Heinrich von Kleist
Gedichte und Fabeln
Heinrich von Kleist

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An den König von Preußen.

Zur Feier seines Einzugs in Berlin.

    Was blickst du doch zu Boden schweigend nieder,
Durch ein Portal siegprangend eingeführt?
Du wendest dich, begrüßt vom Schall der Lieder,
Und deine starke Brust, sie scheint gerührt.
Blick' auf, o Herr! Du kehrst als Sieger wieder,
Wie hoch auch jener Cäsar triumphiert:
Ihm ist die Schar der Götter zugefallen,
Jedoch den Menschen hast du wohlgefallen.

    Du hast ihn treu, den Kampf, als Held getragen,
Dem du um nicht'gen Ruhm dich nicht geweiht,
Du hättest noch in den Entscheidungstagen
Der höchsten Friedensopfer keins gescheut.
Die schönste Tugend – laß mich's kühn dir sagen! –
Hat mit dem Glück des Krieges dich entzweit:
Du brauchtest Wahrheit weniger zu lieben,
Und Sieger wärst du auf dem Schlachtfeld blieben.

    Laß denn zerknickt die Saat von Waffenstürmen,
Die Hütten laß ein Raub der Flammen sein!
Du hast die Brust geboten, sie zu schirmen:
Dem Lethe wollen wir die Asche weihn.
Und müßt' auch selbst noch auf der Hauptstadt Türmen
Der Kampf sich für das heil'ge Recht erneun:
Sie sind gebaut, o Herr, wie hell sie blinken,
Für beßre Güter in den Staub zu sinken.


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