Karl Kraus
Glossen bis 1914
Karl Kraus

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Mona Lisa und der Sieger

Mit zwei kunsthistorischen Ereignissen hat sich dieser Sommer 1911 in die Geschichte der Menschheit eingetragen, mit zwei Gewalttaten zugleich, deren zeitliche Nähe einen tief symbolischen Zusammenhang offenbart. Im August wurde die Mona Lisa aus dem Louvre gestohlen, aber dafür hatte uns der Juli das Porträt des Herausgebers der Neuen Freien Presse geschenkt. So merkwürdig die Nachbarschaft der beiden Taten ist, so erkläre ich, um jeder Reklame für das Sicherheitsbureau der Wiener Polizei die Spitze abzubrechen, sofort: daß ich die Mona Lisa nicht gestohlen habe. Bei Gott! Ich hab's nicht getan; aber hätt' ichs, ich würde mich dieser Tat nicht schämen, denn sie wäre beim Teufel nicht das schlechteste, was ich in meinem Leben getan habe. Im Gegenteil stehe ich nicht an zu behaupten, daß mir die Anonymität des Diebs das einzige bedenkliche Moment in seiner ganzen Aktion zu sein scheint, von dem wundervollen Entschluß an, ein Kunstwerk vom Anblick des Publikums zu befreien, bis zur herrlichen Tat. Zuzutrauen wäre sie mir schon, und ich unterscheide mich von dem Täter nur darin, daß ich mich zu seiner Tat bekenne. Die Hand, die der Welt die Visage des Siegers geoffenbart hat und ihr, weit über jede Absicht des Spottes hinaus, fern aller karikaturistischen Bosheit, in bebender Andacht gezeigt hat, wie das aussieht, was den Staat beraubt und was die Welt verpestet; die Hand, die es nicht dulden wollte, daß das Antlitz der Macht länger verborgen bleibt, welche die Partei des Geldes gegen den Geist vertritt, die Hand, die an einer gemeinen Photographie zu zeigen imstande ist, wie der Fortschritt dasteht, wie die Geldgier die Faust ballt, welchen Blick die Aufklärung hat, welchen Bart der Einfluß und welche Nase der freisinnige Triumph – diese Hand wäre, weiß Gott, auch imstande gewesen, die große Befreiungstat zu vollführen, die die Kunst gegen diese Macht geschützt hat! Mona Lisa – das ist der Schulfall, um der Weltbestie Intelligenz, an deren Haß der Künstler stirbt, aber von deren Haß die Kunst lebt, den Genickfang zu geben. Daß der Abtransport der Mona Lisa die endliche Erfüllung einer tiefen kulturellen Notwendigkeit bedeutet, geht für alle, die Ohren haben, wenn sie schon nicht die Fähigkeit übersinnlichen Erfassens hatten, aus dem Gekreisch derer hervor, die sich als Verlustträger gebärden. Aus dem Wehgeschrei des Abschaumes der Menschheit, der, nicht imstande zwischen Lionardo und einem Farbendrucker zu unterscheiden, behauptet, daß der Verlust der Mona Lisa nach dem Antisemitismus die größte Schmach des Jahrhunderts sei. Aus den Artikeln des Siegers, der trotz der Zerschmetterung der Christlichsozialen das Leben ohne die Mona Lisa nicht mehr lebenswert findet, wegen des seltsamen, unergründlichen Lächelns; der behauptet, daß ein Bild, welches zu Tausenden gesprochen, welches das Ziel der künstlerischen Andacht Tausender war, dieses Kleinod, welches Tausenden unendlich teuer ist, von Tausenden und Abertausenden bewundert wurde, nein, Tausenden und Abertausenden ein Born reinsten Empfindens und Tausenden, ja man kann ohne Übertreibung sagen, Millionen ein Ziel frommer Wallfahrt war, daß ein solches Kleinod, wenn es gestohlen wurde, eine Schmach für die ganze Menschheit und ein Angriff gegen das ideale Interesse aller Völker und Länder und nicht nur Paris, sondern die ganze Welt und die ganze zivilisierte Welt und die ganze Kulturwelt und wieder die ganze Kulturwelt und die Augen der ganzen Kulturmenschheit sind nach Paris gerichtet und nach dem administrativen Augiasstall, so daß man an Marokko vergaß und unter dem ersten niederschmetternden Eindruck, nachdem der Sonnenstrahl der echten Kunst auch in das ärmliche Heim der unteren Schichten gelenkt wurde und die Erschließung für die großen Massen und die breiten Schichten, so daß nur die Hoffnung bleibt, dem Besitz der Menschheit erhalten zu bleiben und vor dem bewundernden Blick der Gesamtheit wieder aufzutauchen, und die ganze Welt den Wunsch hat, daß sie doch noch gefunden wird, damit das kostbare Gemeingut der Allgemeinheit, das geheimnisvolle, unergründliche Lächeln der Mona Lisa, welches Tausenden in tiefster Seele nachleuchtet, auch in Zukunft Tausenden zur Quelle reinster Freude werde ... All dies zeigt, wie notwendig hier ein entschlossenes Handeln war. Seit jeher hatte ich, ohne daß ich mir's recht gestehen wollte, eine geheimnisvolle Abneigung gegen das unergründliche Lächeln der Mona Lisa. Ich hatte es noch nicht gesehen, aber es verfolgte mich seit dem ersten Blick in eine Zeitung, denn meine Bestimmung war es doch, mehr Kunstkritiken als Bilder zu betrachten. Aber nicht nur in Kunstkritiken, auch in Literaturkritiken trat mir das unergründliche Lächeln der Mona Lisa entgegen, es fehlte – lange ehe es in den Leitartikel kam – in keinem Feuilleton, und kaum ein Sonntapplauderer lebte, der nicht der geheimnisvollen Pragerin, die auf der Ischler Esplanade Furore machte, das besondere Merkmal nachrühmte, daß sie das unergründliche Lächeln der Mona Lisa habe. Wie mir »das alte Wien des Canaletto« durch die häufige literarische Verwendung dieses Malers unsympathisch wurde, so machte sich mir die Mona Lisa durch eine Eigenschaft verhaßt, die sie mit jedem Jourmädel zu teilen schien. Dieses Vorurteil nun wurde vom Anblick des Originals nicht besiegt, sondern im Gegenteil fand ich, daß es nicht bald etwas Reizloseres, Altjüngferlicheres geben könne als das Lächeln der Mona Lisa, auf deren Geheimnis ich nicht neugierig war und die mir günstigsten Falls den seichten Glauben an die Unergründlichkeit der Frauenseele zu belächeln schien. Aber vor allem in einem Punkte unterschied ich mich von den Tausenden und Abertausenden: ich gab – ohne von der Kunst der Farbe viel mehr zu verstehen als sie – die Möglichkeit zu, daß Lionardo auch dann ein großer Maler geworden wäre, wenn die Gioconda zufällig ohne Lächeln auf die Welt gekommen wäre, und daß er ein Künstler ist, selbst wenn sie ein Scheusal war. Das ist es nämlich, was der Kunstverstand meiner Bedienerin und meines Leitartiklers und der ganzen kultivierten Welt nicht zugeben will, und wenn Reznicek die Gioconda noch schöner gemalt hätte, so hielten sie ihn für einen noch größeren Künstler als Lionardo. Ihre Trauer um den Verlust eines Originals würde vertausendundabertausendfacht, wenn auch alle Kopien verloren gingen, und wie viel Jammer in der Welt wäre, wenn erst alle Ansichtskarten der Mona Lisa geraubt würden, das ist gar nicht zu ermessen. Auch auf einem höheren Kulturniveau als jenes ist, auf dem die kultivierte Menschheit steht, wäre die Wehklage über ein verlorenes Bild als Heuchelei abzuweisen, die Irrelevanz des Kunstwerks im Vergleich zum Künstler hervorzuheben und die Kunst nötigenfalls durch Vernichtung des fertigen Werkes gegen die Anerkennung eines Intelligenzpöbels zu schützen, dessen tiefere Teilnahme ja doch nur jenen schöpferischen Naturen gehört, die Feuer fressen oder bis zum hohen C gelangen. So wie aber die kulturellen Verhältnisse heute liegen, ist es ein Rätsel, warum über die Vernichtung eines Ölgemäldes in der Auslage der Firma Nedomansky, das den letzten Straßenexzessen zum Opfer fiel, nicht Leitartikel geschrieben wurden. Den kunstfernen Sudlern, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Aussicht eröffnen, daß die Kunst demnächst »Gemeingut« werde, und die darüber entzückt sind, daß die Mona Lisa sich schon so eingebürgert habe wie das Telephon: ihnen, die die Kunst verbilligen – nicht jenen, die das Fleisch verteuern wollen, müßte man die Fenster einschlagen! Und ein Gesindel, das nur die Ekstase merkantiler Erlebnisse kennt, nur die Ehrfurcht vor dem Geld, nur die Spannungen der Börse; dem Kunst ein Gesellschaftsspiel und Religion ein gesellschaftlicher Zwang ist; dem Religion das ist, woran der Salo Cohn glaubt, und Kunst das, was er kaufen kann: solches Volk applaudiert dem Leitartikler, wenn er beteuert, daß »jeder einzelne verarmt und schwer geschädigt« sei, als wär's der schwarze Freitag, und wenn er den Einwand, daß es schließlich ja doch nicht um die Börse, sondern nur um die Kunst gehe, mit der Frage vorwegnimmt: »Ist das andächtige Erschauern vor einem Kunstwerk nicht auch etwas Heiliges?« Denn sie alle sind vor der Mona Lisa andächtig erschauert, sobald sie dazu Zeit hatten. »Wie viele«, ruft jener, »die im Drang der Geschäfte nach der französischen Hauptstadt kamen, haben vor dem Bilde Lionardo da Vincis Augenblicke der Erbauung und der Andacht verbracht, die ihnen wirklich zum inneren Erleben wurden!« Das kann man sich vorstellen. Die Manufakturreisenden, die, ohne im Baedeker nachzusehen, ins Louvre eilen, zuerst enttäuscht wegen der Verwechslung, dann aber gebannt, hingerissen, wie fest gewurzelt vor der Mona Lisa, schnell ihre Andacht verrichtend, schlag zwei wieder beim Vertreter, weil das Leben, das Leben eben doch seine Rechte fordert! Nun ist sie dahin, und ihnen bleibt nur die Erinnerung, und wenn sie ein unergründliches Lächeln brauchen, sind sie rein auf das Konterfei des Siegers angewiesen. Freilich hat dieses den Vorzug, daß seine Echtheit unbestritten ist. Von der aus dem Louvre entwendeten Mona Lisa hat ein Sachverständiger behauptet, daß sie eine Kopie sei. Ist sie das, so ist auch die Trauer, die die Kulturmenschheit über den Verlust eines Kunstwerks empfindet, als Schwindel entlarvt. Denn um ihr Schauer der Andacht beizubringen und in ihrer tiefsten Seele nachzuleuchten, dazu hat eine Kopie ausgereicht und würde erforderlichenfalls eine Photographie ausreichen. Da sie es für Kunst hält, wenn das Modell ein freundliches Gesicht macht, so ist ihr mit jeder Art von Reproduktion zu helfen. Die Mona Lisa ist gestohlen und der Nordpol entdeckt worden: ob das Bild falsch war und Herr Cook nicht hingekommen ist, ist gleichgiltig. Auf die Begleitumstände der menschlichen Gemeinheit kommt es nicht an. Die Hauptsache ist, daß die Mona Lisa am unergründlichsten gelächelt hat und daß der Nordpol der nördlichste Punkt ist! Im Drang der Geschäfte begnügt sich die Menschheit mit den Illusionen. Die realen Werte des Lebens gehen ihr doch nicht verloren. Es sind jene, über deren Erhaltung das Bild des Siegers geheimnisvoll lächelt, wenn es auch nur eine Photographie ist.

Edison

war doch in Wien? Warum hat man nicht die Gelegenheit benützt, ihn zu fragen, ob es nicht schon etwas gebe oder ob er, wenn es nichts gibt, etwas erfinden möchte, was dem Wiener Beiwagenkondukteur ermöglicht, sich dem Motorführer ohne Trompete verständlich zu machen? Oder hat man ihn gefragt und uns die Antwort nur verschwiegen? Nichts ist mir unerfindlich, müßte Edison geantwortet haben : ich werde es dahin bringen, daß Sie in Wien diese Frage an mich stellen können, wenn ich in meinem New-Yorker Laboratorium sitze. Ich werde es dahin bringen, daß ich Ihren Straßenverkehr in New-York photographiere, weil wir Amerikaner zu wenig Phantasie haben, uns eine Vorstellung davon zu machen. Wir werden uns die Ansichtskarten von Ihren verfallenen Schlössern und Basalten selber anfertigen. Nichts ist mir unmöglich. Aber so weit, daß die Trompete des Wiener Beiwagenkondukteurs, durch die er sich nicht nur dem Motorführer, sondern auch dem Passagier und vor allem sich selbst verständlich macht, durch eine elektrische Klingel ersetzt werden kann – so weit werde ich es nicht bringen! Meine Erfindung kann eurer Phantasie nicht nachkommen. Unsre Technik reicht nicht an die Grenzen eurer Persönlichkeit. Eure Romantik spottet unserer Bequemlichkeit. Wollt ihr die Farbe aus eurem Leben entfernt wissen? Ist das Leben nicht monoton genug: wollt ihr auch noch die Trompete eures Beiwagenkondukteurs entbehren? Betrachtet die freudige Spannung, mit der der Wiener ihm auf den Mund sieht, wenn er ansetzt, um dem Wiener ins Ohr zu tuten, betrachtet die Würde, mit der er tuten tut, als wollte er der Welt sagen: »Höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persönlichkeit. A so a Motorführer, der glaubt rein, daß er allani auf der Welt is – aber mir, mir san a wer! ...«

Riedau und Lido

In Riedau war ein Typhusfall, da hetzten sie den Arzt, der ihn anzeigte, in den Tod, die Rückständigen. Und da schrieben sie Leitartikel dagegen, die Aufgeklärten. Und ich meinte damals daß wenn an der Riviera viele Blatternfälle seien, die Hoteliers sich mit Annoncen helfen. Und man sagte, das wäre eine Übertreibung. Und es ward Sommer und in Venedig gab es viele, viele Cholerafälle. Da nahmen sie einen großen Haufen Geldes, die Hoteliers und verteilten ihn unter die Aufgeklärten. Und es erschienen ganzseitige Annoncen, in denen erzählt ward, daß Venedig die Königin der Adria, die von Poeten, von Musikern und von Malern begeistert gepriesene Schönheitskönigin der Adria, Venedig, dieser zahllose Kunstschätze bergende Schatz der Natur, Venedig, der historische Liebling der Kulturwelt, Venedig, der Wallfahrtsort der schönheitsdurstigen Menschheit hat zu seinen vielen lockenden Reizen in den letzten Jahren einen neuen gewonnen, den Lido, vornehmsten, schönsten, beliebtesten, schwoll der Strom der Fremden an, Gestade der blauen Adria, Licht, Sonne und Wasser, paradiesisch, Allheilmittel der gütigen Natur, Hermann Bahr, Lügengewebe, Mildenburg, eingehendste Erhebungen, berückend, blühend, erlogene Alarmgerüchte, verleumderische Tatarennachrichten, Gesundheitszustand der glänzendste, Stelldichein pester Gesellschaft, zahlreiche fürstliche Persönlichkeiten, Festprogramm, in ähnlicher Reichhaltigkeit, feenhaft, auf nach Venedig, auf zum Lido! – Und oben war ein Bild mit einem Gondolier. Und die Annoncen erschienen in denselben Blättern, welche die verleumderischen Tatarennachrichten und deren Bestätigung durch die venezianische Ärztekammer gebracht hatten, und es waren Wiener Blätter, die den Satz druckten, daß solche verdächtige Erkrankungen »auch in Wien« vorkommen. Und Gott ließ nicht Pech und Schwefel regnen über eine Stadt, die es erträgt, ohne den Aufgeklärten in die Diebsfratze zu speien.

Die Lage der Deutschen in Österreich

Eben dachte ich daran, daß es Worte gibt, die mir den Aufenthalt in diesem landschaftlich begabten Lande so sehr erschweren. Da ist zum Beispiel das Wort, das die äußere Unordnung des hiesigen Lebens so sehr verschärft: das Wort »Pallawatsch«. Da ist ferner das Wort, das es einem fast zur Pein macht, länger »doder« zu bleiben. Da ist der vollkommen rätselhafte Ausruf, der jeden Stoß oder Fall, den man hierzulande erleidet, zur Katastrophe steigert: »Pumpstinazi«. Da ist jene Bezeichnung für einen gesunden Nachwuchs, die gebieterisch zur Fruchtabtreibung drängt: »Pamperletsch«. Da ist ein Wort, das allem Sinnengenuß den Garaus macht, indem es das höchste Entzücken des Wieners an den weiblichen Brüsten ausdrückt. Während sie nämlich Schiller – als er noch Kraft hatte – für die »Halbkugeln einer bessern Welt« ansah, prägt sich die bezügliche Weltanschauung des Wieners in dem viehisch tastenden Behagen aus, das zur Schöpfung des Wortes »G'spaßlaberln« geführt hat. Es ist ein vernichtendes Wort, eines, das unbedingt in Lebenshaß und Askese treibt. Es drückt die Beziehung des Hausmeisters zum Eros aus und hat mir schon üble Stunden bereitet. Und da es mir beim Anblick des Gesichts, das ein Wirtshausgast machte, als ihn die Kellnerin streifte, einfiel und ich darüber nachdachte, wie es denn komme, daß in keinem andern Idiom der Welt die Welt so häßlich sei – fiel mein Blick auf die Speisekarte. Nicht daß es hier Powidltatschkerln gab, war geeignet, mich dem Hungertod preiszugeben. Ich las ein anderes Wort. Ich erfuhr, daß es die Bezeichnung für ein belegtes Brot sei. Es hieß nicht, wie häufig üblich, nach dem Wirt. Nehmen wir an, der Wirt hieße Stohanzl – ein Name, der mit oft beim Lesen der Wiener Zeitungen aufstieß –, so wäre die Titulatur: Stohanzl-Appetitschnitte eine natürliche Fügung. Wie anders sollte sich denn die Individualität hierorts ausdrücken, als daß man den Wirt nach der Speise oder die Speise nach dem Wirt benennt? Nein, so hieß es nicht, das belegte Brot! Es hieß vielmehr – man wird es nicht erraten – es hieß zu Ehren einer deutschnationalen Tischgesellschaft, auf welche die Kellnerin hinwies, als ich sie nach der Provenienz des Namens fragte. Nun könnte man vielleicht glauben, daß es sich um ein Südmark-Brötchen gehandelt hat. Das wäre ja trist. Aber schließlich, die Politik geht sonderbare Wege und die Lage der Deutschen in Österreich ist etwas, woran man nicht oft genug erinnert werden kann. Nein, nein, so hieß es nicht, das belegte Brötchen. Auf der Karte stand vielmehr – auf der Karte stand: »Südmark-G'spaß 70 Heller«. Ich fürchte, daß ich darüber nicht hinwegkommen werde.

Geduld

Geduld, es kommt jeder dran. Es war ein heißer Sommer, und die Rückstände des Winters müssen auch noch aufgearbeitet werden. Ich vergesse den letzten Wurm nicht, der sich mir auf einem alten Notizblatt krümmt. Alles wird besorgt. Jede Gotteslästerung persönlich genommen und umgekehrt – nur so kommen wir weiter. Was des Spottes nicht wert ist, wird der höheren Ehre teilhaftig werden, sich als Anstoß der Erkenntnis wiederzuerkennen. Wir kommen ins Reine. Ich verspreche es, die Straßen der Stadt sollen heuer so aussehen, daß man zweifeln wird, ob es bloß Dreck oder Hirn sei.


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