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Der Name Sauheitl

Einer der häufigsten Namen unter den Alteingesessenen der an altbayerischen Merkwürdigkeiten überreichen Böhmerwaldstadt Wallern ist der Name Sauheitl, der bei Fremden regelmäßig Kopfschütteln verursacht. Die Einheimischen denken sich nichts dabei; in den letzten Jahren allerdings haben sich einige Sauheitl des Namens geschämt und andere Namen angenommen.

Die Deutung des Namens ist klar, wenn sie auch nicht auf den ersten Blick einleuchtet: um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts – weiter kann ich die Wallerer Familiengeschichte nicht verfolgen – lebte nach Rosenbergischen Urbaren, die im Schwarzenbergischen Zentralarchiv in Krummau aufbewahrt werden, in Wallern ein Georg Heidl, der vielleicht der Ahnherr der Sauheitl ist. Heidl ist wohl die Kurzform des alten Namens Haidulf wie etwa Eckl von Eckart (nach dem schönen Bayerischen Namen-Büchlein von J. W. Erberl, Freising 1858). In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts taucht dann schon der Name Sauheitl in Akten und Stadtbüchern auf und ist bald einer der häufigsten Wallerer Namen. In Wallern war neben der Rinderzucht die Schweinezucht daheim und viele Wallerer lebten vom Ochsen- und Sauhandel; an die Schweinezucht erinnern noch heute viele Namen.

Wenn nun etwa ein Heidl ein Wirt war, ein anderer Schulmeister und ein dritter Sauhändler oder Sauzüchter, so hieß man, um die Heidl auseinanderzuhalten, den einen Wirtheidl oder Bierheidl, den anderen Schulheidl und den dritten Sauheidl. Der Name Sauheidl wurde nun später Familienname und bald so, bald so geschrieben und ausgesprochen, am häufigsten Sauheitl, wie sich alle Träger des Namens heute schreiben. Wir haben uns früher über diesen merkwürdigen Namen viel den Kopf zerbrochen; als ich aber einmal in der Prachatitzer Gegend einen Schweinehändler kennen lernte, den das Volk Saudeml nennt nach seinem Berufe und seinem Hausnamen Deml, da leuchtete mir die Deutung des merkwürdigen und einmaligen Familiennamens sofort ein.

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