Glauser, Friedrich
Gourrama
Glauser, Friedrich

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3. Kapitel

Zeno

Kommst, Korporal? Mir gehn schlachten«, sagte der alte Kainz. Türk schien verstanden zu haben, denn sein Schwanz zeichnete fröhliche Arabesken in den Sand. Sitnikoff dankte für die Gastfreundschaft, kümmerte sich nicht um das Schweigen Todds, sondern führte ihn, höflich plappernd, bis zur Tür der Baracke.

Am Tor des Viehparks traf Lös den alten Hirten, der jeden Morgen kam, die Schafe auf die Weide zu treiben, hinaus auf die dürre Ebene, den Bled, auf dem nur Alfagras und wilder Thymian wuchs. Die mageren Schafe stolperten unsicher, das Maul mit Rotz verschmiert, durch das enge Gatter. Lös zählte sie, und der alte Hirte nickte dazu, versuchte auch manchmal, selbst mitzuzählen: »Ouachad, susch, thleta…«, aber bei drei mußte er aufhören. Zwei in der Nacht geborene Lämmer, die noch feucht waren, nahm der Alte unter die Arme. Er sah aus wie eine Karikatur des guten Hirten.

Fünf Schafe behielt Kainz zurück und trieb sie über den Platz zum Schlachthaus. Der jüdische Schächter wartete dort und begrüßte Lös demutsvoll. Die Schafe mußten getötet werden nach dem alten Gesetz, denn die Eingeweide wurden den Bewohnern des Dorfes verkauft. Und nie hätten diese Fleisch von einem Tier gegessen, das von einem Rumi geschlachtet worden wäre.

Der Schächter war klein und alt. Über dem weißen Gesicht erhob sich eine schwarze Kegelmütze, und ein schmaler Bart berührte den Überwurf aus weißer Wolle. Aus diesem zog er das rechteckige Messer und prüfte die Schärfe auf dem Daumennagel. Kainz warf ein Schaf auf den Rücken und kniete darauf. Mit priesterlicher Gebärde legte der Schächter die Hand auf das Maul des Tieres, drückte den Kopf gegen den Boden und fuhr, gedankenvoll sägend, mit dem Messer hin und her. Der Hals klaffte. Nur spärlich rann das Blut. In dem Schnitt war ein weißer Kreis sichtbar, und Luftblasen platzten mit leichtem Geräusch. Kainz sank mit den Knien tief in die Brust des Tieres.

Lös aber blickte in die Augen des Juden. Sie sahen durch die blutbespritzte Lehmmauer hindurch, irgendwohin in eine unsichtbare Vergangenheit. Das Messer in der erstarrten Hand sah lächerlich altertümlich aus, wie ein Schermesser. Es wippte, kaum wahrnehmbar, im Takte des menschlichen Herzschlages und war überzogen von einem dünnen Blutschleier.

Der Schächter wischte das Messer ab am Saume seines Mantels; ein zartes rötliches Ornament blieb zurück. Der Jude starrte auf die fernen Bergzüge, die über die Lehmmauer ragten, sich aufwellten aus dem Blau und wieder darein versanken.

Und jedesmal, beim Schlachten der übrigen Schafe, erhielten die Augen des Juden einen Ausdruck stummen, sich erinnernden Gehorsams, der eine unbekannte Vergangenheit hineinzerrte in einen stinkenden Hof, wo Fliegenschwärme um Kothaufen summten, und ein dicker Hund, schier mit dem gleichen sich erinnernden Blick, das rieselnde Blut mit träger Zunge lappte.

Auf dem Rückweg traf Lös den Capitaine Materne. Er ging mit langen Schritten vor dem Büro auf und ab und ließ einen Weidezweig mit leicht pfeifendem Geräusch regelmäßig gegen seine Gamaschen klatschen. Im Hintergrunde schüttelten die Maghzens drohende Fäuste. Doch diese Drohungen vermochten des Capitaines Spaziergang nicht zu unterbrechen; sechs Schritte vor, sechs Schritte zurück, in aufreizender Eintönigkeit. Der Schwarm folgte ihm.

»Sind die Maghzens nicht vor drei Tagen aufgeboten worden?« fragte Lös den alten Kainz, der neben ihm lief und einen zweirädrigen Handkarren stieß, auf dem die geschlachteten Schafe lagen, mit den abgehäuteten Köpfen nickten und die zerbrochenen Beine willenlos schlenkerten.

»Darum machen sie auch so ein Geschrei. Heute ist schon der zweite Tag, wo sie sich so benehmen, gestern den ganzen Morgen haben sie schon mit dem Materne gehandelt.«

Nun hatten die Männer den Capitaine eingekreist. Alle streckten sie drei Finger in die Höhe und fuchtelten damit vor dem Gesicht des Schweigsamen. »Thleta duro«, kreischten sie. Es klang wie ein tragischer Chor.

Der alte Kainz war stehen geblieben und sah interessiert zu. Auch Lös mußte halten. Die beiden standen nur wenige Schritte von der Versammlung entfernt.

Capitaine Materne machte noch zwei Schritte. Dann hinderte ihn der geschlossene Kreis am Weitergehen. Die Weidengerte stand senkrecht in seiner Hand und zitterte ein wenig. Sein Kopf überragte die schreiende Menge, die ihn geduckt umgab. Und seine Augen blickten über die Köpfe weg, nach den weißen Schneegipfeln; dann sagte er leise und deutlich, und die Weidengerte wies in die Ebene, die hinter seinem Rücken lag: »Hemschi'l Bled.« Da klappten die aufgeregten Finger an den Händen der Maghzens zusammen, die Fäuste verschwanden in den weiten Ärmeln. Murmelnd verzog sich der Schwarm, wie Mücken, die dem Rauch weichen müssen. Capitaine Materne aber (drei Jahre St. Maxence, vier Jahre Weltkrieg, Kommandant der Ehrenlegion, Kriegskreuz mit drei Sternen und zwei Palmen) stand steif, seine Augen waren weich, und ihr Ausdruck ähnelte dem des Schächters. Lös stellte es erstaunt fest.

Links neben dem Eingang des Postens saß ein Mädchen, eingehüllt in einen alten blauen Stoffetzen. Lös erkannte sie und winkte ihr zu. Es war Zeno, die im nahen Ksar wohnte und täglich zum Posten kam, um die schmutzige Wäsche einiger Unteroffiziere zu holen, die sie dann im nahen Oued wusch. Sie war mit wenig zufrieden: mit einer Handvoll Gerste, einer Gamelle Suppe, einem halben Laib Brot. Sehr mager war sie, ein schmutziges weißes Tuch wand sich um ihren Kopf und ließ ein Büschel strähniger Haare am Hinterkopf frei. Ihr Gesicht war hellbraun, regelmäßig und nicht tätowiert.

Ihr Gang war sanft und knabenhaft, ohne nutzloses Wiegen in den Hüften. Ungeschickt gab sie Lös die Hand, führte den Zeigefinger an die Lippen, nach uraltem Brauch; ihre Stimme war hoch und ein wenig rauh, als sie Lös ansprach; sie begehrte Zucker und Kaffee und verlangte die Wäsche. Kainz spuckte verächtlich aus: er liebte es, den Weiberfeind zu spielen. Lös versprach, nach dem Mittagessen zu kommen. Oh, sie werde gerne warten, versicherte Zeno, sie habe nichts zu tun, und ob der Korporal nicht einmal nach dem Ksar kommen wolle. Sie werde ihm Tee bereiten und Kuskus. Lös nickte, er hörte nur halb zu, denn aus dem Posten winkte mit feierlicher Gebärde der Sergeant-Major Dupont.

Narcisse Arséne de Pellevoisin, so behauptete Dupont, sei sein Name, und nur wegen geringfügiger Differenzen mit seiner Familie habe er seinen wirklichen Namen abgetan. Aber von den Sergeanten, die ihm nahestanden, weil sie ihn hofierten, ließ er sich gerne Narcisse nennen. Dieser Blumenname paßte wenig zu seiner vierschrötigen Gestalt, doch war er (wem glich er darin nicht?) ganz außerordentlich von seiner eigenen Schönheit überzeugt. Ein Bart kräuselte sich um seine Wangen und um sein Kinn. Zwar ward behauptet, er trage diesen Bart nur, um eine tätowierte Schlange zu verbergen, die von einem Haaransatz zum andern um sein Gesicht lief. Narcisse war geizig und freigiebig, je nach den Leuten, mit denen er es zu tun hatte. Aber Geld hatte er stets genügend. Er verwaltete die Kompagniekasse.

»Du«, sagte Dupont zu Lös, »auf elf Uhr sind sechzehn Wagen mit Gerste angesagt. Von Bou-Denib. Komm mit. Ich muß dir was erklären.«

Er bot eine englische Zigarette an. Three-Castle stellte Lös fest. Der Sergeant-Major ließ diese Sorte in Tausenderschachteln von Fez kommen und verschacherte sie zu Wucherpreisen.

Sie gingen hintereinander durch den Posten. Viele Müßige standen herum, saßen auch an den Mauern der Baracken und flickten Kleidungsstücke oder putzten Gewehre. Vor der Mitrailleusensektion gab Sergeant Sitnikoff Theorie: »Die Mitrailleuse Hotchkiss ist eine automatische Waffe, die mittels der entweichenden Pulvergase getrieben wird. Sie besteht aus Rohr, Dreifuß und…«

Sitnikoff grüßte freundlich. Narcisse dankte kaum.

»Ein Trockenfurzer«, sagte er und packte mit dem Unterkiefer die Oberlippe. Dadurch stand der Bart waagrecht nach vorn.

Lös ließ ihm den Vortritt. Der Sergeant-Major hatte einen stark vorspringenden Hinterteil, den er in Pendelschlägen hin und her warf.

In Lös' Kammer war es still und etwas kühl. Die Läden des kleinen Fensters waren geschlossen. Lös ging zwei Flaschen Bier holen, die im kleinen Kanal vor der Hütte kühlten.

Narcisses geringelter Bart wurde von Schaumflöckchen verziert, als er das Glas geleert hatte. Dann begann der Chef zu sprechen, und seine Worte machten ihm sichtlich Freude. Die Endsilben ließ er genießerisch auf der Zunge vergehen.

Wenn der Ort, von dem die Ware komme, erklärte er, mehr als hundert Kilometer entfernt sei, so dürfe man laut Reglement (wo hast du's? Hier? Bien!) pro hundert Kilometer zwei Prozent abschreiben. Der Spanier, der die Gerste bringe, sei stets bereit gewesen, diesen Überschuß sofort zu kaufen, ja bar zu bezahlen. Der Preis der Gerste sei augenblicklich recht hoch, sechzig Franken der Zentner.

Immerhin eine Einnahme von rund dreihundert Franken. Das sei wohl nicht zu verachten. Aber er bitte sich aus, da er doch diesen Vorschlag gemacht habe, daß seine Mühe honoriert werde. Fünfzig Franken dünke ihn gerade recht. Damit wolle er aus Freundschaft zufrieden sein und dafür auch das Abladen der Säcke beaufsichtigen, falls, man könne ja nicht wissen, zufällig ein Offizier oder gar der Alte dazukäme. Er sei dann immer da, um Auskunft zu geben.

Lös war einverstanden.

»Chef«, sagte er (diese Anrede wurde im Posten gebraucht, wenn man Narcisse besonders schmeicheln wollte, es war der Titel, der einem Sergeant-Major der Kavallerie gebührte, Maréchal des Logis-Chef), »Sie kümmern sich um mich, als ob ich Ihr Bruder wäre. Wenn ich Ihnen irgendwie von Nutzen sein kann, so sagen Sie es nur.«

Der Chef lächelte ein kurvenreiches Lächeln zwischen seinem geringelten Bartwuchs. Er schlug sich mit der Hand auf die gepolsterte Brust, die vorstand wie bei einer Frau, und meinte, er kenne sich schon aus und wisse gut, mit wem er es zu tun habe. Und Lös habe ihm von Anbeginn gefallen, darum habe er sich auch beim Capitaine verwendet, um ihn in die Verwaltung zu bringen, ob er sich noch erinnere an die erste Inspektion, da habe eine Capotte gefehlt, und sonst noch manches. Und wer habe das alles ersetzt? Er, der Chef. Ja, das sei eben die Kunst, im Leben keinen Schwierigkeiten zu begegnen. Man müsse die Richtigen aussuchen, sie an die richtige Stelle setzen, dann sei die Arbeit ein Vergnügen. Darum duze er sich auch mit dem Korporal, er wisse wohl warum, denn er, Lös, habe doch mehr Bildung und mehr Fingerspitzengefühl als dieser Sergeant. Nur sich schön ruhig in dieser Administration halten, und übers Jahr, vielleicht schon früher, werde er den Capitaine schon dazu bringen, Lös zum Sergeanten vorzuschlagen. Also, punkt elf Uhr, bis dahin auf Wiedersehen.

Der Chef kreuzte ab, steif und wippend.

Die Sektionen kamen fassen. Brot, Wein, Seife.

Dann spazierte Lös durch den Posten, besah sich die Baracken, die dunkel und voll summender Fliegenschwärme waren. Holpriger Steinboden, darauf dünne Matratzen. Braune Decken waren unordentlich am Fußende aufgestapelt. Ein Geruch nach Speisen und menschlichem Schweiß hockte fest zwischen den Wänden, und auch der Luftzug, der durch die beiden geöffneten Türen drang, vermochte ihn nicht zu vertreiben.

Es war vielleicht die Schlaflosigkeit der letzten Nacht und die sonderbare Wachheit, die nach vielem Weingenuß zurückbleibt, die Lös' Augen schärfer machte als sonst. Auch das Auffrischen der Vergangenheit mochte dazu beitragen. Aber er sah die Gesichter der vielen, die ihm begegneten, so hell und scharf, wie man sonst nur Dinge sieht. Und sie schienen ihm alle einen gleichen Zug zu tragen, viel Müdigkeit vor allem und eine graue Stumpfheit, die unter der braungebrannten Haut durchschimmerte. Auf allen Gesichtern war diese Stumpfheit zu sehen, ob sie nun Deutschen gehörten oder Russen. Einzig der alte Guy, ein Franzose, der zu alt war, um bei der regulären Truppe zu dienen, torkelte über den Hof und trug auf seinem roten Gesicht die Fröhlichkeit wie ein buntes Banner. Er sang und lachte, umarmte Lös. Als dieser sich gereizt freimachte, verschwand die Buntheit aus des andern Gesicht. Es wurde farblos und zerrissen, Tränen füllten die Furchen aus, die das Alter und die Luft gegraben hatten. Aber trotz allem, trotz diesem Schmerz, schien das Gesicht des alten Guy noch Leben zu bewahren, ein Leben, das den andern fehlte. Denn plötzlich rief er: »Vive la France« und entschwand im Dunkel einer Tür, fuchtelnd und rotzend.

Die Baracke der Mitrailleusensektion enthielt eine goldenschimmernde Dunkelheit. Löcher, in das Wellblechdach gebohrt, ließen viele Sonnenstrahlen ein. Auf einem Bettgestell saß ein einsamer Mann. In der Linken hielt er einen kleinen runden Spiegel, mit der Rechten teilte er hingebungsvoll seinen kurzen Bart in zwei Teile. Immer wieder fand er ein Härchen, das nicht an seinem Platze war, immer wieder fuhr der Kamm dem Kinnscheitel entlang. Lös betrachtete ihn eine gute Weile. Endlich fühlte der Kämmende den Beobachter, er wandte sich um, eine Grimasse, verlegen und traurig, hob die dicken Wangen. Er trat näher: »Ponimaisch porussky?« Lös schüttelte den Kopf. »Ah, Deutscher.« Verbeugung, Hand aufs Herz mit einer edlen Geste:

»Gestatten Sie, Korporal Koribout.«

»Lös.«

»Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen. Bin gestern neu angekommen. Ja. Ganz angenehm in der Kompagnie, nicht?«

Stimmen riefen nach Lös. Dazu knatterte Peitschenknallen. Lös winkte ab und lief davon.

Beim Tor stand ein Fuhrmann, rot leuchtete seine Leibbinde, blau das Hemd. Der kurze Peitschenstiel in seiner Hand ließ die lange Schnur Spiralen beschreiben, die in einer knallenden Wellenlinie endeten.

Vor dem Posten hielten die hohen zweirädrigen Karren, jeder bespannt mit sechs Maultieren hintereinander. Knarrend fuhren sie durch das enge Tor, luden in der Verwaltung ab (die dritte Sektion war zum Abladen abkommandiert worden) und fuhren wieder hinaus, während die Kompagnie fast vollzählig Spalier bildete. Diese Spanier in Zivil, die vorüberzogen, wirkten wie Schauspieler, die ein Zugstück spielten: das Spiel vom freien Mann; leben kann er wie er will, seine Stelle verlassen wann er will, essen, was er sich kauft, und nicht das, was ihm von einer Autorität auf Befehl gekocht wird. Welch anderes Bild von Freiheit soll sich der Soldat wohl machen?

Lös hatte den Führer des Wagenzugs zusammen mit dem Chef zum Mittagessen eingeladen: der alte Kainz hatte zwei Lämmer geschlachtet und sie im Backofen mit roten Pfefferfrüchten, Tomaten und neuen Kartoffeln gebacken. Dazu gab es aus der Cooperative weißen algerischen Wein: Kebir, den Großen. Der Führer hatte eine Flasche Absinth gestiftet und der Chef ›Amer Picon‹.

Die Gerste wurde verkauft, und der Führer zahlte. Ein Fünfzigfrankenschein verschwand in Narcisses Hand. Dafür erneuerte der Chef sein Versprechen, beim Abladen des letzten Wagens draußen vor dem Posten zugegen zu sein.

Und dies erwies sich als notwendig. Denn Capitaine Chabert, der den ganzen Morgen unsichtbar geblieben war, verzichtete heute auf seine Siesta und ging im glühenden Sonnenschein draußen vor dem Posten barhäuptig spazieren. Er umkreiste gedankenvoll den Wagen, dessen Säcke nach und nach auf die andern Wagen verteilt wurden. Irgendwie schien es ihn zu belästigen, daß nicht die ganze Fracht in seinem Posten blieb. Aber in dem Augenblick, als der Capitaine einen von den Fuhrleuten um Auskunft fragen wollte, warf der Chef den beruhigenden Schatten seiner großen Gestalt über Chabert und erklärte sachlich und ohne Verlegenheit den Vorgang, wie er sich in den Augen des Capitaines auszunehmen hatte. Und Chabert setzte beruhigt seine Wanderung fort im stillen Dröhnen des Mittags.

Doch noch ein anderer strich mit hastigen Schritten um die Karren, Leutnant Mauriot, mit schmaler Nase und mangelndem Kinn. Aber seine Kenntnisse des Spanischen waren nur spärlich. Darum verstand er auch die Erklärung des Fuhrmanns nicht, trabte lautlos auf den weichen Stricksohlen seiner Espadrilles in den Posten zurück, erkundigte sich zuerst beim alten Kainz, der immer »je ne sais pas, mon lieutenant« wiederholte, bis er schließlich mit einem lautlosen Sprung in Lös' Kammer landete und diesen zur Rede stellte.

Mißtrauisch trabte er wieder ab, mit verkniffenem Ausdruck, wie ihn Schulmeister zur Schau tragen, die dem Schüler nichts haben beweisen können.

»Mon Dieu«, sagte der Chef ein wenig später, als Lös ihm von diesem Besuch erzählte, er werde sich doch nicht um die Meinung eines Verwaltungsoffiziers kümmern, eines jungen Vatersöhnchens, das wahrscheinlich nicht einmal eine Frau von einem Manne unterscheiden könne. Und er ließ ein lautes Lachen erschallen, wie es bei solchen Gelegenheiten üblich ist, und Lös stimmte ein; endlich konnte er zu seinem Stelldichein gehen.

Zeno schien seit dem Morgen am gleichen Platz, regungslos, verblieben zu sein. Ihr Kopf hob sich, als sie Lös' Schatten sah. Das Lächeln, mit dem sie ihn begrüßte, sollte freundlich sein, war aber unterwürfig und maskenhaft. Lös erklärte ihr seine Verspätung, und sie nickte teilnahmslos. Dann stand er vor ihr, verlegen, weil er nicht wußte, was er tun sollte. Der zerrissene Stoff ihres Kleides brachte ihn endlich zu einem Entschluß. Er winkte dem Mädchen und ging weiter. Als sie an seiner Seite war, nahm sie seine Hand. Aber er schüttelte sie ab, denn es gingen zuviel Menschen über den Platz.

Im einzigen Laden des Dorfes breitete der Händler, ein junger glatter Jude, Stoffe vor den beiden aus. Beim Betasten blieb Zenos rauhe Haut bisweilen an den vorstehenden Fäden des Stoffes hängen. Im stillen Laden war dies Geräusch, wie das kurz unterbrochene Nagen einer Maus, deutlich zu hören.

Endlich hatte Zeno gewählt: das gröbste Tuch, ungebleicht und von Hand gewebt. Aber dauerhaft, so erklärte sie ihrem Begleiter, später würde es noch für ihre kleine Schwester zu brauchen sein.

Als sie aus dem Laden traten, begegnete ihnen Peschke. Er grüßte nicht, zeigte nur seine spitzen, gelben Zähne und spie aus. Dann pfiff er, unbeteiligt, und prüfte doch aus den Augenwinkeln den Stoff, den das Mädchen unter dem Arme trug.

›Am Abend wird der ganze Posten wissen, daß ich eine Geliebte habe und ihr Stoff schenke. Der Capitaine wird mich fragen, woher ich das Geld habe. Wenn schon‹, dachte Lös.

Dann lief er noch einmal in die Verwaltung zurück, holte Kaffee, Mehl und Zucker, trug dem alten Kainz auf, zu sagen, er sei ins Dorf gegangen, um sich mit dem Juden zu verabreden, der die Schafe für die Herde lieferte.

Der Ksar, in dem Zeno wohnte, war ein hoher, auf allen Seiten geschlossener Häuserblock, der sich wie eine böse Märchenburg gegen den Himmel abhob. Er lag im Rücken des Postens, gut zehn Minuten entfernt. Sein Betreten war den Legionären streng verboten.

Zuerst führte der Weg durch Alfagras, das fast von der gleichen Farbe war wie der graue Staub, der seine Büschel umgab. Ein schwacher Wind kam von den Bergen und trug mit sich den Duft verwelkter Blüten. Neben dem Weg floß ein Bach, derselbe, der auch durch den Hof der Verwaltung lief, abgefangenes Wasser des Oued, das die Felder berieseln sollte und die kleinen dürren Gärten mit der sandigen Erde. Die Blätter der Feigenbäume klapperten leise, und die Lancetten der Olivenbäume waren aus mattem Stahl.

Dichter wuchsen die Bäume, und das Gras ward saftiger, als sie ans Ufer des Flüßchens kamen.

Lös verspürte eine unangenehme Leere in seinem Körper, die langsam zu einer Angst anwuchs, je weiter er mit Zeno ging. Er hielt ihre Hand gefaßt, blickte sie von Zeit zu Zeit an und versuchte ein Lächeln. Doch Zeno schien ihn vergessen zu haben, sie blickte ruhig auf die näherkommenden Mauern, und ihr rechter Arm hielt den geschenkten Stoff an ihre Hüfte gepreßt. Plötzlich riß sie sich los, lief und verbarg sich hinter einem rotgesprenkelten Oleanderbusch. Die Luft war zäh und schwül, denn der Wind traf nur die Spitzen der Bäume.

In einer Lichtung stand das Mädchen braun und nackt gegen das blaue Tuch des Horizonts, das durch die Bäume leuchtete. Die Lumpen, die es fortgeworfen hatte, waren ein schmutziges Häuflein im Gras. Vorsichtig beugte sich Lös zu den spitzen Schultern und küßte sie. Der Geruch des Körpers war säuerlich, und die Haut schmeckte salzig. Die kleinen Brüste hingen schlaff herab und wirkten hilflos, bisweilen spannten Muskeln die Haut. Er legte die Hände auf die Hüfte des Mädchens. Doch Zeno schüttelte diese Hände ab, blieb dann regungslos, und ihre Augen waren ohne Ausdruck.

Eine große Dumpfheit war in Lös, die weder einen Gedanken noch einen Trieb aufkommen ließ. Dann flirrten ein paar Bilder ab: eine weiße Tafel, auf der stand: Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, eine Flasche mit einer dunkelvioletten Flüssigkeit, eine farbige Tafel aus einem Anatomiebuch. Dann war wieder die dunkle Stumpfheit da, aus der nach und nach ein Gedanke auftauchte, der sich nicht wieder vertreiben ließ: ›Ein anderer an deiner Stelle‹, so sprach jemand spöttisch in ihm, ›würde zupacken, sich nicht lange besinnen. Aber du? Nirgends, in keinem Augenblick deines Lebens wirst du es lernen können, zuzupacken‹. Er schloß die Augen, trat einen Schritt zurück. Als er sie wieder öffnete, hatte Zeno den neuen Stoff wie eine breite Binde um ihren Körper gewickelt. Ein Zipfel bedeckte ihren Kopf. Sie lachte auf, laut und kreischend, packte Lös' Hand und zog ihn weiter.

Aufgeregt begann sie zu erzählen von den Legionären, die sie verfolgten, vom dicken Capitaine, der ihr einmal am Abend nachgegangen sei. Aber er habe nicht gewagt, etwas zu sagen. Auch der Chef habe sie einmal in der Dunkelheit eingefangen, aber sie habe ihn gekratzt und gebissen, bis er sie freigelassen habe. Der Vater wolle nicht, daß sie mit den Soldaten gehe. Und dann sei der Capitaine Materne streng. Der sperre die Mädchen ein, die sich mit den Männern einließen. Aber er, der Korporal, der sei nicht wie die andern, das wisse sie. Dabei streichelte sie Lös' Hand und leckte sie wie ein kleiner Hund.

Sie kamen zum Ksar. Die hohen fensterlosen Lehmmauern blendeten ockergelb, beschienen von der Sonne, die schon tief stand. Im Staub spielten Kinder, die Gesichter waren mit Schorf bedeckt, viele Augen mit Eiter verklebt. Sie starrten auf die fremde Gestalt in Khaki und Wickelgamaschen und liefen dann schreiend davon. Ein dunkler Gang führte in das Innere des Dorfes, das ein einziger zusammenhängender Bau war, ein riesiger Termitenbau; dunkle Gestalten strichen an den beiden vorbei, nicht zu erkennen in der schmierigen Dämmerung. Lös dachte an das Verbot, an die Erzählungen, die umgingen, von Raubanfällen, er dachte an das Geld, das er bei sich trug. Aber er fühlte keine Angst. Er hatte sich mehr gefürchtet, als er die Schultern des Mädchens geküßt hatte.

Eine steile Holztreppe führte in ein Zimmer, in dem es erstickend roch. Zeno stieß einen Laden auf, und Strahlenbüschel durchstachen blauen Rauch. In einer Ecke saß ein kleines Mädchen auf einem Haufen Stroh, über ihr saßen auf Stangen etliche Hühner. Die plötzliche Helligkeit weckte sie auf, sie flatterten zu Boden und liefen gackernd umher.

Und Zeno stieß nun eine hohe Tür auf. Sie gab den Blick frei auf eine weite Terrasse. In durchsichtigen Kugeln schwebte der Rauch ins Freie, aber als unverrückbarer schräger Balken führten die Strahlen vom Fenster zum Fußboden.

Inmitten der Terrasse hockte auf einer Alfamatte ein uralter Mann. Auf dem Scheitelpunkt des sonst glattrasierten Schädels wuchs ein langer, grauer Haarschopf und lud Allahs Hand ein, den daranhängenden Körper mitzuziehen, hinauf in eine reichere Welt. Denn der Mann war mager und unterernährt. Als er Lös' Schritte hörte, blickte er auf und ließ seine Zehen fahren, mit denen er gedankenvoll gespielt hatte. Lös erinnerte sich an seine Karl-May-Lektüre und sagte: »La illah Allah, Mohammed rassuhl Allah.« Dabei verneigte er sich tief. Es schien zu stimmen, denn der alte Mann lächelte mit breiten Pferdezähnen, murmelte etwas wie »Mlech, mlech«, streckte eine schmale Hand aus, berührte nur leicht die des andern mit den Fingerspitzen, führte dann den Zeigefinger an die Lippen und wies mit einer sanften Gebärde nach oben. Zeno erschien und zeigte ihr neues Kleid. Dazu schnatterte sie laut und aufgeregt. Das Lächeln des Alten zog sich tief in die Wangen, er deutete mit der Hand auf die Matte. Auch Lös wollte höflich sein. Er zog die Schuhe aus, rollte die Wadenbinden ab und setzte alles ordentlich an den Rand des Daches. Dann setzte er sich neben den Alten.

Dieser zog aus seinem groben Wollmantel eine fingerhutgroße Pfeife aus rotem Ton und füllte sie mit einem feingepulverten graugrünen Kraut. Er rief etwas ins Zimmer. Zeno kam mit einem zerbeulten Blechbecken zurück, das mit Glut gefüllt war. Eine Teekanne stand darauf, aus weißem Metall, mit grob eingeritzten Ornamenten. Der Alte legte eine Kohle auf die Pfeife, zog einen Zug tief in die Lunge und gab sie weiter an den Gast. Der folgte dem Beispiel. Der Rauch schmeckte scharf und duftend, so wie Tabak manchmal schmeckt an einem qualmenden Feuer.

Lös hatte schon früher Kif geraucht, in Bel-Abbés bei seinem Freund, dem großen Mulatten. Doch der Kif des Alten dünkte ihn stärker und würziger. Der Duft weiter Ebenen war in ihm und das schwere Licht eines heißen Tages.

Nach zwei Zügen war die Pfeife leergebrannt. »Sachar«, sagte Lös und gab sie zurück. Er hatte sich dieses Dankeswort gemerkt, ob seines Klanges, der an Sacharin erinnerte.

Die Terrasse lag neben der weiten Ebene, in der, ferne, der weiße Posten schimmerte. Im Rücken der Sitzenden stieg das Dorf stufenförmig an. Und die Ebene dehnte sich bis an die Berge, die ein zitterndes süßliches Violett bedeckte. Langsam wurden die Bäume schwärzer, die den Oued einfaßten.

Der Alte hatte die Hände auf die Knie gelegt. Manchmal hob er die Tasse zum Munde, die dicke zersprungene Tasse, hob sie zum Munde mit anmutiger Geste, und sein Schlürfen trommelte sanft durch die Stille.

Der Tee war sehr süß und mit Minze gewürzt.

Da kam Zeno zurück mit einem flachen Korbteller, geflochten aus dünnen hellen Weidenzweigen. Sie streute Mehl darauf, träufelte Wasser dazu und begann den Teller zu schütteln. »Kuskus«, erklärte sie und der Alte nickte.

Das Mehl ballte sich zu groben Körnern, nicht größer als Stecknadelköpfe. Einen eisernen Topf setzte Zeno auf die Glut, zur Hälfte gefüllt mit Wasser. Und fünfmal schüttete sie das körnig geballte Mehl in ein unten spitz zulaufendes Tongefäß, das wie ein Sieb durchlöchert war. Dieser Tontrichter wurde in den Hals des Eisentopfes gesetzt, damit der Dampf die Mehlkörner garkoche.

In das leise Summen des Dampfes scholl plötzlich, ganz aus der Nähe, von einer unbekannten Höhe herab, ein langgezogener hoher Ruf. Der Ruf zersplitterte in viele Worte, die sich folgten und überstürzten, immer in der gleichen Tonlage. Dazwischen sank die Stimme unerwartet fast um eine ganze Oktave, um gleich wieder zu ihrer früheren Höhe aufzuschnellen.

Schweigend erhob sich der Alte, nahm den rauhen Mantel von den Schultern und legte ihn auf den Boden; er stand nun da in einem ärmellosen Hemd, das bis zur Mitte der Waden reichte. Dann neigte er sich, richtete sich auf, kniete hin, berührte den Boden mit der Stirn, ausgestreckt, die Arme und die Hände flach auf den Steinfliesen, und dazu raschelte leise seine Stimme. Es klang, wie wenn der Wind mit verkohltem Papier spielt.

Kaum aber war die springende Stimme des Unsichtbaren verstummt, da saß der Alte wieder auf seinem Platz, eingehüllt in seinen Wollmantel, und gab Zeno laute Befehle.

Der Kuskus wurde auf eine Holzschüssel geleert, die mit einer dicken Schicht stark riechenden Fettes bedeckt war. Dann goß Zeno eine farbige Brühe über das Ganze, in der Hühnerknochen und gekochte Pfefferfrüchte schwammen. Der Alte mischte nun alles mit pflügenden Händen, schlenkerte sie in der Luft, um sie abzukühlen. Ungewohnt und fremd, wie die Haut des Mädchens, schmeckte auch die Speise. Mit langen vorsichtigen Fingern knetete der Alte kleine Kugeln und schob sie dem Gast in den Mund. Lös aß, denn er hatte Hunger. Und je vertrauter ihm der Geschmack dieser Speise wurde, desto stärker wuchs in ihm die Sehnsucht nach dem Körper des Mädchens, das neben ihm saß und sich an ihn lehnte. Auch sie formte Kugeln mit den kleinen Fingern und steckte sie dem Freund in den Mund. Und die Farbe der verknitterten kleinen Hände erinnerte ihn an die Farbe der Haut, an ihren Geruch und an ihren salzigen Geschmack.

Hernach gab es gepreßte harte Datteln und wieder Tee.

Der Vater hatte die kleine Pfeife angezündet. Als Lös die Hand danach ausstreckte, sprach ihm der Alte langsam und deutlich vor: »Amr sbsi.« Zeno übersetzte: »Pfeife füllen.« Und geduldig wiederholte Lös: »Amr sbsi.« Das Mädchen hatte sich neben Lös gelegt, zusammengerollt wie ein weiches kleines Tier, und den Kopf auf die Schenkel des Gefährten gebettet.

Der Abend war sehr ruhig und erwartete still den Mond, den eine unsichtbare riesige Hand über die Berge hob.

Als Lös den Kopf des Mädchens fühlte und gedankenverloren die spröden Haare streichelte, mußte er einen Augenblick an Patschuli denken, der am Abend vorher den Kopf an ihn gelehnt hatte. Aber dann vergaß er es wieder, weil alles groß war und friedlich.

Dann begann Zeno langsam zu sprechen. Die Worte der ihr fremden Sprache mußte sie mühsam zusammensuchen. Aber Lös verstand schnell und ergänzte geduldig den fehlenden Sinn.

Vor zwei Jahren hatte der Vater einen kleinen Garten besessen, am Oued, und er hatte gut getragen, Kartoffeln und Tomaten und Pfefferfrüchte. Auch ein paar Feigenbäume gab es dort und ein großes Feld mit Gerste. Aber der Vater hatte das Land verkauft, er hatte Steuern bezahlen müssen an den Juden. Jetzt hatten sie kein Land mehr, außer einem kleinen Streifen, der weit vom Wasser entfernt war, vom Flüßchen sowohl als auch von der Segula, die davon abzweigte. Nun gebe es ein Stück Garten zu kaufen, nahe am Fluß, sehr fruchtbar, Feigenbäume wüchsen darauf und Oliven, und der Grund sei nicht zu sandig, sondern ein wenig schwer, so daß er nicht verweht werden könne vom Wind. Auch sei der Mais darauf schon reif. Nun, der Besitzer verlange dafür zweihundert Franken, der Korporal sei reich, ob er dem Vater nicht das Geld geben wolle? Zeno unterbrach sich und richtete eine Frage an den Alten. Der nickte nur. Sie wolle dann seine Frau werden, setzte Zeno hinzu und zog die Hand, die ihre Haare streichelte, an ihren Mund.

Lös dachte nicht lange nach. Ob er das Geld schließlich vertrank oder dem Alten gab, war doch gleichgültig. Und dann: Niemand kontrollierte ihn, ob er in der Nacht im Posten schlief oder nicht. Die Nächte würden weniger einsam sein, es war schließlich nicht ganz dasselbe, ob Türk neben ihm lag oder ein Mädchen. »Vielleicht weiß der Schächter ein Zimmer im Dorf neben dem Posten. Dort kann sie wohnen, und ich kann bei ihr essen. Sie wird für mich kochen. Und gelegentlich werde ich dem Capitaine die ganze Geschichte erzählen, er wird wohl Verständnis haben. Ich kann ihm sagen, ich hätte von zu Hause Geld bekommen. Baguelin bestätigt es mir gern.«

Zeno hatte sich aufgesetzt und blickte Lös erwartungsvoll an. Da griff er in die Tasche, holte zwei Hundertfrankenscheine hervor und gab sie dem Alten. »Sachar«, sagte dieser, nickte und klopfte Lös auf die Schulter. Das Geschäft schien ihn nicht weiter aufzuregen, er stopfte mit den immer sich gleichbleibenden Bewegungen die kleine Pfeife, nahm aber diesmal statt eines tiefen Zuges nur einen oberflächlichen, der gerade genügte, um die Pfeife in Brand zu setzen, und gab sie an Lös weiter, mit einer kleinen Beugung des Oberkörpers; dazu legte er noch die Hand auf die Brust.

Zeno riß ihrem Vater die Scheine aus der Hand, besah sie, rieb jeden einzelnen zwischen den angefeuchteten Fingern, hielt sie zwischen den Mond und ihre Augen und gab sie schließlich dem Alten zurück.

Ob er hier schlafen wolle, fragte sie ihn dann, und versprach, Decken und Matten auf die Terrasse zu bringen. Lös nickte, er wolle nur schnell zum Posten zurück, sehen, was dort los sei. Er blieb noch eine Weile beim Alten sitzen, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und blickte solange in die Sterne, bis er sie tanzen sah; er hatte tränende Augen und ein schmerzendes Genick.


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