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Merkwürdige Tiernamen

Wenn manchmal Tieren, besonders Hunden, die Namen von großen Personen und wichtigen Dingen gegeben werden, so will man damit etwas, was man hasst, dem Spott und der Verachtung preisgeben; denn in den meisten Fällen gelten Tiere als verächtlich.

Wie Janssen in seiner Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgang des Mittelalters berichtet, gaben die Lutheraner im Kampf um die Anerkennung ihrer Religion mit den Katholiken Hunden und Katzen den Namen »Interim«, um die verhasste Vereinbarung, die »einstweilen« gelten sollte, herabzusetzen. Dieselbe Sache wird von den Bürgern der Stadt Magdeburg in Friedrich von Raumers Historischem Taschenbuch erzählt.

Dass man in früheren Jahrhunderten aus Hass gegen die Juden Ziegenböcke »Moses« benamste, erfahren wir aus dem Ehe und Damenkapitel der Geschichtsklitterung, wie Adolf Hauffen in seinem großen Fischartwerke anführt: »Ein Jud wollt darumb nit Moses heißen, weil wir die Böck also heißen.«

Mit besonderer Vorliebe aber hat man Hunden zu allen Zeiten die Namen verhasster Persönlichkeiten gegeben, z.B. »Prinz Eugen«, »Napoleon«, »Haynau«, denn »canis est miseriae typus«, sagt Praschius da, wo er in seiner Sammlung bayerischer Idiotismen (1689) dialektische Übertreibungen hundselend usw. aufzählt.

Ein nicht seltener Name für Hunde in Süddeutschland war einmal »Bismarck«. Bekannt ist, dass die Bayern ihre Hunde mit Vorliebe »Bismarck« genannt haben.

Ein lustiger Zechkumpan hat mir einmal die folgende Schnurre erzählt: Bismarck ging eines Tages im Bayernlandl mit einigen Freunden zu Fuß über Land; als sie an einer Sauherde vorbei kamen, gerieten die Säue in Unordnung und der Hirt rief dem Hunde zu: »Bismarck! Bismarck!« Bismarck ließ den Sauhirten zu sich rufen und fragte ihn, ob in Bayern alle Hunde Bismarck hießen. »Naa«, gab dieser zur Antwort, »sched (nur) d' Sauhund'!«

Sicher laufen auch heute noch Tiere mit solch merkwürdigen Namen um.

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