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XV.

Die Sonne hat von Tag zu Tag heißer auf die Residenz herabgeschienen.

Was hinaus in Feld und Wald, in das Gebirge oder an die See flüchten kann, entflieht der sengenden Glut des Häusermeeres, über welchem der Brodem wie eine unheilschwangere Dunstwolke lagert.

Auch Manfred hat seinen Koffer gepackt und sitzt mit sinnendem Blick über dem Kursbuch, sich noch einmal über Zeit und Züge zu orientieren. Wie lange hat er es sich schon gewünscht, einen Aufenthalt an der See nehmen zu können, wie hat er oft voll Entzücken von dem einsam weltvergessenen Fischerdorf geträumt, in welchem er alles verwirklicht findet, was seine Phantasie ihm an Seemannslust und Seemannsleid, an Ebbe und Flut, an wundersam prächtiger oder düsterer Strandpoesie vorgegaukelt. Und nun, da er endlich in der glücklichen Lage ist, all sein Sehnen stillen zu können, da ist die Sehnsucht wie fortgewischt und statt ihrer füllt nur ein Gefühl der Vereinsamung sein Herz, welches ihn seufzen läßt: »Wohin ich auch gehe – das, was ich suche, finde ich nicht.«

Es klopft an die Tür.

Manfred blickt kaum auf.

»Herein!«

Ein stramm soldatischer Schritt.

»Guten Morgen, Herr Hoff, – ein kleiner Brief!«

Der Postbote legt ihn auf den Tisch, greift grüßend an die Mütze und macht wieder kehrt.

»Mahlzeit!«

»Danke Ihnen. Guten Morgen.«

Manfred hat in letzter Zeit so viel Briefe bekommen, er greift mechanisch nach dem sehr eleganten Schreiben, von welchem ein goldgeprägtes Monogramm unter der Krone ihm entgegenglänzt. Die Schrift scheint ihm bekannt, – doch weiß er nicht sogleich ... laß sehen!

Ohne jedes Gefühl von Interesse öffnet er den Umschlag.

Eine Duftwolke berauschenden Parfüms weht ihm entgegen.

Nichts ist ihm unsympathischer wie das.

Solch ein starker, aufdringlicher Duft, bestimmt, auf die Sinne des Lesers zu wirken, ist einem wahrhaft vornehmen Schreiben nicht eigen.

Er hat Briefe von Ethel, an die Großmutter gerichtet, in der Hand gehalten.

Man mußte das Antlitz tief auf das Papier neigen, wollte man den feinen, kaum merklichen Wohlgeruch empfinden, welcher nicht nur den Schreibtisch, sondern das ganze Zimmer und die Person der Schreiberin wie ein unendlich zarter Hauch umschwebt.

Diesen muß man suchen wie die Seele eines Menschen, welche sich nur ganz verstohlen und heimlich offenbaren will, – jener andere aber will nehmen, – zwingen, – berauschen, er ist nicht mehr natürlich, sondern stark aufgetragen, er ist nicht harmlos, sondern sehr vielsagend und ermutigend.

Wer schreibt ihm solch einen Brief, welchem » extrait Messsaline« seinen Stempel aufgedrückt?

Severa!

Severa?

Manfred schrickt empor und neigt den Kopf noch weiter vor, als habe er nicht recht gelesen. Nein, es ist keine Täuschung.

»In alter, herzlicher Zuneigung Deine Severa.«

In alter, herzlicher Zuneigung!

Ihm ist es, als ob die Buchstaben wie feurige kleine Schlangen vor seinen Augen durcheinanderflirrten!

Deine Severa!

Welch ein bitterer, frivoler Spott, dieses kleine, unscheinbare Wörtchen Dein!

Das Weib eines andern, welches sich voll stolzer, goldgieriger und hochfahrender Treulosigkeit von ihm abgewandt, um ein Leben voll Pracht und Glanz seiner Liebe vorzuziehen, – dieses Weib nennt sich noch »seine« Severa!

Manfred fühlt, wie ihm alles Blut glühend heiß in das Antlitz steigt, – er möchte jenes betörend duftende Blatt wie etwas unsäglich Widerwärtiges von sich schleudern – und doch ... steht nicht vor dem Datum das Wort »Laubsdorf«? Kommt dieser Brief nicht aus Ethels Heimat, bringt er nicht vielleicht eine Kunde von ihr?

Er muß ihn lesen!

Voll atemloser Erregung fliegt sein Blick über die enggeschriebenen Zeilen, – diese Schrift mit den dünnen, verschnörkelten, so weit ausschweifenden Buchstaben läßt sich so schwer lesen. Zuerst Worte ... Redensarten ... ein heimliches Bitten um Vergebung ... geschickt verschleierte Reue, – die romanhafte Phrase von Übereilung und Unkenntnis des Lebens ... aber alles so diplomatisch geschickt, daß man es nehmen kann, wie man will – –

Und dann des Pudels Kern!

Der Kammerherr beabsichtigt, ihr sein Porträt zu schenken.

Auf ihren Wunsch darf dieses nur von Manfred Hoff gemalt sein.

Die Sache eilt.

Wenn irgendmöglich, muß sofort mit der Arbeit begonnen werden, und am besten würde es sein, wenn Manfred für etliche Wochen nach Laubsdorf käme, um dort in aller Ruhe und ländlicher Stille das Kunstwerk zu schaffen!

Nach Laubsdorf! Er soll nach Laubsdorf kommen!

Träumt er?

Narrt ihn ein Fieberwahn?

Wochenlang soll er in jener blühenden Einsamkeit mit Ethel zusammen sein – täglich sie sehen, vielleicht mit ihr malen, sie durch Wald und Feld begleiten ... ganz und völlig im Zauber ihres kindlich holden Wesens leben?

Ist solch ein Entzücken überhaupt auszudenken?

Seit jener Stunde am Krankenbette Maxels, als Ethels süße Stimme dem Sterbenden die so heiß ersehnte Geige verkündete, nicht als ihr und Manfreds Geschenk, sondern als Gabe der grausamen, hartherzigen Schwester, welche in empörender Weise ihre Pflicht verletzte – seit jener Stunde war sein Herz von einer unseligen Verblendung genesen und hatte einen hohen Flug in den Himmel genommen.

Konnte Severa es jemals gut machen und es Ethel lohnen, was sie in engelgleicher Güte, so zartfühlend wie keine andere, an ihr und dem Sterbenden getan?

Niemals! Ebensowenig, wie sie je wieder ihr beflecktes, dunkel getrübtes Bild vor Manfreds Augen reinwaschen konnte.

In jener Stunde war das letzte Fünkchen einer schwärmerischen Liebe, welche nur einem schönen Angesicht gegolten, erloschen, und statt dessen ein Heiligenbild in seinem Herzen errichtet, welches Ethels reine Kinderzüge trug.

Severas Brief, dieser Abglanz einer modernen Frau, berührte ihn derart, daß er ihn am liebsten unbeantwortet ins Feuer geworfen hätte, und doch enthielt er die glückseligste Nachricht für ihn, welche ihm in diesem Leben werden konnte –, einen Ruf in Ethels Nähe!

Wenn der Teufel seine Fallstricke legen will, so kleidet er sich als Engel des Lichts!

Hat Manfred seine Macht zu fürchten?

Welch ein Mensch, und sei er der festeste und beste, hätte dies nicht?

Der junge Künstler ist nicht blind und nicht zu selbstbewußt, er weiß es ja am besten, wie leicht verführerische Schönheit Macht über einen Mann gewinnt, welcher sich zu ihrem Darsteller und begeisterten Apostel gemacht!

So radikal er auch das Götzenbild in seinem Herzen gestürzt wähnt, er weiß, wie schnell eine Leidenschaft neu entflammt werden kann, wie leicht sie sich aus den eigenen Trümmern einen neuen Altar baut.

Und seine Seele ringt in kurzem, schwerem Kampf.

Dann atmet er tief auf und läßt die Hände, welche er vor das erblaßte Antlitz gepreßt, sinken.

Hat er wahrlich Grund, sich zu fürchten?

Und wenn er auch an seiner eigenen Treue und Redlichkeit zweifeln würde, darf er jemals die Macht jenes guten Engels unterschätzen, welcher Tag für Tag dort an seiner Seite stehen wird?

Was könnte Severa, die Verächtliche, ihm noch widerwärtiger machen als ein falsches Liebesspiel, welches sie hinter dem Rücken des Gatten mit dem verflossenen Liebhaber neu in Szene setzen möchte? Würde sie sich nicht selber in seinen Augen richten? Und würde seine Empörung und sein rechtlicher Sinn nicht doch größer und stärker sein, wie die Macht ihrer Schönheit, welche er gewiß nicht unterschätzt? Soll er feige und nur aus Mangel an Selbstvertrauen auf ein Glück verzichten, welches ihm so wonnevoll und selig entgegenlächelt?

Nein!

Soeben noch hat er umsonst nach einem Weg in dem Kursbuch gesucht, welcher ihn zu dem Ziel seiner Sehnsucht bringen könnte, jetzt liegt dieser Weg plötzlich sonnenhell und deutlich vor ihm, und er wird ihn einschlagen und Gott dem Herrn danken, daß er ihn führt.

Noch ein paarmal schreitet er, über die Antwort sinnend, in dem kleinen Zimmer auf und nieder, dann wirft er ein paar kurze, wohl höfliche, aber durchaus steife und formelle Worte auf das Papier, welche Frau von Tempelburg versichern, daß er den liebenswürdigen Auftrag, den Kammerherrn zu malen, gern übernehme und schon nächster Tage in Laubsdorf eintreffen werde.

Zeit und Stunde seiner Ankunft werde ein Telegramm noch bestimmt melden.

Manfred atmet tief auf, als er den Brief schließt.

Sein schönes Antlitz scheint in heiße Glut getaucht.

Er greift nach dem Hut, um das Schreiben persönlich nach der Post zu tragen.

So glücklich wie jetzt hat er seit jenem Tage nicht mehr ausgesehen, als der Brief der Rätin ihm die Abreise von Ethel und Miß Maud mitteilte!

Weiß Ethel bereits, daß er kommt?

Freut auch sie sich dessen?

O seliges Sinnen, Hoffen und Träumen!

* * *

Manfred Hoff war in Laubsdorf eingetroffen.

Auf der Terrasse, welche sich, von berauschend duftenden Glyzinien umrankt, vor der ganzen Längsseite des Schlosses entlang zog, war die Familie des Kammerherrn versammelt, den jungen Gast zu begrüßen.

Der wundervolle Viererzug, glänzende Rappen, welche Herr von Tempelburg auf Severas Wunsch neu angekauft hatte – die junge Frau hatte eine besondere Leidenschaft dafür, mit vier Pferden zu fahren – sauste in den Schloßhof und die schöne Gebieterin von Laubsdorf erhob sich aus dem bequemen Rohrsessel und schritt dem Vetter bis an die große Freitreppe entgegen.

Severa hatte sich mit besonderer Sorgfalt gekleidet. Die tiefe Trauer verbot ihr fürerst noch andere Farben als das trübselige Schwarz, aber auch darin ließ sich Hervorragendes leisten, und aus Spitzen und zartem Krepp hob sich ihr Antlitz desto weißer und leuchtender, wie das einer klassischen Statue.

Der Kammerherr war die Stufen herabgeeilt, den Verwandten seiner Frau voll zeremonieller Höflichkeit willkommen zu heißen.

Seine kleine, schmächtige Gestalt, welche in dem hellen Sommeranzug noch hagerer aussah wie sonst, verschwand neben der germanischen Gestalt des jungen Malers, und Severas Blick flog mit beinahe ironischem Ausdruck über ihn hinweg, um aufsprühend Manfreds Auge zu begegnen. Sie streckte ihm voll graziöser Herzlichkeit, sicher und imponierend, als habe sie nie etwas anderes gekannt als die große Welt und ihre Allüren, die brillantenblitzende Hand entgegen und lächelte voll heiterer Harmlosigkeit.

»Wie freue ich mich, dich hier zu haben! Endlich! Nachdem wir dich zu Verlobung und Hochzeit leider missen mußten! Mein Mann kennt dich noch nicht einmal – es war wirklich hohe Zeit, daß du Unsterblicher deinen Olymp verließest, um dich an uns arme Erdenwürmer zu erinnern!«

Der Kammerherr lachte sehr verbindlich und wiederholte seine kurze Verneigung, Manfred aber küßte mehr flüchtig wie ausdrucksvoll die Hand der Sprecherin und antwortete, ohne auf ihren scherzenden Ton einzugehen: »Wie viel lieber wäre es mir gewesen, dir und dem verehrten Herrn Kammerherrn in solch heiterer und glücklicher Zeit zu begegnen, wie jetzt, wo so viel Ernstes und Schweres dazwischen liegt! Ich bringe dir Grüße von der armen Tante, welche sich noch immer nicht von dem schweren Schicksalsschlag, welcher sie getroffen, erholen kann!«

»Ah ja ... mein armer, junger Schwager! Es war sehr traurig, daß Mama ihn schon so früh verlieren mußte!« flüsterte Herr von Tempelburg mit seiner leisen, stets etwas bedeckten Stimme, welche es gern markierte, daß man in Fürstenschlössern nicht übermäßig laut spricht – und auch Severa schien sich erst jetzt darauf zu besinnen, daß sie Trauerkleider trug.

»Du hast Maxel noch während der letzten Tage gesehen?« fragte sie so teilnehmend, als ob sein Verlust mehr Manfred, wie sie selbst betroffen habe. »Darüber mußt du mir in stiller Stunde noch ausführlich erzählen! Jetzt tritt vor allen Dingen näher und laß dich in dein Zimmer führen. Miß Dranmoore und unsere Tochter Ethel kennst du bereits?«

Schon während ihrer letzten Worte hatte Manfred emporgeschaut, wo zwischen den blühenden Ranken ein liebes, holdes Mädchengesicht mit leuchtendem Blick zu ihm niederlächelte.

Er hob den Hut und grüßte höflich empor.

Ein instinktives Gefühl sagte ihm, daß es hier nicht angebracht sei, in derselben herzlichen und vertrauten Art, wie in dem Hause der Rätin, mit dem jungen Mädchen zu verkehren.

Es lag ein Ausdruck in Severas Augen, welcher sich gleich einer Schlange zwischen ihn und die Stieftochter schob.

»Ethel erzählte uns bereits, daß Sie öfters mit ihr in dem Hause meiner Schwiegermama zusammengetroffen sind!« fuhr der Kammerherr fort, neben seinem Gast die Stufen emporsteigend, und Severa lächelte: »Ihr habt schon bei Krankenpflege und Kaffeekochen Freundschaft geschlossen? Es ist seltsam, daß ein so junges Mädchen daran Gefallen findet!«

Manfred blieb keine Zeit zur Antwort, Miß Maud trat ihm mit allen Zeichen lebhafter Freude entgegen und ließ es sich so gern sagen, daß sie nach der überstandenen Krankheit wieder vortrefflich wohl und frisch aussehe!

Dann wandte sich Manfred zu Ethel und hielt hochklopfenden Herzens ihre kleine Hand wieder in der seinen.

Ein paar kurze, freundliche Worte.

Das liebe Kindergesicht errötete nicht sichtlich, es lag schon zuvor eine rosige Frische auf den Wangen, welche sich nicht vertiefte, nur in den ernsten Augen schimmerte es wie geheime unaussprechliche Freude.

»Wie steht es mit den Malstudien?«

»Sie wissen bereits, daß meine Tochter Ihnen Konkurrenz machen will?« rief Tempelburg erfreut. »Wie schön, wenn Sie tatsächlich Talent bei ihr entdeckten!«

»Vorerst soll er ausruhen und dann zu Tisch erscheinen!« schnitt Severa ein wenig ungeduldig ab. »Manfred sieht elend aus! Er hat sich sicher in letzter Zeit überarbeitet und wird vorläufig nichts tun, wie sich einmal gründlich erholen!«

»Aber verehrte Cousine! Ich hoffe, Herr von Tempelburg gewährt mir morgen die erste Sitzung!«

»Kein Gedanke daran! – Wir haben Zeit! Erst sollst du ganz der Alte sein!«

Die schöne Frau sagte es ganz harmlos, leichthin, aber der Blick, welcher ihn blitzartig dabei traf, sagte viel, – nur ihm verständlich.

Dennoch schien Manfred ihn nicht verstanden zu haben, denn sein Antlitz blieb ruhig und unverändert.

»Bitte folge mir! Ich führe dich selbst in deines Reiches Grenzen! – Friedrich! Das Handgepäck kann sofort in das Zimmer des gnädigen Herrn besorgt werden!«

Der Galonierte verneigte sich tief und respektvoll und schlug die Flügeltüren, welche von der Terrasse in das Schloß führten, vor seiner Gebieterin zurück.

Stolz und selbstbewußt wie eine Königin rauschte Severa dem Gast voran, und die Genugtuung, ihn in ein derartiges »Heim« führen zu können, schwellte ihr Herz.

Aber Manfred hatte kaum einen Blick für die Pracht, welche sie durchschritten.

Im Geist blickte er nur zurück nach der Terrasse, wo sich ein blondes Köpfchen still und bescheiden über die Handarbeit neigt, und bei diesem Gedanken war ihm die elegante, gebietende Schloßherrin an seiner Seite noch unsympathischer wie sonst.

»So, hier sollst du hausen, Manfred! Ist es nicht die reine Idylle in diesem epheu- und rosenumsponnenen Turm? Ich habe dieses Künstlerheim extra für dich ausgesucht!« – Die Sprecherin trat in eine der tiefen Fensternischen und zog den Vorhang zurück. »Sieh, welch schöner Blick in das frische, blühende Grün des Parkes hinaus! Jener Erker dort gehört zu meinem Ankleidezimmer, wir können uns einen ganz besonderen Morgen- und Abendgruß zuwinken! – – Ah ... da sind die Koffer! In das Nebenzimmer, Brand, – stellen Sie sie auf, wo am besten Platz ist. – Hast du nicht mehr Gepäck, Manfred?«

»Für die kurze Zeit genügt der Koffer vollkommen!«

»Kurze Zeit? Du bist unser Gefangener und wirst dich wundern, mit wieviel Zauberkräften dich Laubsdorf festhalten wird!« – Sie trat an den Tisch neben dem Divan und schob die prachtvollen Purpurrosen in der Vase zurecht. »Ich hoffe sehr, daß es dir bei uns gefallen wird, Manfred,« sagte sie leise, und dann wandte sie sich ihm wieder zu und bot ihm noch einmal die Hand entgegen, »ich bin so glücklich, daß du hier bist!«

Er verneigte sich sehr steif und höflich, kaum ihre Hand mit den Lippen berührend.

»Es war so sehr liebenswürdig, daß du meiner gedachtest, Severa, ich freue mich ganz besonders darauf, deinen Gatten zu malen!«

Sie lächelte seltsam, wie voll tiefer Wehmut.

Dann richtete sie sich auf.

»Um sieben Uhr ist unsere Tischstunde, – sie wird dir gemeldet werden, – fürerst ruhe dich aus!«

Sie nickte ihm zu, – ihre dunkeln Augen blickten wie umflort.

Ein leises Rieseln und Knistern der seideunterfütterten Schleppe über den Teppich, und er war allein.

Ein feiner, süßer Duft wehte noch zu ihm herüber.

Kam er von den Rosen?

Wer hatte diese hierher in sein Zimmer gestellt?

Ethel hätte sicher zartrosige oder weiße Blüten gewählt, sie liebt nicht die heißen, glühenden Farben, – aber Severa, das leidenschaftliche, voll erblühte Weib ...

Wie schön sie geworden ist!

Er müßte nicht das Auge eines Malers haben, wollte er es nicht sehen und bewundern, was der blendende Sonnenschein der letzten Wochen aus ihr gemacht hat!

Sie selber ist eine glühende, berauschende Purpurrose ...

Manfred tritt zurück und schiebt die Vase weit von sich.

»Bitte, stellen Sie die Blumen auf den Korridor,« sagt er dem Diener, welcher ein Tablett mit Erfrischungen hereinträgt. »Ich bin etwas überarbeitet und ertrage den starken Duft nicht!«

»Befehl, gnädiger Herr.«

»Nennen Sie mich ›Herr Hoff‹, wie ich es gewöhnt bin!«

»Wie Herr Hoff befehlen.«

Der Bediente macht eine höfliche Geste nach dem Tisch. »Darf ich bitten!« – Dann entfernt er sich so lautlos wie er gekommen.

Diese starken, feurigen, süßen Weine, – ebenso auf die Sinne wirkend wie die roten Rosen ... nein, auch solche liebt er nicht.

Manfred tritt an das Fenster und blickt mechanisch in die wonnevolle Pracht dieses verträumten Erdenfleckchens hinaus.

Da drüben der Erker mit den hohen, blitzenden Spiegelscheiben gehört zu ihrem Ankleidezimmer?

Warum sagt sie ihm das?

Es interessiert ihn nicht.

Und doch starrt er hinüber, bis er fühlt, wie ihm das Blut in die Wangen schießt, bis er die Zähne zusammenbeißt und die Stirn gegen das Fensterkreuz preßt.

Ist er von Sinnen? – Was ficht ihn an?

Hat er sich und seine Seelenstärke, die schirmende Gewalt seines guten Engels überschätzt?

Ist die Macht der Erinnerung zu groß gewesen, lebt sie doch noch in seinem Herzen, die alte, süße, übergewaltige Liebe, welche er tot und vergessen geglaubt?

Wehe ihm!

Horch ... was ist das?

Geigenklänge!

Wie kommen die hierher in das Schloß?

Wie leise ... wie lieblich und fromm ...

Er kann die Melodie nicht deutlich unterscheiden, aber ihm ist es plötzlich, als walle ein lichter Nebel um ihn her, der verschlingt jene blitzenden Erkerscheiben, die roten Rosen und den funkelnden Wein ... er ist in der Rätin stillem Stübchen ... er steht neben dem Sterbebette Maxels ... er hört die süße Engelsstimme Ethels, welche mit dem Todkranken betet ... »Und ob ich auch wandle im dunkeln Tal, so fürcht' ich kein Unglück, denn du bist bei mir –«

Und dazu klingen die Geigentöne so lieblich, wie eine selige Botschaft von droben –

Harre meine Seele –
Harre des Herrn ...!« –

Wie ein Schauer weht es durch Manfreds Glieder. Ein tiefes Aufatmen hebt seine Brust, – ein Gefühl der Erlösung.

Die Geige!

Hat er es vergessen, wie er jenes schöne, pflicht- und ehrvergessene, grausame Weib in jener Stunde verachtet hat?

Und nun will die tote, erstorbene Liebe, wie ein unheimliches Gespenst, in seinem Herzen auferstehen, ihn elend zu machen, – elend über alle Begriffe?

Ja, wehe ihm!

Manfred streicht über die Stirn, die Fieberglut weicht, sie wird kühl wie zuvor, und sein Herz hört auf zu zittern und zu stürmen.

Die Geigenklänge! – Die machen es ruhig.

Mit schnellem, festem Griff zieht er den Vorhang vor das Fenster.

Er wird nie einen Morgen- oder Abendgruß nach Severas Fenster hinüberwinken.

Langsam setzt er sich in einen Sessel nieder und schließt die Augen.

Wie weit wollten sich seine Gedanken verirren, – wie weit!

Sein guter Engel hat sie heim geholt.

Er merkt es nicht, wie schnell die Zeit vergeht.

Der Diener meldet, daß das Diner bereit sei.

»Wer spielt hier im Schloß Geige?« fragt Manfred.

Der Galonierte verneigt sich sehr höflich.

»Der Kantor aus Althausen, Herr Hoff! Er kommt jeden Mittwoch und Sonnabend, um mit Miß Dranmoore und dem gnädigen Fräulein zu musizieren. Danach nimmt er an dem Mittagessen der Herrschaften teil.«

»So so! Ich danke Ihnen!«

* * *

Manfred hat sich das Landleben still und voll behaglicher, etwas eintöniger Ruhe gedacht, er ist um so überraschter, wie inhaltsreich die Tage sind und wie pfeilgeschwind sie entfliehen. Noch hat er das Porträt des Kammerherrn nicht begonnen, er hat nichts, absolut nichts getan und dennoch keine freie Minute gehabt. Zuerst galt es Schloß, Park und Dorf kennen zu lernen.

Man hat schon am Vormittag gemeinsame Spaziergänge unternommen, nach dem Gabelfrühstück auf der schattigen Veranda oder unter den blühenden Linden im Garten gesessen, gelesen, geplaudert, Briefe erledigt, oder in beschaulicher Ruhe die Fische und Schwäne des Teiches gefüttert.

Am Nachmittag fuhr man in die herrlichen Wälder oder empfing Besuche aus der Nachbarschaft, Gäste kamen zu Tisch und die köstlichen Mondscheinabende vereinten die ganze Gesellschaft wieder unter freiem Himmel, Märchen aus Tausend und einer Nacht zu träumen.

Manfred hatte es ebenso geschickt wie geflissentlich vermieden, mit Severa allein zu sein, obwohl sich die schöne Frau oft genug bemühte, ein solches Begegnen unter vier Augen in harmloser Weise zu bewerkstelligen.

»Ich möchte morgen vormittag reiten, – willst du so ritterlich sein und mich begleiten, Manfred?«

Er zuckte bedauernd die Achseln.

»Unmöglich, verehrteste Cousine!«

»Aber du hast doch früher auf dem Land bei Onkel Rudolf geritten? Oder soll Otto dir auch erst Stunden geben? Er tut es sehr gern!«

»Verbindlichsten Dank. Ich bin ziemlich sicher im Sattel, doch habe ich das Reiten auf ärztlichen Rat ganz aufgegeben!«

»Auch das Radeln?«

»Fürerst auch das!«

»Wie schade!«

»So werde ich dir unsere Fasanerie zeigen.«

»Sehr liebenswürdig! Dafür interessiere ich mich lebhaft, und Ethel und Miß Maud sagten ihre Begleitung auch bereits zu!«

Auf Severas Stirn lag ein Schatten.

Sie unternahmen den Spaziergang nach dem sonnendurchleuchteten Buchenhain des Parks, welcher den Übergang zu dem Wald bildet.

Der junge Maler verstand es vortrefflich, Miß Maud und Ethel stets in die Unterhaltung zu verwickeln und sie an der Seite zu behalten. Frau von Tempelburg war desto einsilbiger und schritt oft allein voraus.

Auf dem Rückweg rief sie Miß Maud an ihre Seite.

»Ich wollte Sie schon immer fragen, Miß Dranmoore, ob Sie den Unterricht in allen nötigen Fächern wieder aufgenommen haben.«

»Seit Ankunft Ihres Herrn Vetters gab ich auf Wunsch des Herrn Kammerherrn Ferien, da stets jemand bereit sein sollte, die Honneurs zu machen.«

»Welche überflüssige Höflichkeit! Ich erachte es für viel notwendiger, daß Ethel ihre Stunden regelmäßig weiter nimmt. Ich habe ja jetzt Zeit genug, mich meinen Gästen zu widmen. Außerdem treffen in den nächsten Tagen unsere Freunde aus Nizza, Graf und Gräfin d'Auvergne, ein. Also von morgen an nehmen Sie wie gewöhnlich Ihren Stundenplan durch, Miß Maud. Mit sechzehn Jahren ist ein junges Mädchen noch ein Kind und muß danach behandelt werden!«

»Ethel feiert in acht Tagen ihren siebzehnten Geburtstag, gnädige Frau; – soll dies Fest den fremden Herrschaften gegenüber ignoriert werden?«

Severa preßte momentan die Lippen zusammen.

»Darüber werde ich mit meinem Mann sprechen. Geburtstagsfeiern sind unangenehm, wenn Gäste im Hause sind, man provoziert so leicht Geschenke dadurch. Auf jeden Fall wird vorher nicht darüber gesprochen.«

Kurze Zeit vor dem Mittagessen fuhr abermals eine Equipage vor, ein junges Ehepaar aus der nahen Garnisonstadt wollte seinen Gegenbesuch abstatten und nahm die Einladung des Kammerherrn an, sich mit den Herrschaften zu Tisch zu setzen.

Der Mond stand bereits am Himmel, als man den Kaffee auf der Terrasse genommen und sich erhoben hatte, einen Rundgang durch den Park zu machen.

Der fremde Hauptmann wich nicht von der Seite der schönen Hausfrau, und Herr von Tempelburg schritt in nicht allzu lebhafter Unterhaltung mit der Gemahlin seines Gastes voran. Miß Maud war im Schloß zurückgeblieben, und zum erstenmal befand sich Manfred allein mit Ethel in der zauberhaften Stille einer mondhellen Sommernacht.

Da begriff er es selber nicht, wie er in jener unseligen Stunde nach seiner Ankunft so schwach und in alten Erinnerungen befangen sein konnte, daß er Severas Schönheit als gefährliche Macht empfand.

Jetzt war auch der letzte Rest solchen Empfindens wie Rauch und Dunst verweht.

Er sah klarer und schärfer wie je, sah, wie erschreckend lose das Band, welches Severa an den Gatten knüpfte, geschlungen war, sah die verächtlichen Bemühungen der Treulosen, alte Saiten in dem Herzen des ehemaligen Geliebten erklingen zu lassen, ihm zu gefallen, ihn mit all den frivolen Künsten zu umstricken, welche sie wohl auf dem glatten Boden des high life und der internationalen Bäder so erstaunlich schnell gelernt hatte!

Die Glutaugen, welche ihn ehemals in ihrer damals noch echten Leidenschaft entzückten, hatten jetzt ihren Zauber eingebüßt, und nur mit dem sorgenden Interesse, mit welchem ein Arzt die Symptome einer unheilbaren Krankheit beobachtet, schaute Manfred in diese dunkeln Tiefen, welche zum Abgrund für alle Treue und Redlichkeit geworden.

Wie anders strahlte ihm Ethels Blick entgegen, welch ein süßes Behagen, welch ein Gefühl des reinsten Friedens überkam ihn in ihrer Nähe.

So, wie er es damals bei der ersten Begegnung im Schloßgarten der Residenz empfunden!

An diese gedachte er jetzt und erinnerte auch das junge Mädchen daran.

»Wie hätten wir uns damals träumen lassen, daß wir noch einmal so gute Freunde werden würden, Ethel! In jener Stunde gedachten Sie einem Kranken Hilfe zu bringen und ahnten es nicht, in wie reichem Maße Sie es taten!«

Überrascht schaute sie auf.

»So waren Sie damals tatsächlich krank? – So hatte mich mein Gefühl des Schrecks und der Sorge doch nicht betrogen?«

»Nicht krank in Ihrem Sinne, und doch mehr denn je ein anderer der Hilfe und des Trostes bedürftig! – Es gibt Stunden, in welchen wir Gottes Führungen nicht verstehen und uns dagegen voll Trotz und Bitterkeit auflehnen wollen, – das ist schlimmere Krankheit als jene, welche unsern Körper befällt!«

»Und nun sind Sie von ihr genesen?«

»Mit Gottes und Ihrer Hilfe, Ethel! Die Stunden im Hause Ihrer lieben Großmutter waren Arzenei für mich, welche der Himmel selber schickte.«

»Und jetzt?«

»Wenn Sie als barmherzige Samariterin an meiner Seite bleiben, werde ich gewiß nicht wieder in der Irre gehn! Die nächste Zeit wird viel Unruhe bringen, man erwartet anscheinend recht verwöhnte und rücksichtslose Gäste!«

»Den Vorbereitungen nach zu schließen, freilich! Ich begreife nicht, wie Menschen sich derart zu Sklaven ihrer Ansprüche machen können. Sie nehmen dem Leben jeden Reiz und Wert, und noch vorhin, als wir so steif und langweilig auf der Veranda saßen und Frau von Dach den herrlichen Mokka so lobte, dachte ich bei mir: Die Tasse Kaffee, welche wir selber bei Großmama in der Küche brauten, schmeckte mir tausendmal besser!«

Manfred lachte. »Diesen Gedanken haben Sie mir sicherlich suggeriert! Wissen Sie auch, daß ich Großmamas kleines, bescheidenes Häuschen viel, viel hübscher und behaglicher finde wie dies große, prächtige Schloß?«

Sie sah beinahe schalkhaft zu ihm auf.

»Das weiß ich längst!«

»Und haben es mir nicht übel genommen?«

Nun lachte sie leise und melodisch auf.

»Wie sollte ich? Denke ich doch genau so wie Sie! – Laubsdorf ist meine Heimat, und diese liebe ich, aber nur in der Fasson, wie sie früher war. Als Miß Maud und ich allein hier hausten, sah es ganz anders hier aus –«

»Davon erzählte mir schon unter schmerzlichen Seufzern der Kantor!«

»Ja, der trauert mit uns um die entschwundene schöne Zeit, wo unsere Gäste die Dorfkinder und die armen Leute waren! Wo wir so schlicht und fröhlich in dem alten Haus lebten, welches erst zu Mamas Empfang so prunkhaft herausgeputzt wurde! Dort drüben auf der Wiese standen Kirschbäume und eine alte Holzschaukel und ein paar Tische und Bänke, aus Holz gezimmert, da versteckte ich den Dorfkindern die Ostereier, und Pfingsten bewirteten wir die Alten aus dem Siechenhaus darunter – jetzt ist's sehr eleganter, englischer Rasen geworden, die Kirschen und Holunder sind beseitigt, und meine schönste Freude dahin!«

»Gott kann sie wieder wachsen lassen, Ethel, wenn nicht hier, dann an einem andern Fleck! Unsere Heimat ist da, wo wir glücklich sind! – Wo ist das Siechenhaus? Wollen wir nicht morgen vormittag einmal hingehn?«

»Morgen vormittag?«

»Paßt es Ihnen nicht?«

Ethel schüttelte den Kopf.

»Mama hat befohlen, daß ich wieder alle Stunden bei Miß Maud nehme, da ist der ganze Vormittag besetzt. Aber Mama sagte, daß sie selber für Ihre Unterhaltung sorgen wolle, vielleicht zeigt sie Ihnen den Weg zum Bethlehemshaus!«

Einen Augenblick schaute Manfred mit wunderlichem Gesichtsausdruck geradeaus.

»Ah ... also lernen sollen Sie am Vormittag! Das ist auch für mich eine gute Mahnung, dieses Schlaraffenleben hat jetzt lange genug gedauert. Und Sie meinen, Cousine Severa werde mich zu den Armen und Krüppeln führen? – Ich glaube nicht, daß sie dazu Zeit hat! Ich gehe auch viel lieber mit Ihnen, Ethel, denn auf solchem Wege muß man an der Seite von Menschen schreiten, welche eines Sinnes mit uns sind. Ich hoffe, es findet sich auch an einem Nachmittag, oder Sonntags nach der Kirche ein freies Stündchen, wo wir uns solch eine Extrafreude gestatten können! – Ihre Mutter scheint Sie zu vermissen, Ethel, sie bleibt stehn und winkt uns!«

»Ja! Sie ruft mich! – Verzeihen Sie einen Augenblick!« Das junge Mädchen flog leichtfüßig den blinkenden Kiesweg entlang, und Manfred folgte mit langsameren Schritten.

Ein beinahe grimmes Lächeln zuckte um seine Lippen, ein Spott, welcher gegen die durchschaute Intrige einer Gegnerin zu Felde zieht.

Severa fröstelte. Sie ersuchte Ethel, ihr eine Boa aus dem Schloß zu holen und als Manfred herzutrat, winkte sie ihn, sichtlich nervös, an ihre Seite.

»Ich weiß, Manfred, daß du ein großer Sternkundiger bist! Hilf unserer Sehnsucht nach dem Land der Seligen! Wie heißt jener große, wundervolle Stern über den Tannen dort? Herr von Dach sowohl wie ich versuchen, uns zu orientieren!«

Manfred mußte sich wohl oder übel dem Paar anschließen, aber er schritt an des Hauptmanns Seite und sprach so unendlich wissenschaftliche Dinge, so kühl und nüchtern, daß Severa sich tatsächlich frierend in die Spitzenwolke hüllte, welche Ethel nach kurzer Zeit brachte.

Man stand an dem Teich und bewunderte die magische Uferbeleuchtung, und Frau von Dach benutzte diesen Moment, an Severas Seite zu treten, Manfred aber wandte sich zu dem Kammerherrn und fragte scherzend: »Haben Sie einen Augenblick Zeit für mich? Ich folgte schon so lange errötend Ihren Spuren, ohne daß Sie Notiz davon nahmen!«

Tempelburg nickte lebhafter wie sonst und legte hastig seinen Arm in den des neuen Vetters.

» For ever the yours!« lachte er und zog den jungen Maler mit sich. »Gott sei Dank, daß Sie mich erlösen! Die Frau unterhält mich seit dem Nachmittag von nichts anderem, als dem noch immer nicht eingetroffenen Avancement ihres Gatten! – Nun mag sich Severa einmal für die Miseren des Soldatenstandes interessieren!«

»Und Sie begeistern sich für den Notstand der Künstler, mein bester Baron!« lachte Manfred, »mit dem meinen anzufangen!«

»Ah – Notstand? – Sind Sie in Verlegenheit?«

Das klang beinahe erschrocken und der junge Maler lachte noch mehr.

»Nicht in Geld-, sondern nur in Zeitverlegenheit, Verehrtester! – Da bekam ich vorhin einen Brief von einer hervorragenden Persönlichkeit, welcher eine, für mich sehr wichtige Porträtbestellung enthält. Meine Dispositionen erleiden dadurch insofern eine Veränderung, als mein Aufenthalt in Laubsdorf voraussichtlich abgekürzt werden muß! Daher die inständige Bitte, bester Herr Kammerherr, lassen Sie uns jetzt mit Ihrem Bilde beginnen! Ich möchte mich nicht damit übereilen, sondern möglichst gründlich schaffen – nur während der Vormittagsstunden. Paßt es Ihnen, mir morgen zu sitzen? Ich wäre sehr dankbar und würde sogleich alle Vorbereitungen treffen!«

Tempelburg atmete sichtlich erleichtert auf.

»Aber selbstredend! Bestimmen Sie über mich, mein lieber Hoff, ich stehe jederzeit zu Ihrer Verfügung!«

»Gut, also fest und bestimmt morgen früh um zehn Uhr erste Sitzung, – es wird keinerlei Aufschub geduldet!«

»Keinerlei! Ganz einverstanden!«

Manfred wandte den Kopf, sein Blick flog zu Severa hinüber, kühl und verächtlich.

»Nun wird Ethel fleißig sein – und ich auch!«


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