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Gebet eines redlichen Vaters am Vermählungstage seiner geliebten Tochter.

Natalie von Thümmel mit dem Freiherrn Karl von Thüngen auf Thüngen.

Im December 1801.

Du, der in ewiger Ferne
Nie seiner Schöpfung entschwand,
Und mit dem Flimmer der Sterne
Das Herz des Menschen verband;
Du, der den Kreislauf der Triebe
In festem Fortgang erhält,
Und sich in Seelen voll Liebe
Als seinem Spiegel gefällt;

Der, auch im Jubel der Chöre,
Des Sängers Lied nicht verschmäht,
Das Liebe hauchet – erhöre
Jetzt eines Vaters Gebet.
Du, der, damit es verglimme,
Kein Herz zum Daseyn erschuf,
Gib deine segnende Stimme
Zu meinem menschlichen Ruf!

Denn sieh', jetzt führen die Horen
Der Ahnherrn Leiter herab
Ein Paar, dem Endzweck erkoren,
Der es dem Weltraume gab;
Es horcht dem Weihungsgesange
Der Aeltern, staunend wie sich
Sein Herz, in ähnlichem Drange,
Leis in ein andres verschlich.

Triumph! Jetzt nehmen die Stunden
Einsamen Lauschens die Flucht,
Sie haben sich freundlich gefunden,
Sie, die einander gesucht,
Ein Erbe männlicher Güte,
Mit Kraft zur Tugend erfüllt,
Und eine Jungfrau – in Blüthe
Der Nachtviolen gehüllt.

Wohl dann, ihr Suchenden, rettet
Euch aus dem Pfad ohne Spur
In euern Lustkreis – verkettet
Euch fest dem Ring der Natur;
Daß, wenn ja Stürme des Lebens
In euerm Staubgang entstehn,
Sie nie des ersten Ergebens
Geheimes Flüstern verwehn.

Daß eurer blühenden Ehe,
Von keinem Nachtfrost verletzt,
Mehr als ein Sprößling erstehe
Der, am Gefühl, euch ersetzt,
Der als ein Fruchtbaum sich hebe,
Und, in des Lebens Gebiet,
Sich einer Nachwelt verwebe,
Die seine Senker erzieht.

Mögt ihr, in Einklang, den Reigen,
Der Gottes Veste durchwallt,
In Symphonien ersteigen,
Wenn dieses Leben verhallt;
In euern Enkeln noch rufen:
»Ihr, uns Umringenden, ach!
»Lebt, liebt und folgt auf den Stufen
»Genützter Menschheit uns nach!«



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