hat ihr Ende!

Das schrieb ich damals, halbnackt auf meinem Bett liegend, stöhnend vor Hitze. Das Bild hat den Vorteil des unmittelbaren Eindrucks. So sahen die Zeiten aus, in denen der Cafard am besten gedieh.

Dann wieder tritt er in Massen auf. Die Legionäre einer halben Kompagnie stecken viele Tage lang die Köpfe zusammen und grübeln irgendeinen verzweifelten Streich aus. Bald ist es Massenmeuterei; bald gemeinsame Desertion. Dieser Koller ist überall zu Hause, wo eine Kompagnie von Fremdenlegionären haust. In irgendeiner Form ist er immer da. Er ist der Grund der fürchterlichen Tätowierungen; er steckt hinter der Sucht nach Trinken und Lärmen; er ist die Ursache jener merkwürdigen Sehnsucht nach fortwährender Veränderung, jener Ruhelosigkeit, die für die Fremdenlegion typisch ist.

Die Legionäre selbst wissen gar nicht, wie der Cafard mit ihnen spielt. Wenn solch' ein alter Landsknecht brummig sagt: » J'ai le cafard,« so will er damit seiner verehrlichen Umgebung nur klar machen, daß er in ganz miserabler Laune ist und es für seine Nebenmenschen ein Gebot der Klugheit sein dürfte, ihn in Ruhe zu lassen! Aber er hat keine Ahnung, daß eine verborgene Macht, ein Ding, das große Ähnlichkeit mit Geisteskrankheit hat, sein ganzes Tun und Lassen regiert! Er glaubt nur, in recht schlechter Laune zu sein. Aber die schlechte Laune steigt und wächst und treibt ihn allzuoft zum Mord, öfter noch zum Selbstmord.

Der Legionär selbst kann die Wirkungen des Cafard gar nicht überblicken. Aber die typischen »Cafardbesessenen«, die alten, mürrischen Gesellen, die ihren Dienst verrichten wie Maschinen und außerhalb des Dienstes kaum ein Wort sprechen, werden instinktiv gefürchtet, als ob ihre Kameraden wüßten, daß in jedem Augenblick irgendeine Kleinigkeit den schlummernden Wahnsinn zum Ausbruch bringen kann.

Ich habe solch' eine Explosion (das ist der richtige Vergleich!) miterlebt. Wir hatten in unserer Kompagnie einen langgedienten Legionär. Er war ein Franzose und trug die Legionsuniform schon über zehn Jahre. Er ging uns allen aus dem Wege und schlich sich mürrisch in irgendeinen verlassenen Winkel des Kasernenhofes, wenn der Dienst vorüber war. Die Kaserne verließ er nur jeden fünften Tag, am Löhnungstag, um schwankend, offenbar betrunken, gerade noch vor dem Abendappell zurückzukommen. Aber er machte niemals Lärm, sondern warf sich schweigend wie immer, auf sein Bett. Wo er hinging, wo er seinen Wein kaufte, mit wem er trank, wußte niemand von uns.

An einem Löhnungstag, als die Hälfte unserer Kompagnie auf Wache war, verspätete er sich einmal. Die Kasernentore waren schon längst geschlossen. Guttinger und ich saßen noch auf der Bank vor der Wache; der Sergeant und die anderen Legionäre lagen drinnen auf den Pritschen. Da rief der Posten vor dem Tor den Wachhabenden mit der vorgeschriebenen lakonischen Meldung:

» Sergeant – la porte!«

Das Tor! Fluchend kam der Wachhabende mit den Schlüsseln. Draußen stand schwankend, das Käppi weit auf den Hinterkopf zurückgeschoben, der mürrische alte Legionär.

»Bertillon?« sagte der Sergeant, indem er die Pforte aufschloß. »Du verdammtes, altes Schwein könntest auch schon wissen, wann du nach Hause zu kommen hast!«

Bertillon schwankte herein und blieb vor dem Sergeanten stehen.

»Mach', daß du ins Quartier kommst,« befahl dieser. »Kannst dich freuen, daß deine eigene Kompagnie auf Wache ist, sonst wärst du sofort ins Loch geflogen. Allez – schieb' los!«

Der alte Legionär sah den Sergeanten starr an. Plötzlich schlug er ihm, ohne ein Wort zu sagen, mit geballter Faust ins Gesicht.

» Aux armes!« schrie der taumelnde Sergeant.

Bertillon hatte sein Bajonett herausgerissen und hieb und stach um sich, brüllend wie ein wildes Tier. Eine fürchterliche Balgerei begann. Wir waren zwölf Mann, aber es dauerte über eine Viertelstunde, ehe wir mit dem Cafardbesessenen fertig wurden, und keiner von uns war ohne leichte Stichwunden von dem Bajonett des Wütenden weggekommen. Schließlich hatten wir ihm Decken über den Kopf geworfen. Eingeschnürt wie ein Paket wurde er in einer Zelle eingesperrt.

Am nächsten Morgen, als die Zelle geöffnet wurde, war er tot. Der médecin-major konstatierte bei der Sektion Bluterguß ins Gehirn.

Das sind die schroffen Fälle des Cafard.

Am häufigsten jedoch äußert sich die merkwürdige Krankheit der Fremdenlegion in allerlei sonderbaren Marotten und Schrullen. Guttingers komisches Rezitieren von Koransuren war solch' eine Marotte. Bei vielen kam irgendeine fixe Idee zum Ausbruch.

Koch meiner Kompagnie war ein alter Legionär, der schon beinahe fünfzehn Jahre in der Legion gedient hatte und kurz vor seiner Pensionierung stand. Seine Schrulle war, ein Doppelgänger des Fürsten Bismarck sein zu wollen. Schlesinger hieß er. Er hatte die Hünengestalt des Altreichskanzlers, und in seinem massigen Gesicht mit dem kahlen Schädel, in den scharfen Augen, steckte eine leise Ähnlichkeit mit den Zügen des Mannes von Eisen. Weil die Legion gutmütig ist und sehr viel Sinn für Humor hat, so tat man dem alten Schlesinger den Gefallen und nannte ihn niemals anders als »Bismarck«.

Zum erstenmal wurde ich auf Bismarck aufmerksam auf dem Umweg über Herrn von Rader. Der hatte von des Kochs Eigenart gehört und – spornstreichs lief er nach der Küche. Er drückte sich so lange vor der Küchentüre herum, bis der Koch mißtrauisch aus der Küche herauskam, um zu sehen, ob der Eindringling irgend etwas stehlen wolle. Kaum hatte Herr von Rader ihn gesehen, so mimte er grenzenlose Überraschung.

»Du meine Jüte,« schrie Herr von Rader, »det is' ja Bismarck!«

Der Koch nahm eine majestätische Pose an und lächelte herablassend.

»So 'ne Ähnlichkeit!« staunte Herr von Rader.

»Söhr ähnlich – n'est çe pas?« sagte der geschmeichelte Schlesinger.

»Großartig! Sin' Sie vielleicht verwandt mit die Bismarcksche Familie?«

»Düss' ist möglich,« nickte der Koch und freute sich unendlich. Das war ja eine ganz neue Idee. Daran hatte er noch gar nicht gedacht, daß er mit Bismarck auch noch verwandt sein könne!

»Sie sin' unbedingt 'n Verwandter,« im Brustton tiefer Überzeugung. »'n illejitimer!«

» Très possible – très possible,« murmelte der Koch stolz und glücklich. »Büst du e jeune soldat?« fragte er den Mann, der diesen wundervollen neuen Gedankengang in seinem armen alten Legionärsgehirn angeregt hatte.

»Aech ja,« stöhnte Herr von Rader. »Mir jeht's so wie Sie. Ick bin ooch 'mal anderes jewesen. Mein Vater,« (Herr von Rader flüsterte leise, als ob er ein tief behütetes Geheimnis preisgäbe) »mein Vater war 'n Jraf!«

Das imponierte Bismarck sehr.

»Und nu muß ick hungern in der Leschion!« fügte Herr von Rader traurig bei.

» Pas ça,« sagte Schlesinger, verschwand in der Küche und kam mit einem Riesenstück gebratenen Schweinefleisches zurück, » Tiens, camarade! Morgen sprechen wür wüder über – über unsere Vorfahren. Mais – sag' nix!«

»Nix!« beteuerte Herr von Rader und legte die Finger auf die Lippen.

Seit jenem Tage sah man den Pseudo-Bismarck und den Pseudo-Grafen fast täglich beisammen, und Herr von Rader hatte immer ein Stück Fleisch im Tornister, wenn wir anderen in der Exerzierpause unser trockenes Brot aßen.

Wenn man den Koch »Schlesinger« rief, machte er ein beleidigtes Gesicht und gab einfach keine Antwort. Sogar die Offiziere nannten ihn Bismarck. Ein anderer Legionär ist mir unvergeßlich, der kleine Krügerle. Seine Marotte war – das Traubenstehlen! Eine sehr komische Marotte, denn Krügerle aß keine Weintrauben, mochte sie gar nicht! Er schleppte sie mühevoll in die Kaserne und verschenkte sie.

Nur stehlen wollte er die Weintrauben.

Das war sein Cafard, seine ganz spezielle Wut gegen die Weinbergbesitzer. Und sein Cafard hatte seine eigene Geschichte.

Weintrauben sind zwar wenig wert in Algerien, aber – als jedes Jahr um die Traubenzeit dreitausend Legionäre abends auf den kleinen Nebenpfaden vor der Stadt spazieren gingen, da, wo die Weinberge lagen, und als jeder von diesen Legionären ganz gemütlich fünf Pfund Trauben im Gehen aufaß und weitere zehn Pfund mindestens unter seinem weiten blauen Mantel in die Kaserne schleppte, da – wurden die spanischen Weinbauern energisch. Sie sandten eine Deputation zum Regimentskommandeur der Fremdenlegion und ließen ihm vorstellen, daß seine Legionäre schlimmer wären als die Heuschreckenplage. Der Colonel schimpfte und erließ einen geharnischten Regimentsbefehl, in dem er mit » prison« drohte. Die Legionäre lachten und waren ein wenig vorsichtiger. Aber sie stahlen genau so viel Trauben wie früher. Die armen Spanier sahen, daß es so nicht ging. Sie stellten also Araber an, rüsteten sie mit Schrotgewehren aus und empfahlen diesen Arabern, den Vogeldunst nicht zu sparen. Am nächsten Morgen war der médecin-major sehr erstaunt, als sich bei der Krankenvisite fünfundsechzig Legionäre meldeten, die (hauptsächlich an den Beinen und auf dem Platz, der zum Sitzen geschaffen ist) durch Schrotschüsse verwundet waren.

Die Extraktion der vielen kleinen Schrotkügelchen kostete ihm sehr viel Zeit, und das machte ihn wütend. Er ging zum Colonel und beschwerte sich. Der ahnte etwas und vernahm die Angeschossenen, die prompt eine große Geschichte von einem Massenüberfall durch Araber erdichteten. Worauf der Colonel lachte und die ganze Gesellschaft vier Wochen lang bei Wasser und Brot einsperrte.

Nun hatten die Spanier Ruhe. Denn: Geschossenwerden und Eingesperrtwerden seien die Trauben nicht wert, sagten die Legionäre betrübt.

Der kleine Krügerle aber bekam von diesem Moment an seinen Traubencafard. Täglich ging er auf Diebstahl aus. Täglich kroch er mit zäher Geduld und unendlicher Schlauheit in den Weinbergen herum und stahl Trauben. Einmal wurde er angeschossen und rannte in aufgeregter Gemütsverfassung spornstreichs in die Kaserne zurück, lief ins Mannschaftszimmer und – fünf Minuten nachher waren die sämtlichen fünfzehn Mann des Zimmers emsig damit beschäftigt, ihrem Kameraden unzählige Schrotkügelchen aus dem weichen Fleisch der Verlängerung seines Rückens herauszugraben. Mit Taschenmessern!

Krügerle unterzog sich der Prozedur mit mehr oder weniger Ruhe – die vier Wochen cellule, die er sicherlich bekommen hätte, wenn er zum Arzt gegangen wäre, waren einiges Geschundenwerden wert! Er fluchte große Flüche – – aber am nächsten Tag stahl er wieder Weintrauben.

*

Im Cafard steckt immer der Keim zum Wahnsinn, zur Tragödie. Ich habe die Wahnsinnstragödie eines Legionärs miterlebt.

In unserem Mannschaftszimmer, in der Ecke beim Fenster, hatte ein Oesterreicher sein Bett. Bauer hieß er. Er war kurze Zeit nach mir mit einem neuen Rekrutenschub zur Kompagnie gekommen und war damals körperlich gesund, frisch und neugierig gewesen wie alle anderen Rekruten. Ein Durchschnittsmensch, dem das Erlernen der französischen Kommandos nicht leicht fiel und der sich mit seiner Arbeit redlich plagte. Aber von Woche zu Woche war er stiller geworden. Er tat stumpfsinnig seinen Dienst und sprach mit niemand. In der freien Zeit saß er auf seinem Bett und brütete vor sich hin. Dann und wann wurde er bestraft, weil er seine Uniform vernachlässigte. Doch schien dies keinen besonderen Eindruck auf ihn zu machen. Stumpfsinnig wie vorher kam er aus dem Gefängnis zurück, um sich wieder auf sein Bett zu setzen und zu grübeln. Niemand kümmerte sich um ihn. Aber mit einem Male kam über den stillen Menschen ein merkwürdiger Drang, der ihn zu einem belachten, verhöhnten, angefeindeten Wundertier machte, um das sich wochenlang der Stubenklatsch drehte.

Bauer litt an unerklärlichem Heißhunger. Er war noch stiller geworden als früher. Aber wenn die Mittagssuppe kam, fiel er über seinen Blechnapf her wie ein wildes Tier, schlingend, würgend, fressend. Gierig sah er uns anderen beim Essen zu. Wenn wir fertig waren, schlich er sich an den Tisch heran und untersuchte mit brennenden Blicken die Schüsseln, ob noch ein Rest von Suppe in ihnen sei. Dann stürzte er hinunter zur Kompagnieküche, um von dem alten Koch irgend etwas übrig Gebliebenes zu erbetteln. Die Menschen im Zimmer waren durch die Härten ihres eigenen Lebens so verroht, daß sie in dem armen Teufel nur einen Bajazzo sahen, der zu ihrer Belustigung da war. Sie warfen ihm ein Stück Brot in einen Zimmerwinkel und wieherten vor Vergnügen, wenn Bauer auf allen Vieren unter den Betten herumkroch, um das Brot zu ergattern, nach dem ihn hungerte. Sie gossen Petroleum in die Suppe und waren närrisch vor Freude, als der Kranke die Suppenschüssel dennoch leerte.

Von Tag zu Tag wurde Bauer gefräßiger. Aus andern Mannschaftsstuben, aus andern Kompagnien sogar kamen die Legionäre auf unser Zimmer zur Essenszeit, um sich das Wundertier anzusehen. Immer saß er zusammengekauert auf seinem Bett, blöde lächelnd, und schlang und schlang. Einen vertrockneten Knochen, den ihm ein Legionär hinhielt, benagte er mit dem gleichen Lächeln, mit dem er an einem Stück Leder kaute, das ihm ein anderer gab. Es war das Kommen des Wahnsinns.

Die Geschichte des Mannes mit dem unstillbaren Hunger unterhielt bald das ganze Regiment. Die Rohheit war ja hier zu Hause. Wer sich einen billigen Spaß machen wollte, brachte dem Gefräßigen eine Brotrinde oder ein Stück harten Legionszwiebacks, um belustigt dem Hinunterschlingen zuzusehen. Wochenlang spielten sich diese Szenen ab, ohne daß irgendein Vorgesetzter es für nötig gehalten hätte, einzugreifen.

Das Ende kam auf andere Weise. Eines Tages fanden wir auf unseren Tellern statt der Tagesration an Brot nur noch angekaute Rinden. Bauer hatte sich von der Arbeit weggeschlichen und unsere Brotrationen verzehrt. Er mußte gewürgt haben wie ein wildes Tier!

Die Legionäre fielen über ihn her – wenn ihr eigener Magen leiden mußte, hörte das Vergnügen auf. Irgend jemand schlug auf den armen Teufel ein. Da stieß er gellende Schreie aus, hieb um sich, kratzte, biß und brüllte wie besessen. Die Wache kam, und der arme Bauer wurde an Händen und Füßen gefesselt nach der infirmerie hinübergetragen. Drei Tage darauf geleitete die elfte Kompagnie einen kleinen schwarzen Karren auf den Friedhof von Sidi-bel-Abbès. In dem roh gezimmerten Sarg auf dem Karren lag der tote Legionär Bauer. Im Krankenhaus hatte er sich den Schädel an der Wand eingerannt ... Der Kapitän sagte kurz und trocken über dem Grab: »Reçevez les derniers adieux de votre chef et de vos camarades.«

Und der dicke Sergeant meiner Abteilung sagte schmunzelnd: »So was von Fressen habe ich aber doch nie gesehen!«

Das war seine Leichenrede.


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